Das nackte Gesicht (Taschenbuch) / Sidney Sheldon Testbericht

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Erfahrungsbericht von catmother

Laß dir von deinen Patienten nie zuviel erzählen!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Der zweite Sheldon, der mich damals in den Urlaub begleitete, war nicht minder spannend, ebenfalls aus der Sparte Thriller. Damit katapultierte sich dieser Autor erst einmal in die Riege meiner Favoriten.


** Die Story **
Ein Mann wird auf offener Straße ermordet, einfach niedergestochen. Es ist John Hanton, der gerade von der alles entscheidenden Sitzung mit seinem Psychiater Dr. Judd Stevens kommt und glücklich ist, weil er seine Homosexualität endlich überwunden glaubt.
Den Mord untersuchen Detective Angeli und Lieutenant McGreavy, wobei letzterer ein alter Bekannter des Psychiaters ist. McGreavy haßt den Arzt, seit durch seine Gutachteraussage in einem Prozeß ein Mörder freigelassen werden mußte. Solche Einmischungen in die Polizeikompetenz verträgt natürlich kein Beamter.
Und so begegnet McGreavy dem Psychiater bei der Befragung mit Abneigung und Mißtrauen.

Kurze Zeit später wird Stevens’ Assistentin, die junge Schwarze Carol Roberts, in der Praxis brutal mißhandelt und ermordet. Das sind schon ein wenig zu viele Tote in der Umgebung des Doktors, finden die Detectives. Zumal Carol schwanger war und man dem Arzt nun unterstellt, er hätte ein Verhältnis mit seiner Angestellten gehabt und sie wegen der Schwangerschaft umgebracht. Immer mehr in Bedrängnis, muß Stevens nun eigene Schritte unternehmen, um nicht in die Mühlen eines rachedurstigen Beamten zu geraten.

Als erstes checkt er seine Patienten, unter denen sich echte Freaks tummeln – eine Nymphomanin, ein Neurotiker mit Verfolgungswahn – ob die ihm vielleicht an die Wäsche wollten.
Schließlich engagiert er einen Privatdetektiv, einen echten Kauz, und der Psychiater zweifelt schon am Sinn seines Auftrages. Aber wenigstens glaubt der ihm, wo ihn alle anderen für schizophren halten. Und tatsächlich, wenig später nennt der Mann einem undefinierbaren Namen – leider wird er auch kurz nach seinem Anruf umgebracht.
Nun hat Stevens nur noch wenig Zeit, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu finden, auf den bisher nur jener mysteriöse Name hinweist.


** Meine Meinung **
Ich hatte beim Lesen das untrügliche Gefühl, die Geschichte zu kennen. Allerdings hatte ich das Buch mit Sicherheit noch nie gelesen. Und richtig, auf dem Einband war zu erkennen, daß der Roman verfilmt worden war. Nur gut, daß ich ein kurzes Gedächtnis und so schon vergessen hatte, wie die Handlung ausging. Also blieb der eigentliche Plot bis zur überraschenden Schlußpointe hin doch recht spannend und nervenaufreibend.

Allerdings hat der Thriller in meinen Augen einige unübersehbare Schwächen: recht viele der Charaktere sind plakativ, unstrukturiert und dabei voller Klischees – die aus der Gosse geholte schwarze Hure, der von seiner „Verfehlung“ geheilte Homosexuelle (in welchem Jahrhundert wurde denn das geschrieben?) oder die nymphomanische Patientin, die eine Obsession für den Analytiker entwickelt... Reichlich oberflächlich, wie ich finde. Und der Held bewegt sich stellenweise ziemlich hysterisch durch die Handlung, daß man ihn kräftig schütteln möchte, damit er sich endlich mal wie ein Mann benimmt. Solche Verhaltensweisen kenne ich bisher nur von den Frauenfiguren in

Wer mit diesen kleinen Mängeln leben kann, den erwartet ein einigermaßen packendes Buch, das auf jeden Fall als (leider etwas kurze) Urlaubslektüre ausreichend ist. Mehr hatte ich auch nicht erwartet.

Ach ja, und die Sprache: deutsch (übersetzt), homogen in der Ausdrucksweise, angenehm bis nüchtern, keine komplizierten Schachtelsätze. Alles in allem völlig normal.


** Daten **
Verlag Goldmann
Taschenbuch 129 S., 15 DM (2 in einem Band)
ISBN: 3-442-35732-2

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