Spirit - Der wilde Mustang (VHS) Testbericht

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ab 7,03
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Erfahrungsbericht von Laura1984

Gelungener Film von Disney

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es ist schon lange her, daß ich mich auf einen „Trickfilm“ so gefreut habe, wie auf „Spirit“. Im Vorfeld sah ich eine Reportage im Fernsehen mit Hintergrundinformationen und las einige Kritiken über den Film. Was mir dabei auffiel war, daß es scheinbar nur zwei Wege gibt: Entweder man findet diesen Film wunderschön und gelungen oder aber man meckert am laufenden Band und findet alles einfach nur gräßlich. Ich kann nicht einmal mehr sagen wie oft ich las, daß der Film für junge Mädchen wäre, die natürlich Pferdenärrinnen sind und schon so zur Welt kommen. Das las ich bei jeder negativen Kritik und komme mal wieder nicht drumrum mir vorzustellen, daß viele einfach nur irgendwas übernehmen, was sie woanders gelesen haben. Aber es gab auch genauso viele positive Stimmen, die lobten und sogar von pädagogischen Werten sprachen. Mich konnte nichts so recht beeinflussen, denn mein Wille den Film zu sehen war mindestens genauso groß wie Spirits eingeprägter Freiheitssinn.

Spirit ist ein Film, der die Geschichte eines Pferdes erzählt – einem Mustang, der einst in großer und wilder Freiheit lebte und durch einige Abenteuer muß. Einleitung des Filmes ist ein fliegender Adler über einer Landschaft, der an seinem Ziel über einer wilden Herde von Pferden seine Flügel schwingt. Der Erzähler der Geschichte – nämlich Spirit selbst – wird in der amerikanischen Fassung von Matt Damon gesprochen – in unseren deutschen Kinos hören wir Steffen Wink („Tatort“, „Bin ich nicht schön?“).

„Die Geschichte, die ich euch erzählen möchte, findet man in keinem Buch. Man sagt die Geschichte des Westens wurde im Sattel eines Pferdes geschrieben, aber noch nie betrachtete man sie mit den Augen eines Pferdes. Noch nie. Bis heute.“

Er wird geboren, lebt glücklich und zufrieden und wird sogar durch seine Stärke und seinen starken Willen Herdenführer. Nichts scheint diesem Leben im Weg zu stehen. Doch Spirit ist nicht nur unwahrscheinlich schnell und stark, sondern auch sehr neugierig und erkennt bei neuen Dingen nicht das Gespür der Vorsicht. So wird er von Siedlern gefangen genommen und in ein Kavallerie-Fort gebracht um sogleich dort einem Colonel zu begegnen, den er mit einer eingerollten Klapperschlange vergleicht. Ziel des Colonels ist vor allem diesem unbändigem Pferd Gehorsam beizubringen, aber er hat die Rechnung nicht mit Spirit gemacht, denn der will alles andere als sich zähmen lassen ... Es folgen einige Abenteuer, die von nun an begleitend mit Little Creek ihren Weg bahnen – ein Lakota-Indianer, der ebenfalls im Fort gefangen gehalten wird und genauso frei sein will, wie Spirit auch.

