Taizé Testbericht
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Erfahrungsbericht von Alente
Komm mit, ich möcht\' dich zur Quelle führen
Pro:
Besinnung, Ruhe, Frieden, Gemeinschaft, Liebe
Kontra:
naja, die Toiletten vielleicht ... ;o)
Empfehlung:
Ja
Hallo liebe Community! :o)
Heute möchte euch über ein ganz besonderes Thema berichten. Es soll wieder um einen „Ferienort“ gehen, obwohl es meiner Meinung nach sogar „mehr“ als das ist, aber das werdet ihr schon merken... *lach*
In meinem heutigen Bericht geht es um „Taizé“ im Burgund (Frankreich), das ich vor ungefähr einem Jahr besucht habe. Ich hoffe, ich kann euch mit dem folgenden Bericht viele Informationen liefern. Viel Spaß beim Lesen.
*~ Wer oder was ist eigentlich Taizé? ~*
Taizé ist ein kleiner Ort – oder eher ein Hügel neben dem Dörfchen Ameugny – in Südburgund (Frankreich). Dort gründete Frère Roger (Bruder Roger) im Jahre 1940 eine internationale, ökumenische Communauté, eine Gemeinschaft also, an der jede christliche Religionsausrichtung und jede Nationalität teilhaben kann. Die Brüder der „Communauté de Taizé“ teilen sich ihr Leben lang materielle und spirituelle Güter, leben in Ehelosigkeit und führen einen schlichten, aber tiefen Lebensstil. Heute gehören zur Communauté an die hundert Brüder aus über 25 Nationen, Katholiken und Brüder aus verschiedenen evangelischen Kirchen.
Die Communauté bietet Jugendlichen und Erwachsenen Menschen die Möglichkeit, sie für einen gewissen Zeitraum an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Das gesamte Jahr über gibt es einen großen Andrang auf Taizé, besonders Jugendliche, die ein bisschen Zeit für sich, für Gebete und Gespräche untereinander, sind von diesem Ort der Stille und der Besinnung begeistert. Zu tausenden nehmen Jugendliche und Erwachsene an den wöchentlichen Jugendtreffen mit Gebeten und Gesprächsgruppen teil.
Es gibt aber auch außerhalb von Taizé die Möglichkeit, diesen außergewöhnlichen Ort kennen zu lernen. Die Brüder der Communauté unternehmen Besuchsreisen und bereiten kleinere oder größere Jugendtreffen in Afrika, Süd- und Nordamerika, Asien und in Europa vor.
Ich selbst war vor zwei Tagen bei der „Nacht der Lichter“ von Taizé, die in der Jugendkirche „Effata“ unserer Stadt Münster stattgefunden hat. Für die „Nacht der Lichter“ ist ein sehr lieber und ein mir schon bekannter Frère aus Taizé angereist und hat mit uns gesungen und gebetet.
Die Brüder von Taizé sehen sich selbst als einen Teil eines „Pilgerwegs des Vertrauens auf der Erde“ und bemühen sich, dies auch beizubehalten.
*~ Wie ich darauf gekommen bin, nach Taizé zu reisen ~*
Eine damalige Freundin von mir hatte schon vor mir oft Taizé besucht und hatte mir jedes Mal begeistert davon berichtet. Sie sprach von Taizé als einen Ort der Besinnung und „wo man mal endlich in Ruhe nachdenken kann“. Da ich zu der Zeit in einer schwierigen Lebensphase steckte (Trennungen, Zweifel, Ängste, Liebeskummer, Schmerz), dachte ich mir, ich probiere es auf jeden Fall einmal aus. Schaden würde es mir ja bestimmt nicht – so dachte ich.
Meine Freundin hatte mir bestätigt, dass es sich zwar in Taizé um eine religiöse Gemeinschaft handle, aber keine bestimmte christliche Religionsrichtung beachtet würde – es geht in Taizé lediglich um den Bezug zu Gott; egal wie er angeschaut oder genannt wird. Es würden keine extremen katholischen oder evangelischen oder sonst irgendwelche Ideologien indoktriniert; jeder hätte die freie Wahl, sich an dem Leben in Taizé zu beteiligen. Keine Zwänge und nichts sektenähnliches.
Dazu muss ich sagen, dass ich persönlich nicht ein Mensch bin, der „Kirchenfanatisch“ ist oder besonders oft in die Kirche geht. Jedoch spielt der Glaube an Gott – sprich: an eine höhere, gütige Macht – für mich und mein Leben eine sehr wichtige Rolle. Für mich ist es wichtig, einen Bezug in meinem Leben zu haben, eine Quelle, zu der ich gehen kann, wenn es mir schlecht geht – und sei es nur ein Gebet oder eine Reflektion. Ich schaffe es nicht, „ohne Gott“ zu leben. Freilich stimme ich ihn vielen Bezügen der heutigen Kirche und der christlichen Ideologien nicht ganz zu – mir ist es aber nicht wichtig, jeden Sonntag zur Kirche zu gehen, sondern ich empfinde es als wichtiger und nützlicher, mir Gedanken zu machen über mich, über mein Leben, mein Handeln und Wirken und natürlich über die Kraft, die von einer höheren Instanz – von Gott – kommt; eine Kraft, die mir Hoffnung und Glauben einflößt und elementar für ein glückliches Leben ist.
Somit ließ ich mich von meiner Freundin überreden, eines Abends mit auf ein Taizé-Treff ganz in der Nähe unserer Stadt zu kommen. Das Treffen fand zunächst in einer kleinen, gemütlichen Kirche statt. Der gesamte Altarbereich war von Teelichtern und Kerzen geschmückt. Es wurden mir z.T. unbekannte, aber wunderschöne, Kirchenlieder gesungen – viel entspannter und vertrauter als die bekannten Kirchenlieder aus meiner Gemeinde.
Nach dem kleinen, improvisierten Gottesdienst traf man sich in einem Nebenraum der kleinen Kirche und bekam mehrere Informationen über Taizé und das Leben in Taizé – es wurde ein kleiner Film gezeigt, der ein paar Stimmen von Jugendlichen, die Taizé besuchten, verlauten ließ. Daraufhin bekam man einen Anmeldungsbogen, wo man Namen usw. eintrug und die Kontonummer, auf die man das Geld überweisen sollte.
*~ Preis und Länge des Aufenthaltes ~*
Der Reisebus fuhr am 19. Oktober 2003 um 5 Uhr morgens von Nordkirchen (NRW) ab und sollte gegen Nachmittags in Frankreich ankommen. Die Rückreise sollte am 26. Oktober angetreten werden. Somit fuhren wir eine ganze Woche nach Taizé – eine Woche Vollverpflegung, Gesang, Besinnung und (so hofften wir) viel Spaß.
Dafür habe ich 125 € bezahlt, was ich als sehr fair erachte. Ich kann vorweg schon sagen, dass das Preis-Leistungsverhältnis auf jeden Fall gestimmt hat.
*~ Die Baracken ~*
Kommen wir zum Wichtigen: wie es in Taizé aussieht! Man sollte – schon vorab gesagt – nicht zu viel Komfort erwarten; ich darf ich euch noch einmal in Erinnerung rufen, dass die Brüder der Communauté eine „schlichte“ Lebensweise führen. Wenn nun Gäste am Leben in Taizé teilnehmen möchten, müssen sie sich ebenfalls an diese schlichte Lebensweise anpassen.
Nach der Ankunft am 19. Oktober, mussten wir zunächst einmal abwarten, bis uns bestimme Baracken – sprich Wohnunterkünfte – zugeteilt wurden. Der Begriff „Baracke“ ist mag zunächst ziemlich abschreckend klingen, für mich war es auch ein wenig seltsam.
Die „Baracken“ sind jedoch keine baufälligen Hütten, sondern einander gereihte Bungalows aus solidem Holz verkleidet, fast schon wie in einem kleinen Dörfchen. Die Baracken sind sehr spärlich eingerichtet. Meine Baracke (Nr. 142) hatte eigentlich nur zwei kleine Heizungen, einen festen Boden und sechs Hochbetten – wir waren also insgesamt zwölf „Barackenmitglieder“.
