The Game (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von w.gruentjens
Kann es einem noch dreckiger gehen?
Pro:
Toller Fincher
Kontra:
Kein beglückender Film
Empfehlung:
Ja
The Game
Was schenkt man jemand, der schon alles hat? Der alles hat, es aber nicht zu schätzen weiß? Der alles hat, weil er sein Gewissen verloren hat, weil er skrupellos geworden ist?
Ich frage mal anders: Was schenkt ein jüngerer Bruder seinem 48-jährigen, erfolgreichen Bruder, um ihn ein wenig zu ärgern und auf den Boden der Realität herunterzuholen?
Er schenkt ihm einen Alptraum, ein vorgebliches Spiel – wie ein PC-Spiel – nur ist hier der reich Beschenkte der Gejagte, nicht der Schütze; und er weiß nie, ob er mit Spielzeugkugeln oder mit echten Kugeln beschossen wird.
Und was bleibt einem Menschen übrig, dem – so gejagt – alles zerstört wird, die Familie, die Firma, die Konten – einfach alles? Was bleibt ihm, außer …
Und dann immer wieder die Frage: Ist das nun wirklich nur ein Spiel oder ist da doch ein ganz ernster Angriff hinzugekommen, und wenn es Spiel ist, wie gefährlich ist es dann?
INHALTSANGABE VON
Andreas Gryphius (1616 – 1664)
(aus http://www.j-rave.de/html/gryphius.html)
Es ist alles eitel
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden,
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden;
Was jetzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden;
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.
DATEN
(aus cyberkino.de/entertainment/kino/109/109944pr.html)
The Game, Thriller, USA 1997, FSK 16
Darsteller: Michael Douglas (Nicholas van Orton), Sean Penn (Conrad van Orton), Deborah Unger (Christine), James Rebhorn (Jim Feingold), Peter Donat (Samuel Sutherland), Carroll Baker (Ilsa), Anna Katarina (Elizabeth), Armin Müller-Stahl (Anson Baer), Charles Martinet (Vater von Nicholas), Scott Hunter McGuire (Nicholas als Junge)
Regie: David Fincher
INHALT
Ganz, ganz langsam führt uns David Fincher (Seven, Panic Room) an die Personen und die Handlung heran. Wir lernen den reichen und skrupellosen Nicholas van Orton kennen. Sein Bruder schenkt ihm zum 48. Geburtstag einen Gutschein. WAS aus diesem Gutschein wird, ist auch nicht genau festzustellen. Diesen Gutschein einzulösen, ist schon nicht einfach und mit manchen Umständlichkeiten verbunden. Aber – so ist das mit Geheimnissen halt – die Neugierde siegt, und die leisen Stimmen, die einem sagen: Da ist Gefahr! – die hört man dann doch lieber nicht. Das Abenteuer reizt (adventura (lat.) = was wohl geschehen wird).
Und das Abenteuer nimmt seinen Lauf. Ganz langsam erst treten kleine Aufgaben auf, die van Orton lösen muss; und diese steigern sich immer mehr. Aus Aufgaben werden schließlich Anschläge, Intrigen, Drohungen, Verfolgungsjagden – Kurz: Das ganze Spiel scheint aus den Fugen zu geraten. Egal, welchen Kurs er nimmt, welche Entscheidung er trifft, welche Hilfen er bekommt – es ist wie beim Rollenspiel: Der Meister sitzt am längeren Hebel, und der braucht bloß die Angriffe zu verstärken und die Anforderungen hoch zu setzen, schon verliert das Opfer des Spiels.
WELCHE Aufgaben, Intrigen, Anschläge gemacht werden, wie er immer tiefer in den Strudel des Verderbens gerät, das sollte man sich in dem Film ansehen. Nachdem der Film einmal in die Gänge gekommen ist, wird er so rasant wie ein Action-Film.
