Sid Meier's Pirates! (Adventure PC Spiel) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Erfahrungsbericht von linnie
Schrecken der Karibik
Pro:
verbesserte Grafik, garantierter Langzeitspaß und hoher Suchtfaktor, einige schicke neue Spielelemente wie die Piratennester und Indianersiedlungen, zwischendurch ist der Schwierigkeitsgrad veränderbar
Kontra:
Landgefechte und nächtliches Schleichen dauert viel zu lange, das Tanzen ist anfangs zu schwierig und nervt auch später noch etwas, die Spielanleitung könnte besser sein
Empfehlung:
Ja
** Installation & Start
Ausgiebig getestet wurde ich auf einem etwas mageren PC-System, das auf einem schlappen 900 MHz Celeron-Prozessor, 384MB Hauptspeicher und Windows 2000 basiert. Aber auch mit diesem System ist ein Spielstart durchaus gut möglich, ohne irgendwelche Spieloptionen verändern zu müssen. Manchmal setzt ein wenig der Ton aus in längeren Filmsequenzen wie am Anfang, wenn die Entführung meiner geliebten Familie gezeigt wird, aber ich weiche schon wieder vom Thema ab.
Von den offiziellen Systemanforderungen für "Pirates" muss man sich nicht gleich abschrecken lassen, da Pirates auch auf etwas langsameren Rechnern gespielt werden kann, selbst eine moderne Grafikkarte ist nicht notwendig, da Pirates mit eher moderater Grafik daherkommt. Die Installation des Spieles startet automatisch und verläuft absolut problemlos, deswegen werde ich auf diesen Punkt nicht weiter eingehen und lieber mehr über meine Abenteuer in der Karibik erzählen.
* Systemvoraussetzungen:
Microsoft Windows 98, SE, Me, 2000, XP
Prozessor: 1GHz oder höher
Speicher: 256MB
CD-Rom-Laufwerk: mindestens 8-fache Geschwindigkeit
Videokarte: ATI Radeon 8500 oder GeForce 3 oder höher
Festplatte: 1,4GB freier Festplattenspeicher
Sound: DirectX 9.0c-kompatible Soundkarte
** Das Spielprinzip
Das Spielprinzip bei Pirates ist im Grunde genommen recht simpel, was das Spiel so angenehm macht, denn man kann sofort drauf losspielen, ohne die Anleitung lesen zu müssen. Während des Spieles geht es eigentlich nur darum, mich durch die Karibik segeln zu lassen, wo ich feindliche Nationen und ihre Schiffe sowie Piraten angreifen und hoffentlich auch besiegen werde. Gleichzeitig werde ich immer daran denken, mich mit den Gouverneuren gut zu stellen, damit diese mich befördern und mich ihren Töchtern vorstellen.
Zu Beginn bekommt man zunächst eine längere Filmsequenz zu sehen, ich sitze dabei im Kreis meiner lieben Familie, bin aber noch ein kleiner Junge. Dann kommt ein furchteinflößender Pirat in das Familienidyll geplatzt und entführt meine Verwandten, nur ich kann dem bösen Marquis entkommen und schwöre insgeheim Rache. Doch bevor es soweit ist, vergehen zehn lange Jahre, in denen ich schließlich meine Volljährigkeit erreiche. Vor Spielbeginn stehen noch einige wichtige Entscheidungen an, so muss ich mir zunächst überlegen, mit welcher Erfahrung ich meine Abenteuer beginnen will. Zur Wahl stehen Lehrling, Geselle, Abenteurer, Schurke und Draufgänger, wobei das Spiel als Lehrling ohne jede Herausforderung und sehr leicht ist, als Draufgänger ist Pirates dagegen praktisch kaum noch schaffbar. Da ich noch Anfänger bin, entscheide ich mich zunächst für den Gesellenstatus.
Danach darf ich mir noch eine besondere Fähigkeit aussuchen, hierbei muss ich mich zwischen dem Können beim Fechten, Geschützkünsten, Navigationskünsten, Medizinischem Können und Witz und Charme entscheiden. Jede Fähigkeit bringt natürlich besondere Vorteile mit sich, die mir auch genauer erläutert werden, damit mir die Entscheidung dabei erleichtert wird. Auch ein Startdatum, an dem ich lossegeln kann, wird mir zur Wahl gestellt. Da ich mich historisch nicht so gut auskenne, gibt es auch hier einige Erklärungen zu den einzelnen Epochen. Nachdem ich all diese Entscheidungen getroffen habe, suche ich mir schließlich noch eine Nation aus, bei der ich anheuere.
