Schuldlos schuldig (Taschenbuch) / Susan Sloan Testbericht

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Erfahrungsbericht von catmother

Ein Vergewaltigungsopfer dreht den Spieß um

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Das Buch habe ich seltsamerweise von einem Freund, also einem Mann bekommen, der es mir wirklich empfahl. Kaum zu glauben, denn das würde ich als einen Roman bezeichnen, den vom Thema her eher Frauen lesen.


** Die Geschichte **
Karen Kern ist jung und unbedarft. Sie studiert an der Cornell Universität und träumt davon, ihren Abschluß in Englisch zu machen, dann ihren Freund Peter zu heiraten und Kinder zu bekommen. Zwar ist für ihre dominante und dünkelhafte Mutter niemand gut genug, aber man hat sich inzwischen auch mit einem angehenden Ingenieur abgefunden.

Silvester 1962 feiert Karen bei ihrer Freundin Jill und lernt dort den charmanten Jurastudenten Bob kennen. Sie denkt nicht im Traum an etwas Unanständiges, als Bob ihr anbietet, sie nach der Party nach Hause zu bringen. Im Park fällt er dann plötzlich über sie her, wütend, weil sie ihn angemacht hat und jetzt die Zickige spielt.
Er vergewaltigt und prügelt sie fast zu Tode. Halb erfroren wird sie am nächsten Morgen vom Hund einer Spaziergängerin gefunden. Selbst der Polizist, der sie eingeliefert hat und der Notarzt, auf dessen Tisch sie landet, haben so etwas noch nie gesehen.

Als sie wieder sprechen kann, nennt sie der Polizei den Namen ihres Vergewaltigers. Aber der Staatsanwalt zweifelt an der Möglichkeit, dem Jungen etwas beweisen zu können nach dem Motto: eine Frau die vergewaltigt wurde, hat in der Regel selbst schuld durch animierendes Verhalten, unzüchtige Kleidung usw. und erst recht, wenn sie den Mann kennt. Zudem ist Karens Mutter darauf bedacht, dass die Familie nicht in die Schlagzeilen kommt. Das Verbrechen wird kurzerhand zum ”Unfall” erklärt und totgeschwiegen.

Drei Jahre später hat sich Karen endlich so weit aus ihrem Loch gewagt, dass sie nach New York gezogen ist und wieder arbeitet. Die Beziehung zu ihrem Verlobten Peter ist zerbrochen, nachdem sie ihm Wahrheit über ihren „Unfall“ erzählte. Sie lernt durch ihre Arbeit Freunde kennen, die sie trotz aller psychischen Probleme in ihre Gemeinschaft integrieren. Im Laufe der Jahre wird sie eine erfolgreiche Frau, die sogar einem Mann wieder Zutritt zu ihrem Leben gewährt.
Und eines Tages begegnet sie ihrem Vergewaltiger...


** Meine Meinung **
Nach den ersten 20 Seiten, die ja eher eine Einleitung sind, habe ich das Buch regelrecht verschlungen. Ein Schicksal, das Leben, Leid und die Wiederauferstehung einer gebrochenen Seele so nachvollziehbar, dramatisch und dabei doch spannend darzustellen ist das wirkliche Verdienst dieser Autorin, die ich mir auf jeden Fall merken werde.

Es ist viel über dieses Buch gesprochen, auch (und das Urteil kann nur von einem Mann stammen) als Schund bezeichnet worden. Aber ich finde es nach wie vor eine absolut ermutigende Geschichte für Frauen. Sicher ist die Methode, mit der sich Karen Kern an ihrem Peiniger rächt, nicht typisch und sicher nicht jedermanns Geschmack. Und doch glaube ich, dass Rache an sich in solch einem Fall das beste Heilmittel ist.

Die Geschichte selbst liest sich ungeheuer flüssig. Die Spannung macht in der Mitte des Romans mal einen Knick, als es vordergründig darum geht, wie die Hauptgestalt wieder ins Leben zurückfindet. Doch zum Ende hin, daß im Übrigen mit einem recht überraschenden Schluß aufwartet, wächst die Ungeduld wieder, so daß man als Leser einfach nicht aufhören kann.
Sprachlich gesehen liegt diese Mischung aus Thriller und Psychogramm im erfrischend normalen Bereich – keine Schachtelsätze, keine komplizierten Konstrukte.

Alles in allem ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Es ist vielleicht nicht unbedingt was für Männer, da die hier nicht so besonders wegkommen, aber die Ausnahme bestätigt ja bekanntlich die Regel.

Taschenbuch 656 S., Verlag Droemer-Knaur, 8,90 €

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