Taizé Testbericht
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Erfahrungsbericht von sunnyburst
ERHOLUNG - FRIEDEN - INNERE RUHE: - TAIZE
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Es ist nun gerade 3 Tage her, dass ich von einer längeren Urlaubsreise (Pilgerreise, kann man sehen wie man möchte) aus dem schönen Taizé in Frankreich wieder nach Hause komme. Taize (Burgund) ist ein Ort der Ruhe, in welchem man zur Besinnung kommen soll, das heißt, es hat \"viel mit Kirche\" zu tun. Da ich keiner Religion angehöre, und mich eine Klassenkameradin gefragt hat mitzukommem, war ich natürlich nicht abgeneigt, und habe sofort zugesagt. Viele meiner Freunde sind ebenfalls mitgefahren, so dass wir uns alle auf eine sehr schöne Woche gefreut haben. So ging es am Sonntag vor einer Woche los, mit dem Bus 13 Stunden Fahrt, hier aus Niedersachsen, bis zu diesem kleinen Ort. Wir sind in der Nacht gefahren, so dass die Fahrt nicht ganz so unangenehm war. Nun gut, wir gingen nach Taize ohne jegliches Vorwissen, lediglich meine Klassenkameradin, die schon ein mal dort gewesen ist, wusste, was uns erwartet. Demnach waren wir alle sehr gespannt, wussten lediglich, dass 3 mal am Tag Gottesdienste waren. Im Vorfeld allerdings hatten wir daran kein Interesse, da wir eher langweilige Gottesdienste aus Deutschland gewohnt waren. Macht nichts, man ist ja für alles offen, und schaut sich die ganze Sache erst ein mal in Ruhe an.
Am nächsten Morgen kamen wir dann in Taize an, waren alle noch etwas leicht müde von der Fahrt, und sahen nun dieses kleine Örtchen auf einem größeren Hügel vor uns. Die Kapelle konnte man schon von der Strasse aus sehen. Sie machte aber keinen prunkvollen, sondern viel mehr einen schlichten Eindruck auf uns. Dies hat uns aber nicht weiter gestört, wir waren erst ein mal froh die 13 Stunden Fahrt ohne sonstige Zwischenfälle überstanden zu haben, und packten nun erst ein mal unsere Koffer aus dem Bus. Nun sollten wir zur \"Baracke\" 101 gehen, wo sich alle Leute aus unserer Gruppe (wir waren etwa 50 mit 2 Gruppenleitern) treffen sollten.
Auf dem Weg dorthin kamen wir an Zelten vorbei, und an vielen einzelnen Häusern, in welchen die Leute (bis zu 1500 waren es am Anfang) schlafen und leben sollten. An diesem Treffpunkt hatten wir zunächst ein paar Stunden Pause, ehe uns in Taize eine Arbeit zugeteilt worden ist. Es ist so, dass jeder, der diesen Ort der Ruhe, diese \"Glaubensstätte\" besucht, eine Aufgabe übernehmen muss, da die Kosten von etwa 30 € (+ 80 € Busfahrt) sehr gering waren. Taize wird von Mönchen geleitet, insbesondere von Frére Roger, welcher Taize 1940 gegründet hat. Demnach wird dieser Ort, bzw. auch dieses Kloster im Sommer 63 Jahre alt. Frére Roger ist 87 Jahre alt, und sine Stimme ist in jedem abendlichen Gottesdienst zu hören. Nun gut, gegen den Eintrittspreis kann man nichts sagen... nun war es auf jeden Fall zunächst ein mal so, dass wir die Baracken, unsere Zimmer, beziehen mussten. Hierbei handelt es sich um 8-Bett-Zimmer, in welchen auch wirklich nur diese Betten stehen, kein Tisch, kein Schrank, keine abschließbare Tür, gar nichts. Einen keinen Ofen hatten wir noch, aber dieser war entweder nicht einschaltbar, oder wurde mit einem mal sowas von warm, dass man sämtliche Sachen in Sicherheit bringen musste.