Auch bei den Betten hieß es: nicht viel Komfort! Meine Freundin hatte mich schon vorgewarnt und mir gesagt, ich solle einen sehr warmen Schlafanzug (am besten sogar Trainingsanzug!) zum Schlafen mitbringen, und dazu noch eine Extradecke oder einen Schlafsack und ein zusätzliches Kissen. Bettwäsche musste ebenfalls mitgenommen werden. Diejenigen mit viel Anspruch unter euch sollten sich jetzt nicht erschrecken, und im weiteren Verlauf des Berichtes nicht ohnmächtig werden *lach* - Taizé ist und bleibt ein Ort, an dem es um „mehr“ geht als um materielle Komfort.
Steckdosen gibt es nur außerhalb der Baracken. Das hieß: Haare fönen nur draußen in der Kälte! Handyaufladen nur unter Aufsicht (obwohl Taizé wohl der letzte Ort wäre, an dem was geklaut werden würde – aber sicher ist halt sicher).
Außerdem ist es auch wichtig zu wissen: Keine besonderen Klamotten mitnehmen! Feste Schuhe einpacken! Und besonders im Herbst und Winter sehr warm und dick anziehen! In Taizé gibt es zwar auch schöne Tage und im Sommer ist es auch schön warm, jedoch haben wir im Herbst letztes Jahr wirklich kalte Tage erwischt.
Mit den Baracken hatten wir (meine Freunde und ich) sogar viel Glück, denn es gab Pechvögel, die auf Grund des großen Andrangs keine Baracke mehr zugeteilt bekamen, und in einem Zelt schlafen mussten.
*~ Toiletten ~*
Ohhhh Greuel ... nein nein nein, ich will mich nicht daran erinnern, ich will mich nicht daran erinnern, ich will nicht, ich will nicht ...
*lach* Naja ... so schrecklich war es vielleicht doch nicht, aber auf keinen Fall schön! Besonders im Herbst, als es auch einige Tage regnete, war der Boden der Toiletten total dreckig. Die Klos waren spärlich und nicht besonders komfortable oder modern ... ich habe mich nur in Notfällen hineingetraut. Es gab zwar genügend Klos und auch sehr viele auf der Umgebung verteilt, jedoch war es besonders morgens wichtig, früh genug aufzustehen, um auch pünktlich fertig zu sein.
Die Duschen waren auch nicht besser. Normalerweise dusche ich brav jeden morgen, aber dort habe ich es so oft vor mir hergeschoben, wie es nur ging. Zum Teil gab es nur sehr kaltes Wasser und die Duschen schienen sogar ein bisschen zu müffeln. Da ich extreme Angst vor Fußpilz habe, habe ich (dank eines guten Tipps meiner Freundin) nur mit Badeschlappen geduscht, was ich auch jedem wärmstens empfehlen würde.
Schminken oder groß aufmotzen ging natürlich auch nicht. Ich persönliche habe mir dort nur ein bisschen das Gesicht eingecremt und das war’s dann auch schon. In Taizé – das ist das Tolle – ist es total egal, wie man aussieht. Aber später erzähle ich mehr dazu.
*~ Das Essen ~*
Dreimal am Tag gab es etwas für die Beißerchen. Bei Beginn der Anreise bekam man Essensmarken, die für die gesamte Aufenthaltszeit reichen sollten. Die Marken beinhalteten aber nur Mittagessen und Abendessen – da durfte man nur einmal von essen. Beim Frühstück konnte man sich aber auch Nachschlag holen.
Auch beim Essen gilt: erwartet keinen Komfort! Gegessen wird draußen, auf den Bänken, unter den Vordächern, was ich persönlich aber überhaupt nicht schlimm fand.
Das Frühstück ist sehr einfach gehalten: es gibt ein kleines Baguettebrötchen (Achtung, wir sind in Frankreich!) mit einem Stück sehr kalter und harter Schokolade (ja, Schokolade!), einem kleinen, eingepackten Stückchen Butter und einer Schüssel heißen Tee oder Kakao (durfte man sich aussuchen). So – was nun, denkt ihr euch? Wie kann man sich von so einem Frühstück ernähren und vor allem: WIE? Ohne Messer oder Unterlage oder Teller oder Serviette?
Kreativität ist jetzt gefragt! Man nimmt die steinharte Butter, legt sie unter den heißen Tee/Kakao, wärmt die Butter damit auf und streicht sie dann mit Hilfe der steinharten Schokolade auf das aufgerissene Baguettebrötchen. Die Schokolade klemmt man dann zwischen die beiden Hälften des Butterbaguettes und lässt es sich schmecken! So seltsam es sich für manche für euch anhören mag: dieses Frühstück war das Beste, das ich jemals gegessen habe! *lach* Durch die Einfachheit ist dieses Essen besonders schmackhaft.
Natürlich kann man sich von zuhause Nutella, Marmelade, etc. oder Besteck mitbringen. Meine Freundin hatte kleine Würstchen mitgebracht, die wir einige Zeit – bis sie leer waren – mit verputzten ;o). Das bleibt aber jedem selbst überlassen, was er mitbringt. Das typische „Taizé“ Flair geht aber dadurch ein klein bisschen verloren.
Ansonsten habe ich natürlich sehr viel Proviant mitgenommen. Schokolade, Kekse, Bonbons, usw. :o) Vor allen wenn man mal Abends oder Nachmittags Hunger auf einen Zwischensnack hatte, war das Proviant stets herzlichst willkommen!
Das Mittagessen und Abendessen fiel eigentlich jedes Mal recht üppig aus. Auch hier durfte man nicht besonderen Komfort erwarten, sondern sich mit einfachen Speisen begnügen. Gegessen wird in Kunststofftellern, die schon recht alt sind und nicht so toll aussehen. Zum Essen musste man sich draußen anstellen. Die Essensschlangen sind bei mehrere hundert Leute ziemlich lang, aber auch sehr lustig! Es ist spannend, zwischen so vielen Menschen zu stehen, die z.T. aus vielen verschiedenen Ländern kommen. In Taizé ist es sowieso sehr einfach, Kontakte zu knüpfen (mehr dazu später). Das Schlangestehen hat mir also überhaupt nicht missfallen. Außerdem ging es recht schnell zur Essensausgabe hin. Das Essen wurde aus großen dampfenden Töpfen geschöpft – von Jugendlichen, die sich freiwillig dafür gemeldet haben (ich erzähle aber gleich mehr zu den einzelnen „Jobs“ in Taizé). Zum Hauptgericht (z.B. Nudeln, Kartoffeln, Gemüse, Eintopf, usw.) gab es entweder etwas mit Fleisch oder Vegetarisches (je nachdem ob man sich bei der „Vegetarier“- oder „Nicht-Vegetarier“-Schlange angestellt hat). Zu dem Hauptgericht kam noch ein Stück Obst (Apfel, Birne, Banane), eine kleine Packung Kekse (z.T. wirklich sehr lecker!) und Joghurt oder Quark. Wenn das Ganze dann verputzt war, gab man das dreckige Geschirr bei den Spül-Leuten ab (ebenfalls freiwillige Melder).
Zwischendurch gab es die Teezeit. Da wurden an alle leckeren Taizé-Tee (wer meine Kommentare zufällig mitbekommen hat, könnte wissen, dass ich Tee eigentlich nicht ausstehen kann, aber dieser leckere Zitronentee, den gibt’s nur in Taizé und der hat sogar mir geschmeckt) und ein Stückchen Kuchen oder ein Päcken Kekse verteilt. Ein guter und wärmender Snack für zwischendurch, denn zur damaligen Zeit war es sehr kalt.
*~ Tagesablauf in Taizé ~*
So, jetzt wird es erst richtig interessant, denn ich möchte euch erzählen, wie ein Tag in Taizé denn so aussieht. Dazu muss ich im Voraus sagen, dass ein Tag in Taizé grob in drei Teile gegliedert ist, und zwar durch die drei Gebete am Tag (Morgen-, Mittag- und Abendgebet).
8.15 Uhr: Das Morgengebet beginnt. Dabei ist es natürlich nicht Pflicht, dort zu erscheinen. Es ist jedem selbst überlassen, ob er an dem Morgengebet teilhaben möchte, oder nicht.
Nach dem Gebet geht es ab zum Frühstück, das ich ja schon oben beschrieben habe.
