Supposed Former Infatuation Junkie - Alanis Morissette Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von alteSchwedin

Kanadisches Goldkehlchen - Teil 2

Pro:

ungewöhnlich, Alanis' Stimme, tolle Musik

Kontra:

der Vergleich mit "Jagged little pill" - da schneidet dies hier ein wenig schlechter ab

Empfehlung:

Ja

Vorwort
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Ich habe mir vorgenommen, in nächster Zeit über alle Alben von Alanis Morissette zu berichten. In der Reihenfolge „Jagged little pill“, „Supposed former infatuation junkie“, „MTV unplugged“ und „Under rug swept“ werde ich über die Werke dieser insgesamt grandiosen Künstlerin berichten. Da dies die Meinung zu „Supposed former infatuation junkie“ ist, ist dies, wie pfiffige Leute gewiss bemerkt haben mögen, bereits die zweite Meinung zu Alanis Morissette von mir. Über „Jagged little pill“, einem überragenden Album, habe ich schon berichtet. Doch genug der Vorrede, fangen wir an!


Die Künstlerin
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Alanis Morissette wurde 1974 in Ottawa, Kanada geboren, wo sie auch aufwuchs. Schon früh war sie Feuer und Flamme für Musik. Nach einer Debütplatte, die nur in Kanada erschien und mit der sie einen „kanadischen Grammy“ gewann, beglückte sie uns 1995 mit der grandiosen CD „Jagged little pill“, die megaerfolgreich wurde und sogar vier Grammys einheimste. Nach einer ausgedehnten World Tour und einer langen kreativen Pause veröffentlichte Alanis Morissette 1998 diese Platte „Supposed former infatuation junkie“.
Alanis Morissette textet ausnahmslos alle und komponiert fast alle ihre Songs selbst. Ihre grandiose Stimme beherrscht die meisten Songs und die Texte und Arrangements sind ausgefeilt und wunderbar stimmig. Aber ich glaube, ihre Stimme ist es, die ihre Alben so toll, so eingängig macht. Diese ist nämlich ungeheuer wandlungsfähig und klingt in ruhigen Balladen genauso schön wie in rockigen Stücken.


Das Album, das Cover & das Songbook
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Also, erstmal der Titel des Albums: „Supposed former infatuation junkie“ – das reicht das Schulenglisch nicht. Naja, mit diversen Wörterbüchern habe ich dann auch so etwas wie eine Übersetzung gefunden: Vermeintlicher ehemaliger Verliebtheitsjunkie! Sich so was erstmal auszudenken... Insgesamt ist das Album nicht so erfolgreich wie sein Vorgänger „Jagged little pill“ geworden. Doch mir gefällt es ziemlich gut, auch wenn es in der Klasse nicht an seinen überragenden Vorgänger heranreicht.
Auf dem Cover sieht man einen offenen lachenden Mund, in dem ebenmäßige weiße Zähne leuchten. Ich nehme mal an, es ist Alanis’ Mund. Das ganze Cover ist so in leichten Rosa gehalten, das an manchen Stellen mit schwarz eingedunkelt wurde. Darauf sind leicht transparente ebenfalls rosa Buchstaben gedruckt, die meist nur Wortfetzen darstellen. Ganz klein und fast ganz oben ist der sehr kleingedruckte Titel des Albums zu lesen. Die CD selbst ist in dunkelrotbraun bedruckt, auf dem man die Seitenansicht einer zusammengekauerten nackten Frau sehen kann.
Das Songbook ist wieder sehr nüchtern gehalten und nicht mit Hochglanzfotos vollgestopft. Auf leicht in Rosa und Hellgrau bedruckten Flächen findet man die Texte aller Songs. In der Mitte ist ein Bild von Alanis, auf dem sie ihre zu Flechten gedrehten haare durch die Luft schleudert. Auch auf anderen Seiten findet man diese Flechten. Richtig gut gemacht!


