The Bends - Radiohead Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 12/2006
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Summe aller Bewertungen
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von Gimmick404
Schöner Fake
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wahrscheinlich werden mich einige Radiohead-Fans für diese Aussage steinigen *g*, aber das beste Album der Band um Thom Yorke aus Oxford in England ist definitiv "The Bends" aus dem Jahre 1994/5 - na ja, meiner Meinung nach.
Bekannt war die Band durchaus schon zu diesem Zeitpunkt - zumindest in der Alternative-Szene. Dies hatten sie vor allem "Creep" zu verdanken, dem Übersong ihres Debuts "Pablo Honey", welcher der Band auch in den USA zu Popularität verhalf. Und "The Bends" war ein würdiger Nachfolger, der die Melancholie, die bei Radiohead von Anfang an vertreten war, die Platte perfektionierte den Stil sowohl in musikalischer als auch textlicher Hinsicht. Viele musikalische Experimente sollte man allerdings 1994 in der Frühphase noch nicht erwarten, diese Zeit begann eigentlich erst 1997 mit der Veröffentlichung von OK Computer, das allerdings kommerziell auch ein ziemlich großer Erfolg war. Die letzten beiden Werke dann brachen allerdings endgültig mit der Frühphase der Band, endgültig machten Radiohead das, was sie wollten: sie machten experimentelle Musik, brachten bei ihrem vorletzten Album erst gar keine Single auf den Markt, und eine Tournee gab es auch nicht. Dennoch reichte es noch für eine Spitzenposition in den britischen Albencharts. Immerhin, bei dem letzten Studioalbum, "Kid A", gab es wieder Liveauftritte und Singles.
Eine richtige Singlesband waren Radiohead allerdings nie. Ihre Alben überzeugten weniger durch einzelne Songs - von "Creep" einmal abgesehen - als vielmehr duch ihre in sich geschlossene und stimmige Komposition. Bemerkenswert ist, dass Thom Yorke "Creep" bei Live-Auftritten nicht -oder zumindest nur selten - spielt, schon der unterwürfige und teils auch depressive Text scheint ihm nicht mehr so recht zu schmecken: "I'm a creep...I'm better off dead", Eigentlich schade, denn der Song hat meiner Meinung nach ein nicht zu unterschätzendes Live-Potential. Diese Qualitäten will ich diesem Werk zwar nicht gänzlich absprechen, doch klingt es im ganzen einfacher ruhiger - und melancholischer, ein Wort, das sich eigentlich durch das ganze Album hindurchzieht, es ist, wie ich finde, eher für einsame, ruhige Stunden geeignet.
*01 - planet telex* (4:19)
Fängt irgendwie so an, als ob Nebel vertont würde. Und gibt gleich schon die Richtung des Albums vor: gitarrenbetont, melodiös. Denn in die mystischen Anfangstöne platzt sogleich eine etwas schräge, aber durchaus nicht unangenehm klingende Melodie. Die Stimme von Thom Yorke klingt zwar leicht angestrengt, vor allem bei den etwas lauteren Stellen, doch bei den langsameren ist sie allemal wandlungsfähig genug, um auch ganz sanft aus den Boxen zu ?schleichen'. Verbreitet irgendwie eine düstere Stimmung, dies wird auch vom Text unterstützt: "You can break all the rules but still everything is broken, everyone is broken, why can't you forget?"
*02 - the bends* (4:06)
Der Titelsong, fängt etwas härter an als der erste Song, wechselt dann aber öfter zwischen schnelleren und langsameren Passagen. Thom legt sich aber etwas mehr ins Zeug als beim ersten, mal ist es mehr Sprechgesang, mal - vor allem beim Refrain - wird er auch laut. Gegen Ende des Songs zeigt Johnny Greenwood, was er so drauf hat an der Gitarr: kurzes Solo, gefolgt vom Refrain - und Stille. Auch wieder recht melancholisch klingend, was auch vom Text wiedergespiegelt wird.