* Spielziel
Wie schon beim alten Pirates ist es mein Ziel, mir einen schönen Lebensabend zu verdienen, dazu muss ich in meiner aktiven Piratenlaufbahn so viel Geld und Land wie möglich scheffeln und eine schöne Frau heiraten. Außerdem möchte ich meinen Lebensabend natürlich im Kreise meiner Familie verbringen, sodass ich auch meine Familienangehörigen erretten muss. Die zu erzielenden Punkte sind im Spielmenü unter dem persönlichen Status (anklickbar über meinen eigenen Piratenkopf) ersichtlich, das sind insgesamt:
24 Vermögenspunkte (zu erwerben über Land und Geld)
jeweils 8 Beförderungen pro Nation
9 zu besiegende Piraten
9 zu findende Schätze (Kartenteile gibt es in der Schenke bei dem Unbekannten in der hinteren Ecke zu kaufen, ein Besuch bei ihm lohnt sich eigentlich immer)
16 Punkte über 4 wiederzufindende Familienangehörige (erst sind die Kartenteile zu finden, die ein bestimmter Pirat mit sich führt, anschließend müssen meine Verwandten persönlich gerettet werden)
16 Punkte für vier entdeckte geheime Städte (Inkaschätze)
10 Punkte für ein erfülltes Liebesleben (am Ende sollte ich eine schöne Gouverneurstochter heiraten)
10 Punkte für einen bestraften Schurken, hier muss ich den Piraten besiegen, der meine Familie auseinander gebracht hat
Um diese Spielziele zu erreichen, muss ich den gesamten Karibikraum bereisen, der in vereinfachter Darstellung auf der mitgelieferten Karte zu überblicken ist. Dabei sind unterschiedliche Stationen anzusteuern:
** Die Städte oder Siedlungen
* Der Gouverneur, seine Tochter und das Tanzen
In einer Stadt gilt mein erster Besuch zunächst dem Gouverneur, der mir mitteilt, mit welchen Nationen seine Nation zur Zeit im Krieg ist (dies kann im Spielmenü im Logbuch später noch einmal nachgelesen werden), anschließend lobt er mich für meine guten Taten, also für die besiegten Piraten und besiegten feindlichen Schiffe und/oder tadelt mich für verwerfliche Taten, wenn ich also befreundete Schiffe angegriffen habe. Wenn meine guten Taten überwogen haben, so werde ich vielleicht befördert oder zumindest kann mir eine Beförderung in Aussicht gestellt werden. Beförderungen sind stets mit Vorteilen (leichteres Anwerben von Mannschaft in der Schenke, besseres Handeln, günstigere Schiffreparaturen etc.) und oftmals mit geschenktem Landgut verbunden. Eventuell trägt der Gouverneur mir eine Aufgabe auf (z.B. das Überbringen eines Ultimatums an eine andere Stadt) oder er stellt mich seiner Tochter vor, falls ich für ihren Status bereits genug Beförderungen gesammelt habe. So lerne ich eine schöne Gouverneurstochter erst kennen, wenn ich mindestens Baron geworden bin.
Treffe ich die Tochter zum ersten Mal, so begleite ich sie zu einem Ball. Dies stellt die erste wirkliche Herausforderung dar, denn ganz unüblich muss ich der Handbewegung der Dame folgen, die mich zu sechs verschiedenen Figuren auffordert. Bei Pirates übernimmt also die Dame die Führung beim Tanz, aber da ich ja gelehrig bin, versuche ich, ihr immer zu folgen. Meine Tanzbewegungen kann ich dabei über die Zahlentastatur ausführen, als kleine Hilfestellung sieht man rechts unten im Bild die jeweils geforderte Taste zur Handbewegung der Gouverneurstochter. Das Tanzen erfordert viel Übung, wird aber erleichtert durch Tanzschuhe, die ich in der Schenke von dem Unbekannten angeboten bekomme. Ansonsten habe ich einfach anfangs lange üben müssen, bis ich die richtigen Tanzschritte erlernt habe, Männern fällt das grazile Tanzen einfach etwas schwerer. Doch nach nur zwei intensiven Übeabenden war ich schon so erfolgreich, dass mich auch schöne Töchter erhört haben, obwohl diese noch schwieriger tanzen. Den Erfolg meiner Tanzbemühungen kann ich live mitverfolgen an dem roten Herz im oberen Teil des Bildes. Ein großes pochendes Herz verspricht einen erfolgreichen Ausgang des Tanzabends.
