Belladonna (gebundene Ausgabe) / Karin Slaughter Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von catmother
Unendlich grausam - nichts für sensible Gemüter!
Pro:
sehr spannend
Kontra:
richtig grausam, nichts für sensible Gemüter
Empfehlung:
Ja
Leute, ich habe gerade das schlimmste Buch gelesen, daß mir je untergekommen ist. Noch Stunden, nachdem ich es zugeklappt hatte, lief ich noch durch die Wohnung und murmelte nur vor mich hin: Um Gottes willen! Mein Gott! Himmel!
Ich dachte ja immer, daß meine Schwester meinen Geschmack kennt. Aber diesmal hat sie mir echt was zugemutet. Allerdings hatte sie mich auch vorgewarnt, denn sie kannte das Buch schon.
** Die Story **
Sara Linton ist Ärztin an der Kinderklinik von Heartsdale im beschaulichen Grant County und wird auch als gelegentlich Coroner (Gerichtsmediziner) des Bezirkes eingesetzt. In letzterer Funktion hat sie nicht viel zu tun, da es eine ruhig ländliche Gegend ist, die durch den Wegfall von Infrastruktur zwar ein wenig an Bedeutung verloren, aber immer noch ein sehr bekanntes College hat.
Privat hat sie lediglich einige Reibereien mit dem örtlichen Sheriff Chief Jeffrey Tolliver, mit dem sie einst verheiratet war und der sie nach seinem inzwischen bereuten Fehltritt immer noch liebt und in letzter Zeit permanent bedrängt.
Eines Tages sitzt sie mit ihrer Schwester Tessa in dem beliebten Kaffee Grant Filling Station. Als sie die dortige Toilette betritt, macht sie eine furchtbare Entdeckung: die junge College Professorin Sybil Adams wurde auf der Toilette überrascht und niedergemetzelt. Der ganze Raum schwimmt im Blut. Zwar lebt die Frau noch, aber Sara kann sie nicht mehr retten.
Bei der Obduktion stellt sie fest, daß die Wunde in Sybil Adams Körper die Form eines perfekten Kreuzes hat, der Täter also vermutlich eine religiöse Botschaft vermitteln will. Die Art der Wunden lassen offensichtlich medizinische Kenntnisse vermuten. Doch das Furchtbarste, was Sara an der Leiche findet, ist so unaussprechlich, daß sie beschließt, außer dem Chief niemandem davon zu erzählen.
Im Blut der Toten war eine erhebliche Menge Belladonna, ein Pflanzenextrakt, der zu Halluzinationen führt und in hohen Dosen tödlich sein kann.
Niemand kann sich erklären, wer der beliebten, blinden Dozentin etwas antun wollte. Sexuelle Motive? Denn wie sich herausstellt, war Sybil Adams lesbisch und lebte mit der Bibliothekarin Nan Thomas nicht nur aus praktischen Gründen zusammen. Eine Tatsache, die vor allem deren Zwillingsschwester Lena Adams zu schaffen macht, die Detective in Tollivers Truppe ist und sich natürlich wie besessen an der Aufklärung des Falls beteiligt.
Zunächst sucht man aber nach jemandem, der die Möglichkeit hatte, dem Opfer überhaupt das Belladonna zu verabreichen. Verdächtig sind da natürlich der Besitzer des Diners Pete Wayne, und Will Harris, ein Schwarzer, der als Aushilfe im Diner arbeitet.
Kurz darauf liegt eine nackte junge Frau auf Saras Wagen vor dem Krankenhaus. Die jungen Studentin Julia Matthews war nach der Trennung von ihrem freakigen Freund einige Tage vermisst gewesen. Auch sie wurde mit Belladonna unter Drogen gesetzt, gekreuzigt und auf unvorstellbare Weise vergewaltigt. Sie überlebt zwar tatsächlich dank Saras Bemühungen, aber nicht lange danach bringt sie sich um.
Allen ist klar, daß dieser Verbrecher weitermachen wird, deshalb gehen sämtliche Anstrengungen dahin, ihn dingfest zu machen, bevor er ein neues Opfer findet. Doch dafür muß Sara etwas von ihrer furchtbaren Vergangenheit preisgeben.
** Buchkritik **
Wie schon gesagt, war dies das grausamste und zugleich bewegendste Buch, das ich je über einen Serientäter gelesen habe. Ich will euch erklären, warum.