10.00 Uhr: Treffen (Bibeleinführung)
12.20 Uhr: Mittagsgebet
13.00 Uhr: Mittagessen
14.00 Uhr: Singenüben in der Kirche (besonders schön für Musikinteressierte und alle, die gerne und engagiert singen)
15.30 Uhr: Treffen der Gesprächsgruppen oder Workshops (sprich: Arbeiten, aber mehr dazu gleich); samstags ist um diese Zeit meistens ein Nationentreffen
17.15 Uhr: Teezeit
bis 19.00 Uhr: Selbstgestaltete Zeit
19.00 Uhr: Abendessen
20.30 Uhr: Abendgebet (mit offenem Ende)
Samstags Abends ist das Abendgebet mit einer Lichterfeier (mit Kerzen) verbunden. Sonntags ist der Tagesverlauf ähnlich, jedoch ein bisschen später (man darf länger schlafen).
***** Die Gebete
Die Gebete stellen eigentlich das Wichtigste im Leben in Taizé dar. Sie stehen für Besinnung, Frieden, sozialen Kontakt, Liebe, Zugehörigkeit, Singen, Freude und Ruhe. Die Gebete sind zwar vielleicht in einigen Beziehung ähnlich den Gottesdiensten, aber auf keinen Fall gleichzusetzen. In einem Gottesdienst sitzt man auf harten Bänken oder steht in der Kirche, hört dem Pfarrer oder Priester zu und wiederholt stereotype Sätze (okay, eingefleischte Kirchenverteidiger werden mich jetzt lünchen *lach*). Während den Gebeten herrscht eine wundervolle Stimmung.
Die Kirche von Taizé ist riesig und sehr zentral. Beim ersten Mal, als ich eintrat, kam es mir z.T. wie ein großer Saal. Es gibt keine Fliesen, sondern überall Teppichboden, was den Raum gleich viel wärmer macht. Es ist größer als drei oder vier Kirchenräume in einem, und man sieht keine Marienstatuen oder Jesusbilder. Die Wände sind mit Holz verkleidet und verleihen dem Raum (ich kann es gar nicht so recht Kirchensaal nennen) eine warme und gemütliche Atmosphäre.
Es gibt keinen richtigen Altar an sich, wie man es aus normalen Kirchen kennt. Durch die Mitte des Saales ist ein abgegrenzter, länglicher Platz (nicht mit Zäunen oder so, aber man erkennt halt kleine Grenzen), an dem die Brüder von Taizé ihren Platz finden. Ganz hinten im Saal (wo eigentlich der Altar stehen müsste) ist ein schlichtes Holzkreuz und vor allem viele Kerzen und ein Gebilde aus Tüchern und Lichtern. Ich werde auch Fotos veröffentlichen, die euch helfen sollen, meine Beschreibung zu verstehen. Die Tücher sind dunkelrot und durch die Lichter und die Tücher wirkt der Raum noch wärmer.
Und wo sitzen wir während der Gebete? Ganz einfach: auf dem Boden. Man kann die Schuhe ausziehen, die Jacke ausziehen, sich gemütlich auf den Boden hinsetzen und sich sogar (sofern es genügend Platz für alle gibt) hinlegen. Jedoch ist es nicht gern gesehen, sich auf den Rücken zu legen, weil es in der orthodoxen Religion den Tod symbolisiert.
Das Gebet ist vor allem geprägt von Liedern und Gesängen. Die Taizé-Lieder sind weltbekannt und finden sich sogar in den „normalen“ Kirchenbüchern. Vor dem Eingang der Kirche befinden sich viele Liederbücher, von denen man sich eins nehmen darf. Die Lieder sind meditativ und zum größten Teil sehr einfach. Man lernt sie sehr schnell auswendig, weil sie eben so einfach sind und so einprägsame Melodien haben. Die Lieder werden sehr oft wiederholt. Man kann sich das durch meine Beschreibung vielleicht nicht vorstellen, aber dieses Gefühl, zusammen mit mehreren hundert Menschen in einer Kirche zu sitzen und genau dieselben Lieder zu singen, ist einfach unbeschreiblich schön. Ich musste weinen, als ich dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit und Liebe zu spüren bekam. In Taizé ist jeder Mensch gleich. Es ist egal, woher man kommt, ob man dick oder dünn ist, ob man Pickel hat oder ob man vielleicht sogar behindert ist. Es herrscht eine so große Akzeptanz, die mich einfach nur staunen lässt. Nirgendwo sonst habe ich so eine intensive Menschlichkeit gespürt, wie während der Taizé-Gebete.
Zwischen den Gesängen, die den Hauptteil der Gebete darstellen, lesen die Brüder verschiedene Fürbitten vor, oder erzählen eine Geschichte. Dabei ist dieser Akt nicht zu vergleichen mit der Predigt in der Kirche. Das Tolle ist, dass in verschiedenen Sprachen gesprochen wird – mal auf Französisch, dann auf Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, und, und, und.
Die Gebete wollte ich persönlich nie missen. Diese unglaubliche Energie, die von den Menschen auskam, ist einfach nur schön und tut der Seele unheimlich gut. Wenn ich jetzt daran denke und alles mir wieder in meine Erinnerung kommt, muss ich sagen, dass ich Sehnsucht spüre nach diesem Gefühl, das bei den Gebeten aufkam. Denn nirgends sonst habe ich so ein Gefühl bis jetzt gefunden.
***** Treffen (Bibeleinführung)
Bei der Ankunft in Taizé, am ersten Tag, bekam man nicht nur Essensmarken, sondern man durfte sich auch ein Thema für die Bibelgesprächgruppen aussuchen. Die Bibeleinführung fand immer morgens statt, zwischen dem Frühstück und dem Morgengebet. Die Bibeleinführung befasste sich mit dem Thema, das man sich gewählt hat. Es geht natürlich um religiöse Themen. Ich hatte damals vier Auswahlmöglichkeiten und habe „Was für ein neues Leben bietet Jesus uns an?“ ausgesucht – zugegeben, kein sehr interessantes Thema. Aber da die Bibeleinführung auch nur 45-60 Minuten dauert, habe ich gedacht, dass es schon nicht so schlimm werden würde.
Tatsächlich war der Bruder wirklich sehr locker und lustig, hat mit uns herumgeblödelt und gelacht. Er hat sehr gut die Inhalte vermittelt, und es wurde selten wirklich langweilig. Während der Tage in Taizé, hatten wir sechs Tage lang (quasi jeden Tag, außer den Ankunfts- und Abreistag) die Bibeleinführung. Es wurde also sechs Tage lang das Thema behandelt und fortgeführt.
Zum Teil muss ich sagen, dass ich mich nicht immer für die Bibeleinführung interessiert habe. Es war das Einzige in Taizé, auf das ich hätte gut verzichten können. Der Bruder war zwar nett und lustig, aber mich mit der Bibel zu befassen, war noch nie so mein Fall gewesen. Es geht auch in Taizé weniger um diese Bibeleinführung, die eher Denkanstöße geben soll, sondern eher um das eigene, individuelle Befinden und Gefühl.
***** Treffen der Gesprächs- und Arbeitsgruppen
Passend zu der Bibeleinführung, wurde man dann in verschiedene Gesprächsgruppen eingeteilt. Die Gruppen sind beinhalten ungefähr 7-10 Personen und werden von einer Gruppenleiterin oder einem Gruppenleiter geleitet und geführt. Die Gruppenleiter versuchen, die Thematik der Bibeleinführung irgendwie zu vertiefen zu eine Diskussion zum Laufen zu bringen.
Mir haben die Gesprächsgruppen eigentlich recht gut gefallen, es war schön, mit Gleichaltrigen Jugendlichen über ernste Themen zu reden – nicht spezielle über Jesus, sondern eher um das tägliche Leben, die Probleme, die Gedanken, usw. Es war kein engstirniger Religionsunterricht, sondern wirkte eher wie eine interessante Diskussion unter Gleichaltrigen, die „über den Tellerrand“ schauen möchten.
Dann gibt es noch die Arbeitsgruppen, die man sich selbst so zusammenstellen konnte, wie man wollte. Am ersten Tag in Taizé beschloss man, ob man ganztags oder halbtags arbeiten wollte.
Die Taizé-Gemeinschaft ist vor allem geprägt von gegenseitiger Rücksichtsnahme und Respekt. Es gibt niemanden, der sich vor der Arbeit drückt. Leute, die nichts für eine Gemeinschaft tun möchten, kommen einfach nicht nach Taizé.
