Snatch - Schweine und Diamanten (VHS) Testbericht

Snatch-schweine-und-diamanten-vhs-thriller
ab 6,58
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

5 Sterne
(12)
4 Sterne
(3)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von suppengirl

Brot und Spiele

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Bevor ich in meiner heutigen Filmbesprechung meine üblichen Punkte abhandle, möchte ich aus aktuellem Anlass - eben meine Begeisterung für den Film "Snatch" - wieder einmal meiner Leidenschaft als Hobbypsychologin bzw. -soziologin (oder so was Ähnliches :-þ) frönen. Wenn ihr euch das nicht antun wollt, dann überspringt die nächsten Absätze und fangt bei der Überschrift "Story" wieder zu lesen an!

Wie schon "Pulp Fiction" hat mich - um es vorweg zu nehmen - auch "Snatch" ziemlich begeistert. Ich fühlte mich durchwegs unterhalten von der kurzweiligen, verzwickten und aberwitzigen Story. Und ja, ich fühlte mich durchaus auch von den brutalen Szenen, die teilweise einem Gemetzel glichen, unterhalten, war manchmal gar darüber amüsiert. Und genau so wie bei "Pulp Fiction" frage ich mich nun, ob das normal ist.

Ich gehöre mit Sicherheit nicht zu den Leuten, die alleine das Fernsehen für die Verrohung und Abstumpfung der Gesellschaft verantwortlich machen. Meiner Meinung nach liegen die Wurzeln dafür doch in der Gesellschaft selbst, das Fernsehen ist doch nur das Transportmittel. Und doch finde ich es durchaus nachvollziehbar, das es Menschen gibt, die dieses Massenmedium - und eben auch das Medium Film - diesbezüglich verteufeln. Ich fühle mich geistig durchaus dazu in der Lage zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden, und meine Empathie-Fähigkeit in zweiterem Fall ist durchaus intakt. Es gibt aber sicherlich Menschen, die leichter zu beeinflussen sind (gerade Jugendliche!) und plötzlich nicht mehr nur fiktive Schießereien und deren Urheber cool finden, sondern auch real existierende "Helden" dieser Art. Deshalb finde ich es gerade bei Filmen, in denen auch die Sympathieträger lustig vor sich hin morden, enorm wichtig, dass die FSK strikte Altersbeschränkungen verhängt werden (die von den Kino-Besitzern natürlich auch eingehalten werden sollten!).

Trotzdem bleibt die Frage, wieso man sich überhaupt über brutale Szenen amüsieren kann. Die Antwort ist so einfach wie bedenklich: Der Mensch ist ein Tier, ein grausames dazu, das sich schon immer am Leid Anderer (Menschen oder Tiere) ergötzen konnte. Das begann schon mit den Gladiatoren-Kämpfen (deshalb auch meine heutige Überschrift), und das gibt es auch heute noch höchstoffiziell mit Stierkämpfen, oder illegal mit Hahnen- und Hundekämpfen (übrigens geschickterweise auch in "Snatch" thematisiert!). Und ich muss es mir wohl eingestehen: Auch in mir schlummert ein gewisses Potenzial dieser menschlichen Sensations- und Blutlust. Und Jedem, der jetzt denkt "Tststs, Suppi, das ist doch pervers", dem schleudere ich entgegen: Sei mal nicht so scheinheilig und forsche in deinem Inneren. In Tiefen, die man auf Grund einer ethisch-moralischen Erziehung vielleicht nur noch selten erreicht, die aber nichts desto trotz vorhanden sind...!" Ja, es ist eine Art von menschlichem Bedürfnis, auch wenn wir das nicht wahr haben wollen, das von Zeit zu Zeit gestillt werden will. Und ist es nicht besser, dies mit fiktiven Filmen wie "Snatch" zu tun, als wieder zu den Gladiatoren-Kämpfen zurück zu kehren!?

Doch nun endlich zum Film!


Story:
*****

Der schwierigste Punkt in dieser Filmbesprechung. Was ist euch lieber? Ich erzähle fast die komplette Story - was sich bestimmt über Seiten erstrecken wird - oder ich reiße sie nur kurz an und stoße euch in tiefe Verwirrung. Mir persönlich gefällt eigentlich die zweite Variante besser, schließlich will ich euch ja für einen eventuellen Kino-Besuch erwärmen und diesen nicht überflüssig machen, indem ich alles vorweg nehme. Hmmm, aber euch verwirren will ich ehrlich gesagt auch nicht... Schwierig, Suppi befindet sich mal wieder in einem echten Gewissenskonflikt.

