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Erfahrungsbericht von BineHL

Neulich beim Bewerbungstermin

Pro:

entscheidet ihr

Kontra:

entscheidet ihr

Empfehlung:

Nein

Wie einige von euch ja wissen, befinde ich mich gerade im Abschluß meiner Ausbildung zur Industriekauffrau. Nach zwei Jahren „Ausruhen“ kommt nun langsam aber sicher der Ernst des Lebens auf mich zu. Zwar werde ich von meiner derzeitigen Firma für ein Jahr übernommen, aber wenn man bedenkt, daß hier auch gerade eine Entlassungswelle vorbeigezogen ist, kann man verstehen, daß ich gerne einen sicheren Arbeitsplatz für die Zukunft haben möchte und zwar bei einer Firma, die dauerhaft an Arbeitskräften interessiert ist.


Aber nicht nur deshalb schaue ich mich intensiv nach einer neuen Arbeitsstelle um. Der wohl wichtigere Grund ist der, daß ich mich im Rahmen meiner Ausbildung sehr mit der Tätigkeit in der Personalabteilung angefreundet habe. Außerdem habe ich in diesem Bereich die Möglichkeit offen, nach drei Jahren Berufserfahrung an einer Fortbildung zur Personalfachkauffrau teilzunehmen und diesen Weg strebe ich an. Leider jedoch besteht in meiner derzeitigen Firma kein Bedarf an sogenannten Personalsachbearbeitern und von meinem Ausbilder wurde mir bereits vor gewisser Zeit nahegelegt, mich umzusehen und zuzugreifen, wenn bei anderen Unternehmen eine der gewünschten Arbeitsstellen angeboten wird.


Also folgte das leidige Thema Bewerbung. Da eine Bewerbung leider nicht nur daraus besteht, das Formelle, spricht das Anschreiben, den Lebenslauf und die Zeugnisse zu versenden, kommt sehr viel Geld- und Zeitaufwand zusammen. Angefangen von Zeitungsinseraten über im den SIS im Arbeitsamt und schließlich Anfragen bei diversen Großfirmen in der näheren Umgebung. Und schließlich die Zeit beim Bewerbungsgespräch sowie die Fahrtkosten dorthin.


Durch eine Stellenanzeige im SIS erhielt ich den Hinweis auf eine Firma in Aachen, die Personalsachbearbeiter einstellen. Da man die Rubriken Teilzeit, Vollzeit und Zeitarbeit unterscheidet und wie von mir gewünscht Vollzeitarbeit im Stellenangebot angegeben war, ahnte ich also nichts böses, als ich meine Bewerbung verschickte. Auch der Namenszusatz „Personaldienstleistung“ ließ mich nicht stutzig werden. Denn meiner Meinung nach handelt es sich bei einer Personaldienstleisungs-Firma um eine Firma, die für andere Betreibe Dienstleistungen, wie beispielsweise Lohn- und Gehaltabrechnungen, durchführt. Auch die Internetseite dieser Firma berichtete von „unbefristeten Arbeitsverträgen“ und so weiter.


Der große Tag des Bewerbungsgespräches kam. Da ich in Düren – wie schon erwähnt – berufstätig bin, und der Termin um 16 Uhr in Aachen statt finden sollte, mußte ich bereits um 14.30 Uhr meinen Arbeitsplatz verlassen und dafür 1,5 meiner hart erarbeiteten Überstunden opfern.


Die Fahrt verlief unerwartet ruhig und bereits um kurz vor 16 Uhr stand ich bei der Firma auf der Matte. Bereits durch das Schild am Eingang war ich schon vorgewarnt: „Top-Service in Zeitarbeit“ oder so sinngemäß krönte das Firmenschild. Was mich hinter der Türe erwartete, glich einer Arztpraxis: Zunächst wurde mir ein Bogen in die Hand gedrückt, den ich auszufüllen hatte, und der mich nach allerhand Angaben, die auch schon in meinem Lebenslauf detailliert aufgeführt wurden, ausfragte. Diesen durfte ich in einer Reihe von Tischen mit Stühlen ausfüllen. Die „Sitzecke“ die sich auf dem Flur befand bot Platz für etwa zehn Personen. Da ich gebeten wurde, zu warten, hatte ich ausreichend Gelegenheit, den Ablauf in der Anmeldung zu beobachten. Überwiegend Ausländer gesellten sich zu mir. Ich kam mir sehr verloren vor in meinem eleganten Blazer, den ich extra wegen des Anlasses gewählt hatte, da alle anderen sich lässig in Jeans und T’Shirts gaben. Zwei Leute wurden vor mir in die zahlreichen Büros gebeten. Mein Gesprächspartner telefonierte eine halbe Stunde lang und kam mich dann so gegen 16.30 Uhr abholen.


Daß das Gespräch nicht so verlief wie ich von bereits stattgefundenen Gesprächen gewohnt war, sei mal dahin gestellt. Aber irgendwie ist es auch nicht üblich, daß man gefragt wird, ob man sich für Fußball interessiert. Zu dem Ablauf, der mir geschildert wurde, kann ich mir nicht erlauben zu sagen, ob dieser einer normalen Zeitarbeitsfirma entspricht. Zeitarbeit bedeutet, soweit ich es jetzt kennengelernt habe, daß man eine gewisse Zeit bei einem Arbeitgeber arbeitet und nach – in meinem Falle 12 Monaten – diesen wechseln muß, wenn man nicht zufällig das Glück hat, übernommen zu werden. Außerdem weigert sich die Firma, bei der ich war im ersten Jahr der Zahlung von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie vermögenswirksamer Leistungen. Ebenfalls der Urlaubsanspruch wurde von der \"Betriebszugehörigkeit\" abhängig gemacht.


Worüber ich wirklich empört bin, ist, daß ich mir die Zeit und Mühen dieser Fahrt wohl hätte sparen können, wenn in der Rubrik „Arbeitzeit“ in der Stellenanzeige des Arbeitsamtes gleich gestanden hätte, daß es sich um Zeitarbeit handelt. Ich habe noch von einer weiteren Firma in Aachen eine Einladung zum Gespräch bekommen. Diese habe ich ebenfalls vom Arbeitsamt bekommen und die Beschreibung ist nahezu identisch mit der oben genannten. Ein Anruf brachte mir auch hier erst die Wahrheit, daß es sich ebenfalls um Zeitarbeit handelt. Ich habe übrigens mittlerweile beiden Firmen abgesagt und hoffe darauf, auch „selber“ eine geeignete Stelle zu finden.

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