Außerdem kann man die Arbeit auch nicht als Arbeit ansehen, da es super viel Spaß gemacht hat. Ich war in einer Gruppe mit meinen Freundinnen und Barackenmitgliedern und kann nur sagen, dass es total lustig war, zusammen etwas zu machen, etwas Produktives, und sich danach mit einem leckeren, warmen Tee zu belohnen. Die Arbeiten waren auch wirklich nicht schwierig und man konnte sich zum Großteil auch aussuchen, was man machen wollte. Wir waren damals die „Putzkolonne“ – wir haben einen Teil der Baracken geputzt, Rundblätter an die Türen geklebt oder leere Baracken gesäubert. Andere Jobs waren, wie oben schon erwähnt, Spülen (eher Wasserschlacht zu nennen *g*), Essensausteilung, usw.
*~ Wichtige Orte ~*
***** Kirche
Der wichtigste Ort ist natürlich die Kirche. Die Kirche ist das Zentrum des Lebens in Taizé.
Man kann sie natürlich auch noch Abends, nach dem Abendgebet, sehr lange bleiben. Während der freien Zeit kann man sich in die Kirche setzen, hinlegen, schlafen, dösen, lesen, malen, zeichnen, schreiben oder einfach nur nachdenken, beten oder meditieren. Es ist einfach ein schönes Gefühl, in die warme Kirche zu gehen und zu tun, wozu man Lust hat. Wenn man ein bisschen Ruhe braucht, zum Nachdenken oder einfach nur zum Nichts-Tun, dann ist die Kirche der beste Platz überhaupt. Ich habe dieses Gebäude richtig in mein Herz geschlossen.
***** El Abiodh
Dies ist die „Krankenstation“ von Taizé. Wenn man sich krank oder schlecht fühlt, sich verletzt hat oder Rat und Hilfe braucht, kann man dort hingehen, und sofort Unterstützung und Hilfe bekommen. Ich und meine Freunde musste zum Glück kein Mal zu „El Abiodh“.
***** Der Oyak
Jupidu! Der Oyak ist einfach klasse! Es ist eine zentrale Stelle, an der sich Jugendliche nachmittags, aber vor allem abends, nach dem Abendgebet treffen, und zusammen reden, etwas essen, trinken, singen, musizieren (es gibt immer jemanden mit Gitarre!) oder einfach nur beieinandersitzen und den Abend schön ausklingen lassen. Es ist eine schöne Atmosphäre und vor allem lernt man viele neue, nette Menschen kennen, die sehr aufgeschlossen sind und einen sofort annehmen.
Beim Oyak kann auch so „lebenswichtige“ Sachen wie Zahnpasta, Deo, Zahnbürsten, aber auch Knabbereien, Pizza, Hot Dogs, Eis, Schokolade, usw. kaufen. Die Preise sind nicht zu hoch, sondern eher Standard, würde ich sagen. Außerdem kann man an einigen Tagen zu bestimmten Zeiten Leider hat der Oyak bestimmte Öffnungszeiten, an denen man die Sachen kaufen kann; die Zeiten stehen jedoch ausgeschildert.
***** Die Exposition
Die Communauté der Brüder aus Taizé lebt ausschließlich von eigener Arbeit. Die Erzeugnisse – Tonarbeiten, z.B., bemalte Vasen, usw. – werden in der Exposition verkauft. Hier gibt es auch schöne Postkarten, Liederbücher, Taizé-Kreuze (Ketten, Anhänger), Vasen, Teller, usw.. Die Brüder unterhalten mit dem Geld die Häuser und Baracken, außerdem werden die Jugendtreffen mit dem Geld finanziert. Die Brüder nehmen nämlich keine Spenden an.
***** La Morada
Dies ist eine wichtige Anlaufstelle, wenn man mal Probleme hat, z.B. wenn etwas abhanden gekommen ist. Es ist wichtig zu wissen, dass man keine Wertsachen in den Baracken abschließen kann. Man kann (so wie ich es getan habe) einen Rucksack ständig mitschleppen, oder aber die Wertsachen in „La Morada“ aufbewahren lassen.
***** Die Quelle „St. Etienne“
Die Quelle „St. Etienne“ liegt an einem nahe gelegenen Waldstück, das hinter den Baracken liegt und durch einen Weg relativ leicht zu finden ist. Während meiner freien Zeit habe ich die Quelle ein oder zweimal besucht und muss sagen, dass es ein Ort der Stille und des Friedens darstellt. Die Quelle ist von einem kleinen See umrandet und wunderschön anzusehen. Es ist sauber, klar und ruhig. Einfach ein weiterer toller Ort in Taizé, um abzuschalten und Ruhe zu finden.
*~ Sonstiges ~*
Wenn man in Taizé ist, kann man entweder am „normalen“ Leben teilnehmen (das, was ich bis jetzt beschrieben habe), oder aber man geht in die „Stille“. Das bedeutet, dass man eine ganze Woche lang schweigend verbringt, getrennt isst und betet. Wenn man Probleme hat und reden möchte, kann man sich höchstens an eine Schwester (für Mädchen) oder an einen Bruder (für Jungen) wenden. Diese Tätigkeit ist natürlich freiwillig und frei wählbar. Es wird denjenigen, die zum ersten Mal in Taizé sind, nicht angeraten, da es sehr fremd sein könnte. Ich war ja erst einmal in Taizé und habe daher diese Möglichkeit noch nicht in Anspruch genommen. Ehrlich gesagt bezweifle ich auch, dass ich jemals in die Stille gehe, weil ich ein Mensch bin, der zwar gerne nachdenkt, und Ruhe braucht, aber auch viel lachen und mit anderen Menschen Spaß haben und reden, quasseln und brabbeln muss. Ich würde das also vom Prinzip aus gar nicht schaffen! :o)
Damit man sich in Taizé auch zurecht findet, bekommt man beim ersten Treff (bei der Ankunft) ein Blatt mit einer Karte von Taizé, wo die wichtigsten Punkte, die ich oben genannt habe, eingezeichnet sind.
*~ Eigene Erfahrung/Meinung ~*
Ich habe mich bemüht, die meiste Zeit schon meine eigene Meinung irgendwie mit in meine Beschreibungen einfließen zu lassen, da ich jetzt nicht alles wiederholen möchte.
Ingesamt ist es wichtig für mich, zu sagen, dass ich die Zeit in Taizé wirklich genossen habe. Die Zeit war sehr bereichernd für mich – ich habe die Ruhe und die Gemeinsamkeit sehr genossen. Besonders positiv für mich war, dass ich so viele neue Menschen kennen gelernt habe, die nicht darauf geguckt haben, ob ich nun gut geschminkt war, besonders dick oder dünn oder eine Brille trage. Das Gefühl, akzeptiert zu werden, angesprochen zu werden, gleich zu sein, ist einfach wunderschön.
Das intensivste Gefühl waren immer noch die Gebete, bzw. die Gesänge. Ich liebe die Taizé-Gesänge sehr, da sie viel Liebe, Einheit und Frieden ausstrahlen. Durch die ständige Wiederholung der relativ leicht zu lernen Gesänge, entsteht eine Art meditative Stimmung, die mich richtig in die Musik und Atmosphäre eintauchen lässt. Einfach toll ... *träne~wegwisch* ...
Taizé war aber nicht nur Besinnung und nachdenkliche Stimmung, sondern sehr viel Spaß. Meine Barackenmitglieder waren super freundlich und wir hatten alle sehr viele lustige Momente, viele Lacher, Witze, die wir uns alle in unsere Liederbücher schrieben, und die ich mir auch jetzt noch super gerne durchlesen. Auch jetzt habe ich noch Kontakt mit einigen aus unserer Baracke.
Natürlich muss ich auch sagen, dass die Verpflegung nicht besonders komfortabel ist. Besonders an die Toiletten musste ich mich sehr gewöhnen! Aber wisst ihr was? Toiletten oder harte Bettmatratzen sollten niemals ein Grund sein, nicht nach Taizé zu fahren: denn darum geht es einfach nicht! Es geht darum, sich zu finden, andere zu finden, ein Stück Menschlichkeit in diese Welt zu bringen. Es geht um Liebe, Verständnis und Freude. Es geht nicht um Make-up, Fernsehen, Handy oder sonst irgendwas Materielles.