Wenn ich mich beim Tanzen geschickt angestellt habe, bietet mir die Gouverneurstochter im Anschluss an den Ball einige Informationen oder Geschenke an. Falls ich sie jedoch blamiert habe, so schüttelt sie nur den Kopf und wendet sich entrüstet von mir ab, doch beim nächsten Besuch gibt sie mir eine neue Chance. Wenn man erst einmal das Herz einer Gouverneurstochter erobert hat, so ist man praktisch bereits auf dem Weg zur Hochzeit, beim nächsten Besuch sollte man sie mit einem kleinen Schmuckstück überraschen, für das sie einem im Gegenzug wieder nützliche Informationen anbietet (je nach Status der Tochter sind diese Informationen mehr oder weniger wertvoll). Beim dritten Besuch wird die Tochter mir berichten, dass ihr Verlobter mich zum Duell herausfordern will. Dem muss ich mich dann bald stellen. Später muss ich die Tochter nochmals beim Ball überzeugen, anschließend wird sie von einem Schurken entführt, dann muss ich sie retten, zurück zum Papa bringen, ihn später um ihre Hand bitten, sie erneut mit einem Schmuckstück beschenken und dann darf ich sie endlich heiraten. Falls man sich eine Tochter in einem abgelegenen Ort aussucht, so sollte man einfach aus dem Hafen fahren und erneut umkehren, das zählt meist als neuer Besuch und man kommt einen Schritt weiter auf dem Weg zu ihrem Herzen. Wie ihr seht, ist es gar nicht so einfach, das Herz einer schönen Gouverneurstochter zu erobern, aber Frauen sind eben anspruchsvoll!
Insgesamt gibt es drei verschieden hübsche Gouverneurstöchter, nämlich die "recht unscheinbare" Tochter, die attraktive und schließlich die schöne Tochter. In meinem Spiel konnten mir lediglich die beiden besser aussehenden Töchter Informationen zu den versteckten Städten (also den Inkaschätzen) geben, während die unscheinbaren Töchter oft nur den Aufenthaltsort eines Schurken kannten, für den ich dann mit 1000 bis 3000 Goldstücken abgespeist wurde (im Vergleich: ein Inkaschatz kann 50000 Goldstücke wert sein!). Hierbei sollte man also taktisch klug vorgehen und nicht die unscheinbaren Töchter mit Schmuckstücken überhäufen, da sich das finanziell einfach nicht rentiert.
* Die Schenke
In der Schenke kann ich neue Leute für meine Mannschaft anwerben, in der hinteren Ecke sitzt an einem Tisch ein Unbekannter, der mir nützliche Informationen oder Spezialobjekte anbietet. Hier kann man einige sehr wichtige Objekte kaufen, wie z.B. die bereits erwähnten Tanzschuhe, mit denen man schneller das Herz der Gouverneurstochter erobern kann, außerdem bekommt man von ihm auch den notwendigen Schmuck dafür. An der Bar steht eine Bardame, die oftmals von einem Schuft belästigt wird, der im Fechtkampf zu besiegen ist, anschließend wird das Anwerben von neuer Mannschaft leichter. Bardame und Barkeeper können ebenfalls wichtige Informationen liefern.
* Der Händler
Beim Händler kann ich Waren verkaufen, um Platz auf dem Schiff zu schaffen und um Geld zu scheffeln, außerdem kann ich Lebensmittel erwerben, um meine Mannschaft zu ernähren. Wie im wahren Leben bieten sich Preisvergleiche an, da arme Händler selbstverständlich wenig Geld für die Waren bieten, bei ihnen sollte man also eher kaufen, falls sie Waren vorrätig haben. Vom Wirt in der Schenke erfährt man ab und an, welche Händler zu guten Preisen Waren ankaufen.
* Schiffbauer
Beim Schiffbauer kann ich meine Schiffe reparieren und auch aufrüsten lassen. Im neuen Pirates kann ich dabei meine Schiffe mit allerlei Extras ausstaffieren lassen, um sie im Kampf schneller und widerstandsfähiger zu machen und um weitere Waffen zur Verfügung zu haben. Allerdings kann jeder Schiffbauer höchstens ein Extra einbauen, auch hierbei hilft der Wirt in der Schenke, der weiß, welcher Schiffbauer welche Extras im Sortiment hat. Beim Schiffbauer kann man natürlich auch eroberte Schiffe verkaufen, manchmal wird es dann allerdings notwendig, Ladung abzuwerfen. Diese sollte man sinnvollerweise beim Händler verkaufen.
