Schuldlos schuldig (Taschenbuch) / Susan Sloan Testbericht

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Erfahrungsbericht von vampire-lady
"sie war's sie war's"
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Auf das Buch „Schuldlos schuldig“ von Susan Sloan bin ich eher aus Langeweile gestoßen. Ich surfte bei buchticket.de so von links nach rechts und von oben nach unten, und blieb einfach dabei hängen. Das Buch ist bei Amazon in verschiedenen Ausgaben erhältlich, ich habe es mittlerweile weitergetauscht. Ich glaube meine Version war aber von Heyne, hatte über 650 Seiten und hinten war noch ein DM-Preis drauf.
Zunächst schien es mir laut Klappentext ein Krimi zu sein, nach 50 Seiten musste ich aber stirnrunzelnd feststellen, daß dem nicht so ist. Ich hatte da ein Buch in der Hand, das sich wirklich ganz gut lesen lässt, mir selbst vom Genre aber eher fremd ist. Etwas vergleichbares ist mir bisher nicht untergekommen.
Karen, eine junge Frau von 20 Jahren, wird 1962 von einer Partybekanntschaft vergewaltigt und fast tot geprügelt. Der Vergewaltiger Robert kommt aber ungeschoren davon, da er ein reiches Harvardjüngelchen ist, an dem sich die Staatsanwaltschaft nicht vergreifen will. Derweil verbringt Karen monatelang im Krankenhaus, um dann vor den Trümmern ihre Zukunftspläne zu stehen. Ihre Familie vertuscht den Vorfall als Unfall und gibt Karen die Schuld dafür. Selbst eine Therapie darf sie nicht machen. Auch ihr Verlobter wendet sich von ihr ab. 30 Jahre später haben sich die Zeiten geändert, Karen ist eine starke Frau geworden und ihr tut sich eine Chance auf, um doch noch Rache zu nehmen.
Das Buch deckt dabei die volle Zeitspanne von 30 Jahren ab. In szenenhafter Weise werden markante Ereignisse im Leben von Karen und Robert dargestellt, die zeigen, wie die beiden Charaktere sich über den Zeitraum entwickeln. Karen wird nie ein wirklich entspanntes Verhältnis zu einem Mann aufbauen können. Auch ihr Traum von einer eigenen Familie erfüllt sich aus diesem Grunde nicht – hinzu kommt, daß sie keine eigenen Kinder mehr bekommen kann. Stattdessen gerät sie über in Hippiekommune, aus der in den 80er Jahren eine erfolgreiche Künstlergruppe hervorgeht. Karen leitet die Galerie der Truppe und heiratet schließlich doch: einen Architekten mit drei Töchtern. Mit ihm geht sie nach San Francisco.
Dort lebte der sonst charismatische Robert schon seit eh und je. Zunächst arbeitet er als Anwalt und heiratet ein typisches High-Society-Mädel, das er bald in die Tablettensucht treibt. Nebenbei hurt er fröhlich herum. Eine schwangere Geliebte begeht scheinbar Selbstmord und auch anderen Frauen macht er das Leben zur Hölle. Trotzdem wird er Senator und kandidiert als Präsident für die USA. In diesem Zusammenhang erfährt der Leser sozusagen am Rande, wie so ein Politiker von einem persönlichen Stab an Beratern aufgebaut und vermarktet wird. Dabei liegt er gut im Rennen, bis eines Tages Karen vor ihm steht, die sich eigentlich nicht für Politik interessiert und mehr zufällig von seiner Kandidatur erfahren hat. Er erkennt sie nicht einmal und besorgt sich einen Job in seinem Wahlkampfbüro.
Leider hat die szenenhafte Darstellungsweise der Autorin den Nachteil, daß der Leser einige Dinge, die er vielleicht gern noch erfahren bzw. detaillierter beschrieben hätte, eben nicht erfährt. Ich habe eindeutig ein Problem, die Beziehung von Karen und ihrem Ehemann Ted in den Verlauf der Geschichte einzubringen.