Man lebte wirklich nur von Dingen, die wirklich lebensnotwendig waren. Sämtliche Technik oder moderne Mittel wurden vollkommen außen vor gelassen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass ich meinen Computer nicht vermisst habe, und auch den mitgenommen Discman nur sehr selten (eigentlich fast nur auf der Busfahrt) benutzt habe. Okay, die Zimmer waren nur verteilt, wir hatten unsere Baracke, und mussten uns nun in einem bestimmten Treffpunkt zusammenfinden, um eine Arbeits- und Bibelgruppe zu belegen. Dies ist wichtig in Taize, da ja jeder mithelfen muss, denn etwa 100 Mönche können keine 1000-5000 Personen versorgen. Wir entschieden uns für die Bibelgruppe Nummer 2, in welcher über allgemeine Werte wie Vertrauen oder Versprechen diskutiert werden sollte. Die Gruppe traf sich ein mal am Tag, und wurde dann in kleinere Gruppen zerlegt, um innerhalb dieser Gruppen die einzelnen Aspekte noch ein mal genauer zu besprechen. Das Schöne war, dass die große Gruppe völlig international war, das heißt, es waren sowohl Leute aus dem Senegal, aus Italien, aus der Schweiz, aus Schweden, aus Japan sowie aus Korea mit dabei. Der Großteil kam allerdings aus Deutschland und Frankreich. Wir hatten uns, da wir genau 8 Leute waren, zu einer kleinen Gruppe zusammengeschlossen, kannten uns demnach alle schon, so dass das Besprechen der einzelnen Sachlagen am Nachmittag nicht mehr als zu schwer war :-).
Des Weiteren mussten wir in Taize eine Arbeitsgruppe belegen. Hier übernimmt jeder, der diesen Ort besucht, eine Aufgabe. Dies kann Essen austeilen sein, Toiletten putzen, Müll aufheben, Waschen, Kontrollieren sein.. eben alles, was bei so einer großen Gemeinschaft wichtig ist. Ich kam in die Arbeitsgruppe, die jeden Mittag und Abend den Müll ausleeren muss. Dies war eine Aufgabe die etwa 20 Minuten am Tag beanspruchte, also zu schaffen. Der große Vorteil: Es gab immer für die \"Rubbish-Men\" das Mittagessen als aller erstes, da wir ja auch danach sofort arbeiten mussten ;-). Am Abend dieses Tages vielen wir müde ins Bett, und waren gespannt auf den ersten Gottesdienst, welchen wir am nächsten Morgen zum ersten Mal erleben sollten.
Der Gottesdienst war überraschenderweise wirklich sehr schön. Es handelt sich hierbei um eine sehr große Kirche, zwar weder prunkvoll noch gut ausgestattet, aber dies spielt in Taize auch keine Rolle. In der Mitte findet man einen langen Gang, in welchem die Mönche Ihren Platz haben. Im restlichen Teil der Kirche sitzen dann meist bis zu 1500 Personen, ausgestattet mit einem Gesangbuch und einer Rede, welche innerhalb dieses Gottesdienstes vorgelesen werden soll. Oft handelt es sich hierbei um Bibelstellen oder kurze Auszüge aus einzelnen Briefen. Natürlich alles in mehreren Sprachen, da es sich ja um einen Religions-übergreifenden, internationalen Gottesdienst handelt. Danach wurde gesungen, gesungen und nochmals gesungen. Die einzelnen Lieder haben mir wirklich sehr gut gefallen, es kam eine wunderbare, erholsame und beruhigende Stimmung auf, man sah, wie Menschen die sich vorher nie kannten, zusammen sangen und zufrieden waren.
Ich selber habe diesen Ort der Ruhe genossen, und habe nicht einen der Gottesdienste innerhalb der Taize-Woche verpasst. Es war einfach nur schön, es war schön die Stimmen zu hören, den Gesang der Leute, und die Ruhe während der Gebetsphase. Das Besondere an den Gesängen ist, dass die einzelnen Lieder oft bis zu 12 mal wiederholt werden, so dass man innerlich zur Ruhe kommt, viel nachdenkt, und die Zeit in der Kirche wirklich genießet. Wir sind abends bestimmt 2 Stunden lang in der Kirche gewesen, man wollte einfach gar nicht mehr gehen. Ich habe mir das Gesangbuch gekauft, da mir ein Großteil der Lieder wirklich sehr gut gefallen hat. Nun gut, die Gottesdienste lassen sich hier wirklich nicht in Worte fassen, man muss dabei gewesen sein, um dies nachfühlen zu können, so schön war es in Taize. Nun folgt ein kurzer Tagesablauf, um Euch mal einen Eindruck davon zu verschaffen, wie ich in Taize gelebt habe, und was ich an einem ganze normalen Tag so alles gemacht habe:
7:00: Der erste Wecker klingelt, Mirco hört nix ;-).