Was außer der Story und der Action hier hineinspielt, ist aber die philosophische Frage: Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn man ihn in die Situation einer Taube versetzt, die gerade von zwei Falken gejagt wird? Was ist der Mensch, wenn alle Bindungen, alles Geld, aller Besitz, alle Konten, alle Autos, alle Firmen, die man besitzt – auf einmal weg sind? Weg – in Luft aufgelöst. Keiner kennt einen, die Unterschrift und die Papiere, die Geheimnummern, nichts ist mehr wie es war: Man ist ein Stadtstreicher, und noch einer, auf dessen Leben ständig Anschläge gemacht werden.
Und auch wenn man weiß, dass alles mit einem Spiel begonnen hat, so weiß man nicht, ob DAS immer noch ein Spiel ist: Der Mensch entblößt von allem, was ihn zum Menschen macht – wie er meint jedenfalls, das ist das philosophische Thema des Films. Aber das ist schwer zu erkennen. Oberflächlich betrachtet, ist der Film ein Actionfilm oder auch ein Thriller, der langsam Spannung aufbaut, die dann in Handlung übergeht und ganz am Schluss aufgelöst wird.
QUALITÄT
Dieses Kapitel stellt hier eine schwierige Frage, denn sowohl der Liebhaber der Bumm-Bumm-Unterhaltung als auch der Hinterfrager kommen bei diesem Film auf die Kosten.
Beim ersten Sehen habe ich den Film in Bezug auf Unterhaltung und Spannung gesehen – und ich kann nur sagen: Er wird – jedenfalls nach der etwas langsamen Einführung – diesem Anspruch gerecht. Es ist ein ausgezeichneter Unterhaltungsfilm, wenn man Spannung und Action sucht, nicht Romantik. Er ist aber auch ein Film, der Fragen stellen kann, oder besser: bei dem wir uns Fragen stellen können.
Wenn ich schon bei dem Thema äußere Handlung – innere Aussage bin, so muss ich doch gestehen, dass die äußere Handlung einen so in Beschlag nimmt, dass man zunächst über die Fragen, die sich daraus stellen lassen, gar nicht nachdenkt. Und das ist ein kleines Manko an dem Film: Die Chance, eine größere Zuschauerschaft zumindest an solche Fragen heranzuführen, wird eigentlich vertan. Stattdessen wird das Problem am Ende des Films gelöst und es herrscht wieder Friede, Freude, Eierkuchen, wie es sich für einen Thriller gehört.
Mal von dieser kleinen Chance, die vertan wurde, abgesehen, ist der Film aber weit besser als ein durchschnittlicher Thriller. Der Spannungsaufbau ist ganz anders, und es gibt auch keinen konkreten Bösewicht, mit dem es dann einen Endkampf gäbe. Nein, es ist schon ein Thriller ganz eigener Qualität.
Finchers Regie führt – was mir auch schon in Panic Room so gut gefallen hat – ganz sacht an das Problem heran. Problem, peng, gelöst, neues Problem, peng usw. – so funktioniert das hier nicht.
Die Kameraführung ist sehr angemessen, perfekt akribisch, zwischen distanziert und intensiv, ruhig und bewegt balancierend.
Die Schauspieler haben mir alle sehr gut gefallen. Micheal Douglas spielt den van Orton so toll unsympathisch, dass jemand, der M. D. nicht mag, auch den Film anfangs nicht mögen wird. Erst wenn es ihm so richtig dreckig geht, mag man sich darüber entweder freuen oder auch Mitleid mit ihm empfinden.
FAZIT
Wer die Filme von David Fincher mag, wer Michael Douglas mag, wer einen außergewöhnlichen Thriller mag, wer gute, langsam aufgebaute Spannung liebt, und sogar derjenige, welcher harte Action mag, der findet hier einen großen, perfekt gemachten und nicht unkünstlerischen Film, der spannende Unterhaltung und vielleicht ein wenig Nachdenklichkeit bietet.
Wer aber einen beglückenden Film sucht, einen, bei dem man schmunzeln oder lachen oder sich verlieben kann, der wird hier vergeblich suchen, denn das, was er finden wird, ist ein spannender Albtraum.