Die Songs
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FRONT ROW
Sie steht in der ersten Reihe, ganz vorn. Sie hat viel für ihn getan, doch jetzt fühlt sich nichts mehr für ihn: „I\'m in the front row the front row with popcorn...“
Hier sind erstmals, ganz anders als in allen Songs auf „Jagged little pill“, Einflüsse elektronischer Tonbearbeitung zu hören. Wenn Alanis singt, hört man oft so etwas wie ein Echo, wie Geflüster im Hintergrund. Sich mehr nach Elektronik anhörende E-Gitarren und Percussions bestimmen die Atmosphäre. Der Song ist vollgepackt mit Text, der ziemlich anspruchsvoll gehalten ist. Und Alanis’ Stimme ist eher ungewöhnlich, nicht eindeutig in ein Gefühl einzuordnen. Anders, ungewöhnlich, nicht zum Mitsingen, aber richtig gut!

BABA
Ich denke, Alanis spricht hier die Versprechungen durch verschiedene Sekten kritisch an. Diese fordern von ihren Jüngern oft absoluten Gehorsam und bieten ihm die Erlösung. Doch: „How much will this cost, guru? How much longer till you completely absolve me?”
Untermalende Drums und schnarrende Gitarren leiten das Lied gemeinsam mit Alanis’ Stimme ein. Wie ich schon oft bei ihren Songs bemerkt habe, wird auch hier im Refrain die Musik kräftiger und nachdrücklicher. Das liegt einfach daran, dass in diesem Teil des Songs sie deutlichste Aussage gemacht wird. Insgesamt ist „Baba“ (Das steht wahrscheinlich für so etwas wie „Vater“!) ein toller Rocksong mit wichtiger und kritischer Aussage.

THANK U
Alanis dankt hier allem, was ihr dabei half, aus dem physischen und psychischen Tief, das sie nach ihrer „Jagged little pill“-Tour hatte, herauszukommen. Sie dankt Indien (wo sie in beruhigender Anonymität mehrere Wochen verbringen konnte), dem Terror, der Ernüchterung, der Schwäche, der Konsequenz und der Stille...
Ganz leise nur mit ein paar Keyboardtönen und Alanis’ Stimme beginnt der Song. Langsam setzen dann nicht zu starke Drums und Gitarren ein. Doch bleibt dieser Song eine Ballade. Ihre Stimme wirkt manchmal ziemlich traurig, als ob sie sich an Momente erinnern würde, in denen sie es sehr schwer hatte. Eines der schönsten Lieder dieser CD!

ARE YOU STILL MAD
“Bist du immer noch sauer, dass…”, fragt sie hier. Darüber, dass sie ihn immer mit anderen verglich, dass sie immer flirtete, dass sie viel eher aufgab als er... und noch vieles mehr. Und dann gibt sie auch noch gleich die Antwort: „Of course you are!“ (Natürlich bist du das!)
Wieder fängt der Song wie eine Ballade an: Leise Klaviertöne begleiten ihre melancholisch, aber nicht traurig klingende Stimme. Später setzen auch sanfte Drums und Gitarren ein. Doch gegen Ende verschwinden wieder alle Instrumente und nur das Klavier bleibt, so dass ihre Stimme wunderbar hervorgehoben wird. Mit sämtlichen Instrumenten klingt das Lied aus. Eines der Besseren dieser Platte!

SYMPATHETIC CHARACTER
Er war ihr Ein und Alles. Ihr Liebhaber, ihr Mentor, ihr bester Freund... und trotzdem hatte sie Angst vor sehr vielem an ihm. Und das war das Problem, sie fand in ihm alles und nun ist er weg! Doch irgendwie spüre ich in diesem Song auch Hoffnung, dass sie sich befreien konnte!
Ungewohnt anzuhörende elektronische Klangelemente und leise Percussions leiten den Song ein. Alanis’ Gesang ist hier fast ein Sprechen. Manchmal denkt man, dass sie doch bald umkippen müsste, weil sie kaum Pausen zum Luftholen macht. Teilweise sind auch leise kreischende Gitarren im Hintergrund zu hören. Auch klingt ihre Stimme an manchen Stellen irgendwie verzweifelt, oder als ob sie gegen eine Verzweiflung ankämpft. Nicht überragend, aber solide und etwas ungewohnt.