7:30: Wecker Nummer 2 klingelt (immer von Freunden auf dem Zimmer ;), doch Mirco dreht sich noch ein mal um...
7:45: Der dritte Wecker klingelt, und um eine warme Dusche zu bekommen, sollte man möglichst jetzt aufstehen. Demnach ging es für mich um 7:45 aus dem Bett, die Duschen hatten dann immer noch etwa 20-25°C, demnach gerade noch aushaltbar ;-). Die Duschen waren nicht gut ausgestattet, und viele Toiletten verstoßen auch gegen die Genfer Konventionen.. *arg*
8:30: Der erste Gottesdienst am frühen Morgen
9:00: Frühstück: Ewig lange Warteschlange vor den Essensausgaben: Man muss dazu sagen, dass das Essen immer im Freien stattgefunden hat, man hatte also keine Möglichkeit sich an Tische zu setzen, es lief alles auf einem Tablett, mit Plastikteller und Becher und einem Löffel ab. Messer/Gabel gab es nicht. Auf Holzbänke konnte man sich setzen.
10:15: Bibelgruppe, welche etwa bis 11 Uhr ging. Danach sollte man sich in den kleineren Gruppen treffen.
11:00: In der Sonne liegen ;-). Wir haben uns unsere Iso-Matten geschnappt, und uns in Ruhe auf eine schöne Wiese gelegt, und einfach mal entspannt, und über die vorgegebenen Themen bzw. Fragen gesprochen, welche wir von unserem Gruppenleiter bekommen haben. Oftmals endeten diese Gespräche allerdings auch im Chaos, da man sich dann doch lieber fürs Rumalbern und Karten Spielen entschieden hat ;-), war aber auch nicht weiter schlimm.
12:20: Mittagsgottesdienst. Ähnlich wie man Morgen, nur dass hier traditionell der Song \"The kingdom of God\" gesungen wurde, welcher sich nun zu einem meiner Lieblingslieder entwickelt hat.
13:00: Mittagessen, ähnlich wie beim Frühstück, mit anschließendem Müll aufsammeln und Eimer leeren. Die Arbeit war schnell erledigt, so dass wir ab etwa 14:20 frei hatten, den kompletten Nachmittag, konnten also bis zum Abendessen machen was wir wollten. Oftmals sind wir dann einfach mal auf gut Glück herumgelaufen, oder haben uns auf den Baracken getroffen.
17:15: Tee, Kekse... um mehr davon zu bekommen haben wir uns meist 4-5 mal angestellt, sollte man zwar nicht tun, aber ich glaube nicht, dass dies irgend jemanden ernsthaft gestört hat *g*. Der Tee war ein Mix aus Wasser und Zitrone, schmeckte gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie muss man ja überleben. Die Plätzchen, Kekse oder das Gebäck was es dann mittags noch gab, schmeckte meist sehr gut.
19:00: Abendessen, wieder mit Mülleimer leeren danach. Zum Abendessen gab es meist so etwas wie Suppe (sah jedenfalls so aus, aber schmeckte eher wie Spüli mit Wasser...). Da einige Leute dies immerhin den Mülleimer geschüttet haben, und die Müllsäcke nicht gerade sehr stabil waren, kann sich wohl jeder vorstellen, was dann passiert ist *g*. Nun gut, nach dem Abendessen ging es dann kurz noch ein mal auf das Zimmer, um sich Decken und Kissen mitzunehmen, da man es sich ja in der Kirche auch schön gemütlich machen wollte.
20:30: Hier begann die Kirche, und es hat vielen von uns so gut gefallen, dass wir bis 22:30 dort geblieben sind. Manchmal sogar noch ein bisschen länger. Der abendliche Gottesdienst war meiner Meinung nach der Schönste, und auch der Erholsamste, da man keine Termine mehr vor der Brust hatte. Einige Leute gingen danach noch ins Oyak, das ist ein Ort, wo man sich noch ein mal treffen konnte, und ein alkoholisches Getränk bekam, wenn man es denn wollte. Wer allerdings die ultimative Party sucht, ist auch hier an der falschen Adresse. Zum Leute kennenlernen und zum Reden ist es aber ein sehr schöner Ort. Danach ging es dann aber auch ins Bett, und am nächsten Tag begann das Ganze noch ein mal.