Die Idee der Geschichte ist nicht neu, für mich aber immer wieder interessant, seit ich „der Graf von Monte Christo“ gelesen habe. Gut fand ich, wie die Autorin die gesellschaftliche Entwicklung von den frühen 60er Jahren bis zur Mitte der 90er dargestellt hat, auch wenn das ein oder andere Klischee (Hippie, Yuppie....) dafür herhalten muß. Ganz witzig finde ich den Moment, wo die ehemaligen Hippies feststellen, daß sie mit ihrer Kunst plötzlich so erfolgreich sind, daß sie längst zum „Establishment“ gehören und aus dieser Nummer auch nicht mehr herauskommen. Der Anfang des Buches und vor allem die ersten Monate von Karens (körperlicher) Genesungsweg waren für meinen Geschmack etwas langwierig erzählt – dies war aber wahrscheinlich nötig, um darzustellen, daß nicht allein Robert, sondern auch die Eltern und der Verlobte dazu beitrugen, das Mädchen kaputt zu machen.
Was der Autorin nicht wirklich gelingt, ist mir am Ende zu vermitteln, wie Karen auf einmal nach San Francisco gelangte. Die Vergewaltigung und ihr ganzes weiteres Leben spielte sich in New York ab. Auch ihr Mann Tad schien mit der Ostküste verwurzelt zu sein – erst während ihrer Ehe packt die beiden die Reiselust und so gelangen sie zufällig in Roberts Dunstkreis.
Ab dem Zeitpunkt an dem Karen beschließt zurückzuschlagen, mutiert sie zur Randfigur. Die Autorin rückt sie ins Abseits und nutzt eher die Perspektive der ermittelnden Staatsanwältin, um zunächst nicht zu verraten, was wirklich passiert ist. Ist Karen erneut ein Opfer geworden? Wie konnte sie so dämlich sein? Oder hat sie etwa......??? Der Leser weiß also zum ersten Mal nicht das, was Karen weiß, sondern muß sozusagen mitermitteln – auch wenn die Ahnung natürlich nahe liegt.
Währenddessen geht es Robert an den Kragen. Die Polizei ermittelt gegen ihn, und er verstrickt sich in seinen eigenen Lügen. Es ist nahezu amüsant zu erleben, wie er vollständig demontiert wird, dabei sogar unbewusst mithilft, und erst im letzten Absatz die Ironie der Entwicklung begreift.
Karen hat ihn mit seinen eigenen Waffen geschlagen.
Zunächst schien es mir laut Klappentext ein Krimi zu sein, nach 50 Seiten musste ich aber stirnrunzelnd feststellen, daß dem nicht so ist. Ich hatte da ein Buch in der Hand, das sich wirklich ganz gut lesen lässt, mir selbst vom Genre aber eher fremd ist. Etwas vergleichbares ist mir bisher nicht untergekommen.
Karen, eine junge Frau von 20 Jahren, wird 1962 von einer Partybekanntschaft vergewaltigt und fast tot geprügelt. Der Vergewaltiger Robert kommt aber ungeschoren davon, da er ein reiches Harvardjüngelchen ist, an dem sich die Staatsanwaltschaft nicht vergreifen will. Derweil verbringt Karen monatelang im Krankenhaus, um dann vor den Trümmern ihre Zukunftspläne zu stehen. Ihre Familie vertuscht den Vorfall als Unfall und gibt Karen die Schuld dafür. Selbst eine Therapie darf sie nicht machen. Auch ihr Verlobter wendet sich von ihr ab. 30 Jahre später haben sich die Zeiten geändert, Karen ist eine starke Frau geworden und ihr tut sich eine Chance auf, um doch noch Rache zu nehmen.
Das Buch deckt dabei die volle Zeitspanne von 30 Jahren ab. In szenenhafter Weise werden markante Ereignisse im Leben von Karen und Robert dargestellt, die zeigen, wie die beiden Charaktere sich über den Zeitraum entwickeln. Karen wird nie ein wirklich entspanntes Verhältnis zu einem Mann aufbauen können. Auch ihr Traum von einer eigenen Familie erfüllt sich aus diesem Grunde nicht – hinzu kommt, daß sie keine eigenen Kinder mehr bekommen kann. Stattdessen gerät sie über in Hippiekommune, aus der in den 80er Jahren eine erfolgreiche Künstlergruppe hervorgeht. Karen leitet die Galerie der Truppe und heiratet schließlich doch: einen Architekten mit drei Töchtern. Mit ihm geht sie nach San Francisco.