Es geht um das Wesentliche ... und deshalb bekommt Taizé von mir die volle Punktzahl.
*~ Alente ~*
Heute möchte euch über ein ganz besonderes Thema berichten. Es soll wieder um einen „Ferienort“ gehen, obwohl es meiner Meinung nach sogar „mehr“ als das ist, aber das werdet ihr schon merken... *lach*
In meinem heutigen Bericht geht es um „Taizé“ im Burgund (Frankreich), das ich vor ungefähr einem Jahr besucht habe. Ich hoffe, ich kann euch mit dem folgenden Bericht viele Informationen liefern. Viel Spaß beim Lesen.
*~ Wer oder was ist eigentlich Taizé? ~*
Taizé ist ein kleiner Ort – oder eher ein Hügel neben dem Dörfchen Ameugny – in Südburgund (Frankreich). Dort gründete Frère Roger (Bruder Roger) im Jahre 1940 eine internationale, ökumenische Communauté, eine Gemeinschaft also, an der jede christliche Religionsausrichtung und jede Nationalität teilhaben kann. Die Brüder der „Communauté de Taizé“ teilen sich ihr Leben lang materielle und spirituelle Güter, leben in Ehelosigkeit und führen einen schlichten, aber tiefen Lebensstil. Heute gehören zur Communauté an die hundert Brüder aus über 25 Nationen, Katholiken und Brüder aus verschiedenen evangelischen Kirchen.
Die Communauté bietet Jugendlichen und Erwachsenen Menschen die Möglichkeit, sie für einen gewissen Zeitraum an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Das gesamte Jahr über gibt es einen großen Andrang auf Taizé, besonders Jugendliche, die ein bisschen Zeit für sich, für Gebete und Gespräche untereinander, sind von diesem Ort der Stille und der Besinnung begeistert. Zu tausenden nehmen Jugendliche und Erwachsene an den wöchentlichen Jugendtreffen mit Gebeten und Gesprächsgruppen teil.
Es gibt aber auch außerhalb von Taizé die Möglichkeit, diesen außergewöhnlichen Ort kennen zu lernen. Die Brüder der Communauté unternehmen Besuchsreisen und bereiten kleinere oder größere Jugendtreffen in Afrika, Süd- und Nordamerika, Asien und in Europa vor.
Ich selbst war vor zwei Tagen bei der „Nacht der Lichter“ von Taizé, die in der Jugendkirche „Effata“ unserer Stadt Münster stattgefunden hat. Für die „Nacht der Lichter“ ist ein sehr lieber und ein mir schon bekannter Frère aus Taizé angereist und hat mit uns gesungen und gebetet.
Die Brüder von Taizé sehen sich selbst als einen Teil eines „Pilgerwegs des Vertrauens auf der Erde“ und bemühen sich, dies auch beizubehalten.
*~ Wie ich darauf gekommen bin, nach Taizé zu reisen ~*
Eine damalige Freundin von mir hatte schon vor mir oft Taizé besucht und hatte mir jedes Mal begeistert davon berichtet. Sie sprach von Taizé als einen Ort der Besinnung und „wo man mal endlich in Ruhe nachdenken kann“. Da ich zu der Zeit in einer schwierigen Lebensphase steckte (Trennungen, Zweifel, Ängste, Liebeskummer, Schmerz), dachte ich mir, ich probiere es auf jeden Fall einmal aus. Schaden würde es mir ja bestimmt nicht – so dachte ich.
Meine Freundin hatte mir bestätigt, dass es sich zwar in Taizé um eine religiöse Gemeinschaft handle, aber keine bestimmte christliche Religionsrichtung beachtet würde – es geht in Taizé lediglich um den Bezug zu Gott; egal wie er angeschaut oder genannt wird. Es würden keine extremen katholischen oder evangelischen oder sonst irgendwelche Ideologien indoktriniert; jeder hätte die freie Wahl, sich an dem Leben in Taizé zu beteiligen. Keine Zwänge und nichts sektenähnliches.
Dazu muss ich sagen, dass ich persönlich nicht ein Mensch bin, der „Kirchenfanatisch“ ist oder besonders oft in die Kirche geht. Jedoch spielt der Glaube an Gott – sprich: an eine höhere, gütige Macht – für mich und mein Leben eine sehr wichtige Rolle. Für mich ist es wichtig, einen Bezug in meinem Leben zu haben, eine Quelle, zu der ich gehen kann, wenn es mir schlecht geht – und sei es nur ein Gebet oder eine Reflektion. Ich schaffe es nicht, „ohne Gott“ zu leben. Freilich stimme ich ihn vielen Bezügen der heutigen Kirche und der christlichen Ideologien nicht ganz zu – mir ist es aber nicht wichtig, jeden Sonntag zur Kirche zu gehen, sondern ich empfinde es als wichtiger und nützlicher, mir Gedanken zu machen über mich, über mein Leben, mein Handeln und Wirken und natürlich über die Kraft, die von einer höheren Instanz – von Gott – kommt; eine Kraft, die mir Hoffnung und Glauben einflößt und elementar für ein glückliches Leben ist.
Somit ließ ich mich von meiner Freundin überreden, eines Abends mit auf ein Taizé-Treff ganz in der Nähe unserer Stadt zu kommen. Das Treffen fand zunächst in einer kleinen, gemütlichen Kirche statt. Der gesamte Altarbereich war von Teelichtern und Kerzen geschmückt. Es wurden mir z.T. unbekannte, aber wunderschöne, Kirchenlieder gesungen – viel entspannter und vertrauter als die bekannten Kirchenlieder aus meiner Gemeinde.
Nach dem kleinen, improvisierten Gottesdienst traf man sich in einem Nebenraum der kleinen Kirche und bekam mehrere Informationen über Taizé und das Leben in Taizé – es wurde ein kleiner Film gezeigt, der ein paar Stimmen von Jugendlichen, die Taizé besuchten, verlauten ließ. Daraufhin bekam man einen Anmeldungsbogen, wo man Namen usw. eintrug und die Kontonummer, auf die man das Geld überweisen sollte.
*~ Preis und Länge des Aufenthaltes ~*
Der Reisebus fuhr am 19. Oktober 2003 um 5 Uhr morgens von Nordkirchen (NRW) ab und sollte gegen Nachmittags in Frankreich ankommen. Die Rückreise sollte am 26. Oktober angetreten werden. Somit fuhren wir eine ganze Woche nach Taizé – eine Woche Vollverpflegung, Gesang, Besinnung und (so hofften wir) viel Spaß.
Dafür habe ich 125 € bezahlt, was ich als sehr fair erachte. Ich kann vorweg schon sagen, dass das Preis-Leistungsverhältnis auf jeden Fall gestimmt hat.
*~ Die Baracken ~*
Kommen wir zum Wichtigen: wie es in Taizé aussieht! Man sollte – schon vorab gesagt – nicht zu viel Komfort erwarten; ich darf ich euch noch einmal in Erinnerung rufen, dass die Brüder der Communauté eine „schlichte“ Lebensweise führen. Wenn nun Gäste am Leben in Taizé teilnehmen möchten, müssen sie sich ebenfalls an diese schlichte Lebensweise anpassen.
Nach der Ankunft am 19. Oktober, mussten wir zunächst einmal abwarten, bis uns bestimme Baracken – sprich Wohnunterkünfte – zugeteilt wurden. Der Begriff „Baracke“ ist mag zunächst ziemlich abschreckend klingen, für mich war es auch ein wenig seltsam.
Die „Baracken“ sind jedoch keine baufälligen Hütten, sondern einander gereihte Bungalows aus solidem Holz verkleidet, fast schon wie in einem kleinen Dörfchen. Die Baracken sind sehr spärlich eingerichtet. Meine Baracke (Nr. 142) hatte eigentlich nur zwei kleine Heizungen, einen festen Boden und sechs Hochbetten – wir waren also insgesamt zwölf „Barackenmitglieder“.
Auch bei den Betten hieß es: nicht viel Komfort! Meine Freundin hatte mich schon vorgewarnt und mir gesagt, ich solle einen sehr warmen Schlafanzug (am besten sogar Trainingsanzug!) zum Schlafen mitbringen, und dazu noch eine Extradecke oder einen Schlafsack und ein zusätzliches Kissen. Bettwäsche musste ebenfalls mitgenommen werden. Diejenigen mit viel Anspruch unter euch sollten sich jetzt nicht erschrecken, und im weiteren Verlauf des Berichtes nicht ohnmächtig werden *lach* - Taizé ist und bleibt ein Ort, an dem es um „mehr“ geht als um materielle Komfort.