* Beute aufteilen
Meine Beute teile ich immer dann auf, wenn meine Mannschaft nicht mehr zufrieden ist, denn bevor sie zu meutern anfängt und mich womöglich auf einer einsamen Insel ablädt, teile ich lieber unsere Goldstücke auf, zumal ich dabei je nach Status selbst mehr oder weniger Vermögen hinzugewinne. Beim Aufteilen der Beute verliere ich alle Schiffe bis auf mein Flaggschiff, sodass ich immer aufpasse, dass ich beim Aufteilen der Beute auf dem zur Zeit besten Schiff segele, damit ich mir dieses als zukünftiges Flaggschiff sichere. Außerdem werde ich bei diesem Prozedere einige Monate älter, weil ich mich kurzzeitig zur Ruhe setze, auch ein Großteil der Mannschaft geht mir flöten. Daher teile ich nur so selten wie möglich die Beute auf, da es einfach zu viel Zeit kostet. Im Anschluss an das Aufteilen habe ich die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad zu ändern. Falls ich in den vergangenen Monaten erfolgreich gewesen bin, kann ich in meinem Status aufsteigen und so beispielsweise vom Gesellen zum Abenteurer werden. Falls ich es jedoch zu nichts gebracht habe, kann ich mich auch wieder zurückstufen lassen.
* Status abfragen
Hier bekomme ich einen genauen Überblick über meine Flotte, also über die Zufriedenheit der Mannschaft, über die angeworbenen Spezialkräfte, über die Schiffe, über meine eigene Person und vieles mehr. Diese Option ist auch auf See abrufbar, sodass ich sie nicht unbedingt während des Stadtbesuches abfragen muss.
* Angriff /Hereinschleichen
Wenn ich mich einer befreundeten Stadt nähere, so fahre ich automatisch in die Stadt hinein und werde auch nicht angegriffen oder behelligt. Falls ich allerdings einer feindlichen Stadt zu nahe komme, so feuert diese gerne Kanonen auf mich ab und ich bekomme weitere Optionen angezeigt, nun kann ich in die Stadt hineinschleichen oder diese angreifen. Das Angreifen funktioniert nicht mehr über eine Seeschlacht, sondern über eine Landschlacht, bei der ich meine Truppen bis zum Tor (!) in der Stadtmauer heranführen muss. Wichtig: Es reicht nicht wie in der Anleitung beschrieben, die Stadtmauer generell zu erreichen, ich muss an das Tor gelangen, sonst geht die Schlacht weiter! Zu Beginn kann eine Ausgangsposition aus drei verschiedenen gewählt werden, anschließend müssen die Truppen gezogen werden. Hierbei muss man entweder feindlichen Truppen ausweichen oder diese bekämpfen, genauere Informationen sind in der Anleitung nachzulesen.
Das Heranschleichen geschieht des nachts, hierbei muss ich den Wachen ausweichen. Diese Wachen können nicht über Mauern gucken, bemerken mich nicht, falls ich mich hinter einem Strohballen versteckt habe oder falls ich mich von hinten an sie heranschleiche. Dabei muss ich mich allerdings langsam und leise voranbewegen, damit die Wachen mich nicht hören. Ziel der Schleichaktion ist entweder das Haus des Gouverneurs oder die Schenke. Laufe ich einer Wache in die Arme, so gerate ich in Gefangenschaft.
** Auf hoher See
Beim Segeln begegnen mir regelmäßig Schiffe. Wenn ich dann meinen Mauszeiger auf das Schiff bewege, so werden Schiffsname und -art und auch die Nation angezeigt, sodass ich genau weiß, ob ich Feind oder Freund vor mir habe. Möchte ich angreifen, so muss die "5" geklickt werden, dann kann ich auf Wunsch das Flaggschiff wechseln oder doch davon segeln. Beim Seegefecht kann das feindliche Schiff mit drei verschiedenen Geschossen angegriffen werden, falls das eigene Schiff gut genug ausgerüstet ist. Die Kanonenkugeln verursachen den größten Schaden an Schiff und Mannschaft und haben die größte Reichweite. Die Hagelgeschosse schädigen am meisten die Mannschaft, können aber erst in unmittelbarer Nähe abgefeuert werden. Die Kettengeschosse sind aus mittlerer Distanz abschussbereit und zerfetzen die Segel des feindlichen Schiffes. Beim Rammen des feindlichen Schiffes ergibt sich die gegnerische Mannschaft sofort oder ich muss gegen den fremden Kapitän kämpfen, dazu stehen mir drei verschiedene Waffen zur Verfügung, nämlich das Langschwert (vielseitig), ein Rapier (schneller Angriff) und das Entermesser (zuverlässige Verteidigung). Die Fechtsteuerung geschieht wieder über die Ziffertastatur und ist am unteren Bildrand angezeigt. Hierbei halte ich mich allerdings nie lange mit dem Verteidigen auf, denn eine intensive Angriffstaktik führt meist zum Sieg.
