The Machinist (DVD) Testbericht

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ab 7,59
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Erfahrungsbericht von Die_böse_Maus

Der Alptraum Leben

Pro:

Christian Bale, schockierend, spannend konstruiert, düster, läßt Interpretationsmöglichkeiten offen

Kontra:

eine solche Lösung ist nun mal nicht neu, eventuell zu vorhersehbar

Empfehlung:

Ja

Willkommen bei der bösen Maus

Heute erwartet euch ein weiterer Bericht zu einem Film, der in unseren Kinos angelaufen ist...

THE MACHINIST

+++++Randdaten+++++

Spanien / USA 2004
Originaltitel: The Machinist
Regie: Brad Anderson
Darsteller: Christian Bale, Jennifer Jason Leigh, Aitana Sánchez-Gijón, Michael Ironside, John Sharian, Larry Gilliard, Reg E. Cathey
FSK: ab 16
Länge: 101 min
Start: 11.11.2004

Quelle: http://www.filmz.de/film_2004/the_machinist_der_maschinist/

+++++Handlung+++++

Trevor Reznik ist um die 30, Single und Industriearbeiter. Sein Leben erscheint als einziger Alptraum: Seit über einem Jahr leidet er an Schlaflosigkeit, Magersucht, einem Waschzwang und chronischer Einsamkeit. Er notiert täglich sein immer geringer werdendes Gewicht und klebt es auf Zettel neben den Badezimmerschrank, er wäscht seine Hände mit diversen chemischen Reinigern, putzt die Badezimmerfugen mit einer Zahnbürste und teilt sich nur zwei Menschen mit: der alleinerziehenden Kellnerin Maria (Aitana Sanchez-Gijon) aus dem Cafe am Flughafen, das er jede Nacht aufsucht und der Prostituierten Stevie (Jennifer Jason Leigh), mit der er regelmäßig schläft.

Trevors körperlicher und psychischer Verfall hat verheerende Folgen: Er verursacht in der Fabrik aus Unaufmerksamkeit einen Unfall, bei dem sein Kollege Miller seinen Arm verliert. Abgelenkt hat ihn der neue Mitarbeiter Ivan (John Sharian), ein Mann der gar nicht existieren soll.
Nach und nach verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn. Trevor findet Notizzettel an seinem Kühlschrank, glaubt jemand sei in seiner Wohnung gewesen, meint Ivan würde ihn vefolgen.
Sind all diese Vorkommnisse Folge seines extremen Schlafmangels oder ist er Opfer einer perfiden Intrige geworden? Plant jemand ihn zu töten?

+++++Bewertung+++++

\"The Machinist\" ist meiner Meinung nach einer Psycho - Thriller, der von der ersten Sekunde an fesselt. So trost - und aussichtslos Trevors Leben erscheint, so wenig Farbe wurde beim Dreh verwendet. Der Film erscheint durchgehend in Grautönen, wie ein Schwarz Weißfilm, passende Musik wurde zur Unterstreichung der Stimmung gewählt.
Christian Bale, der für diesen Film 30 kg abnehmen musste, überzeugt in jeglicher Hinsicht. Die anderen Darsteller treten da eher in den Hintergrund, sie wirken wie eine Art Ergänzung.

Bales schauspielerisches Talent hat mich bereits in dem Yuppie - Drama \"American Psycho\" begeistert, doch hier übertrifft er sich selbst. Man nimmt ihm seine Verzweifelung durchweg ab, doch ist auch eine gewisse Resignation in der Entwicklung des Protagonisten Trevor erkennbar. Er hat sich mit diesem Leben abgefunden, geht jeden Tag zur Arbeit, scheint mit der zu bedienenden Maschine geradezu zu verschmelzen und bezahlt seine Miete immerhin pünktlicher als die Stromrechnung. \"The Machinist\" wirft zu Anfang einen unverblümten Blick auf die Arbeiterklasse, die für unsere Industriegesellschaft unverzichtbar ist, wahrhaft schuften muss, um ihren Lebensunerhalt zu verdienen. Der Film beginnt zwar mit einer Szene, in der man Trevor dabei beobachtet, wie er eine Leiche in einen Teppich einwickelt und sie in den Fluss werfen möchte (dazu später mehr in der Lösung, für die die sich lesen und damit meine komplette Bewertung nachvollziehen möchten), doch geschieht das alles noch mit einer Ruhe, die ein Ende findet, als sich der mysteriöse Ivan in Trevors Leben einmischt.

Der Film erfährt eine Wendung, die sich in sie hat: Der Zuschauer taucht in Trevors \"kranke\" Welt ein, erlebt seine Stimmungsschwankungen, seinen Hass auf sich selbst und die Welt und letztlich seine \"psychotischen Schübe\". Man identifiziert sich mit Trevor und fragt sich andauernd, was nun wirklich passiert und was Produkt von Trevors Phantasie ist.
Clever gemacht ist zum einen die intendierte Identifikation mit Trevor und zum anderen der Aufbau einer konsequenten Spannung, die plötzlich zum Ausbruch kommt und die Handlung vorantreibt. Man weiß nicht, ob man Mitleid mit Trevor empfinden, ihn fürchten oder verurteilen soll - dem Regisseuer gelingt wirklich eine differenzierte Darstellung eines Charakters, der in unserer kalten und beinah von Maschinen beherrschten Welt nicht mehr zurechtkommt.

