Schuldlos schuldig (Taschenbuch) / Susan Sloan Testbericht

ab 7,51
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Erfahrungsbericht von BulmaZ

Das Leiden am Leben.

Pro:

spannende Lektüre

Kontra:

wenig

Empfehlung:

Ja

Vor einer Weile kam ich durch eine Empfehlung auf eine Autorin, die mich tendenziell überzeugen konnte. Mittlerweile habe ich ein drittes Buch von ihr in kürzester Zeit durchgelesen [das eigentlich ein Versehens – Kauf war], welches mich abermals begeistern konnte. Dabei handelt es sich um:

Schuldlos schuldig – Susan Sloan

… Bezugsquelle & Preis …

Gekauft habe ich das Taschenbuch bei ebay.
Dort habe ich 1,00 € bezahlt. Neu kostet der Roman 8,95 €.

… Eckdaten …

Titel: Schuldlos schuldig
Originaltitel: Guilt by association
Autorin: Susan Sloan
Übersetzung: Angela Stein
Verlag: Knaur
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Drama [?]
Seitenanzahl: 656 Seiten

… Die Autorin …

Susan R. Sloan ist in New York geboren und aufgewachsen. Sie arbeitet als Staatsanwältin und kam erst recht spät zum Schreiben. Sie lebt heute im Nordwesten der Vereinigten Staaten im Staat Washington, wo sie eine Farm für mißhandelte Tiere eröffnet hat.

Quelle: www.krimi-couch.de

… Schuldlos schuldig …

Die junge Karen Kern will eigentlich nur ein wenig Spaß haben auf der Party ihrer Freundin. Als sie vom jungen und attraktiven Bob angesprochen wird, hat sie auch nichts weiter im Sinn als eine unverfängliche Unterhaltung. Bob versteht dies jedoch falsch – er vergewaltigt Karen auf dem Weg nach Hause, schlägt sie zusammen und lässt sie im Gebüsch liegen, wo sie am nächsten Tag gefunden wird. Als Karen der Polizei und ihren Eltern von den Geschehnissen erzählt, raten die ihr, das Ganze zu vergessen. Denn immerhin schreibt man das Jahr 1962 und wenn eine Frau nachts allein mit einem Mann unterwegs ist, ist sie selbst schuld, wenn sie vergewaltigt wird. Außerdem würde ihr ohnehin niemand glauben, denn die von ihr beschuldigte Person stammt aus gutem Hause und studiert in Havard.

Im Laufe ihres Lebens glaubt Karen selbst, dass sie schuld ist an dem, was ihr widerfahren ist. Aus diesem Grunde bleibt ihre Beziehung zu Männern stets unterkühlt und distanziert. Trotz ihres traumatischen Erlebnisses schafft die junge Frau es allerdings, sich ein erfolgreiches Leben aufzubauen. Eines Tages jedoch, 30 Jahre nach ihrem furchtbaren Erlebnis, steht sie ihrem Alptraum gegenüber – denn der ist mittlerweile ein angesehener Politiker. Karen beschließt, ein für alle mal mit ihrem Peiniger abzurechnen…

… Eindrücke …

Der Plot an sich ist ja bei weitem nicht neu: junge Frau wird vergewaltigt und hat mit diesem nie verarbeiteten Erlebnis ihr Leben lang Probleme. Klingt aufs erste Lesen vielleicht erstmal recht langweilig und eventuell auch nach einmal zu oft ausgeschlachtet. Dennoch kann man vorweg nehmen, dass Susan Sloan mit „Schuldlos schuldig“ einen tadellosen Roman hingelegt hat, der den eigentlich recht simplen Plot nicht ausschlachtet, sondern ein insgesamt stimmiges Leseerlebnis geschaffen hat. Dieser Eindruck entwickelt sich allerdings erst im Verlauf des Romans.

Obwohl Susan Sloan auf sämtliche Effekthascherei verzichtet hat, dürfte dem Leser die Szene der Vergewaltigung wohl auf den Magen schlagen. Denn dieser Passage wohnt eine Kaltblütigkeit inne, die authentischer wohl kaum sein könnte und allein schon deswegen bedrohlich sowie glaubhaft wirkt. Überzeugen kann die Autorin auch direkt nach diesem Szenario, indem sie nicht der Versuchung erlegen ist, die Protagonistin seitenlang nichts tuend leiden zu lassen. Im Gegenteil – Susan Sloan verwendet so gut wie keine Substanz darauf, zu beleuchten, wie es der Hauptfigur direkt nach ihrem schrecklichen Erlebnis geht. Sie blendet sofort um auf das Leben ihrer Figur zwei Jahre später um. Dies hat den interessanten und Spannung steigernden Effekt, dass das geschundene Seelenleben über einen längeren Zeitraum dargestellt wird und dadurch viel glaubhafter wirkt. In genau diesem Stil hält sich dann übrigens der gesamte Roman. „Schuldlos schuldig“ erstreckt sich in seiner Handlung über einen Zeitraum von 30 Jahren und stellt im Prinzip so etwas wie ein fiktives Portrait dar. Auf diese Weise wird das Erlebnis der jungen Karen viel plastischer. Denn es ist stets präsent, selbst, wenn man den Eindruck hat, es sei überwunden. Zwar wird die Vergewaltigung im Hauptteil des Romans nie vordergründig thematisiert, dennoch schwebt vor allem die damit verbundene seelische Verwundung der Hauptfigur stets im Hintergrund. Allein dadurch erzeugt die Autorin eine unglaublich dichte und glaubhafte Atmosphäre.