Bei Sieg darf das gegnerische Schiff geplündert werden, eventuell möchte ein Teil der Mannschaft mit mir weitersegeln und wenn ich viel Glück habe, befindet sich eine Fachkraft unter ihnen, die meine Mannschaft unterstützen kann. Nach der Plünderung überlege ich mir dann, ob ich das fremde Schiff behalten oder doch lieber versenken will. Dabei bekomme ich immer gemeldet, wie beschädigt das fremde Schiff ist und wie viele meiner Männer zum Segeln benötigt werden. Falls meine Mannschaft zu klein ist, kann die Segelgeschwindigkeit herabgesetzt werden, wenn ich das neue Schiff mitnehme. Ihr seht, dass ich immer wieder wichtige Entscheidungen treffen muss!
** Schätze, die liebe Familie, Inkas und Schurken
Zu meinen weiteren Aufgaben gehört darüber hinaus das Auffinden von Schätzen und von bestimmten Personen. Nach fleißigem Sammeln in der Schenke sollte ich genug Schatzkarten haben, um die neun erforderlichen Schätze zu suchen, am unteren Kartenrand befindet sich immer ein Tipp, wo genau die Schätze zu suchen sind, ansonsten sieht man auf den Karten aber markante Punkte (wie Geysire, tote Bäume, Inkatempel etc.), an denen man sich orientieren kann.
Meine geliebte Familie findet man leider nicht ganz so einfach, denn dafür sind in der Regel mehrere Kartenstücke vonnöten, da ich bei viel Pech anfangs keinen Anhaltspunkt erhalte, wo meine Familienangehörigen zu suchen sind. Aber spätestens auf dem letzten Kartenstück taucht dann auch der Name der Stadt oder Siedlung auf, in deren Nähe Schwester, Onkel, Tante oder Opa versteckt worden sind. Diese Kartenstücke erhalte ich leider nur von einem bestimmten Piraten, dessen Aufenthaltsort ich bei Besuchen in der Stadt herausfinden muss.
Außerdem sind insgesamt vier versteckte Inkastädte zu suchen, die erforderlichen Informationen schnappen die Gouverneurstöchter auf, deren Gunst ich gewinnen muss (ich sprach bereits davon). Die Inkaschätze sind mit Hilfe von Kartenstücken zu finden und müssen nur ausgegraben werden.
Ganz im Gegensatz zum Schurken... Um den Schurken zu bestrafen, muss ich zunächst sein Versteck ausfindig machen und dann anschließend seine Stadt belagern. Dies funktioniert genauso wie beim Angreifen einer Stadt und ist ebenso langwierig. Dennoch lohnt sich dieser Zeiteinsatz, denn der Schurke hat eine Menge Goldstücke versteckt, beim letzten waren es 100000! Dafür belagere ich gerne mal zwanzig Minuten lang seine Stadt!
** Die Spielanleitung
* Fragen im Fechtkampf
Mitgeliefert wird neben der schönen Pappkarte der Karibik auch eine fast 100seitige Spielanleitung, die einem den Einstieg in Pirates erleichtern soll, doch weit gefehlt, die Anleitung ist fehlerhaft und schlecht gemacht. Wirklich wichtige Fragen tauchen nicht auf, so stand ich oftmals einfach da und fand die Antwort auf meine Fragen nicht in der Anleitung. Eine interessante Sache ist z.B. der „Heiligenschein“, der manchmal beim Fechtkampf über meinem Kopf auftaucht, doch nirgends in der Anleitung ist erklärt, was es damit auf sich hat. Soll er demonstrieren, dass ich kurz vor dem Kollaps stehe? Doch warum gewinne ich dann fast jeden Kampf? So schlecht, wie der „Heiligenschein“ signalisieren mag, scheint es mir also nicht zu gehen. Was hat dieses Zeichen also dann zu bedeuten?
