Solo Sunny (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von andy77

Berliner Schnauze

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Sunny (Renate Krößner) heißt eigentlich Ingrid und arbeitete vor ihrer Gesangskarriere als einfache Arbeiterin in einem Kombinat. Jetzt scheint sie aber ihr Glück auf der Bühne gefunden zu haben. Als eine von zwei Frontfrauen der Band \"Tornados\" tingelt sie durch die DDR- Provinz und hofft auf den großen Durchbruch. Einmal von den Leuten gewollt zu werden, das ist ihr großer Traum. Ein Traum gepaart mit Wehmut und Hoffnung. Gerade soviel, wie die Lebenssituation hergibt.

Natürlich sehnt sich Sunny auch nach der großen Liebe, die sich nicht so richtig einstellen will in ihrem Leben. Zum einen ist dort Harry, der Taxifahrer, der sie anhimmelt und ohne die Geduld zu verlieren, ständig um sie wirbt. Dann gibt es noch Norbert, der Saxophonist der Band, der Sunny mit dreisten und eindeutigen Angeboten überhäuft. Als sie ihn resolut zurückweist kommt es zur Auseinandersetzung und Sunny muss die Band verlassen. Eine einfachere und willigere Sängerin soll ihren Platz einnehmen. Verliebt hat sich Sunny jedoch in Ralph den Philosophen. In ihm glaubt sie ihre große Liebe gefunden zu haben, doch findet diese Hoffnung nur teilweise Erwiderung. Nur so lange bis Sunny ihn mit einer anderen Frau überrascht.

Erschöpft und von jeglichem Lebensmut verlassen taumelt sie durchs Leben und sucht Halt bei einer Freundin...

\"Solo Sunny\" war Konrad Wolfs letzter Film bevor er zwei Jahre später an den Folgen seiner Krebserkrankung starb. Es ist sein außergewöhnlichster Film, ein Film der neue Wege geht, aneckt und doch unheimlich verständlich und sympathisch daherkommt. Eine bittere Komödie über das Leben einer starken schwachen Frau, die ihren Platz in der Gesellschaft sucht und dann erkämpfen muss. Für mich persönlich der schönste DEFA Film der fast 40 jährigen Studiogeschichte.

Zugleich ist \"Solo Sunny\" der erfolgreichste DDR- Film im Westen. Nach seiner fulminanten Premiere auf der Berlinale 1980, auf der er den Kritiker- und Publikumspreis erhielt und Renate Krößner mit dem Silbernen Bären für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet wurde, brachte ein US- Verleih den Film auch in der BRD in die Kinos. Mit einem beachtlichen Erfolg.

Worin liegt also sein Geheimnis? Schließlich spricht der Film kaum reale Probleme in der DDR an. Sicher liegt es an der großartig aufspielenden Renate Krößner, deren Kampf gegen alles was sich ihr und ihrem Traum entgegenstellt, so aufopferungsvoll dargestellt wird, dass man zwischen Mitleid und Bewunderung hin und hergerissen ist. Es ist ihre Suche nach Glück, nach Anerkennung und natürlich der großen Liebe, die man begleitet, in der man sich wiedererkennt, sich in den eigenen Erinnerungen verliert. Und dies wird begleitet durch den ruhigen, melancholischen, doch nie depressiven Regiestil, der diese Momente des Selbstzweifels oder der Selbsthingabe an den Geliebten so ehrlich einfängt, wie es das DDR- Kino selten schaffte.

Natürlich lassen sich in der Suche Sunnys nach dem persönlichen Glück auch Bezüge zum real existierenden Sozialismus herstellen. Eine versteckte Kritik vielleicht, die nicht unerwähnt bleiben soll, deren Bedeutung für den Film mir jedoch nicht ganz so wichtig scheint. Die Geschichte ist zu persönlich angelegt, um aus ihr einfach einen Kampf Sunnys gegen die Bevormundung von oben zu machen. Diese Suche des eigenen Weges durch das Leben mag symptomatisch für die damalige DDR Jugend gewesen sein, jedoch steht dies nicht unmittelbar im Vordergrund.

Der Autor Wolfgang Kohlhaase und Konrad Wolf fangen vielmehr eine Lebensphase der Hauptfigur ein und beobachten aufmerksam jede Regung, jede Geste von ihr und prägen fast beiläufig ein neues Lebensgefühl. Nicht mehr in der Platte zu wohnen, sondern in einem heruntergekommenen Altbau, den man noch formen kann, der genügend Raum zur eigenen Entfaltung bietet, eine persönliche Nische jenseits der kollektiven aufgedrückten Lebensweise, die von oben diktiert wurde.

Diese Kombination vom Lebensgefühl Sunnys, ihren Problemen, ihren Hoffnungen und ihrer ungebrochenen Stärke machen den Film so einzigartig. Die freche Berliner Schnauze bleibt einem noch lange in Erinnerung. Vor allem auch ihr eindringlich vorgetragener Song, mit dem sie berühmt werden möchte.

Ein großartiger Film!

Als Extras finden sich noch Biografien und Filmografien von Konrad Wolf, Renate Krößner, Alexander Lang und Heide Kipp, eine Bildergalerie, der Original Kino-Trailer, das Original Kino-Plakat und eine 22 minütige Dokumentation \"Auf den Spuren von \'Solo Sunny\' und Konrad Wolf\" auf der DVD.

Wertung: 9,5/10

Erscheinungsdatum: 29. April 2003
FSK: 12 Jahre
Länge: 90 min
Land: DDR 1980
Regie: Konrad Wolf
Darsteller: Renate Krößner, Alexander Lang, Heide Kipp, Dieter Montag, Klaus Brasch, Fred Düren, Harald Warmbrunn
Audio: Mono
Sprachen: Deutsch
Untertitel: keine
Bildformat: 4:3/1,78:1 matted
Regionalcode: 0

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