Der Aufbau. Der Thriller beginnt quasi mit einem Paukenschlag. Unsere Heldin findet auf der Toilette das schlimm zugerichtete erste Opfer. Schon die Beschreibung des Tatortes und wie die Ärztin die Leiche untersucht, bringt mich leicht zum Würgen. Aber die Obduktion ist dann echt der Hammer. Mit bildhaften Worten wird der Zustand, die Wunden und die Vorgehensweise beschrieben. Hier steigert sich die Spannung vor allem durch Verschweigen von Einzelheiten, bis der letzte Satz ein Detail enthüllt, das so unglaublich und abstoßend ist, daß er die Phantasie des Lesers bis zum Ende beschäftigen wird.
Anschließend flacht das Ganze erst einmal wieder ab. Es werden die Verhältnisse der Menschen in der Stadt, ihre Beziehungen untereinander, die familiären Konflikte und auch Saras eigene, traumatische Vergangenheit, die sie vor allem mit den Vergewaltigungsopfern fühlen und nachfühlen läßt.
Erst kurz vor dem Schluß wird die Identität des Täters offenbart und seine ganze Grausamkeit Schritt für Schritt noch einmal fast akribisch vor dem Auge des Lesers ausgebreitet. Auch hier sind die Beschreibungen seiner Vorgehensweise zwar nicht allzu drastisch, aber immer noch so genau, daß man sich alles andere ausmalen kann und fast umkommt vor Entsetzen. Inzwischen ist es aber fast zu spät und es geht um Leben und Tod von zwei Frauen. Mit einem atemberaubenden und mitfiebernden Finale endet das Buch - und ich saß anschließend nur da und habe gestöhnt, weil man dann alles noch einmal vor dem geistigen Auge an sich vorbeiziehen läßt und die ganze Wucht des Geschehens auf einen wirkt.
Angesprochene Aspekte. In dem Buch werden so einige Problemkreise angerissen, die in ihrer Gesamtheit zum guten Eindruck beitragen: Rassismus auch unter Polizeibeamten, Opferschutz nach Vergewaltigungen, Homosexualität, Auswirkung von Wirtschaftskrisen auf Regionen. Gut, einige davon sind in meinen Augen für den Verlauf der Geschichte eher unwichtig und machen nur einen Bruchteil des Textes aus. Bei anderen jedoch hätte ich mir eine Weiterführung gewünscht. So wird zum Beispiel der rassistisch gefärbte Angriff auf Will Harris (der Schwarze in dem Diner) wie ein loser Faden als Punkt in den Verlauf eingeführt, aber nicht zu Ende gebracht. Oder das Schicksal von Nan Thomas, der Lebensgefährtin des ersten Opfers. Da denkt man dann, wieso wurde das überhaupt so angelegt, wenn es dann keine Bedeutung mehr hat, daß sie lesbisch waren?
** Meine Meinung **
Das erste, was mir nach dem Abklingen meines Entsetzens einfiel, war „Wieso sind es eigentlich so oft Frauen, die solche entsetzlichen und grausamen Szenarios von Serientätern erfinden?“ Da nenne ich nur Mo Hayder „Der Vogelmann“, ein Thriller, von dem ich noch lange Alpträume hatte, Elise Title mit „Romeo“ oder Christine McGuire „Bis zum bitteren Ende“. Umso schizophrener, weil es sich ja bei den Thrillern stets um Gewalt gegen Frauen handelt. Oftmals werden dabei so perfide Methode von Folterung und Qualen ausgedacht, daß ich mich ernsthaft frage, ob die Damen Autorinnen noch gesund im Geiste sind.
Nun bin ich mit mir selbst am Hadern, ob ich den Thriller überhaupt empfehlen kann. Eher nicht, würde ich sagen. Einerseits ist er zwar ungeheuer spannend, gut aufgebaut und in seinem inhaltlichen Stoff absolut rund. Andererseits geht er durch die ungeheure Grausamkeit, die hier beschrieben wird, wahnsinnig an die Nerven. Vor allem bei Leuten, die eine ausgeprägte Vorstellungskraft haben. Und das bewegt mich doch dazu, einen Punkt abzuziehen. Damit ist er gut, aber eben nicht zu empfehlen als normale Krimikost.
Also Vorsicht beim Verschenken dieses Romans.