Nun gut, so oder so ähnlich könnt Ihr Euch vorstellen, was man in dieser Woche so alles gemacht hat. Einige Leute können in Taize auch ins Schweigen gehen, das heißt, sie dürfen nichts sagen, sollen die innere Ruhe finden, und dürfen nur bei den Gottesdiensten mitsingen. Eine Person aus unserer Gruppe hat dies mitgemacht, und war im Nachhinein sehr begeistert davon. Im Grunde kann man sagen, Taize ist ein Ort der Ruhe, des Zusammenlebens, wo die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht. Die Leute sind freundlich, zufrieden, und man hat nicht das Bedürfnis nach Technik, nach dem modernen Leben, nach Zeitungen, Computern, Fernsehern usw. Das Essen war mehr oder wenige schlecht, und nicht gut gewürzt, so dass ich Euch doch empfehlen würde, wenn Ihr Taize denn mal besuchen wollt, einen Salzstreuer mit zunehmen, und vielleicht den einen oder anderen Apfel. Ein Glas Marmelade oder Nutella ist auch immer willkommen ;-). Messer und Gabel braucht man eigentlich nicht, ein kleines Schweizer Taschenmesser tut es auch, und es ist auch erlaubt dies auf diese Reise mitzunehmen. Das Wetter war sehr wechselhaft, von Schnee bis Sonne hatten wir in dieser Woche alles erlebt, doch im Grunde kamen wir mit einem Sonnenbrand nach Hause ;-). Taize ist in Frankreich recht schwer zu finden, lässt sich in der Gegend von Dijon sehr gut einordnen.
Es war eine Ausflugsreise, welche jeden Jahr von der Kirche hier in Westrhauderfehn organisiert wird, und an welcher jede Person teilnehmen kann. Wir waren 50 Personen, das Alter von 16 bis 70, also es ist hier sicherlich für jedes Alter sehr erholsam. Shoppingmöglichkeiten gibt es gar nicht, und Geld wird am Tag auch nicht sonderlich viel gebraucht, da man sämtliche Verpflegung (auch wenn sie nicht sonderlich gut ist) zur Verfügung gestellt bekommt.
Es ist so, dass die Mönche mit dem Geld, was sie durch die Besucher erhalten, lediglich die aufkommenden Kosten decken, das heißt, es gibt keinen Profit für diese Gemeinschaft. Spenden werden nicht angenommen, und es gibt auch keine andere Möglichkeit den Mönchen Geld zur Verbesserung zukommen zu lassen. Es verstößt gegen die Ansichten des Frére Roger, und ist in gewisser Weise auch nachzuvollziehen. Ich denke schon, dass es sich lohnt Taize ein mal zu besuchen, ich weiß auf jeden Fall, dass ich im nächsten Jahr wieder dabei sein werde :-). Es ist ganz klar, dass man hier nicht anders werten kann, als mit der Topnote.
© M.M. im April 2003
Am nächsten Morgen kamen wir dann in Taize an, waren alle noch etwas leicht müde von der Fahrt, und sahen nun dieses kleine Örtchen auf einem größeren Hügel vor uns. Die Kapelle konnte man schon von der Strasse aus sehen. Sie machte aber keinen prunkvollen, sondern viel mehr einen schlichten Eindruck auf uns. Dies hat uns aber nicht weiter gestört, wir waren erst ein mal froh die 13 Stunden Fahrt ohne sonstige Zwischenfälle überstanden zu haben, und packten nun erst ein mal unsere Koffer aus dem Bus. Nun sollten wir zur \"Baracke\" 101 gehen, wo sich alle Leute aus unserer Gruppe (wir waren etwa 50 mit 2 Gruppenleitern) treffen sollten.