Was schenkt man jemand, der schon alles hat? Der alles hat, es aber nicht zu schätzen weiß? Der alles hat, weil er sein Gewissen verloren hat, weil er skrupellos geworden ist?
Ich frage mal anders: Was schenkt ein jüngerer Bruder seinem 48-jährigen, erfolgreichen Bruder, um ihn ein wenig zu ärgern und auf den Boden der Realität herunterzuholen?
Er schenkt ihm einen Alptraum, ein vorgebliches Spiel – wie ein PC-Spiel – nur ist hier der reich Beschenkte der Gejagte, nicht der Schütze; und er weiß nie, ob er mit Spielzeugkugeln oder mit echten Kugeln beschossen wird.
Und was bleibt einem Menschen übrig, dem – so gejagt – alles zerstört wird, die Familie, die Firma, die Konten – einfach alles? Was bleibt ihm, außer …
Und dann immer wieder die Frage: Ist das nun wirklich nur ein Spiel oder ist da doch ein ganz ernster Angriff hinzugekommen, und wenn es Spiel ist, wie gefährlich ist es dann?
INHALTSANGABE VON
Andreas Gryphius (1616 – 1664)
(aus http://www.j-rave.de/html/gryphius.html)
Es ist alles eitel
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden,
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden;
Was jetzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden;
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.
DATEN
(aus cyberkino.de/entertainment/kino/109/109944pr.html)
The Game, Thriller, USA 1997, FSK 16
Darsteller: Michael Douglas (Nicholas van Orton), Sean Penn (Conrad van Orton), Deborah Unger (Christine), James Rebhorn (Jim Feingold), Peter Donat (Samuel Sutherland), Carroll Baker (Ilsa), Anna Katarina (Elizabeth), Armin Müller-Stahl (Anson Baer), Charles Martinet (Vater von Nicholas), Scott Hunter McGuire (Nicholas als Junge)
Regie: David Fincher
INHALT
Ganz, ganz langsam führt uns David Fincher (Seven, Panic Room) an die Personen und die Handlung heran. Wir lernen den reichen und skrupellosen Nicholas van Orton kennen. Sein Bruder schenkt ihm zum 48. Geburtstag einen Gutschein. WAS aus diesem Gutschein wird, ist auch nicht genau festzustellen. Diesen Gutschein einzulösen, ist schon nicht einfach und mit manchen Umständlichkeiten verbunden. Aber – so ist das mit Geheimnissen halt – die Neugierde siegt, und die leisen Stimmen, die einem sagen: Da ist Gefahr! – die hört man dann doch lieber nicht. Das Abenteuer reizt (adventura (lat.) = was wohl geschehen wird).
Und das Abenteuer nimmt seinen Lauf. Ganz langsam erst treten kleine Aufgaben auf, die van Orton lösen muss; und diese steigern sich immer mehr. Aus Aufgaben werden schließlich Anschläge, Intrigen, Drohungen, Verfolgungsjagden – Kurz: Das ganze Spiel scheint aus den Fugen zu geraten. Egal, welchen Kurs er nimmt, welche Entscheidung er trifft, welche Hilfen er bekommt – es ist wie beim Rollenspiel: Der Meister sitzt am längeren Hebel, und der braucht bloß die Angriffe zu verstärken und die Anforderungen hoch zu setzen, schon verliert das Opfer des Spiels.
WELCHE Aufgaben, Intrigen, Anschläge gemacht werden, wie er immer tiefer in den Strudel des Verderbens gerät, das sollte man sich in dem Film ansehen. Nachdem der Film einmal in die Gänge gekommen ist, wird er so rasant wie ein Action-Film.