Selbst im Zusammensein mit Stevie (Jennifer Jason Leigh) scheint sich Trevor nicht wirklich fallenlassen zu können, man vermutet dass ihre für eine Prostituierte ungewöhnlich zärtliche Art ihm fast Angst einjagt. Stevie wirkt wie die klischeehafte \"Hure mit dem goldenen Herzen\", doch auch ihr Leben ist bereits veschwendet, so dass sie nicht in der Lage ist Trevor zu helfen. Die Kellnerin Maria (Aitana Sanchez-Gijon), Mutter eines kleines Sohnes, löst bei Trevor Erinnerungen an seine Mutter aus - seine Gefühle für sie wirken daher etwas verquert. Trevor wirkt in manchen Momenten wie ein hilfloses Kind,das noch dem Schutz der Mutter bedarf. Haben wir nicht alle manchmal Sehnsucht nach diesem?


+++++ACHTUNG!!!+++++++++++++++++++++++++++

Um eine wirkliche Bewertung des Films abgeben zu können, muss ich auf die LÖSUNG eingehen. Wer die nicht wissen möchte, der möge hier bitte auffhören zu lesen....

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\"The Machinist\" ist so konstruiert, dass er verschiedene Interpretationsmöglichkeiten offen lässt, doch eines ist eindeutig: Trevor leidet an einer multiplen Persönlichkeitsstörung (oft fälschlicherweise als Schiziphrenie bezeichnet), ausgelöst durch einen Autounfall, bei dem er einen kleinen Jungen tötete und Fahrerflucht begann.

Inwieweit die Verdrängung eines traumatischen Erlebnisses eine solch gravierende Störung auslösen kann, darüber läßt sich sicherlich streiten, doch es wird deutlich, dass Ivan eine seiner Persönlichkeiten ist. Er steht wahrscheinlich für den coolen, lockeren Typen, den er nie ausleben konnte.

Den Jungen, den er bei dem Unfall tötete und unversorgt liegenließ, adaptiert er wiederum als eine seiner Persönlichkeit und sieht in ihm Marias Sohn Nicholas, mit dem er in einer Vorstellung einen Tag im Freizeitpark verbrachte. Maria ist die Mutter, die auf die Straße rannte, um nach ihren überfahrenen Jungen zu sehen, doch arbeitete niemals als Kellnerin im Flughafencafe. Trevor adaptierte auch sie für eine gewisse Zeit als Teil seiner Persönlichkeit - seine Schuldgefühle und seine verdrängten Erinnerungen sorgten wohl dafür.

Der komplette Film ist also als eine Rückspulung zu betrachten - er erklärt die erste Szene. Es ist Ivan, dem Trevor die Kehle durchschlitzt, doch hätte das nicht bedeuten müssen, dass Trevor sich selbst umbringt? Vielleicht kann mich da jemand,der den Film auch gesehen hat, aufklären, diese Stelle habe ich nicht ganz in den Kontext einordnen können.

Der Alptraum scheint erst ein Ende zu finden, als Trevor sich der Polizei stellt und für die Fahrerflucht und den Tod des Jungen verhaftet wird. Erst als er in seiner Zelle sitzt, kann er endlich wieder schlafen - ein Plädoyer dafür sein Gewissen erleichtern zu müssen, um endlich zur Ruhe kommen zu können?

\"The Machinist\" sicherlich kein Film, der den Geschmack der breiten Masse trifft. Er ist düster, schockiert, regt zum Nachdenken an - er zeigt den Alptraum eines Traumas, das nie verarbeitet wurde - vielleicht nicht nur das Trauma eines Autounfalls mit Fahrerflucht und der Schuld am Tod eines unschuldigen Kindes, sondern das Trauma der menschlichen Existenz an sich. Trevor kommt als ein Sinnbild einer geknechteten Kreatur daher, vom Schlafmangel und der Magersucht ausgezehrt , von den Kollegen gemobbt und der Einsamkeit gequält. Der Betriebsunfall, bei dem Miller seinen Arm verliert erscheint als Rekapitulation des einstigen Autounfalls - als eine erneute Warnung für das gerade zu stehen, was man getan hat. Doch Trevor flüchtet, sieht sich als Opfer einer großen Verschwörung und erkennt erst dann, als es fast zu spät ist, was zu tun ist...

Ein großer Film, möchte ich meinen, auch wenn die multiple Persönlichkeitsstörung als Lösung natürlich etwas bekanntes ist (man denke da an \"Identität\" oder \"Fight Club\") und das Ende daher ein wenig vorhersehbar wird. Die Freigabe ab 16 Jahren ist auf alle Fälle gerechtfertigt, denn der Film enthält zahlreiche Psycho Horrorszenen (unter anderem die Abtrennung von Millers Hand und die Fahrt in der Geisterbahn), die Kinder nicht unbedingt leicht wegstecken könnten. Ich hatte noch lange, nachdem es im Kinosaal wieder hell wurde, einen Kloß im Hals...

Er verdient meiner Meinung nach 4 Sterne und eine klare Empfehlung.

Vielen Dank für eure Lesungen, Bewertungen und Kommentare

Die böse Maus (Mausimausmaus bei Ciao)

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