Tapete und Tapezieren Testbericht
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Erfahrungsbericht von naturheim
Flüssige Rauhfaser, ein Anstrich genügt !
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wer nicht tapezieren kann oder möchte, hat hiermit eine echte Alternative. Es handelt sich um eine streichbare Strukturfarbe für den Innenbereich. Abhängig vom Hersteller mit den Eigenschaften einer hohen Deckkraft, Waschbeständigkeit und ist auch relativ leicht zu verarbeiten. Nach Fertigstellung hat man im Wand- und Deckenbereich eine dekorative und nahtlose Rauhfaserstruktur.
Das Produkt
In meinem Fall hatte ich mich von einem Sonderangebot (saisonbedingt) vom GLOBUS Baumarkt überzeugen lassen.
Neben dem grünen Aufdruck LÖSUNGSMITTELFREI sind hier die Ausgangsstoffe Kunststoff-Dispersion, Titandioxid und Holzspäne genannt. Der Farbton ist weiß, kann aber mit max. 10 % Vollton- und Abtönfarbe verändert werden.
Menge und Verbrauch
In einem ovalen weißen "Plastik"-Eimer hatte ich mich angebotsmäßig für 15 Liter entschieden (nicht gerade leicht zu transportieren), wobei ein Eimer bei einem Anstrich je nach Untergrund für ca. 51 qm reichen soll.
Entsorgung
Eingetrockneter Restinhalt kann über den Hausmüll entsorgt werden. Das Leergebinde ("Plastik"-Eimer) kann Dank dem grünen Punkt der Wertstofftonne zugeführt werden.
Verarbeitung
Wie bei fast allen Streicharbeiten, sollten Untergründe sauber, trocken, öl- und fettfrei sein. Sandende, poröse und stark saugende Flächen müssen mit einem LÖSUNGSMITTELFREIEM Tiefengrund grundiert werden. Größere Flächen sollten ohne Pause fertiggestellt werden. Zwischendurch für eine gleichmäßige Körnung (Holzspäne) öfter umrühren.
Je nach Temperatur und Luftfeuchte kann ggf. ein erforderlicher Zweitanstrich nach 2-3 Stunden erfolgen.
H A L T !
Soweit eine leicht abgewandelte Darstellung laut Gebindeaufkleber .................. die Realität sieht etwas anders aus !
Jetzt zu meinem Erfahrungsbericht aus eigener Feder ("Fake out, Tipp rinn" ) :
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OK, der Raum war nach "Trockenbaumanier" fertiggestellt. Also Wand- und Deckenbereich hatten als Untergrund Gipskartonplatten. Ein abgetrennter Bereich hatte die grünen Platten (für Feuchträume unbedingt erforderlich !!), da hier ein Gäste-WC mit Handwaschbecken eingebaut wurde. Beim Trockenbau gibt es zur notwendigen Grundierung einen spezielen Tiefengrund. Dieser riecht recht angenehm und hat einen rosa Farbton. Nach einem Tag Trockenzeit war es soweit : Jetzt schlug die Stunde der flüssigen Rauhfaser .......
Vorarbeiten
Erstmal ALLES abdecken und abkleben. Im Bodenbereich wegen der doch recht spitzen Holzspäne (diese fallen in Farbe eingehüllt beim Verarbeiten zu Boden) unbedingt eine dicke Baufolie verwenden; bei normalen Abdeckplanen kommt durch "rumtrampeln" auf herabgefallende Holzspäne leicht ein Riss rein. Zum Abkleben kein billiges Klebeband verwenden, da die Farbe relativ leicht hinter die Klebeschicht laufen kann. Somit hätte man dann keine "glatte Linie". Ggf. im Baumarkt um Rat fragen. Nach einem guten halben Tag war alles vorbereitet, aber laut Verarbeitungshinweis sollten ja große Flächen ohne Pause fertiggestellt werden, was mich daran hinderte, nun mit dem bisher "einfachen" Streichen zu beginnen. Eine Nachtschicht wollte ich nicht unbedingt einlegen ........
Streichen (immernoch Vorarbeiten !)