Was außer der Story und der Action hier hineinspielt, ist aber die philosophische Frage: Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn man ihn in die Situation einer Taube versetzt, die gerade von zwei Falken gejagt wird? Was ist der Mensch, wenn alle Bindungen, alles Geld, aller Besitz, alle Konten, alle Autos, alle Firmen, die man besitzt – auf einmal weg sind? Weg – in Luft aufgelöst. Keiner kennt einen, die Unterschrift und die Papiere, die Geheimnummern, nichts ist mehr wie es war: Man ist ein Stadtstreicher, und noch einer, auf dessen Leben ständig Anschläge gemacht werden.
Und auch wenn man weiß, dass alles mit einem Spiel begonnen hat, so weiß man nicht, ob DAS immer noch ein Spiel ist: Der Mensch entblößt von allem, was ihn zum Menschen macht – wie er meint jedenfalls, das ist das philosophische Thema des Films. Aber das ist schwer zu erkennen. Oberflächlich betrachtet, ist der Film ein Actionfilm oder auch ein Thriller, der langsam Spannung aufbaut, die dann in Handlung übergeht und ganz am Schluss aufgelöst wird.
QUALITÄT
Dieses Kapitel stellt hier eine schwierige Frage, denn sowohl der Liebhaber der Bumm-Bumm-Unterhaltung als auch der Hinterfrager kommen bei diesem Film auf die Kosten.
Beim ersten Sehen habe ich den Film in Bezug auf Unterhaltung und Spannung gesehen – und ich kann nur sagen: Er wird – jedenfalls nach der etwas langsamen Einführung – diesem Anspruch gerecht. Es ist ein ausgezeichneter Unterhaltungsfilm, wenn man Spannung und Action sucht, nicht Romantik. Er ist aber auch ein Film, der Fragen stellen kann, oder besser: bei dem wir uns Fragen stellen können.
Wenn ich schon bei dem Thema äußere Handlung – innere Aussage bin, so muss ich doch gestehen, dass die äußere Handlung einen so in Beschlag nimmt, dass man zunächst über die Fragen, die sich daraus stellen lassen, gar nicht nachdenkt. Und das ist ein kleines Manko an dem Film: Die Chance, eine größere Zuschauerschaft zumindest an solche Fragen heranzuführen, wird eigentlich vertan. Stattdessen wird das Problem am Ende des Films gelöst und es herrscht wieder Friede, Freude, Eierkuchen, wie es sich für einen Thriller gehört.
Mal von dieser kleinen Chance, die vertan wurde, abgesehen, ist der Film aber weit besser als ein durchschnittlicher Thriller. Der Spannungsaufbau ist ganz anders, und es gibt auch keinen konkreten Bösewicht, mit dem es dann einen Endkampf gäbe. Nein, es ist schon ein Thriller ganz eigener Qualität.
Finchers Regie führt – was mir auch schon in Panic Room so gut gefallen hat – ganz sacht an das Problem heran. Problem, peng, gelöst, neues Problem, peng usw. – so funktioniert das hier nicht.
Die Kameraführung ist sehr angemessen, perfekt akribisch, zwischen distanziert und intensiv, ruhig und bewegt balancierend.
Die Schauspieler haben mir alle sehr gut gefallen. Micheal Douglas spielt den van Orton so toll unsympathisch, dass jemand, der M. D. nicht mag, auch den Film anfangs nicht mögen wird. Erst wenn es ihm so richtig dreckig geht, mag man sich darüber entweder freuen oder auch Mitleid mit ihm empfinden.
FAZIT
Wer die Filme von David Fincher mag, wer Michael Douglas mag, wer einen außergewöhnlichen Thriller mag, wer gute, langsam aufgebaute Spannung liebt, und sogar derjenige, welcher harte Action mag, der findet hier einen großen, perfekt gemachten und nicht unkünstlerischen Film, der spannende Unterhaltung und vielleicht ein wenig Nachdenklichkeit bietet.
Wer aber einen beglückenden Film sucht, einen, bei dem man schmunzeln oder lachen oder sich verlieben kann, der wird hier vergeblich suchen, denn das, was er finden wird, ist ein spannender Albtraum.
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