*03 - high and dry* (4:18)
Das erste Highlight des Albums, wie man schon vom Titel her vermuten könnte... ein eher ruhiger Song. Im Gegensatz zu den übrigen Stücken entstand er bereits 1993, doch fügt er sich nahtlos ein auf diesem Album. Vor allem der Refrain "don't leave me high, don't leave me dry" und das jeweils darauffolgende Solo von Greenwood gibt dem ganzen eine düstere Note. So muss intelligenter Gitarrenrock klingen. Man merkt bereits jetzt: Radiohead haben den Weg von "Pablo Honey" nicht einfach fortgesetzt, damals haben einige sie in die Grunge-Ecke gesteckt, doch dieses Album gehört sicher nicht in diese Schublade. Es ist eher düstere, hymnenhafter Gitarrenpop, wie man bereits beim folgenden Song bemerkt.
*04 - fake plastic trees* (4:51)
Jedes Album hat einen Übersong? Nicht unbedingt, doch dieses hat ihn. War auch ein recht großer Hit, wie ich hab nachlesen dürfen. Mir war dieser Song allerdings nicht geläufig, erst, als ich mir 1998 dieses Album kaufte, hörte ich ihn das erste Mal - und seitdem unzählige Male, aber aufhören kann ich nicht damit, ist wie eine Sucht. Steht fast scbon exemplarisch für dieses Album, wer er alles enthält, was es ausmacht: Gitarrensolo, ruhige Stellen, schnellere Passagen, einfach unheimlich eben - und natürlich unendlich melanchlisch. Eben diese Melanchlie, die Radiohead so gerne verbreiten, hier ist es perfekt gelungen. Und ein Ohrwurm ist es obendrein auch noch, kann man es noch besser machen? Gesanglich passt sich Thom Yorke der Stimmung des Songs einfach perfekt an,wirkt er doch so richtig deprimiert:
...
She looks like the real thing
She tastes like the real thing
My fake plastic love
But I can't help the feeling
I could blow through the ceiling
If I just turn and run
And it wears me out, it wears me out
It wears me out, it wears me out
And if I could be who you wanted
If I could be who you wanted
All the time, all the time
Irgendwie ist doch alles nur Fake - .... bittersweet...
*05 - bones* (3:09)
Welch ein schräger Kontrast zum eben gehörten. Erinnert ein wenig an einen alten Song der Simple Minds aus den ganz früher 80ern: "Chelsea Girl" und vor allem "Factory". Verwundert vielleicht einige jetzt. Doch beim nähere Hinhören wird das Wunder dann doch etwas geringer... war doch John Leckie, der hier Produzent, spielte an so einigen Frühwerken der Simple Minds beteiligt, die man damals eher der News Wave/ Punk-Richtung zuordnen konnte. Verzerrt klingende Gitarren und insgesamt etwas weniger von Melodie geprägt, eben eher Rocksong als Ballade.
*06 - (nice dream)* (3:53)
1998 war es, in einem Pub, die so oft in diesen Örtlichkeiten sich befindende Jukebox spielte einen Song. Ich hörte nicht mehr dem zu, was andere sagten, ich hörte auch kaum noch das Stimmengewirr, ich hörte einen Song, den ich bis dato noch nie gehört hatte, wusste nicht, wer das sein könnte. Doch zum Glück brauchte ich nur aufzustehen und zu der Quelle zu gehen: Radiohead: (Nice Dream). Verträumte, zuckersüße Melodie, dazu die eindringliche, einfach unverwechselbare Stimme von Thom Yorke, die ich allerdings kaum kannte, war mir doch nur "Creep" bekannt - doch mit jener Indie-Hymne aus dem Jahre 1993 hat dieser Song nicht viel gemein. Gegen Ende des Songs tauchen dann wieder etwas verzerrte Gitarren auf, um den Hörer dann ganz ruhig aus diesem fasat schon bombastisch klingenden Song in seine Träume zu entlassen.... und dass die im Song beschworene und gegen Ende als Träumerei (nice dream) entlarvte Harmonie vielleicht doch keine ist... war übrigens der Grund, weshalb ich mir erst "The Bends" und dann auch "OK Computer" und "Pablo Honey" kaufte, in England, obwohl CDs dort nicht grade günstig sind.