Also ich versuchs jetzt einfach mal kurz und bündig: "Snatch" besteht aus mehreren Handlungssträngen (schon wieder eine Parallele zu "Pulp Fiction"), die alle irgendwo zusammen laufen. Der eigentliche Knotenpunkt ist Brick Top (Alan Ford), ein ungemein hässlicher, ekliger und gnadenloser Gangsterboss, der mit illegalen Box- und Tierkämpfen, aber auch mit damit verbundenen getürkten Wetten Geschäfte und Geld macht. Um ihn herum scharen sich diverse Klein- und Groß-Kriminelle, unter anderem auch die beiden unerfahrenen und ungeschickten Möchtegern-Bösewichter Turkish und Tommy, die für Brick Top Boxer rekrutieren.
Einige andere hoch ehrenwerte Gangster sind hinter einem frisch geklauten 84-Karäter her, der mehrfach den Besitzer wechselt und am Ende an einem gänzlich unerwarteten Ort landet. Auch sonst hält der mehrschichtige Showdown von "Snatch" einige Überraschungen für den Zuschauer bereit...


Darsteller:
********

Ein umfang- und abwechslungreiches Esemble, von Superstar Brad Pitt bis hin zu völlig unbekannten, aber anscheinend nicht weniger begabten Newcomers, ist einer der Garanten dafür, dass dieser Streifen so gelungen ist.

Den schon erwähnten Alan Ford würde ich gerne einmal in einer anderen Rolle sehen, denn so überzeugend er als Brick Top ist, muss man sich schon fragen, ob der Kerl einfach so entsetzlich eklig ist oder ob wir hier tatsächlich einen begnadeten Schauspieler zu Gesicht bekommen.

Benicio Del Torro ist spätestens seit seinem Oscar-Gewinn für "Traffic" vor einigen Wochen einem breiteren Publikum bekannt. Hier gibt er den jiddischen Diamanten-Dieb Franky Four Fingers. Seine Synchronstimme nervt ein wenig. Es wäre interessant zu erfahren, ob Senior Del Torro selbst talentierter für die jiddische Sprache ist.

Das Highlight es Films ist zweifelsohne Brad Pitt als Zigeuner `One Punch` Mickey O´Neil. Dieser ist zum Einen zwar - entsprechend dem Zigeuner-Stereotyp - ein unverfrorener Betrüger und unbeherrschter Schläger, zum Anderen aber ein seine "Mama" liebender Familienmensch. Auch ihn würde ich gerne einmal im Original hören (sobald es die DVD gibt, werde ich zuschlagen), auch wenn ich für mich wenig Chancen sehe, dass ich dann auch nur ein Wort verstehen werde. Mickey spricht nämlich so etwas wie einen Dialekt, den kein Mensch verstehen kann, außer seine Zigeuner-Freunde, die ihn für Außenstehende synchronisieren. Wenn ichs mir recht überlege, versteht man ihn schon in der synchronisierten Version nur vereinzelt, von daher kann das Original auch nicht schlimmer sein!
Was man Brad Pitt hoch anrechnen muss, und was ihm speziell bei mir im Ansehen als Schauspieler steigen lässt: Er beweist besonders großen Mut zur Hässlichkeit. Klamotten, Frisur und ein meist zerbeultes Gesicht erinnern nicht mehr an den Schönling aus "Thelma & Louise" oder auch "Legenden der Leidenschaft" (arghhh!). Lediglich seinen schönen Oberkörper dürfen weibliche, aber auch männliche Zuschauer auch bei "Snatch" wieder bewundern! * schwärm *
Hiermit ist Herr Pitt in meiner speziellen Skala von 0 ("der Typ macht nur Karriere, weil er gut aussieht") bis 10 ("die Karriere von dem Typen hat nur begonnen, weil er gut aussieht, aber der Mann kann tatsächlich schauspielern") nach "Twelve Monkeys" und "Sieben" auf sagenhafte 8,56 Punkte geklettert!