Steckdosen gibt es nur außerhalb der Baracken. Das hieß: Haare fönen nur draußen in der Kälte! Handyaufladen nur unter Aufsicht (obwohl Taizé wohl der letzte Ort wäre, an dem was geklaut werden würde – aber sicher ist halt sicher).
Außerdem ist es auch wichtig zu wissen: Keine besonderen Klamotten mitnehmen! Feste Schuhe einpacken! Und besonders im Herbst und Winter sehr warm und dick anziehen! In Taizé gibt es zwar auch schöne Tage und im Sommer ist es auch schön warm, jedoch haben wir im Herbst letztes Jahr wirklich kalte Tage erwischt.
Mit den Baracken hatten wir (meine Freunde und ich) sogar viel Glück, denn es gab Pechvögel, die auf Grund des großen Andrangs keine Baracke mehr zugeteilt bekamen, und in einem Zelt schlafen mussten.
*~ Toiletten ~*
Ohhhh Greuel ... nein nein nein, ich will mich nicht daran erinnern, ich will mich nicht daran erinnern, ich will nicht, ich will nicht ...
*lach* Naja ... so schrecklich war es vielleicht doch nicht, aber auf keinen Fall schön! Besonders im Herbst, als es auch einige Tage regnete, war der Boden der Toiletten total dreckig. Die Klos waren spärlich und nicht besonders komfortable oder modern ... ich habe mich nur in Notfällen hineingetraut. Es gab zwar genügend Klos und auch sehr viele auf der Umgebung verteilt, jedoch war es besonders morgens wichtig, früh genug aufzustehen, um auch pünktlich fertig zu sein.
Die Duschen waren auch nicht besser. Normalerweise dusche ich brav jeden morgen, aber dort habe ich es so oft vor mir hergeschoben, wie es nur ging. Zum Teil gab es nur sehr kaltes Wasser und die Duschen schienen sogar ein bisschen zu müffeln. Da ich extreme Angst vor Fußpilz habe, habe ich (dank eines guten Tipps meiner Freundin) nur mit Badeschlappen geduscht, was ich auch jedem wärmstens empfehlen würde.
Schminken oder groß aufmotzen ging natürlich auch nicht. Ich persönliche habe mir dort nur ein bisschen das Gesicht eingecremt und das war’s dann auch schon. In Taizé – das ist das Tolle – ist es total egal, wie man aussieht. Aber später erzähle ich mehr dazu.
*~ Das Essen ~*
Dreimal am Tag gab es etwas für die Beißerchen. Bei Beginn der Anreise bekam man Essensmarken, die für die gesamte Aufenthaltszeit reichen sollten. Die Marken beinhalteten aber nur Mittagessen und Abendessen – da durfte man nur einmal von essen. Beim Frühstück konnte man sich aber auch Nachschlag holen.
Auch beim Essen gilt: erwartet keinen Komfort! Gegessen wird draußen, auf den Bänken, unter den Vordächern, was ich persönlich aber überhaupt nicht schlimm fand.
Das Frühstück ist sehr einfach gehalten: es gibt ein kleines Baguettebrötchen (Achtung, wir sind in Frankreich!) mit einem Stück sehr kalter und harter Schokolade (ja, Schokolade!), einem kleinen, eingepackten Stückchen Butter und einer Schüssel heißen Tee oder Kakao (durfte man sich aussuchen). So – was nun, denkt ihr euch? Wie kann man sich von so einem Frühstück ernähren und vor allem: WIE? Ohne Messer oder Unterlage oder Teller oder Serviette?
Kreativität ist jetzt gefragt! Man nimmt die steinharte Butter, legt sie unter den heißen Tee/Kakao, wärmt die Butter damit auf und streicht sie dann mit Hilfe der steinharten Schokolade auf das aufgerissene Baguettebrötchen. Die Schokolade klemmt man dann zwischen die beiden Hälften des Butterbaguettes und lässt es sich schmecken! So seltsam es sich für manche für euch anhören mag: dieses Frühstück war das Beste, das ich jemals gegessen habe! *lach* Durch die Einfachheit ist dieses Essen besonders schmackhaft.
Natürlich kann man sich von zuhause Nutella, Marmelade, etc. oder Besteck mitbringen. Meine Freundin hatte kleine Würstchen mitgebracht, die wir einige Zeit – bis sie leer waren – mit verputzten ;o). Das bleibt aber jedem selbst überlassen, was er mitbringt. Das typische „Taizé“ Flair geht aber dadurch ein klein bisschen verloren.
Ansonsten habe ich natürlich sehr viel Proviant mitgenommen. Schokolade, Kekse, Bonbons, usw. :o) Vor allen wenn man mal Abends oder Nachmittags Hunger auf einen Zwischensnack hatte, war das Proviant stets herzlichst willkommen!
Das Mittagessen und Abendessen fiel eigentlich jedes Mal recht üppig aus. Auch hier durfte man nicht besonderen Komfort erwarten, sondern sich mit einfachen Speisen begnügen. Gegessen wird in Kunststofftellern, die schon recht alt sind und nicht so toll aussehen. Zum Essen musste man sich draußen anstellen. Die Essensschlangen sind bei mehrere hundert Leute ziemlich lang, aber auch sehr lustig! Es ist spannend, zwischen so vielen Menschen zu stehen, die z.T. aus vielen verschiedenen Ländern kommen. In Taizé ist es sowieso sehr einfach, Kontakte zu knüpfen (mehr dazu später). Das Schlangestehen hat mir also überhaupt nicht missfallen. Außerdem ging es recht schnell zur Essensausgabe hin. Das Essen wurde aus großen dampfenden Töpfen geschöpft – von Jugendlichen, die sich freiwillig dafür gemeldet haben (ich erzähle aber gleich mehr zu den einzelnen „Jobs“ in Taizé). Zum Hauptgericht (z.B. Nudeln, Kartoffeln, Gemüse, Eintopf, usw.) gab es entweder etwas mit Fleisch oder Vegetarisches (je nachdem ob man sich bei der „Vegetarier“- oder „Nicht-Vegetarier“-Schlange angestellt hat). Zu dem Hauptgericht kam noch ein Stück Obst (Apfel, Birne, Banane), eine kleine Packung Kekse (z.T. wirklich sehr lecker!) und Joghurt oder Quark. Wenn das Ganze dann verputzt war, gab man das dreckige Geschirr bei den Spül-Leuten ab (ebenfalls freiwillige Melder).
Zwischendurch gab es die Teezeit. Da wurden an alle leckeren Taizé-Tee (wer meine Kommentare zufällig mitbekommen hat, könnte wissen, dass ich Tee eigentlich nicht ausstehen kann, aber dieser leckere Zitronentee, den gibt’s nur in Taizé und der hat sogar mir geschmeckt) und ein Stückchen Kuchen oder ein Päcken Kekse verteilt. Ein guter und wärmender Snack für zwischendurch, denn zur damaligen Zeit war es sehr kalt.
*~ Tagesablauf in Taizé ~*
So, jetzt wird es erst richtig interessant, denn ich möchte euch erzählen, wie ein Tag in Taizé denn so aussieht. Dazu muss ich im Voraus sagen, dass ein Tag in Taizé grob in drei Teile gegliedert ist, und zwar durch die drei Gebete am Tag (Morgen-, Mittag- und Abendgebet).
8.15 Uhr: Das Morgengebet beginnt. Dabei ist es natürlich nicht Pflicht, dort zu erscheinen. Es ist jedem selbst überlassen, ob er an dem Morgengebet teilhaben möchte, oder nicht.
Nach dem Gebet geht es ab zum Frühstück, das ich ja schon oben beschrieben habe.