** Daten **
Verlag Wunderlich
gebunden 416 Seiten
Preis: voraussichtlich 19,90 €
ISBN 3805207255
PS: Schnellklickern ist folgende Info entgangen: Das Buch gibt es noch nicht zu kaufen. Es erscheint voraussichtlich Juli 2003.
Ich dachte ja immer, daß meine Schwester meinen Geschmack kennt. Aber diesmal hat sie mir echt was zugemutet. Allerdings hatte sie mich auch vorgewarnt, denn sie kannte das Buch schon.
** Die Story **
Sara Linton ist Ärztin an der Kinderklinik von Heartsdale im beschaulichen Grant County und wird auch als gelegentlich Coroner (Gerichtsmediziner) des Bezirkes eingesetzt. In letzterer Funktion hat sie nicht viel zu tun, da es eine ruhig ländliche Gegend ist, die durch den Wegfall von Infrastruktur zwar ein wenig an Bedeutung verloren, aber immer noch ein sehr bekanntes College hat.
Privat hat sie lediglich einige Reibereien mit dem örtlichen Sheriff Chief Jeffrey Tolliver, mit dem sie einst verheiratet war und der sie nach seinem inzwischen bereuten Fehltritt immer noch liebt und in letzter Zeit permanent bedrängt.
Eines Tages sitzt sie mit ihrer Schwester Tessa in dem beliebten Kaffee Grant Filling Station. Als sie die dortige Toilette betritt, macht sie eine furchtbare Entdeckung: die junge College Professorin Sybil Adams wurde auf der Toilette überrascht und niedergemetzelt. Der ganze Raum schwimmt im Blut. Zwar lebt die Frau noch, aber Sara kann sie nicht mehr retten.
Bei der Obduktion stellt sie fest, daß die Wunde in Sybil Adams Körper die Form eines perfekten Kreuzes hat, der Täter also vermutlich eine religiöse Botschaft vermitteln will. Die Art der Wunden lassen offensichtlich medizinische Kenntnisse vermuten. Doch das Furchtbarste, was Sara an der Leiche findet, ist so unaussprechlich, daß sie beschließt, außer dem Chief niemandem davon zu erzählen.
Im Blut der Toten war eine erhebliche Menge Belladonna, ein Pflanzenextrakt, der zu Halluzinationen führt und in hohen Dosen tödlich sein kann.
Niemand kann sich erklären, wer der beliebten, blinden Dozentin etwas antun wollte. Sexuelle Motive? Denn wie sich herausstellt, war Sybil Adams lesbisch und lebte mit der Bibliothekarin Nan Thomas nicht nur aus praktischen Gründen zusammen. Eine Tatsache, die vor allem deren Zwillingsschwester Lena Adams zu schaffen macht, die Detective in Tollivers Truppe ist und sich natürlich wie besessen an der Aufklärung des Falls beteiligt.
Zunächst sucht man aber nach jemandem, der die Möglichkeit hatte, dem Opfer überhaupt das Belladonna zu verabreichen. Verdächtig sind da natürlich der Besitzer des Diners Pete Wayne, und Will Harris, ein Schwarzer, der als Aushilfe im Diner arbeitet.
Kurz darauf liegt eine nackte junge Frau auf Saras Wagen vor dem Krankenhaus. Die jungen Studentin Julia Matthews war nach der Trennung von ihrem freakigen Freund einige Tage vermisst gewesen. Auch sie wurde mit Belladonna unter Drogen gesetzt, gekreuzigt und auf unvorstellbare Weise vergewaltigt. Sie überlebt zwar tatsächlich dank Saras Bemühungen, aber nicht lange danach bringt sie sich um.
Allen ist klar, daß dieser Verbrecher weitermachen wird, deshalb gehen sämtliche Anstrengungen dahin, ihn dingfest zu machen, bevor er ein neues Opfer findet. Doch dafür muß Sara etwas von ihrer furchtbaren Vergangenheit preisgeben.
** Buchkritik **
Wie schon gesagt, war dies das grausamste und zugleich bewegendste Buch, das ich je über einen Serientäter gelesen habe. Ich will euch erklären, warum.