Auf dem Weg dorthin kamen wir an Zelten vorbei, und an vielen einzelnen Häusern, in welchen die Leute (bis zu 1500 waren es am Anfang) schlafen und leben sollten. An diesem Treffpunkt hatten wir zunächst ein paar Stunden Pause, ehe uns in Taize eine Arbeit zugeteilt worden ist. Es ist so, dass jeder, der diesen Ort der Ruhe, diese \"Glaubensstätte\" besucht, eine Aufgabe übernehmen muss, da die Kosten von etwa 30 € (+ 80 € Busfahrt) sehr gering waren. Taize wird von Mönchen geleitet, insbesondere von Frére Roger, welcher Taize 1940 gegründet hat. Demnach wird dieser Ort, bzw. auch dieses Kloster im Sommer 63 Jahre alt. Frére Roger ist 87 Jahre alt, und sine Stimme ist in jedem abendlichen Gottesdienst zu hören. Nun gut, gegen den Eintrittspreis kann man nichts sagen... nun war es auf jeden Fall zunächst ein mal so, dass wir die Baracken, unsere Zimmer, beziehen mussten. Hierbei handelt es sich um 8-Bett-Zimmer, in welchen auch wirklich nur diese Betten stehen, kein Tisch, kein Schrank, keine abschließbare Tür, gar nichts. Einen keinen Ofen hatten wir noch, aber dieser war entweder nicht einschaltbar, oder wurde mit einem mal sowas von warm, dass man sämtliche Sachen in Sicherheit bringen musste.
Man lebte wirklich nur von Dingen, die wirklich lebensnotwendig waren. Sämtliche Technik oder moderne Mittel wurden vollkommen außen vor gelassen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass ich meinen Computer nicht vermisst habe, und auch den mitgenommen Discman nur sehr selten (eigentlich fast nur auf der Busfahrt) benutzt habe. Okay, die Zimmer waren nur verteilt, wir hatten unsere Baracke, und mussten uns nun in einem bestimmten Treffpunkt zusammenfinden, um eine Arbeits- und Bibelgruppe zu belegen. Dies ist wichtig in Taize, da ja jeder mithelfen muss, denn etwa 100 Mönche können keine 1000-5000 Personen versorgen. Wir entschieden uns für die Bibelgruppe Nummer 2, in welcher über allgemeine Werte wie Vertrauen oder Versprechen diskutiert werden sollte. Die Gruppe traf sich ein mal am Tag, und wurde dann in kleinere Gruppen zerlegt, um innerhalb dieser Gruppen die einzelnen Aspekte noch ein mal genauer zu besprechen. Das Schöne war, dass die große Gruppe völlig international war, das heißt, es waren sowohl Leute aus dem Senegal, aus Italien, aus der Schweiz, aus Schweden, aus Japan sowie aus Korea mit dabei. Der Großteil kam allerdings aus Deutschland und Frankreich. Wir hatten uns, da wir genau 8 Leute waren, zu einer kleinen Gruppe zusammengeschlossen, kannten uns demnach alle schon, so dass das Besprechen der einzelnen Sachlagen am Nachmittag nicht mehr als zu schwer war :-).
Des Weiteren mussten wir in Taize eine Arbeitsgruppe belegen. Hier übernimmt jeder, der diesen Ort besucht, eine Aufgabe. Dies kann Essen austeilen sein, Toiletten putzen, Müll aufheben, Waschen, Kontrollieren sein.. eben alles, was bei so einer großen Gemeinschaft wichtig ist. Ich kam in die Arbeitsgruppe, die jeden Mittag und Abend den Müll ausleeren muss. Dies war eine Aufgabe die etwa 20 Minuten am Tag beanspruchte, also zu schaffen. Der große Vorteil: Es gab immer für die \"Rubbish-Men\" das Mittagessen als aller erstes, da wir ja auch danach sofort arbeiten mussten ;-). Am Abend dieses Tages vielen wir müde ins Bett, und waren gespannt auf den ersten Gottesdienst, welchen wir am nächsten Morgen zum ersten Mal erleben sollten.
Der Gottesdienst war überraschenderweise wirklich sehr schön. Es handelt sich hierbei um eine sehr große Kirche, zwar weder prunkvoll noch gut ausgestattet, aber dies spielt in Taize auch keine Rolle. In der Mitte findet man einen langen Gang, in welchem die Mönche Ihren Platz haben. Im restlichen Teil der Kirche sitzen dann meist bis zu 1500 Personen, ausgestattet mit einem Gesangbuch und einer Rede, welche innerhalb dieses Gottesdienstes vorgelesen werden soll. Oft handelt es sich hierbei um Bibelstellen oder kurze Auszüge aus einzelnen Briefen. Natürlich alles in mehreren Sprachen, da es sich ja um einen Religions-übergreifenden, internationalen Gottesdienst handelt. Danach wurde gesungen, gesungen und nochmals gesungen. Die einzelnen Lieder haben mir wirklich sehr gut gefallen, es kam eine wunderbare, erholsame und beruhigende Stimmung auf, man sah, wie Menschen die sich vorher nie kannten, zusammen sangen und zufrieden waren.