*07 - just* (3:54)
Mal wieder ein leichter Richtungswechsel: fängt direkt etwas rockiger an, ohne dabei aber an Melodie zu verlieren. Nach einigen Sekunden wird dann der Song etwas ruhiger, und der Gesang setzt sein. Klingt schon - mal wieder - melancholisch. Auch ein Gitarrensolo darf natürlich nicht fehlen, welches so nach 2 Minuten einsetzt. Ist aber kein Song, bei dem ich sofort die Repeattaste betätigen würde, braucht durchaus Eingewöhnungszeit, weil er auf eine gewisse Art widersprüchlich wirkt, ohne dass ich sagen könnte, warum und wieso.
*08 - my iron lung* (4:36)
Ich weiß gar nicht, ob dies nur mir so geht, aber dieser Song klingt wie die logische Fortsetzung von "just". Auch das Grundgrüst des Songs ist sehr ähnlich. Melancholisch ruhige Parts wechseln sich ab mit verzerrten Gitarren - als ob sich die Lunge wehren würde nachdem sie still das ganze Leid ertragen hat und eben zu Eisen geworden ist. Naja, etwas weit hergeholt, zugegeben. Ebenfalls nicht grade Hitparadentauglich.
*09 - bullet proof.. i wish i was* (3:29)
Ziemlich ruhig geht es weiter, vor allem die Akustikgitarre und die traurig wirkende Stimme von Yorke dominieren dieses Stück. Ist somit auch eines der Stücke, dass stellvertretend für dieses Album stehen könnten. Es hinterlässt nämlich eigentlich zunächst keinen bleibenden Eindruck, doch je öfter man es hört, umso besser wird es eigentlich, ohne dabei überaus eingänig zu werden. Sehr verträumte Melodie.
*10 - black star* (4:07)
Der Song beginnt derart, dass ich zunächst an eine Fehlpressung glaubte. Der Song wird nämlich quasi richtig eingeblendete und knüpft exakt da an, wo "bullet proof.. i wish i was" aufhört. Allerdings wird er dann doch etwas weniger balladesk im weiteren Verlauf. Obwohl sicher kein schlechter Song, hinterlässt er bei mir doch keinen so wirklich bleibenden Eindruck, einer der etwas schwächeren, wie ich finde, weil er etwas dahin plätschert.
*11 - sulk* (3:43)
Dieser Song klingt schon wieder wesentlich verspielter und interessanter. Elektronische Spielereien, Gitarre, mal ruhig, dann urplötzlich wieder etwas lauter, viel Melodie und Melancholie, eben genau das, was man von Radiohead erwartet, und doch ist es immer wieder neu und ungewöhnlich, wird nie langweilig. Man entdeckt bei jedem hören wieder neues. Das Ende des Stückes klingt dann schon ziemlich rockig, Very nice.
*12 - street spirit (fade out)* (4:12)
Eines der schönsten Stücke überhaupt beschließt dieses Album. Es fängt schon einfach bezaubernd an, verbreitet aber auch irgendwie eine gewisse Endzeitstimmung:
"i can feel death can see it's beady eyes
all these things into frution
all these things we'll one day swallow whole
and fade out again and fade out again"
Diese bedrückende Stimmung kommt auch gut durch die monoton wirkende Meldodie und Gitarre herüber - Monotonie heißt aber keineswegs Langeweile. Der Song deutet so einige Songs von OK Computer bereits an (Exit Music For a Film, No Surprises oder v.a. The Tourist). Traurig an diesem Song ist vor allem, dass er verdammt schnell vorbei ist - und damit das Album auch am Ende ist.
Das Fazit fällt denn auch ziemlich eindeutig aus: Ein wunderschönes Album, dass durch seine Texte nachdenklich stimmt, die verträumten Melodien und die getragene Melancholie tun ihr übriges. Wer "The Man Who" von Travis oder "Urban Hymns" von The Verve gerne hört, liegt hier absolut richtig. Ob man aber Radiohead gerecht wird, wenn man sie mit dem Schlagwort "Britpop" in einen Topf wirft, möchte ich doch stark bezweifeln. Immerhin, erschienen 1995 auf der britischen Insel sind doch einige Kriterien erfüllt... allerdings nur äußere.
Booklet: Alle Texte sind abgedruckt. Vom Cover möge sich ein jeder selbst ein Bild machen (Abb s.o.)