Der Aufbau. Der Thriller beginnt quasi mit einem Paukenschlag. Unsere Heldin findet auf der Toilette das schlimm zugerichtete erste Opfer. Schon die Beschreibung des Tatortes und wie die Ärztin die Leiche untersucht, bringt mich leicht zum Würgen. Aber die Obduktion ist dann echt der Hammer. Mit bildhaften Worten wird der Zustand, die Wunden und die Vorgehensweise beschrieben. Hier steigert sich die Spannung vor allem durch Verschweigen von Einzelheiten, bis der letzte Satz ein Detail enthüllt, das so unglaublich und abstoßend ist, daß er die Phantasie des Lesers bis zum Ende beschäftigen wird.
Anschließend flacht das Ganze erst einmal wieder ab. Es werden die Verhältnisse der Menschen in der Stadt, ihre Beziehungen untereinander, die familiären Konflikte und auch Saras eigene, traumatische Vergangenheit, die sie vor allem mit den Vergewaltigungsopfern fühlen und nachfühlen läßt.
Erst kurz vor dem Schluß wird die Identität des Täters offenbart und seine ganze Grausamkeit Schritt für Schritt noch einmal fast akribisch vor dem Auge des Lesers ausgebreitet. Auch hier sind die Beschreibungen seiner Vorgehensweise zwar nicht allzu drastisch, aber immer noch so genau, daß man sich alles andere ausmalen kann und fast umkommt vor Entsetzen. Inzwischen ist es aber fast zu spät und es geht um Leben und Tod von zwei Frauen. Mit einem atemberaubenden und mitfiebernden Finale endet das Buch - und ich saß anschließend nur da und habe gestöhnt, weil man dann alles noch einmal vor dem geistigen Auge an sich vorbeiziehen läßt und die ganze Wucht des Geschehens auf einen wirkt.
Angesprochene Aspekte. In dem Buch werden so einige Problemkreise angerissen, die in ihrer Gesamtheit zum guten Eindruck beitragen: Rassismus auch unter Polizeibeamten, Opferschutz nach Vergewaltigungen, Homosexualität, Auswirkung von Wirtschaftskrisen auf Regionen. Gut, einige davon sind in meinen Augen für den Verlauf der Geschichte eher unwichtig und machen nur einen Bruchteil des Textes aus. Bei anderen jedoch hätte ich mir eine Weiterführung gewünscht. So wird zum Beispiel der rassistisch gefärbte Angriff auf Will Harris (der Schwarze in dem Diner) wie ein loser Faden als Punkt in den Verlauf eingeführt, aber nicht zu Ende gebracht. Oder das Schicksal von Nan Thomas, der Lebensgefährtin des ersten Opfers. Da denkt man dann, wieso wurde das überhaupt so angelegt, wenn es dann keine Bedeutung mehr hat, daß sie lesbisch waren?
** Meine Meinung **
Das erste, was mir nach dem Abklingen meines Entsetzens einfiel, war „Wieso sind es eigentlich so oft Frauen, die solche entsetzlichen und grausamen Szenarios von Serientätern erfinden?“ Da nenne ich nur Mo Hayder „Der Vogelmann“, ein Thriller, von dem ich noch lange Alpträume hatte, Elise Title mit „Romeo“ oder Christine McGuire „Bis zum bitteren Ende“. Umso schizophrener, weil es sich ja bei den Thrillern stets um Gewalt gegen Frauen handelt. Oftmals werden dabei so perfide Methode von Folterung und Qualen ausgedacht, daß ich mich ernsthaft frage, ob die Damen Autorinnen noch gesund im Geiste sind.
Nun bin ich mit mir selbst am Hadern, ob ich den Thriller überhaupt empfehlen kann. Eher nicht, würde ich sagen. Einerseits ist er zwar ungeheuer spannend, gut aufgebaut und in seinem inhaltlichen Stoff absolut rund. Andererseits geht er durch die ungeheure Grausamkeit, die hier beschrieben wird, wahnsinnig an die Nerven. Vor allem bei Leuten, die eine ausgeprägte Vorstellungskraft haben. Und das bewegt mich doch dazu, einen Punkt abzuziehen. Damit ist er gut, aber eben nicht zu empfehlen als normale Krimikost.
Also Vorsicht beim Verschenken dieses Romans.
** Daten **
Verlag Wunderlich
gebunden 416 Seiten
Preis: voraussichtlich 19,90 €
ISBN 3805207255
PS: Schnellklickern ist folgende Info entgangen: Das Buch gibt es noch nicht zu kaufen. Es erscheint voraussichtlich Juli 2003.
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