Dort lebte der sonst charismatische Robert schon seit eh und je. Zunächst arbeitet er als Anwalt und heiratet ein typisches High-Society-Mädel, das er bald in die Tablettensucht treibt. Nebenbei hurt er fröhlich herum. Eine schwangere Geliebte begeht scheinbar Selbstmord und auch anderen Frauen macht er das Leben zur Hölle. Trotzdem wird er Senator und kandidiert als Präsident für die USA. In diesem Zusammenhang erfährt der Leser sozusagen am Rande, wie so ein Politiker von einem persönlichen Stab an Beratern aufgebaut und vermarktet wird. Dabei liegt er gut im Rennen, bis eines Tages Karen vor ihm steht, die sich eigentlich nicht für Politik interessiert und mehr zufällig von seiner Kandidatur erfahren hat. Er erkennt sie nicht einmal und besorgt sich einen Job in seinem Wahlkampfbüro.
Leider hat die szenenhafte Darstellungsweise der Autorin den Nachteil, daß der Leser einige Dinge, die er vielleicht gern noch erfahren bzw. detaillierter beschrieben hätte, eben nicht erfährt. Ich habe eindeutig ein Problem, die Beziehung von Karen und ihrem Ehemann Ted in den Verlauf der Geschichte einzubringen.
Die Idee der Geschichte ist nicht neu, für mich aber immer wieder interessant, seit ich „der Graf von Monte Christo“ gelesen habe. Gut fand ich, wie die Autorin die gesellschaftliche Entwicklung von den frühen 60er Jahren bis zur Mitte der 90er dargestellt hat, auch wenn das ein oder andere Klischee (Hippie, Yuppie....) dafür herhalten muß. Ganz witzig finde ich den Moment, wo die ehemaligen Hippies feststellen, daß sie mit ihrer Kunst plötzlich so erfolgreich sind, daß sie längst zum „Establishment“ gehören und aus dieser Nummer auch nicht mehr herauskommen. Der Anfang des Buches und vor allem die ersten Monate von Karens (körperlicher) Genesungsweg waren für meinen Geschmack etwas langwierig erzählt – dies war aber wahrscheinlich nötig, um darzustellen, daß nicht allein Robert, sondern auch die Eltern und der Verlobte dazu beitrugen, das Mädchen kaputt zu machen.
Was der Autorin nicht wirklich gelingt, ist mir am Ende zu vermitteln, wie Karen auf einmal nach San Francisco gelangte. Die Vergewaltigung und ihr ganzes weiteres Leben spielte sich in New York ab. Auch ihr Mann Tad schien mit der Ostküste verwurzelt zu sein – erst während ihrer Ehe packt die beiden die Reiselust und so gelangen sie zufällig in Roberts Dunstkreis.
Ab dem Zeitpunkt an dem Karen beschließt zurückzuschlagen, mutiert sie zur Randfigur. Die Autorin rückt sie ins Abseits und nutzt eher die Perspektive der ermittelnden Staatsanwältin, um zunächst nicht zu verraten, was wirklich passiert ist. Ist Karen erneut ein Opfer geworden? Wie konnte sie so dämlich sein? Oder hat sie etwa......??? Der Leser weiß also zum ersten Mal nicht das, was Karen weiß, sondern muß sozusagen mitermitteln – auch wenn die Ahnung natürlich nahe liegt.
Währenddessen geht es Robert an den Kragen. Die Polizei ermittelt gegen ihn, und er verstrickt sich in seinen eigenen Lügen. Es ist nahezu amüsant zu erleben, wie er vollständig demontiert wird, dabei sogar unbewusst mithilft, und erst im letzten Absatz die Ironie der Entwicklung begreift.
Karen hat ihn mit seinen eigenen Waffen geschlagen.
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