THAT I WOULD BE GOOD
Sie hofft, dass sie “gut” sein wird, egal wie sie später aussehen oder was sie darstellen wird. Es werden so allerlei Dinge aufgezählt, doch am Ende kommt alles auf einen Punkt: „That I would be good whether with or without you“
Dieser Song ist eine Ballade, wie sie im Buche steht. Nur von einer gezupften E-Gitarre unterstützt singt Alanis hier mit einer bittenden, fast flehenden Stimme. Mit einer Flöte wird am Ende die Melodie sanft fortgeführt und klingt schließlich leise aus. Ein schönes, ruhiges Lied zum Entspannen. Richtig gut!

THE COUCH
Ein ziemlich sonderbares Lied. Alanis singt hier über die Couch eines Psychiaters. Sie erzählt von den verschiedensten Problemen, die Menschen dort berichten können. Ihr kommt es manchmal so vor, als ob sie von ihm ausgeraubt würde...
Anfangs beginnt dieser Song wieder ziemlich ruhig und die texte klingen wieder teilweise gesprochen, so dass meiner Meinung nach ihre Stimme nicht so gut zur Geltung kommt! Der Song ist eine klangliche Einheit. Er fließt so dahin, ohne ungewöhnliche Instrumentierung oder bemerkenswerte Abschnitte. Solide, ich habe aber schon besseres gehört!

CAN’T NOT
Hier singt Alanis darüber, dass man manches einfach nicht tun kann. So richtig komme ich mit der Aussage des Textes auch nicht zurecht. Aber ich denke, dass es etwas mit richtigen und falschen Entscheidungen zu tun hat...
Eigentlich wird sie hier nur von unterschiedlichen Percussions und etwas, dass sich wie mehrere Streichinstrumente anhört, begleitet. Anfangs klingt ihre Stimme manchmal fast verzweifelt, aber am Ende hört sie sich eher klar, entschieden und kraftvoll an. Ganz zum Schluss geht sie fast in der Instrumentierung unter. Irgendwie stimmig, auch wenn ich nicht weiß, um was es eigentlich geht...

UR
In den Strophen geht es darum, dass sie sich vor der Presse, die alles über sie wissen will, versteckt. Mit einer fremden Identität oder ähnlichem... Im Chorus zählt sie verschiedenste Eigenschaften auf: „You are...“ ... kostbar, naiv, rücksichtslos...
Ganz leise mit einer gezupften Gitarre beginnt das Lied. Ihre Stimme klingt wunderbar klar und melodisch.. Langsam setzen mehr Instrumente ein. Doch Alanis bleibt mit ihrer Stimme immer obenauf, sie thront quasi über der Instrumentierung. Auch kann sie hier mal wieder zeigen, was sie auf der Mundharmonika kann. Ein Song der „alten“ Machart, der sehr an „Jagged little pill“ erinnert. Toll!

I WAS HOPING
“Ich hatte gehofft…” Sie erzählt davon, dass sie immer auf das Gute hofft, obwohl sie nicht wirklich glaubt, dass es so etwas wie „Gut“ oder „Böse“ gibt. Sie dachte einmal, dass die Welt grausam sei, doch das ist nicht so...
Irgendwie klingt das Lied überhastet. Ich meine jetzt nicht einfach bloß „schnell“, nein, es ist irgendwie zu hastig. Dieser Song ist auch auf der „unplugged“ zu hören und da klingt er richtig genial. Elektronische Klangelemente und Alanis’ Stimme, die anfangs ungeheuer rein klingt, sich dann aber leider nicht richtig entfalten kann, hört sich melancholisch an. Von der Grundlage her ein tolles Lied, aber ich habe schon eine bessere Ausführung gehört!

ONE
Hier spricht sie ehrlich über ihre scheinbar (jedenfalls steht’s so im Text) zahlreichen Fehler. Sie bittet um Vergebung.
Eine getragene Hintergrundmelodie und leichte Percussions heben Alanis’ Stimme toll hervor. Irgendwie klingt sie hier resigniert, beinahe weise und doch froh. So richtig kann ich es gar nicht beschreiben, aber dieser Song ist wirklich grandios! Denn er konzentriert sich völlig auf die so vielseitigen Facetten ihrer Stimme.