Die Texte gibt es übrigens hier: Texte: http://www.greenplastic.com/lyrics/index.html
Offizielle Seite der Band: www.radiohead.com
Kaufpreis: ~ £ 7 (in UK)
Bekannt war die Band durchaus schon zu diesem Zeitpunkt - zumindest in der Alternative-Szene. Dies hatten sie vor allem "Creep" zu verdanken, dem Übersong ihres Debuts "Pablo Honey", welcher der Band auch in den USA zu Popularität verhalf. Und "The Bends" war ein würdiger Nachfolger, der die Melancholie, die bei Radiohead von Anfang an vertreten war, die Platte perfektionierte den Stil sowohl in musikalischer als auch textlicher Hinsicht. Viele musikalische Experimente sollte man allerdings 1994 in der Frühphase noch nicht erwarten, diese Zeit begann eigentlich erst 1997 mit der Veröffentlichung von OK Computer, das allerdings kommerziell auch ein ziemlich großer Erfolg war. Die letzten beiden Werke dann brachen allerdings endgültig mit der Frühphase der Band, endgültig machten Radiohead das, was sie wollten: sie machten experimentelle Musik, brachten bei ihrem vorletzten Album erst gar keine Single auf den Markt, und eine Tournee gab es auch nicht. Dennoch reichte es noch für eine Spitzenposition in den britischen Albencharts. Immerhin, bei dem letzten Studioalbum, "Kid A", gab es wieder Liveauftritte und Singles.
Eine richtige Singlesband waren Radiohead allerdings nie. Ihre Alben überzeugten weniger durch einzelne Songs - von "Creep" einmal abgesehen - als vielmehr duch ihre in sich geschlossene und stimmige Komposition. Bemerkenswert ist, dass Thom Yorke "Creep" bei Live-Auftritten nicht -oder zumindest nur selten - spielt, schon der unterwürfige und teils auch depressive Text scheint ihm nicht mehr so recht zu schmecken: "I'm a creep...I'm better off dead", Eigentlich schade, denn der Song hat meiner Meinung nach ein nicht zu unterschätzendes Live-Potential. Diese Qualitäten will ich diesem Werk zwar nicht gänzlich absprechen, doch klingt es im ganzen einfacher ruhiger - und melancholischer, ein Wort, das sich eigentlich durch das ganze Album hindurchzieht, es ist, wie ich finde, eher für einsame, ruhige Stunden geeignet.
*01 - planet telex* (4:19)
Fängt irgendwie so an, als ob Nebel vertont würde. Und gibt gleich schon die Richtung des Albums vor: gitarrenbetont, melodiös. Denn in die mystischen Anfangstöne platzt sogleich eine etwas schräge, aber durchaus nicht unangenehm klingende Melodie. Die Stimme von Thom Yorke klingt zwar leicht angestrengt, vor allem bei den etwas lauteren Stellen, doch bei den langsameren ist sie allemal wandlungsfähig genug, um auch ganz sanft aus den Boxen zu ?schleichen'. Verbreitet irgendwie eine düstere Stimmung, dies wird auch vom Text unterstützt: "You can break all the rules but still everything is broken, everyone is broken, why can't you forget?"
*02 - the bends* (4:06)
Der Titelsong, fängt etwas härter an als der erste Song, wechselt dann aber öfter zwischen schnelleren und langsameren Passagen. Thom legt sich aber etwas mehr ins Zeug als beim ersten, mal ist es mehr Sprechgesang, mal - vor allem beim Refrain - wird er auch laut. Gegen Ende des Songs zeigt Johnny Greenwood, was er so drauf hat an der Gitarr: kurzes Solo, gefolgt vom Refrain - und Stille. Auch wieder recht melancholisch klingend, was auch vom Text wiedergespiegelt wird.
*03 - high and dry* (4:18)
Das erste Highlight des Albums, wie man schon vom Titel her vermuten könnte... ein eher ruhiger Song. Im Gegensatz zu den übrigen Stücken entstand er bereits 1993, doch fügt er sich nahtlos ein auf diesem Album. Vor allem der Refrain "don't leave me high, don't leave me dry" und das jeweils darauffolgende Solo von Greenwood gibt dem ganzen eine düstere Note. So muss intelligenter Gitarrenrock klingen. Man merkt bereits jetzt: Radiohead haben den Weg von "Pablo Honey" nicht einfach fortgesetzt, damals haben einige sie in die Grunge-Ecke gesteckt, doch dieses Album gehört sicher nicht in diese Schublade. Es ist eher düstere, hymnenhafter Gitarrenpop, wie man bereits beim folgenden Song bemerkt.