Eine andere Sache ist die Vorteilsanzeige beim Fechtkampf, die angeben soll, welcher der beiden Kämpfer die Nase vorn hat im Duell, doch ist die Aussage in der Anleitung einfach fehlerhaft, denn laut der Anleitung wäre ich immer im Hintertreffen, doch gewinne ich merkwürdigerweise trotzdem im Kampf, auch wenn die Vorteilsanzeige laut Anleitung für den Gegner sprechen würde.
* Spiel speichern
Auch das Speichern des Spieles funktioniert nicht so, wie in der Anleitung beschrieben. Wichtig bei Pirates ist die ansonsten so nervige Feststelltaste, denn drückt man diese, kann man auf die sonst notwendige Shift-Taste verzichten. Pausiert wird über Shift + P (Shifttaste drücken und gleichzeitig P), schnellgespeichert wird dagegen über Shift+S. Laut Spielanleitung müssten dann die 15 Speicherplätze auftauchen, doch das tun sie nicht, über Shift+S wird lediglich schnellgespeichert. Möchte man seine Spielstände auf verschiedene Speicherplätze verteilen, so muss man auf hoher See bzw. an Land (nicht im Kampf und nicht in der Stadt!) auf das Kartensymbol klicken, bzw. auf die „3“, dann öffnet sich das Spielmenü. Ganz unten rechts ist eine CD zu sehen, klickt man diese an, so sieht man die Speicherplätze. Dort kann man also auf einen bestimmten Speicherplatz seinen aktuellen Spielstand speichern.
* Landgefecht
Laut Anleitung gewinnt man die Schlacht, sobald man die ersten eigenen Männer an die Stadtmauer herangeführt hat, doch das ist nicht korrekt, denn man muss das Tor anvisieren, sonst muss man weiter kämpfen. Ist die eigene Überlegenheit sehr groß, so kann es auch geschehen, dass die restlichen feindlichen Truppen fliehen und man unbehelligt zum Tor schreiten kann.
** Kritische Betrachtung
Piratenspiele scheinen groß in Mode zu sein, denn gerade im letzten Jahr wurden "Fluch der Karibik" und "Piraten - Herrscher der Karibik" veröffentlicht, die sich im Sog des Filmes "Fluch der Karibik" und der Vorankündigung von Sid Meiers Neuauflage ebenfalls sehr gut verkauften. Das Spielprinzip ist fast immer das gleiche, denn immer schlüpft man in die Rolle eines Piraten, der durch die Karibik segelt und dort Schiffe erobern und Ruhm erlangen muss. Dennoch kann wahrscheinlich keines der Spiele zu einer solchen Sucht führen wie Sid Meiers Pirates.
* Grafik
Selbstverständlich wurde die Grafik etwas aufgepeppt, sodass man mehr sehen kann als einzelne grobe Pixel, die sich über den Bildschirm bewegen, dennoch ist Pirates natürlich weit entfernt von anderen aktuellen Spielen, was man bereits an den eigentlich mageren Systemanforderungen erkennen kann. Die Gefechte und Schlachten zeigen etwas Ähnlichkeit zur "Monkey Island"-Grafik, die ab Teil 3 ebenfalls ganz gelungen war. Trotzdem wäre gerade an diesem Punkt noch viel zu verbessern, denn die Fahrten durch die Karibik gestalten sich schon etwas trist, hier hätte ich mir einige landschaftliche Highlights gewünscht. Dennoch finde ich es nicht allzu schlimm, dass die Grafik nicht auf dem neuesten Stand ist, da ich sonst mit meinem veralteten Rechner nicht in der Lage gewesen wäre, das Spiel auf meinem System zum Laufen zu bringen. Spielefreaks werden allerdings einiges an der Grafik auszusetzen haben, da sie zugegebenermaßen nicht mit aktuellen Spielen konkurrieren kann.
* Spielgeschwindigkeit
Dies ist ein Punkt, bei dem ich dem Konkurrenzspiel "Piraten - Herrscher der Karibik" deutlich den Vorzug geben muss, denn das Spiel bietet die Möglichkeit, verschiedene Spielgeschwindigkeiten zu wählen, sodass man schnell durch die Karibik segeln kann, sich bei den Seeschlachten aber dennoch mehr Zeit lassen kann, um besser reagieren zu können. Pirates dagegen ist beim Tanzen etwas zu fix am Anfang, dafür nervt das elend lange Segeln in der Karibik bei Gegenwind doch sehr. Am schlimmsten fallen hier die Landgefechte und auch das Schleichen durch die Nacht auf, so kann man praktisch nebenbei ein Buch lesen, weil so lange nichts passiert, das ist schon etwas schade, da diese Wartereien die Spielfreude deutlich trüben.