10.00 Uhr: Treffen (Bibeleinführung)
12.20 Uhr: Mittagsgebet
13.00 Uhr: Mittagessen
14.00 Uhr: Singenüben in der Kirche (besonders schön für Musikinteressierte und alle, die gerne und engagiert singen)
15.30 Uhr: Treffen der Gesprächsgruppen oder Workshops (sprich: Arbeiten, aber mehr dazu gleich); samstags ist um diese Zeit meistens ein Nationentreffen
17.15 Uhr: Teezeit
bis 19.00 Uhr: Selbstgestaltete Zeit
19.00 Uhr: Abendessen
20.30 Uhr: Abendgebet (mit offenem Ende)
Samstags Abends ist das Abendgebet mit einer Lichterfeier (mit Kerzen) verbunden. Sonntags ist der Tagesverlauf ähnlich, jedoch ein bisschen später (man darf länger schlafen).
***** Die Gebete
Die Gebete stellen eigentlich das Wichtigste im Leben in Taizé dar. Sie stehen für Besinnung, Frieden, sozialen Kontakt, Liebe, Zugehörigkeit, Singen, Freude und Ruhe. Die Gebete sind zwar vielleicht in einigen Beziehung ähnlich den Gottesdiensten, aber auf keinen Fall gleichzusetzen. In einem Gottesdienst sitzt man auf harten Bänken oder steht in der Kirche, hört dem Pfarrer oder Priester zu und wiederholt stereotype Sätze (okay, eingefleischte Kirchenverteidiger werden mich jetzt lünchen *lach*). Während den Gebeten herrscht eine wundervolle Stimmung.
Die Kirche von Taizé ist riesig und sehr zentral. Beim ersten Mal, als ich eintrat, kam es mir z.T. wie ein großer Saal. Es gibt keine Fliesen, sondern überall Teppichboden, was den Raum gleich viel wärmer macht. Es ist größer als drei oder vier Kirchenräume in einem, und man sieht keine Marienstatuen oder Jesusbilder. Die Wände sind mit Holz verkleidet und verleihen dem Raum (ich kann es gar nicht so recht Kirchensaal nennen) eine warme und gemütliche Atmosphäre.
Es gibt keinen richtigen Altar an sich, wie man es aus normalen Kirchen kennt. Durch die Mitte des Saales ist ein abgegrenzter, länglicher Platz (nicht mit Zäunen oder so, aber man erkennt halt kleine Grenzen), an dem die Brüder von Taizé ihren Platz finden. Ganz hinten im Saal (wo eigentlich der Altar stehen müsste) ist ein schlichtes Holzkreuz und vor allem viele Kerzen und ein Gebilde aus Tüchern und Lichtern. Ich werde auch Fotos veröffentlichen, die euch helfen sollen, meine Beschreibung zu verstehen. Die Tücher sind dunkelrot und durch die Lichter und die Tücher wirkt der Raum noch wärmer.
Und wo sitzen wir während der Gebete? Ganz einfach: auf dem Boden. Man kann die Schuhe ausziehen, die Jacke ausziehen, sich gemütlich auf den Boden hinsetzen und sich sogar (sofern es genügend Platz für alle gibt) hinlegen. Jedoch ist es nicht gern gesehen, sich auf den Rücken zu legen, weil es in der orthodoxen Religion den Tod symbolisiert.
Das Gebet ist vor allem geprägt von Liedern und Gesängen. Die Taizé-Lieder sind weltbekannt und finden sich sogar in den „normalen“ Kirchenbüchern. Vor dem Eingang der Kirche befinden sich viele Liederbücher, von denen man sich eins nehmen darf. Die Lieder sind meditativ und zum größten Teil sehr einfach. Man lernt sie sehr schnell auswendig, weil sie eben so einfach sind und so einprägsame Melodien haben. Die Lieder werden sehr oft wiederholt. Man kann sich das durch meine Beschreibung vielleicht nicht vorstellen, aber dieses Gefühl, zusammen mit mehreren hundert Menschen in einer Kirche zu sitzen und genau dieselben Lieder zu singen, ist einfach unbeschreiblich schön. Ich musste weinen, als ich dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit und Liebe zu spüren bekam. In Taizé ist jeder Mensch gleich. Es ist egal, woher man kommt, ob man dick oder dünn ist, ob man Pickel hat oder ob man vielleicht sogar behindert ist. Es herrscht eine so große Akzeptanz, die mich einfach nur staunen lässt. Nirgendwo sonst habe ich so eine intensive Menschlichkeit gespürt, wie während der Taizé-Gebete.
Zwischen den Gesängen, die den Hauptteil der Gebete darstellen, lesen die Brüder verschiedene Fürbitten vor, oder erzählen eine Geschichte. Dabei ist dieser Akt nicht zu vergleichen mit der Predigt in der Kirche. Das Tolle ist, dass in verschiedenen Sprachen gesprochen wird – mal auf Französisch, dann auf Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, und, und, und.
Die Gebete wollte ich persönlich nie missen. Diese unglaubliche Energie, die von den Menschen auskam, ist einfach nur schön und tut der Seele unheimlich gut. Wenn ich jetzt daran denke und alles mir wieder in meine Erinnerung kommt, muss ich sagen, dass ich Sehnsucht spüre nach diesem Gefühl, das bei den Gebeten aufkam. Denn nirgends sonst habe ich so ein Gefühl bis jetzt gefunden.
***** Treffen (Bibeleinführung)
Bei der Ankunft in Taizé, am ersten Tag, bekam man nicht nur Essensmarken, sondern man durfte sich auch ein Thema für die Bibelgesprächgruppen aussuchen. Die Bibeleinführung fand immer morgens statt, zwischen dem Frühstück und dem Morgengebet. Die Bibeleinführung befasste sich mit dem Thema, das man sich gewählt hat. Es geht natürlich um religiöse Themen. Ich hatte damals vier Auswahlmöglichkeiten und habe „Was für ein neues Leben bietet Jesus uns an?“ ausgesucht – zugegeben, kein sehr interessantes Thema. Aber da die Bibeleinführung auch nur 45-60 Minuten dauert, habe ich gedacht, dass es schon nicht so schlimm werden würde.
Tatsächlich war der Bruder wirklich sehr locker und lustig, hat mit uns herumgeblödelt und gelacht. Er hat sehr gut die Inhalte vermittelt, und es wurde selten wirklich langweilig. Während der Tage in Taizé, hatten wir sechs Tage lang (quasi jeden Tag, außer den Ankunfts- und Abreistag) die Bibeleinführung. Es wurde also sechs Tage lang das Thema behandelt und fortgeführt.
Zum Teil muss ich sagen, dass ich mich nicht immer für die Bibeleinführung interessiert habe. Es war das Einzige in Taizé, auf das ich hätte gut verzichten können. Der Bruder war zwar nett und lustig, aber mich mit der Bibel zu befassen, war noch nie so mein Fall gewesen. Es geht auch in Taizé weniger um diese Bibeleinführung, die eher Denkanstöße geben soll, sondern eher um das eigene, individuelle Befinden und Gefühl.
***** Treffen der Gesprächs- und Arbeitsgruppen
Passend zu der Bibeleinführung, wurde man dann in verschiedene Gesprächsgruppen eingeteilt. Die Gruppen sind beinhalten ungefähr 7-10 Personen und werden von einer Gruppenleiterin oder einem Gruppenleiter geleitet und geführt. Die Gruppenleiter versuchen, die Thematik der Bibeleinführung irgendwie zu vertiefen zu eine Diskussion zum Laufen zu bringen.
Mir haben die Gesprächsgruppen eigentlich recht gut gefallen, es war schön, mit Gleichaltrigen Jugendlichen über ernste Themen zu reden – nicht spezielle über Jesus, sondern eher um das tägliche Leben, die Probleme, die Gedanken, usw. Es war kein engstirniger Religionsunterricht, sondern wirkte eher wie eine interessante Diskussion unter Gleichaltrigen, die „über den Tellerrand“ schauen möchten.
Dann gibt es noch die Arbeitsgruppen, die man sich selbst so zusammenstellen konnte, wie man wollte. Am ersten Tag in Taizé beschloss man, ob man ganztags oder halbtags arbeiten wollte.
Die Taizé-Gemeinschaft ist vor allem geprägt von gegenseitiger Rücksichtsnahme und Respekt. Es gibt niemanden, der sich vor der Arbeit drückt. Leute, die nichts für eine Gemeinschaft tun möchten, kommen einfach nicht nach Taizé.