*04 - fake plastic trees* (4:51)
Jedes Album hat einen Übersong? Nicht unbedingt, doch dieses hat ihn. War auch ein recht großer Hit, wie ich hab nachlesen dürfen. Mir war dieser Song allerdings nicht geläufig, erst, als ich mir 1998 dieses Album kaufte, hörte ich ihn das erste Mal - und seitdem unzählige Male, aber aufhören kann ich nicht damit, ist wie eine Sucht. Steht fast scbon exemplarisch für dieses Album, wer er alles enthält, was es ausmacht: Gitarrensolo, ruhige Stellen, schnellere Passagen, einfach unheimlich eben - und natürlich unendlich melanchlisch. Eben diese Melanchlie, die Radiohead so gerne verbreiten, hier ist es perfekt gelungen. Und ein Ohrwurm ist es obendrein auch noch, kann man es noch besser machen? Gesanglich passt sich Thom Yorke der Stimmung des Songs einfach perfekt an,wirkt er doch so richtig deprimiert:
...
She looks like the real thing
She tastes like the real thing
My fake plastic love
But I can't help the feeling
I could blow through the ceiling
If I just turn and run
And it wears me out, it wears me out
It wears me out, it wears me out
And if I could be who you wanted
If I could be who you wanted
All the time, all the time
Irgendwie ist doch alles nur Fake - .... bittersweet...
*05 - bones* (3:09)
Welch ein schräger Kontrast zum eben gehörten. Erinnert ein wenig an einen alten Song der Simple Minds aus den ganz früher 80ern: "Chelsea Girl" und vor allem "Factory". Verwundert vielleicht einige jetzt. Doch beim nähere Hinhören wird das Wunder dann doch etwas geringer... war doch John Leckie, der hier Produzent, spielte an so einigen Frühwerken der Simple Minds beteiligt, die man damals eher der News Wave/ Punk-Richtung zuordnen konnte. Verzerrt klingende Gitarren und insgesamt etwas weniger von Melodie geprägt, eben eher Rocksong als Ballade.
*06 - (nice dream)* (3:53)
1998 war es, in einem Pub, die so oft in diesen Örtlichkeiten sich befindende Jukebox spielte einen Song. Ich hörte nicht mehr dem zu, was andere sagten, ich hörte auch kaum noch das Stimmengewirr, ich hörte einen Song, den ich bis dato noch nie gehört hatte, wusste nicht, wer das sein könnte. Doch zum Glück brauchte ich nur aufzustehen und zu der Quelle zu gehen: Radiohead: (Nice Dream). Verträumte, zuckersüße Melodie, dazu die eindringliche, einfach unverwechselbare Stimme von Thom Yorke, die ich allerdings kaum kannte, war mir doch nur "Creep" bekannt - doch mit jener Indie-Hymne aus dem Jahre 1993 hat dieser Song nicht viel gemein. Gegen Ende des Songs tauchen dann wieder etwas verzerrte Gitarren auf, um den Hörer dann ganz ruhig aus diesem fasat schon bombastisch klingenden Song in seine Träume zu entlassen.... und dass die im Song beschworene und gegen Ende als Träumerei (nice dream) entlarvte Harmonie vielleicht doch keine ist... war übrigens der Grund, weshalb ich mir erst "The Bends" und dann auch "OK Computer" und "Pablo Honey" kaufte, in England, obwohl CDs dort nicht grade günstig sind.
*07 - just* (3:54)
Mal wieder ein leichter Richtungswechsel: fängt direkt etwas rockiger an, ohne dabei aber an Melodie zu verlieren. Nach einigen Sekunden wird dann der Song etwas ruhiger, und der Gesang setzt sein. Klingt schon - mal wieder - melancholisch. Auch ein Gitarrensolo darf natürlich nicht fehlen, welches so nach 2 Minuten einsetzt. Ist aber kein Song, bei dem ich sofort die Repeattaste betätigen würde, braucht durchaus Eingewöhnungszeit, weil er auf eine gewisse Art widersprüchlich wirkt, ohne dass ich sagen könnte, warum und wieso.