* Suchtfaktor
Muss ich dazu noch etwas sagen? Pirates macht süchtig von der ersten Minute an, gleich am ersten Tag konnte ich es erst nach Stunden ausschalten, als es abends schon sehr spät geworden war. Das Spiel ist einfach faszinierend, hier habe ich die einmalige Chance, exotische Städte in der Karibik aufzusuchen und Pirat zu spielen. Man tanzt mit schönen Gouverneurstöchtern, wird zum gefürchtetsten Piraten der Karibik und erobert fremde Länder. Diese Faszination ist nach wie vor ungebrochen und wird wieder eine große Fangemeinde ansprechen, da bin ich mir sicher.
Sehr gelungen finde ich die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad im Laufe des Spieles zu ändern, so kann man zwischendurch eine Sequenz auf höherem Schwierigkeitsgrad spielen und auch wieder zurückwechseln, falls man merkt, dass das Spiel aufgrund der zu hohen Schwierigkeit dann keinen Spaß mehr macht.
Mit großen Erwartungen habe ich Pirates installiert und gestartet, denn nach der monatelangen Sucht des alten Amiga-Spieles hatte ich mir viel erhofft. Sid Meier ist seinem alten Spiel größtenteils treu geblieben, nur wenige Neuerungen finden sich im Spiel, wobei die groß angekündigte neue Sequenz des Tanzens das Herz des Spielefreundes eher nicht begeistern kann. Man muss es ganz ehrlich sagen: Das Tanzen nervt und man muss einige Zeit investieren, um das zu üben, denn ohne kommt man nicht weiter. Weniger gut sind darüber hinaus die ewig langen Landgefechte und nächtlichen Schleichaktionen, hier wäre es wirklich wünschenswert, wenn man die Spielgeschwindigkeit erhöhen könnte.
Interessant dagegen sind die Piratennester, Klöster und Indianerdörfer, die man bereisen kann und die einem neue taktische Möglichkeiten bringen. So warten sowohl Piraten und als auch Indianer nur darauf, dass man ihnen Anweisungen gibt, welche fremde Stadt sie angreifen sollen. Die Piraten habe ich grundsätzlich auf Beutezug losgeschickt, um sie direkt vor den Toren des Piratendorfes anzugreifen, um mir die Gunst fremder Gouverneure zu sichern. Die Indianer reisen allerdings auf kleinen und wendigen Kanus, die so schnell wenden und segeln können, dass sie höchstens von einer Schaluppe anzugreifen sind. Lässt man die Indianer auf eine fremde Stadt los, so werden sie diese höchstwahrscheinlich unbehelligt erreichen.
Pirates ist das ideale Spiel für den Karibik-süchtigen Spielfreund, der auf die vielfältigen taktischen Möglichkeiten eines Spiels wie „Port Royale“ verzichten kann und der lieber ausschließlich auf Beutezug gehen will. Das Spiel verfügt nur über begrenzte Anzahl an taktischen Raffinessen, da die Handlungsspielräume eher beschränkt sind. Doch ist das ein Punkt, den ich Pirates zu Gute halten würde, da man gut entspannen kann beim Spielen und es daher genau das richtige ist für einen gemütlichen Spieleabend nach stressigem Arbeitstag.
** Tipps zum Spiel
Nachdem ich mir nun Abende, Wochenenden und halbe Nächte mit dem Spiel um die Ohren geschlagen habe, möchte ich einigen verzweifelten Piraten noch ein paar Tipps geben. Eine besondere Schwierigkeit liegt beim neuen Pirates im Tanzen, denn ohne erfolgreiche Tanzkünste wird man nie eine Gouverneurstochter für sich gewinnen und demnach auch keine wichtigen Informationen zugespielt bekommen. Im leichtesten Schwierigkeitsgrad leuchtet die zu drückende Taste für die korrekte Tanzbewegung kurz auf, wer also Egoshooter-Erfahrung und das damit verbundene gute Reaktionsvermögen mit sich bringt, kann sich an diesem Aufleuchten orientieren. Doch Vorsicht, schon im zweiten Schwierigkeitsgrad muss man auf diese Hilfe verzichten.