Außerdem kann man die Arbeit auch nicht als Arbeit ansehen, da es super viel Spaß gemacht hat. Ich war in einer Gruppe mit meinen Freundinnen und Barackenmitgliedern und kann nur sagen, dass es total lustig war, zusammen etwas zu machen, etwas Produktives, und sich danach mit einem leckeren, warmen Tee zu belohnen. Die Arbeiten waren auch wirklich nicht schwierig und man konnte sich zum Großteil auch aussuchen, was man machen wollte. Wir waren damals die „Putzkolonne“ – wir haben einen Teil der Baracken geputzt, Rundblätter an die Türen geklebt oder leere Baracken gesäubert. Andere Jobs waren, wie oben schon erwähnt, Spülen (eher Wasserschlacht zu nennen *g*), Essensausteilung, usw.
*~ Wichtige Orte ~*
***** Kirche
Der wichtigste Ort ist natürlich die Kirche. Die Kirche ist das Zentrum des Lebens in Taizé.
Man kann sie natürlich auch noch Abends, nach dem Abendgebet, sehr lange bleiben. Während der freien Zeit kann man sich in die Kirche setzen, hinlegen, schlafen, dösen, lesen, malen, zeichnen, schreiben oder einfach nur nachdenken, beten oder meditieren. Es ist einfach ein schönes Gefühl, in die warme Kirche zu gehen und zu tun, wozu man Lust hat. Wenn man ein bisschen Ruhe braucht, zum Nachdenken oder einfach nur zum Nichts-Tun, dann ist die Kirche der beste Platz überhaupt. Ich habe dieses Gebäude richtig in mein Herz geschlossen.
***** El Abiodh
Dies ist die „Krankenstation“ von Taizé. Wenn man sich krank oder schlecht fühlt, sich verletzt hat oder Rat und Hilfe braucht, kann man dort hingehen, und sofort Unterstützung und Hilfe bekommen. Ich und meine Freunde musste zum Glück kein Mal zu „El Abiodh“.
***** Der Oyak
Jupidu! Der Oyak ist einfach klasse! Es ist eine zentrale Stelle, an der sich Jugendliche nachmittags, aber vor allem abends, nach dem Abendgebet treffen, und zusammen reden, etwas essen, trinken, singen, musizieren (es gibt immer jemanden mit Gitarre!) oder einfach nur beieinandersitzen und den Abend schön ausklingen lassen. Es ist eine schöne Atmosphäre und vor allem lernt man viele neue, nette Menschen kennen, die sehr aufgeschlossen sind und einen sofort annehmen.
Beim Oyak kann auch so „lebenswichtige“ Sachen wie Zahnpasta, Deo, Zahnbürsten, aber auch Knabbereien, Pizza, Hot Dogs, Eis, Schokolade, usw. kaufen. Die Preise sind nicht zu hoch, sondern eher Standard, würde ich sagen. Außerdem kann man an einigen Tagen zu bestimmten Zeiten Leider hat der Oyak bestimmte Öffnungszeiten, an denen man die Sachen kaufen kann; die Zeiten stehen jedoch ausgeschildert.
***** Die Exposition
Die Communauté der Brüder aus Taizé lebt ausschließlich von eigener Arbeit. Die Erzeugnisse – Tonarbeiten, z.B., bemalte Vasen, usw. – werden in der Exposition verkauft. Hier gibt es auch schöne Postkarten, Liederbücher, Taizé-Kreuze (Ketten, Anhänger), Vasen, Teller, usw.. Die Brüder unterhalten mit dem Geld die Häuser und Baracken, außerdem werden die Jugendtreffen mit dem Geld finanziert. Die Brüder nehmen nämlich keine Spenden an.
***** La Morada
Dies ist eine wichtige Anlaufstelle, wenn man mal Probleme hat, z.B. wenn etwas abhanden gekommen ist. Es ist wichtig zu wissen, dass man keine Wertsachen in den Baracken abschließen kann. Man kann (so wie ich es getan habe) einen Rucksack ständig mitschleppen, oder aber die Wertsachen in „La Morada“ aufbewahren lassen.
***** Die Quelle „St. Etienne“
Die Quelle „St. Etienne“ liegt an einem nahe gelegenen Waldstück, das hinter den Baracken liegt und durch einen Weg relativ leicht zu finden ist. Während meiner freien Zeit habe ich die Quelle ein oder zweimal besucht und muss sagen, dass es ein Ort der Stille und des Friedens darstellt. Die Quelle ist von einem kleinen See umrandet und wunderschön anzusehen. Es ist sauber, klar und ruhig. Einfach ein weiterer toller Ort in Taizé, um abzuschalten und Ruhe zu finden.
*~ Sonstiges ~*
Wenn man in Taizé ist, kann man entweder am „normalen“ Leben teilnehmen (das, was ich bis jetzt beschrieben habe), oder aber man geht in die „Stille“. Das bedeutet, dass man eine ganze Woche lang schweigend verbringt, getrennt isst und betet. Wenn man Probleme hat und reden möchte, kann man sich höchstens an eine Schwester (für Mädchen) oder an einen Bruder (für Jungen) wenden. Diese Tätigkeit ist natürlich freiwillig und frei wählbar. Es wird denjenigen, die zum ersten Mal in Taizé sind, nicht angeraten, da es sehr fremd sein könnte. Ich war ja erst einmal in Taizé und habe daher diese Möglichkeit noch nicht in Anspruch genommen. Ehrlich gesagt bezweifle ich auch, dass ich jemals in die Stille gehe, weil ich ein Mensch bin, der zwar gerne nachdenkt, und Ruhe braucht, aber auch viel lachen und mit anderen Menschen Spaß haben und reden, quasseln und brabbeln muss. Ich würde das also vom Prinzip aus gar nicht schaffen! :o)
Damit man sich in Taizé auch zurecht findet, bekommt man beim ersten Treff (bei der Ankunft) ein Blatt mit einer Karte von Taizé, wo die wichtigsten Punkte, die ich oben genannt habe, eingezeichnet sind.
*~ Eigene Erfahrung/Meinung ~*
Ich habe mich bemüht, die meiste Zeit schon meine eigene Meinung irgendwie mit in meine Beschreibungen einfließen zu lassen, da ich jetzt nicht alles wiederholen möchte.
Ingesamt ist es wichtig für mich, zu sagen, dass ich die Zeit in Taizé wirklich genossen habe. Die Zeit war sehr bereichernd für mich – ich habe die Ruhe und die Gemeinsamkeit sehr genossen. Besonders positiv für mich war, dass ich so viele neue Menschen kennen gelernt habe, die nicht darauf geguckt haben, ob ich nun gut geschminkt war, besonders dick oder dünn oder eine Brille trage. Das Gefühl, akzeptiert zu werden, angesprochen zu werden, gleich zu sein, ist einfach wunderschön.
Das intensivste Gefühl waren immer noch die Gebete, bzw. die Gesänge. Ich liebe die Taizé-Gesänge sehr, da sie viel Liebe, Einheit und Frieden ausstrahlen. Durch die ständige Wiederholung der relativ leicht zu lernen Gesänge, entsteht eine Art meditative Stimmung, die mich richtig in die Musik und Atmosphäre eintauchen lässt. Einfach toll ... *träne~wegwisch* ...
Taizé war aber nicht nur Besinnung und nachdenkliche Stimmung, sondern sehr viel Spaß. Meine Barackenmitglieder waren super freundlich und wir hatten alle sehr viele lustige Momente, viele Lacher, Witze, die wir uns alle in unsere Liederbücher schrieben, und die ich mir auch jetzt noch super gerne durchlesen. Auch jetzt habe ich noch Kontakt mit einigen aus unserer Baracke.
Natürlich muss ich auch sagen, dass die Verpflegung nicht besonders komfortabel ist. Besonders an die Toiletten musste ich mich sehr gewöhnen! Aber wisst ihr was? Toiletten oder harte Bettmatratzen sollten niemals ein Grund sein, nicht nach Taizé zu fahren: denn darum geht es einfach nicht! Es geht darum, sich zu finden, andere zu finden, ein Stück Menschlichkeit in diese Welt zu bringen. Es geht um Liebe, Verständnis und Freude. Es geht nicht um Make-up, Fernsehen, Handy oder sonst irgendwas Materielles.
Es geht um das Wesentliche ... und deshalb bekommt Taizé von mir die volle Punktzahl.
*~ Alente ~*
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