Ich selber habe diesen Ort der Ruhe genossen, und habe nicht einen der Gottesdienste innerhalb der Taize-Woche verpasst. Es war einfach nur schön, es war schön die Stimmen zu hören, den Gesang der Leute, und die Ruhe während der Gebetsphase. Das Besondere an den Gesängen ist, dass die einzelnen Lieder oft bis zu 12 mal wiederholt werden, so dass man innerlich zur Ruhe kommt, viel nachdenkt, und die Zeit in der Kirche wirklich genießet. Wir sind abends bestimmt 2 Stunden lang in der Kirche gewesen, man wollte einfach gar nicht mehr gehen. Ich habe mir das Gesangbuch gekauft, da mir ein Großteil der Lieder wirklich sehr gut gefallen hat. Nun gut, die Gottesdienste lassen sich hier wirklich nicht in Worte fassen, man muss dabei gewesen sein, um dies nachfühlen zu können, so schön war es in Taize. Nun folgt ein kurzer Tagesablauf, um Euch mal einen Eindruck davon zu verschaffen, wie ich in Taize gelebt habe, und was ich an einem ganze normalen Tag so alles gemacht habe:
7:00: Der erste Wecker klingelt, Mirco hört nix ;-).
7:30: Wecker Nummer 2 klingelt (immer von Freunden auf dem Zimmer ;), doch Mirco dreht sich noch ein mal um...
7:45: Der dritte Wecker klingelt, und um eine warme Dusche zu bekommen, sollte man möglichst jetzt aufstehen. Demnach ging es für mich um 7:45 aus dem Bett, die Duschen hatten dann immer noch etwa 20-25°C, demnach gerade noch aushaltbar ;-). Die Duschen waren nicht gut ausgestattet, und viele Toiletten verstoßen auch gegen die Genfer Konventionen.. *arg*
8:30: Der erste Gottesdienst am frühen Morgen
9:00: Frühstück: Ewig lange Warteschlange vor den Essensausgaben: Man muss dazu sagen, dass das Essen immer im Freien stattgefunden hat, man hatte also keine Möglichkeit sich an Tische zu setzen, es lief alles auf einem Tablett, mit Plastikteller und Becher und einem Löffel ab. Messer/Gabel gab es nicht. Auf Holzbänke konnte man sich setzen.
10:15: Bibelgruppe, welche etwa bis 11 Uhr ging. Danach sollte man sich in den kleineren Gruppen treffen.
11:00: In der Sonne liegen ;-). Wir haben uns unsere Iso-Matten geschnappt, und uns in Ruhe auf eine schöne Wiese gelegt, und einfach mal entspannt, und über die vorgegebenen Themen bzw. Fragen gesprochen, welche wir von unserem Gruppenleiter bekommen haben. Oftmals endeten diese Gespräche allerdings auch im Chaos, da man sich dann doch lieber fürs Rumalbern und Karten Spielen entschieden hat ;-), war aber auch nicht weiter schlimm.
12:20: Mittagsgottesdienst. Ähnlich wie man Morgen, nur dass hier traditionell der Song \"The kingdom of God\" gesungen wurde, welcher sich nun zu einem meiner Lieblingslieder entwickelt hat.
13:00: Mittagessen, ähnlich wie beim Frühstück, mit anschließendem Müll aufsammeln und Eimer leeren. Die Arbeit war schnell erledigt, so dass wir ab etwa 14:20 frei hatten, den kompletten Nachmittag, konnten also bis zum Abendessen machen was wir wollten. Oftmals sind wir dann einfach mal auf gut Glück herumgelaufen, oder haben uns auf den Baracken getroffen.
17:15: Tee, Kekse... um mehr davon zu bekommen haben wir uns meist 4-5 mal angestellt, sollte man zwar nicht tun, aber ich glaube nicht, dass dies irgend jemanden ernsthaft gestört hat *g*. Der Tee war ein Mix aus Wasser und Zitrone, schmeckte gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie muss man ja überleben. Die Plätzchen, Kekse oder das Gebäck was es dann mittags noch gab, schmeckte meist sehr gut.
