Das nackte Gesicht (Taschenbuch) / Sidney Sheldon Testbericht

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ab 9,71
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Erfahrungsbericht von Joebln

Der Beginn einer steilen Karriere

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Im Urlaub am Strand braucht man spannende und kurzweilige Lektüre, die aber nicht zu anspruchsvoll und dicht sein darf. Schließlich muss man das Buch ja jederzeit ohne Bedauern weglegen und anschließend leicht wieder in die Story reinfinden können.
Diese Voraussetzungen erfüllt Vielschreiber Sheldon exzellent:

Dr. Judd Stevens führt in New York eine sehr gut gehende Praxis für Psychoanalyse. Kurz vor Weihnachten findet man einen seiner Patienten tot und in Stevens\' Regenmantel gekleidet auf der Straße.
Nur kurze Zeit später findet man auch seine Sekretärin Carol bestialisch zu Tode gefoltert in ihrem gemeinsamen Büro auf. Lieutenant McGreavy führt die Ermittlungen und für ihn steht von Anfang an fest, dass Dr. Judd Stevens der Mörder ist. Allerdings mangelt es ihm an handfesten Beweisen. Doch McGreavy – der noch eine alte Rechnung mit dem Doc offen hat – macht sich unermüdlich dran, diese zu finden.
Währenddessen werden auch auf Dr. Stevens Anschläge verübt. Nur leider lässt sich beim Eintreffen der Polizei nichts mehr davon schlüssig nachvollziehen oder beweisen. Niemand glaubt Stevens – außer McGreavys Kollegen. Doch dem sind die Hände gebunden.
Doc Stevens bleibt also nichts weiter übrig als die Ermittlungen selbst auf zu nehmen. Dabei verlässt er sich auf seine analytischen Fähigkeiten und versucht daraus ein Täterprofil zu erstellen, das er mit den für ihn verdächtigen Personen abgleicht ...
Aber welche Rolle spielt die etwas mysteriöse Anne Blake?

\"Das Nackte Gesicht\" war Sheldons aller erster Roman, mit dem er den Grundstock seines Erfolges gelegt hat. Vom hier entstanden Konzept des über sich hinauswachsenden alltäglichen Mitmenschen, der sich seinen Gegnern mutig stellt und sie schließlich (meist etwas unglaubwürdig) besiegt, ist Sheldon wohl nie wieder abgewichen.
Nichtsdestotrotz verkaufen sich seine Bücher wie warme Semmeln. Und das vermutlich aus dem gleichen Grund wie bei Koontz – sie sind handwerklich einfach ausgezeichnet gemacht und können trotz der trivialen Story fesseln.

Das Buch hat nur knapp 200 Seiten und ist damit verhältnismäßig dünn. Die Story ist dafür (verständlich bei einem Erstling) sehr geradlinig. Es gibt keine Nebenschauplätze und im Prinzip nur eine handelnde Figur. Die bleibt dafür aber erstaunlich blass. Sheldon hat sich zwar bemüht, durch eine kleine Psychose Dr. Stevens mehr Tiefe und Sympathie zu geben. Das wirkt aber in meinen Augen zu aufgesetzt und durchsichtig. Ein befreundetes Ehepaar wird zwar durch Anrufe und kurze Besuche in die Geschichte eingeführt, dient aber eigentlich nur als Stichwortgeber.
Was mich aber neben der wirklich einfach gehaltenen Sprache und dem schnörkellosen Stil begeistert hat, war die geschickte Schreibweise. Bereits in diesem Roman schafft es Sheldon den Leser von Anfang an zu binden. Durch geschickte Schreibweise, dosiert eingesetzte falsche Fährten und viel Ansporn zum Miträtseln schafft Sheldon eine überzeugende und fesselnde Spannung.
Der Showdown ist – wie schon angedeutet – leider etwas übertrieben und unglaubwürdig. Aber mit gutem Willen kann man darüber hinweg sehen.

Fazit: Das Buch ist beileibe kein Meisterwerk, aber es überzeugt durch solides Handwerk und ausreichende Spannung.

191 Seiten
Goldman Verlag 2002
ISBN 3442451906

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