Der große Tag war da, jetzt ging es los. Diese ovalen Farbeimer haben nach etwas Übung einen recht guten Mechanismus :
An einer Stelle den Deckelrand mit beiden Händen dicht nebeneinander (vier Finger Deckelunterkante und der Daumen drückt auf den Deckel) anheben und im oval rechts-oder linksherum bis zum Ausgangspunkt lösen. Geschafft, aha, so sieht also flüssige Rauhfaser aus : wie schmutziger Frischkäse (vor dem Aufrühren) ! Aus Erfahrung klug geworden, nehme ich meine Bohrmaschine und setze den großen Rührquirl ein. Der Rührquirl hat sich schon mehrfach bezahlt gemacht. Geht auch wesentlich schneller und einfacher als mit einem Stock oder so .......... nach 4 Minuten ist es geschafft : Jetzt sieht es wie Joghurt mit was drin aus, die beigemengten Holzspäne sind unterschiedlich groß und spitzkantig sichtbar ! Jetzt aber los. Am besten geht es bei Flächen mit einer flauschigen Lammfellrolle (billige tun es auch). Für Ecken sowie Wandanschlüsse (Steckdosen, Lichtschalter, WC, Waschbecken, Türrahmen und Scheuerleistenbereich) empfehle ich verschiedengroße "Heizer". Diese haben im Pinselbereich einen Knick, der sich bei schwerzugängigen Stellen vorteilhaft auswirkt. Billige Rundpinsel tun es aber auch.
Streichen
Früh, sehr früh ging ich ans Werk. In meinem Fall waren es nicht nur Wände, sondern auch die Decke. Also fing ich oben an. Wer schonmal eine Decke gestrichen hat, kennt das : Rolle eintauchen, (ggf.) etwas am Sieb etwas abstreichen und dann wird losgerollt. Bei nichttropfender Farbe sicherlich ohne Tropfen, bei "normaler" tropft es irgendwann und wie ist das jetzt bei flüssiger Rauhfaser ? Nicht viel anders, aber bei zu schnellen Bewegungen fliegen Dir die Holzspäne um die Ohren ! Daher folgendes beachten : Langsam, gaaaaanz langsam die Rolle ausstreichen ... ohne zu klecksen ....haha .... ! Nach der fünften Rolle sahen meine Hand, der Arm und auch mein Gesicht wie ein Streuselkuchen aus. So ein Scheiß dachte ich. Und der Boden hatte auch nicht gerade wenig abbekommen. Aber da muss man durch ! So nach der zehnten Rolle kam der Moment für den "Heizer". Normalerweise macht man erst die Ecken, aber bei der flüssigen Rauhfaser ist das egal. Überall dort, wo ich nicht mit der Lammfellrolle hinkam, verteilte ich recht satt diese "Holzfarbe". Nach drei Stunden "Schwerstarbeit" (ca. 25 qm) machte ich eine Pause. Die Decke war fertig ! OhOh , was sich vorher andeutete, wurde jetzt zum Alptraum : Unterschiedliche Holzspananordnungen (ich hatte doch vor jeder Rolle immer gut umgerührt) und diverse Rollenübergänge waren auch extrem sichtbar. Mannomann, wenn das überall so aussieht, wäre einfache Deckenfarbe oder Tapete besser gewesen .......... aber ich habe einen Fehler gemacht :
Wer noch nie flüssige Rauhfaser verarbeitet hat, sollte immer zuerst mit einer Wandseite anfangen. Da kommt dann das Gefühl für die Menge pro Rolle und die richtige Rollgeschwindigkeit. Das ist das Geheimnis. Nur richtige "satte" Rollen bei langsamen Tempo bringen den gewünschten Erfolg. Und dann nach drei vertikalen Rollenbahnen (von oben nach unten oder umgekehrt) gefühlvoll horizontal (von rechts nach links oder umgekehrt) mit wenig Andruck nachrollen .... jaaaaaaa ....... so sieht es toll aus. Aber jeder muss selbst entscheiden, wie DEKORATIV es sein soll. Vielleicht ist das auch vom Hersteller der "Holzfarbe" abhängig. Mit dem festen Willen "Heute werde ich fertig" ging es bis in späten Nachmittag hinein weiter. Mein Arm wurde immer schwerer und nach Fertigstellung das noch feuchte Ergebnis : SUPER, naja die Decke hätte besser werden können. Mein Nachbar kam zufällig vorbei und meinte : Nobody is perfect und für ´nen Hobbymaler kann sich das Ergebnis sehen lassen.