Ansonsten besteht du umfangreiche Darstellerriege eher aus unbekannten Gesichtern, lediglich Dennis Farina ("Out of Sight") und Ewan Bremner ("Trainspotting") dürften dem ein oder anderen etwas sagen. Aber woher Regisseur Guy Ritchie bzw. das Casting-Team die Herren auch kennen (Da stellt sich mir übrigens die Frage, ob in "Snatch" überhaupt eine Frau mitspielt... Ach ja, Sorcha Cusack als Mickeys Mama!), die Hauptsache ist doch, dass sie in die Story passen. Und das tun sie ausnahmslos.


Regisseur und Umsetzung:
*********************

Guy Ritchies Debut "Bube Dame König Gras" ist mir leider durch die Lappen gegangen. Von Kritik und Publikum hochgelobt, bescherte es ihm aber auch prominente Fans. Damit meine ich nicht Madonna, sondern Brad Pitt, der sich angeblich um eine Rolle im neuen Film gerissen hat, bevor er noch wusste, worum es darin überhaupt geht.

Ich habe gehört, dass sich "Snatch" vom Vorgänger vor allem durch die Brutalität und die düstere Atmosphäre unterscheidet. Düster ist der Film ohne Zweifel, schließlich spielt er durchgehend im zwielichtigen Gangster-Milieu. Durch abstruse Details, aberwitzige Wendungen, höchst unterschiedliche Charaktere und Darsteller, die vor allem mit überzogener Mimik agieren, avanciert "Snatch" trotz aller Düsternis zu einer Komödie ersten Ranges. Der Film hebt sich in jeder Hinsicht vom üblichen Hollywood-Brei ab. Und das ist kein Wunder, schließlich kommt Guy Ritchie aus England. Das Allround-Talent hat übrigens auch das Drehbuch geschrieben.

Gearbeitet und variiert wird vor allem auch mit Kamera und Schnitt. Anfangs ist das für das geübte Film-Auge ein wenig gewöhnungsbedürftig, doch schon nach wenigen Minuten legt sich das. Und Nahaufnahmen von Brick Top lassen in einem den Ekel aufsteigen...


Fazit:
******

Die ersten Minuten saß ich ehrlich gesagt reichlich verwirrt im Kinosessel und mir wurde Angst und Bange. Schon vor dem Vorspann stellt uns einer der Protagonisten - Turkish - alle anderen wichtigen Charaktere der Story namentlich und mit einigen Informationen vor. Dies geschieht ziemlich schnell und wird unterstützt von grellen und zum Teil wackligen Bildern. Da man zu diesem Zeitpunkt keinen der Herren kennt, geschweige denn eine Verbindung zwischen ihnen herstellen kann. Als ich mich davon aber erholt hatte, begann ich ganz unabhängig von der Vorabinformation die Charaktere kennenzulernen und die verzwickten Zusammenhänge zu erschließen. Schließlich fühlte ich mich wie das berühmte Mäuschen: Ich wusste - im Gegensatz zu den Herren auf der Leinwand - über alles Bescheid. Was die Spannung nicht im Mindersten schmälerte.

Guy Ritchie ist auch mit seinem zweiten Film ein wunderbar andersartiger Streifen gelungen. Phasenweise erinnert er ein wenig sehr an Quentin Tarrantino, trotzdem weist "Snatch" einen ganz eigenen Stil auf und bescherte mir einen kurzweiligen und spannenden Kinoabend (auch wenn er in mir im Nachhinein zweifelnde Gedanken auslöste, wie ich sie oben beschrieben habe). Wer also eine Schwäche für schwarzen (und zwar rabenschwarzen!) Humor hat, dem sei dieser Streifen wärmstens ans Herz gelegt.

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass Guy Ritchie sich nicht verheizen lässt. Und zwar weder von der Traumfabrik Hollywood (ich bin mir sicher, dass ihm genügend Angebote aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten vorliegen!), noch von seiner holden Gattin Madonna. ;o)

20 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Nietzsche

    06.05.2002, 23:44 Uhr von Nietzsche
    Bewertung: sehr hilfreich

    einer meiner absoluten lieblingsfilme!

  • Netti1982

    08.04.2002, 23:19 Uhr von Netti1982
    Bewertung: sehr hilfreich

    Den Film hast du wieder sehr ausführliche beschrieben, Kompliment von Netti.