*08 - my iron lung* (4:36)
Ich weiß gar nicht, ob dies nur mir so geht, aber dieser Song klingt wie die logische Fortsetzung von "just". Auch das Grundgrüst des Songs ist sehr ähnlich. Melancholisch ruhige Parts wechseln sich ab mit verzerrten Gitarren - als ob sich die Lunge wehren würde nachdem sie still das ganze Leid ertragen hat und eben zu Eisen geworden ist. Naja, etwas weit hergeholt, zugegeben. Ebenfalls nicht grade Hitparadentauglich.
*09 - bullet proof.. i wish i was* (3:29)
Ziemlich ruhig geht es weiter, vor allem die Akustikgitarre und die traurig wirkende Stimme von Yorke dominieren dieses Stück. Ist somit auch eines der Stücke, dass stellvertretend für dieses Album stehen könnten. Es hinterlässt nämlich eigentlich zunächst keinen bleibenden Eindruck, doch je öfter man es hört, umso besser wird es eigentlich, ohne dabei überaus eingänig zu werden. Sehr verträumte Melodie.
*10 - black star* (4:07)
Der Song beginnt derart, dass ich zunächst an eine Fehlpressung glaubte. Der Song wird nämlich quasi richtig eingeblendete und knüpft exakt da an, wo "bullet proof.. i wish i was" aufhört. Allerdings wird er dann doch etwas weniger balladesk im weiteren Verlauf. Obwohl sicher kein schlechter Song, hinterlässt er bei mir doch keinen so wirklich bleibenden Eindruck, einer der etwas schwächeren, wie ich finde, weil er etwas dahin plätschert.
*11 - sulk* (3:43)
Dieser Song klingt schon wieder wesentlich verspielter und interessanter. Elektronische Spielereien, Gitarre, mal ruhig, dann urplötzlich wieder etwas lauter, viel Melodie und Melancholie, eben genau das, was man von Radiohead erwartet, und doch ist es immer wieder neu und ungewöhnlich, wird nie langweilig. Man entdeckt bei jedem hören wieder neues. Das Ende des Stückes klingt dann schon ziemlich rockig, Very nice.
*12 - street spirit (fade out)* (4:12)
Eines der schönsten Stücke überhaupt beschließt dieses Album. Es fängt schon einfach bezaubernd an, verbreitet aber auch irgendwie eine gewisse Endzeitstimmung:
"i can feel death can see it's beady eyes
all these things into frution
all these things we'll one day swallow whole
and fade out again and fade out again"
Diese bedrückende Stimmung kommt auch gut durch die monoton wirkende Meldodie und Gitarre herüber - Monotonie heißt aber keineswegs Langeweile. Der Song deutet so einige Songs von OK Computer bereits an (Exit Music For a Film, No Surprises oder v.a. The Tourist). Traurig an diesem Song ist vor allem, dass er verdammt schnell vorbei ist - und damit das Album auch am Ende ist.
Das Fazit fällt denn auch ziemlich eindeutig aus: Ein wunderschönes Album, dass durch seine Texte nachdenklich stimmt, die verträumten Melodien und die getragene Melancholie tun ihr übriges. Wer "The Man Who" von Travis oder "Urban Hymns" von The Verve gerne hört, liegt hier absolut richtig. Ob man aber Radiohead gerecht wird, wenn man sie mit dem Schlagwort "Britpop" in einen Topf wirft, möchte ich doch stark bezweifeln. Immerhin, erschienen 1995 auf der britischen Insel sind doch einige Kriterien erfüllt... allerdings nur äußere.
Booklet: Alle Texte sind abgedruckt. Vom Cover möge sich ein jeder selbst ein Bild machen (Abb s.o.)
Die Texte gibt es übrigens hier: Texte: http://www.greenplastic.com/lyrics/index.html
Offizielle Seite der Band: www.radiohead.com
Kaufpreis: ~ £ 7 (in UK)
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