Das Tanzen lernt man erstaunlich schnell, anfangs habe ich mich verzweifelt gefragt, ob man die Spielgeschwindigkeit nicht herunterdrehen kann beim Tanzen, um den Handbewegungen der Damen besser folgen zu können, doch scheint dies nicht zu funktionieren. Viele typische Tanzfiguren werden ständig wiederholt, sodass man mit genug Übung charakteristische Kombinationen schnell erkennen und ausführen kann. Manchmal zeigt die Dame noch in der Drehung in eine neue Richtung, wo selbst die Kamera nicht hinterherkommt, dies geschieht allerdings nur in einer einzigen Kombination, wenn man nämlich zwischen den Tastenkombinationen 1 und 6 bzw. 3 und 4 hin- und herwechseln muss.
Es gibt nur zwei verschiedene Tanzeröffnungen, sodass man sich recht gut eintanzen kann, später allerdings variieren die Damen recht häufig, sodass ein gutes Reaktionsvermögen gefragt ist, aber auch das ist trainierbar!
In der Schenke bietet der Unbekannte Guybrush Tanzschuhe an, diese sollte man unbedingt kaufen, auch wenn das erste Paar noch keine große Hilfe ist. Spätestens mit dem zweiten Paar Tanzschuhe allerdings werden eigene Fehler gut ausgemerzt. Dann nämlich bewegt Guybrush sich automatisch in die richtige Richtung, auch wenn man die falsche Taste gedrückt hat. Das funktioniert zwar auch nicht immer, aber schon recht zuverlässig, sodass man eigentlich immer das Herz der Dame erobern kann.
Ansonsten kann ich nur sagen: Nicht verzweifeln, man lernt das! Glücklicherweise ist das Tanzen das einzige eingeschobene Minigame, das zwar anfangs sehr nervig erscheint, das aber relativ schnell zu lernen ist. Hier muss man sich einfach durchbeißen, denn ohne erfolgreiche Tanzkünste wird man nie das Herz einer Gouverneurstochter erobern...
** Fazit
Insgesamt war ich positiv überrascht von Pirates, die Grafik wurde zeitgemäß aufgepeppt, auch wenn sie natürlich nicht mit „Half Life 2“ mithalten kann. Ein Vorteil des Spieles ist dafür, dass Pirates auch auf eher veralteten PCs gespielt werden kann. Die Neuerungen gegenüber dem alten Spiel halten sich in Grenzen und sind teilweise leider nicht so gut gelungen (wie das Tanzen oder die langweiligen Landgefechte), doch gibt es auch einige interessante Veränderungen wie die Piratennester und Indianersiedlungen oder auch die Notwendigkeit, mehr Aufgaben zu erfüllen. Pirates bietet langandauernden Spielspaß und führt praktisch sofort zur Sucht. Durch die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade bleibt das Spiel immer eine Herausforderung. Negativ zu nennen ist dagegen der überhöhte Preis von etwa 40€, da das Konkurrenzspiel „Piraten – Herrscher der Karibik“ für weit weniger als die Hälfte des Geldes zu kaufen ist. Doch auch das wird Fans kaum abschrecken.
Alles klar zum Entern!
Fotos gibt es auf folgender Seite: http://www.atari.com/pirates/pirates/screenshots.php
PS. "Guybrush Threepwood" hab ich aus "Monkey Island" entwendet - ein PC-Spiel, das ich auch heiß und innig liebe. Daher hieß mein Pirates-Held schon immer Guybrush, man möge mir diesen kleinen "Klau" bei Monkey Island verzeihen :-)
61 Bewertungen, 5 Kommentare
-
21.02.2005, 19:46 Uhr von mima007
Bewertung: sehr hilfreichum den längsten Bericht hast du jetzt bestimmt die Nase vorn;-P vg, mima
-
20.02.2005, 19:38 Uhr von Mundi
Bewertung: sehr hilfreichDie Karibik ist nicht schreckliche, wenn man an Voodoo glaubt. lg mundi
-
19.02.2005, 15:18 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichIst von diesem Designer nicht auch "Gettysburg"? -ein Spiel aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, sehr spannend! LG; Roland
-
16.02.2005, 15:43 Uhr von mmggkk
Bewertung: sehr hilfreichdamals dieses Spiel!!! :-)
-
16.02.2005, 10:26 Uhr von Saphena
Bewertung: sehr hilfreichErwischt :))
Bewerten / Kommentar schreiben