WOULD NOT COME
Irgend etwas wird nicht kommen, egal, was sie dafür tut. Noch so ein Song dieses Albums, bei dem ich die Aussage nicht mitkriege. Wird schon langsam zur Gewohnheit...
Gemein klingendes Gelächter leitet den Song ein. Diesmal ist er sehr rhythmusbetont und Alanis’ Stimme klingt immer leicht kreischend und hysterisch. Aber vielleicht scheint mir das auch nur durch die stellenweise kreischenden Gitarren so. Nicht so mein Geschmack...

UNSENT
Sie spricht hier verschiedene Männer direkt an. Sie sagt, was sie an ihnen mochte, was nicht und was sie ihnen verdankt. Manchmal erwähnt sie auch, was sie sich für die Zukunft wünscht.
Nur eine ganz leise, sanft gezupfte Gitarre begleitet die Sängerin am Anfang. Über den ganzen Song kommen nur noch leichte Drums hinzu. So kann man ihre wehmütige Stimme sehr gut heraushören, die sich manchmal auch amüsiert anhört. Teilweise hört es sich so an, als ob sie schon sehr alt wäre und sich an ihr Leben erinnern würde. Richtig gut!

SO PURE
Aus diesem Titel stammt der Titel des Albums. Es geht darum, dass sie es liebt, wenn er tanzt: „I love you when you dance when you freestyle in trance so pure such an expression…”
Anfangs singt sie ganz schon Begleitung, dann kommen rhythmische Percussions hinzu. Ein ungewöhnlicher Song, aber auch ungewöhnlich gut. Man kann sich vorstellen, dazu zu tanzen...

JOINING YOU
Das ist eines der sehr bekannt gewordenen Lieder des Albums. Alanis singt davon, dass sich ihr bester Freund umbringen wollte. In den Strophen ist die Rede davon, wie ihr gemeinsames Leben verlief. Und im Chorus spricht sie an, dass sie sich mit ihm vereinigen (und ihm dadurch helfen) würde, wenn manches anders wäre...
Nur Riffs auf einer E-Gitarre begleiten anfangs Alanis’ Stimme. Später wird die Gitarre „schwächer“ und Drums setzen ein. Hier klingt sie irgendwie traurig. Sie beklagt sich... Das passt zum Thema!

HEART OF THE HOUSE
So viel wie ich hier vom Text verstanden habe (was nicht viel war), geht es um ihre/eine Mutter. Sie erzählt davon, dass ihre Mutter das Herz des Hauses, der Familie, ist. Davon, dass sie dahinter alles zurückstellt...
Mit ganz hoher Stimme singt Alanis hier das ganze Lied hindurch. Begleitet wird sie nur durch ganz leise Percussions, sanfte Streicher und eine Gitarre. Ein ganz ruhiger Song zum Entspannen. Ungewohnt zu hören, aber richtig gut!

YOUR CONGRATULATIONS
Alles, was sie wollte, war seine Anerkennung, seine Glückwünsche. Dann wäre vieles anders gelaufen...
Ganz traurig klingt Alanis’ Stimme, als sie, nur von einem wie von einem Anfänger geklimperten Klavier begleitet, beginnt zu singen. Das einzige Instrument, das noch hinzukommt, ist eine leise Violine. Ihre Stimme kommt bei diesem Song voll zur Geltung! Ein trauriger, aber auch besinnlicher Ausgang des Albums.


Fazit
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„Supposed former infatuation junkie“ ist ein richtig gutes Album. Zwar muss man sich erst an die ziemlich komplizierten Texte und die oft ungewöhnlichen Arrangements gewöhnen, doch wenn das erstmal geschafft ist, steht dem Hörgenuss nichts mehr im Wege.
Im Gegensatz zu „Jagged little pill“ wird man jedoch nicht so angeregt. Sicher, ihr Stil ist auf diesem Nachfolgealbum anders als auf der Debütplatte. Doch auch wenn ich das außer Acht lasse, muss ich hier im Vergleich zu „Jagged little pill“ Abstriche machen. Also: Für Fans ganz sicher ein Muss und ein Genuss. Allen anderen empfehle ich erstmal ihre Debüt-CD! Beide CDs sind für jeweils ungefähr 15 € in den meisten CD-Geschäften erhältlich!

Auch hier sei wieder auf ihre geniale Internetsite www.alanismorissette.com hingewiesen!

(So, das war Teil zwei von insgesamt 4. Die anderen folgen demnächst!)

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