Soweit kurz und knapp zur Story, der man wesentlich mehr hinzufügen könnte, aber das halte ich nicht für sinnvoll, da die Geschichte eines ganz sicher ist: Einfach – aber wirksam. Was ich absolut positiv erwähnen möchte ist die Tatsache, daß kein Tier redet. Ja sicher finde ich auch immernoch Filme toll, die mal so gemach wurden, aber sie haben einen ganz eigenen Charakter und ich finde die zunehmende „nichtsprechende Tierwelt“ in Trickfilmen wundervoll. Sie ebnen sich irgendwo doch zu Filmen, die man getrost als Spielfilm bezeichnen kann und altbeliebter Kitsch mal weggelassen wird. Ich denke, mir würde Spirit als sprechendes Pferd auch nur halb so gut gefallen. Die Lösung mit der Sichtweise eines Erzählers und Musikstücken das ganze storytechnisch zu untermauern und zu besteuern ist ein guter Weg und hat mir zumindest sehr zugesagt. Daß einigen das Wiehern der Pferde auf die Nerven ging verstehe ich zum Beispiel gar nicht. Ich fand das nicht störend, weil ein Pferd eben wiehert um sich mitzuteilen. Schwer hatten es die Filmemacher vor allem mit der Darstellung der Pferde. Ein Pferd ist das am schwersten zu zeichnende Tier für die Trick-und Zeichenkünstler dieser Branche. In besagter Reportage hat man gezeigt wieviel Zeitaufwand alleine dafür betrieben wurde, damit Bewegungsabläufe studiert werden können und filmisch eine Umsetzung so realistisch wie möglich geschaffen werden kann. Man hat den Pferden Augenbrauen gegeben, da man mit ihnen Gefühle zeigen kann – ein reales Pferd hat keine – aber ein Pferd was nicht spricht muß irgendwie ja auch so sein, daß man Gefühle erkennbar macht - einzig diese Kleinigkeit und das man beide Augen auch seitlich einsehen kann ist anders als in der Realität. Alleine an der Hauptfigur haben ganze 26 Zeichner gearbeitet und im Laufe von 2 Jahren ließ man 6000 Zeichnungen von ihm anfertigen. Da soll mir nochmal einer sagen, so ein Film ist keine Arbeit ...

Weiterhin hat eine große Zeit auch eingenommen, daß man hier eine Tricktechnik hat die verbindet. Katzenberg nannte es „Tridigital“ – Man hat 2D-Bilder gepaart mit 3D-Bildern und nachdem ich nun den Film in voller Breite gesehen habe muß ich anerkennend sagen, daß die Technik als solches super gelungen ist – eigentlich sind die Übergänge nicht sichtbar. Also hat man hier kein anstrengenden Filmverlauf, sondern eine Mischung die das Auge begeistert und den Film um vieles bereichert. Meist sind die Landschaften digitale Animationen bei denen dann ganz traditionell gezeichnete Kunst davorgesetzt wurde, aber auch Figuren selber, die von dreidimensional zu zweidimensional wechseln – ehrlich – hätte ich es nicht in der Reportage erfahren ich hätte es bei den einzelnen Figuren nie in Erwägung gezogen. Ebenfalls sind die Farben ein einziger Augenschmaus – ich gebe zu, daß ich ein Farbenmensch bin – was heißen soll, daß ich Wirkung von Farben durchaus auch aufnehme und mich gerne „sattsehen“ möchte an so manchen Bildern, nur weil die Farben ein gelungenes Zusammenspiel ergeben – entweder satt oder wundervoll seicht sind. Spirit als solches ist eine Mischung zwischen knallharter Farbenechtheit und romantischer Farbverspieltheit – die aber in jeder Szene absolut passt.

Durch eine Filmkritik, die sehr negativ ausfiel habe ich auch auf gewisse Kleinigkeiten geachtet – insbesondere auf die Schatten bei Bewegungsabläufen – ich erfuhr nämlich in besagter Kritik, daß oft gar keine Schatten vorhanden wären und das Ganze dann so wirken würde wie eine Herde ausgeschnittener Figuren die man irgendwo draufgeklebt hätte. Mittlerweile, nachdem ich den Film ja gesehen habe und auch bewußt auf solche Sachen achtete, frage ich mich, ob dieser Kritiker je Spirit gesehen hat. Es fängt bei dem Einleitungsflug des Adlers schon an, daß sehr wohl Schatten vorhanden sind – es geht beim Herdenlauf der Pferde quer durch Prärie und Wiesen weiter – da hatte jedes Pferd einen Schatten, der eben mitlief – alles völlig realitätsnah. Es geht sogar soweit, daß bei jeder Bewegung auch bei den Filmfiguren selbst Schatten waren und sich mitbewegen – Mensch und Tier gleichermaßen.