Gaaaaaanz wichtig : Die Klebebandübergänge vor dem Antrocknen mit einem Handtuch oder den Fingern glätten. Hierzu mittig an der Kante entlang fahren (zwischen "Holzfarbe" und Klebeband). Das bringt einen sauberen Übergang und läßt die Nacharbeiten nicht zum Abenteuer werden.
Nacharbeiten
Wer wirklich glatte Abschlüsse wünscht, sollte das Klebeband am Folgetag entfernen. Zu frühes entfernen könnte dazu führen, das die noch nicht getrocknete Farbe runterläuft ! In meinem Fall tat ich dies am Folgetag. Aber nun kommt ja noch das lästige Reinigen der Rolle und "Heizer" bzw. Pinsel. Also nach vielen "Spülgängen" waren da immernoch Holzspäne drin. Somit beschloss ich, die Rolle nicht mehr zu verwenden. Wird einfach mit den Farbresten über den Hausmüll entsorgt. Abschließend noch etwas Wasser in den Farbeimer geben (Oberkante sollte leicht bedenkt sein, um ein Austrocknen zu verhindern !) und dann den patenten Ovaldeckel ´drauf ....... FERTIG !
Fazit
Nach einer entsprechenden Trockenzeit gibt es noch etwas negatives : Entgegen der Rauhfasertapete sind die Holzspäne der flüssigen Rauhfaser sehr scharfkantig ! Ein Anlehnen oder berühren der Wand kann manchmal zu ganz schönen Verletzungen führen. Wer Kinder hat, sollte hier dreimal überlegen, ob er die flüssige Variante verwendet. Naja und in den Folgewochen rieseln dann noch so einige Holzspäne zu Boden, die sich aber leicht mit einem Staubsauger entfernen lassen.
So in ca 3 - 4 Jahren werde ich dann beim Renovierungsanstrich die "Raspelöberfläche" mit weißer Latexfarbe überrollen.
Und ich hoffe, das geht fast genauso "einfach", wie bei "richtiger" Tapete.
Entfernen werde ich die "Holzfarbe" bestimmt nicht. Eher zehnmal überrollen ........
Die "geklebte" Variante hätte hier bestimmt Nachteile : Viele Luftblasen bis hin zum ablösen !
Also, nur Mut, probiert es doch einmal aus ?!
(C) ("Koppireit") 2002 by Hardy Kürbihs
37 Bewertungen, 5 Kommentare
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27.03.2002, 09:08 Uhr von hpmaier
Bewertung: sehr hilfreichIch kannte das auch nicht, diese fl Rauhfaser, bis uns unser Vormieter eine Toilette hinterlassen hatte mit eben dieser, und ich muss sagen, nicht schlecht. Gruesse hpmaier
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20.03.2002, 12:30 Uhr von harzerduo
Bewertung: sehr hilfreichist einfacher als tapezieren
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07.03.2002, 14:48 Uhr von wilma
Bewertung: sehr hilfreichAlso für mich ist Ausmalen sowieso der Horror - dann tu ich mir sicher nicht noch so eine Holzfarbe an.
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27.02.2002, 09:19 Uhr von skorpion99
Bewertung: sehr hilfreichNach 25qm Deckenanstrich haste Dir aber erst einmal eine ausgiebige Brotzeit verdient. ich kann mich noch gut erinnern, wie schweißtreibend derartige Betätigung für einen Bürohengst ist, und die nächste Renovierung werde ich noch
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21.02.2002, 23:43 Uhr von Murmela
Bewertung: sehr hilfreichich habe da bisher eher negatives gehört...aber man lernt ja nie aus! grüsse
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