Ebenfalls ein interessanter Aspekt ist die Tatsache, dass Susan Sloan es schafft, die Kultur und das Lebensgefühl dreier Jahrzehnte auf den Leser zu transportieren. Der Roman beginnt zu Beginn der Sechziger und die verklemmte Sichtweise auf die Frau im Allgemeinen ist hier ein großes Thema. Gegen Ende des Jahrzehnts wird die Hippiebewegung umrissen mit allem, was dazu gehört: Drogen, freie Liebe und der andauernde Protest gegen den Vietnamkrieg. Dabei kommt die Autorin zwar nicht ganz umhin, auch in Klischees zu verfallen. Aber die verzeiht man ihr. Denn sie hält jene Klischees im Rahmen und bedient nicht vollständig den subjektiven Eindruck, den man von dieser Zeit haben mag. Auch die folgenden Jahrzehnte werden von Susan Sloan wie fast nebenbei umrissen. Man erhält stets den Hauch jener vergangenen Zeiten sowie einen Funken des damaligen Lebensstils. Im Fokus stehen aber stets die Hauptfigur sowie ihre Freunde, von denen sie im Verlauf des Plots immer mehr hinzu gewinnt.

Wie gewohnt, ist Susan Sloans Stil auch in „Schuldlos schuldig“ sehr simpel und leicht zu lesen. Allerdings mag er durchaus etwas weniger trivial erscheinen als in beispielsweise „Denn alle Sicherheit ist trügerisch“, in dem besonders die Dialoge streckenweise etwas ungeschickt gewirkt haben. Dem ist hier nicht mehr so. Sicherlich ist der hier dargebotene Stil keine Meisterleistung in Sachen Ausdruck und Stil. Dennoch liest sich der Roman angenehm und sehr flüssig.
Überzeugen kann vor allem, dass der Plot eine unheimliche Tiefe entwickelt und dies, obwohl er aus auktorialer Sichtweise geschrieben ist. Im Nachhinein wird man aber wohl feststellen, dass eine Ich – Perspektive nicht wirklich gepasst hätte. Allein schon deshalb, weil einige wenige Kapitel sich mit dem parallelen Werdegang von Robert Willmont, Bob, befassen. Dieser ist übrigens trotz einigem an politischen Fachgesimpel recht interessant gestaltet. Vor allem bietet er ein fast ebenso detailgenaues Portrait seiner Person, wie der Hauptfigur des Romans, Karen Kern. Interessant ist übrigens, dass man innerhalb der Passagen rund um Robert Willmont einen Hauch Kritik an Politik und deren ausführender Organe meint herauslesen zu können. Diese ist sehr sachte verpackt, aber dennoch so merklich, dass man unwillkürlich darüber nachdenkt. Insgesamt ist also in Sachen Stil festzuhalten, dass Susan Sloan sich treu bleibt in ihren Romanen. Denn wer schon die anderen Bücher von ihr rein stilistisch mochte, der wird auch „Schuldlos schuldig“ verschlingen.

Wie bereits weiter oben erwähnt, handelt es sich beim vorliegenden Roman um eine Art Portrait über 30 Jahre des Lebens einer Frau. Dementsprechend erwartet man wohl unwillkürlich eine merkliche Weiterentwickelung jener Hauptfigur innerhalb des Romans. Die kann man hier sehr genau beobachten, sodass man sie fast als Paradebeispiel innerhalb des trivialeren Genres bezeichnen könnte. Es gibt wohl nur selten Figuren, die sich auf rund 650 Seiten derart weiterentwickeln, dabei neue Facetten zeigen, aber dem Leser dabei insgesamt nie fremd werden. Karen Kern ist eine solche Figur. Dabei übertreibt Susan Sloan es aber auch nicht. Sie ist nicht der Versuchung erlegen, aus der Karen der frühen Sechziger Jahre, die sich selbst die Schuld an ihrer Vergewaltigung gibt, eine toughe Feministin der Neunziger zu machen, die plötzlich doch die Wahrheit ans Licht bringen will. Die Veränderung ihrer Person kommt eher leise und stetig daher. So erscheint einem die Karen Kern, die man am Ende des Romans betrachtet genauso glaubhaft wie die, die man zu Beginn kennen gelernt hat. Karen Kern ist sicher nicht unbedingt die Protagonistin im Genre, die die meisten Ecken und Kanten aufzuweisen hat. Dennoch wirkt sie auf den Leser sympathisch und vor allem vorstellbar. Sie könnte jeder sein. Dabei ist es auch nicht störend, dass sie aus gut situiertem Hause stammt.
Ähnlich gut vorstellbar, wenn auch deutlich weniger sympathisch, dürfte wohl Robert Willmont sein, zu Beginn nur als Bob bekannt. Robert ist vermutlich der Inbegriff eines Scheusals, das der Ansicht ist, jede Frau habe ihm auf jegliche Weise zu Diensten zu sein. Ist sie es nicht, nimmt er sich, was er will. Roberts Niedertracht geht allerdings deutlich über bloße Gewalt hinsichtlich seiner unbändigen körperlichen Lust hinaus. Er betrügt seine Ehefrau, ist wirklich hinter jedem Rock her und scheut sich nicht vor wahrem Verbrechen, um seine Fehltritte zu vertuschen und in der Öffentlichkeit als der saubere Senator dar zustehen. Obwohl diese Darstellung ganz sicher nicht übertrieben ist, dürfte sie dem Leser wohl dennoch das eine oder andere Mal die Sprache verschlagen.
Ebenso gut gelungen sind übrigens auch die Randfiguren in diesem Roman, von denen es tatsächlich so einige gibt. Erstaunlicherweise kann man sie alle recht leicht auseinander halten, was ja durchaus nicht selbstredend ist bei einem größeren Figurenensemble. Hinzu kommt, dass sie alle recht gut vorstellbar sind, obwohl Susan Sloan keine extra Mühe auf ihre Einführung verwendet.