Von der Filmgeschichte her gebe ich zu, daß viel mit Klischees gearbeitet wurde. Der Mustang wird gefangen und zu der Kavallerie gebracht – ein junger Indianer befreit ihn und will sich mit ihm anfreunden und natürlich geht es auch um die Geschichte daß Soldaten die Indianer angreifen – ganz kurz aber im Film vorhanden. Das mögen einige wohl nicht so – daß es aber tatsächlich mit nostalgischer Verlogenheit gleichgesetzt wird ist mir ein Rätsel. Ein jeder wird wissen, daß man den wilden Westen nicht umsonst wilden Westen nennt und daß sehr wohl Natur benutzt wurde um Siedlungen zu erschließen – wo ist da eine Verlogenheit – ich finds klasse, daß gerade dann von Dreamworks solch ein Film gemacht wird. Der ist zudem nichtmal politisch zu betrachten, sondern erzählt ein Abenteuer, bevor der wilde Westen ein Begriff sein sollte – Zitat des Erzählers: „Ich wurde hier geboren in diesem Land das einmal der wilde Westen genannt werden sollte.“


Einen Kritikpunkt habe ich allerdings – wobei der mit dem Film ansich dann nicht ganz so viel oder nur halb zu tun hat. Es geht um das Thema Soundtrack. Nun ist es so, daß im Original der Sänger Bryan Adams wundervoll komponierte Melodien und Songs vom berühmten Hans Zimmer singt. (der Deutsche in Los Angeles hat auch die Filmmusik für König der Löwen , Rain Man und weit über 70 anderer Filme geschrieben und ist in Besitz vieler Auszeichnungen bishin zum Oskar) Eines dieser Lieder kann man in den deutschen Kinos am Ende auch hören – es ist „Here I Am“ – aber ansonsten ist in der deutschen Version kein Bryan Adams. Das ist insoweit natürlich richtig und gut, weil gerade die Lieder ein Teil der Geschichte sind und sie auch mittragen und erzählen. Allerdings ist dafür etwas anderes in meinen Augen schon wieder komisch. In der deutschen Version singt alle Lieder Hartmut Engler (wer es nicht wissen sollte er ist der Sänger von Pur) – zu kaufen gibt es aber nur den englischen Soundtrack – ich frage mich aber allen ernstes ob das ein Scherz sein soll. Ich hätte den Film mit englischer Musik sicher ganz toll gefunden – aber ich vergesse ja auch nicht die Kinder ( hatte meine zwei Racker schließlich dabei) die würden wohl kaum damit etwas anfangen können. Aber wenn ich doch sowieso von vornherein einen Film vorgesetzt bekommen bei dem ich eh keinen englischen Soundtrack habe so muß man meiner Meinung nach auch die Lieder von Hartmut Engler öffentlich machen. Aber soweit zur Kritik und nun zu einem Abschlusswort von meiner Seite.

Der Film ist ein absoluter Familienfilm. Er ist für Groß und Klein wie man so schön sagt. Die Mischung aus Abenteuer und Spannung und großer Technik und Gefühl ist sehr gut gelungen. Ehrlich gesagt geht einem gerade die erzählte Freundschaft und Liebe an einigen Stellen sehr ans Herz – ich sag nur: Man sollte vorsichtshalber Taschentücher parat haben. Natürlich gilt das nicht für jeden, aber Menschen die sich in Filme reinversetzen werden meiner Meinung nach nicht drumrum kommen. Die beeindruckende Technik in den Bildern ist natürlich ein großer Empfehlungsfaktor und wer sich von einem animierten Trickfilm nicht abschrecken läßt, ist bei Spirit ganz bestimmt auf der sicheren Schiene.

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