19:00: Abendessen, wieder mit Mülleimer leeren danach. Zum Abendessen gab es meist so etwas wie Suppe (sah jedenfalls so aus, aber schmeckte eher wie Spüli mit Wasser...). Da einige Leute dies immerhin den Mülleimer geschüttet haben, und die Müllsäcke nicht gerade sehr stabil waren, kann sich wohl jeder vorstellen, was dann passiert ist *g*. Nun gut, nach dem Abendessen ging es dann kurz noch ein mal auf das Zimmer, um sich Decken und Kissen mitzunehmen, da man es sich ja in der Kirche auch schön gemütlich machen wollte.
20:30: Hier begann die Kirche, und es hat vielen von uns so gut gefallen, dass wir bis 22:30 dort geblieben sind. Manchmal sogar noch ein bisschen länger. Der abendliche Gottesdienst war meiner Meinung nach der Schönste, und auch der Erholsamste, da man keine Termine mehr vor der Brust hatte. Einige Leute gingen danach noch ins Oyak, das ist ein Ort, wo man sich noch ein mal treffen konnte, und ein alkoholisches Getränk bekam, wenn man es denn wollte. Wer allerdings die ultimative Party sucht, ist auch hier an der falschen Adresse. Zum Leute kennenlernen und zum Reden ist es aber ein sehr schöner Ort. Danach ging es dann aber auch ins Bett, und am nächsten Tag begann das Ganze noch ein mal.
Nun gut, so oder so ähnlich könnt Ihr Euch vorstellen, was man in dieser Woche so alles gemacht hat. Einige Leute können in Taize auch ins Schweigen gehen, das heißt, sie dürfen nichts sagen, sollen die innere Ruhe finden, und dürfen nur bei den Gottesdiensten mitsingen. Eine Person aus unserer Gruppe hat dies mitgemacht, und war im Nachhinein sehr begeistert davon. Im Grunde kann man sagen, Taize ist ein Ort der Ruhe, des Zusammenlebens, wo die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht. Die Leute sind freundlich, zufrieden, und man hat nicht das Bedürfnis nach Technik, nach dem modernen Leben, nach Zeitungen, Computern, Fernsehern usw. Das Essen war mehr oder wenige schlecht, und nicht gut gewürzt, so dass ich Euch doch empfehlen würde, wenn Ihr Taize denn mal besuchen wollt, einen Salzstreuer mit zunehmen, und vielleicht den einen oder anderen Apfel. Ein Glas Marmelade oder Nutella ist auch immer willkommen ;-). Messer und Gabel braucht man eigentlich nicht, ein kleines Schweizer Taschenmesser tut es auch, und es ist auch erlaubt dies auf diese Reise mitzunehmen. Das Wetter war sehr wechselhaft, von Schnee bis Sonne hatten wir in dieser Woche alles erlebt, doch im Grunde kamen wir mit einem Sonnenbrand nach Hause ;-). Taize ist in Frankreich recht schwer zu finden, lässt sich in der Gegend von Dijon sehr gut einordnen.
Es war eine Ausflugsreise, welche jeden Jahr von der Kirche hier in Westrhauderfehn organisiert wird, und an welcher jede Person teilnehmen kann. Wir waren 50 Personen, das Alter von 16 bis 70, also es ist hier sicherlich für jedes Alter sehr erholsam. Shoppingmöglichkeiten gibt es gar nicht, und Geld wird am Tag auch nicht sonderlich viel gebraucht, da man sämtliche Verpflegung (auch wenn sie nicht sonderlich gut ist) zur Verfügung gestellt bekommt.
Es ist so, dass die Mönche mit dem Geld, was sie durch die Besucher erhalten, lediglich die aufkommenden Kosten decken, das heißt, es gibt keinen Profit für diese Gemeinschaft. Spenden werden nicht angenommen, und es gibt auch keine andere Möglichkeit den Mönchen Geld zur Verbesserung zukommen zu lassen. Es verstößt gegen die Ansichten des Frére Roger, und ist in gewisser Weise auch nachzuvollziehen. Ich denke schon, dass es sich lohnt Taize ein mal zu besuchen, ich weiß auf jeden Fall, dass ich im nächsten Jahr wieder dabei sein werde :-). Es ist ganz klar, dass man hier nicht anders werten kann, als mit der Topnote.
© M.M. im April 2003
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