Alles in allem handelt es sich bei „Schuldlos schuldig“ wieder einmal um einen typischen Susan Sloan – Roman, der eigentlich in allen Belangen überzeugen kann. Aus diesem Grunde kann man ihn wohl auch mit Fug und Recht als gelungene Unterhaltung bezeichnen, die eigentlich so ziemlich alles richtig macht. Trotzdem hat sich in die rund 650 Seiten schon durchaus die eine oder andere Länge eingeschlichen. Aufgrund der tollen Erzählweise und der Tatsache, dass es sich hierbei um ein fiktives Portrait handelt, das zudem auch noch einen Zeitraum von drei Jahrzehnten abdeckt, kann man der Autorin dies sicher verzeihen. Einzig wirklich störend sind die Druckfehler, von denen es im Roman so manche gibt. Auch stimmt der Nachname der Hauptfigur auf dem Klappentext nicht. Aber für diese beiden Schnitzer kann man der Autorin wahrlich keine Schuld geben. Es gibt an dieser Stelle also vier Sterne sowie eine dringende Empfehlung.

60 Bewertungen, 19 Kommentare

  • Jack100

    03.03.2010, 11:52 Uhr von Jack100
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht. Und danke für das Lesen meines Berichtes. Viele Grüße

  • Nicky3772

    01.03.2010, 15:37 Uhr von Nicky3772
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße....Nicky

  • tina08

    01.03.2010, 11:47 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße .... Tina

  • Powerdiddl

    28.02.2010, 19:34 Uhr von Powerdiddl
    Bewertung: besonders wertvoll

    Lg und einen schönen Abend, Heidi

  • bigmama

    28.02.2010, 17:43 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett und einen schönen Sonntagabend

  • feliciano2009

    28.02.2010, 14:17 Uhr von feliciano2009
    Bewertung: besonders wertvoll

    sehr schoen beschrieben...

  • Fernsteuerung

    28.02.2010, 14:09 Uhr von Fernsteuerung
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß, Susanna.

  • Janne0033

    28.02.2010, 09:49 Uhr von Janne0033
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht LG Janne0033

  • Yolante

    28.02.2010, 08:47 Uhr von Yolante
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Sonntag ! LG Yo

  • Polarlicht1960

    28.02.2010, 01:43 Uhr von Polarlicht1960
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße und ein schönes WE wünscht Larissa und so manch einer von meinen Berichten würde noch gern gelesen werden ;-)

  • rainbow90

    28.02.2010, 00:25 Uhr von rainbow90
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht. LG

  • morla

    27.02.2010, 22:54 Uhr von morla
    Bewertung: besonders wertvoll

    lg. ^^^^^^^^^^^petra

  • cleo1

    27.02.2010, 22:36 Uhr von cleo1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Ein schönes Wochenende. Danke für das Lesen meiner Berichte. LG cleo1

  • hjid55

    27.02.2010, 20:54 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüße Sarah

  • easysusi

    27.02.2010, 19:31 Uhr von easysusi
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr interessant ganz liebe Grüße easysusi

  • Miraculix1967

    27.02.2010, 18:25 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967

  • Clarinetta2

    27.02.2010, 18:14 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    das wäre eine Lektüre für mich-priam bericht

  • anonym

    27.02.2010, 17:55 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    ja so kenne ich Deine Beiträge :-) sehr gut beschrieben und absolut lesenswert :-))) Lg Erik

  • Maria90

    27.02.2010, 17:55 Uhr von Maria90
    Bewertung: besonders wertvoll

    besonders wertvoll. toller bericht. würde mich über gegenlesungen freuen. lg maria