Ring (DVD) Testbericht

Ring-dvd-horrorfilm
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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Geht’s jetzt erst richtig rund?

Pro:

Einfallsreiche Story, Gruselatmosphäre

Kontra:

Ungenügende Extraausstattung

Empfehlung:

Ja

Manchmal genügt ein Hauptgericht halt nicht, auch wenn man’s eigentlich viel besser wissen sollte. Nach einem opulenten Mahl, ist man sehr schnell dazu geneigt noch zu einem süßen Nachtisch, und danach vielleicht sogar noch zu einer weiteren Leckerei zu greifen.
Ganz ähnlich erging es mir mit dem Roman „The Ring“ org. „Ring“ von Koji Suzuki. Erst mal auf den Geschmack gekommen, wollte ich mir auch noch die Filmumsetzung anschauen, die von Hideo Nakata (Ringu) mit wenig Geldmitteln, aber sehr effektvoll in typisch japanischer Art inszeniert wurde. Und weil der Teller gleich wieder leer wurde, packte ich schließlich auch noch die Adaption obendrauf, die Gore Verbinski für ein eher westlich geprägtes Publikum umgesetzt hatte.
Um zu erfahren ob sich bei mir wieder dieses gewollte, leichte Unwohlsein in der Magengegend einstellte, oder ob es diesmal einfach zu viel des Guten war, sollte man jetzt einfach weiterlesen.



Filmhandlung


Zwei junge Mädchen sitzen allein in der Wohnung und erzählen sich gegenseitig die Schauergeschichte eines Videobandes, dass - sobald man es gesehen hat – einem nur noch eine Frist von einer Woche zum Leben einräumt. Im Laufe des Gesprächs der beiden Teenager kommt heraus, dass eines der Mädchen eben dieses Band vor genau 7 Tagen gesehen hatte. Erst machen sie noch Witze darüber. Doch als wenig später das Telefon klingelt, vergeht ihnen das Lachen. Eines der Mädchen stirbt kurz darauf auf grausige und geheimnisvolle Weise.
Als die Tante des gestorbenen Mädchens, die Reporterin Rachel Kellers (Naomi Watts) nach der Beerdigung in der Wohnung ihrer Schwester Fotos von ihrer Nichte findet, die sie in einem Feriencamp zusammen mit anderen Jugendlichen zeigt, und später auch noch von dem ominösen Videoband erfährt, wird sie neugierig. Rachel fährt kurz darauf in das Ferienlager, um in Erfahrung zu bringen was sich dort abgespielt hat.

Die Reporterin kommt dort tatsächlich in den Besitz eines Videobandes ohne jegliche Beschriftung. Als sie es in den Recorder schiebt, sieht sie auf dem Bildschirm eine verstörende, alptraumhafte Abfolge von Bildern. Gleich darauf bekommt sie einen Anruf, in dem ihr mitgeteilt wird, dass sie nur noch eine Woche zu leben hat. In Panik wendet Rachel sich an ihren Ex-Ehemann (Martin Henderson) - einem Tontechniker, der sich das Band einmal etwas genauer anschauen soll.
Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um hinter das Rätsel das hinter dieser Videokassette steckt zu kommen, bevor die Woche abgelaufen ist. Die Situation verschärft sich auch noch dadurch, dass Rachels kleiner Sohn unglücklicher Weise das Band unbeabsichtigt zu Gesicht bekommt...



Kritik


Wie schon in der Originaladaption ist auch in Verbinskis Film der Hauptcharakter ein Weiblicher. In Suzukis Roman war es ja noch ein Journalist, der hinter dem Geheimnis des Bandes her war. Das ist aber bis auf den groben Plot auch fast schon die einzige Gemeinsamkeit der beiden Buchverfilmungen. So kann man zu Verbinskis Streifen stehen wie man will - zugestehen, dass seine Vision des Stoffes auch noch nach dem Konsum von Buch und Erstverfilmung durchaus noch spannende Momente hat, sollte man ihm auf jeden Fall. Denn der Handlungsfaden ist hier einfach etwas anders gestrickt worden. Nicht unbedingt besser oder schlechter als im Original, sondern in der Inszenierung freilich ein wenig schneller mit weniger Japan-Mystik - und damit sicherlich wirkungsvoller für das breite Publikum.

Beim Gruseln liegt Hideo Nakatas „Ringu“ nach meinem Dafürhalten wieder knapp vorne. Die Nippon-Version kommt einfach einen Tick mysteriöser und geheimnisvoller für mich rüber. Das sieht man zu einem nicht unwesentlichen Teil zum Beispiel auch an dem Aufbau des Filmhöhepunktes am Ende. Dementsprechend sind die Bildkompositionen von Nakata im Finale einfach perfekt, und die schockierende, ohne Frage angstmachende Schlusssequenz von der Eindringlichkeit her durchaus mit dem Besten zu vergleichen, was das Horrorgeschäft zu bieten hat. Verbinskis Darstellung hingegen kann trotz viel besserer Möglichkeiten von Maske und Spezialeffekten hier dennoch nur zweiter Sieger sein.
An die Buchvorlage kommen allerdings beide Streifen nicht ganz heran, und die war meiner Meinung nach schon nur im oberen Mittelfeld der internationalen Spannungs- und Horrorliteratur angesiedelt. Die Grundidee ist aber sicher ein kleiner Geniestreich und somit wohl auch der einzig nachvollziehbare Auslöser für den ganzen Trubel, der sich um diesen Ring-Mythos im Land der aufgehenden Sonne gebildet hat.

Die relativ unbekannten Schauspieler machen ihre Sache immerhin ganz ordentlich und geben dem Mystery-Streifen mit Horroranklängen die notwendige Intensität. Naomi Watts, die bisher nur in Filmen der zweiten Reihe auftrat (Children of the Cron 4, Mullholand Drive) gibt eine Hauptdarstellerin ab, mit der man sich ganz gerne auf die Suche nach dem Mysterium der Killerkassette begibt.
Martin Henderson, (Windtalkers) der den ehemaligen Ehemann von Rachel darstellt, hat mir auch ganz gut gefallen. Fast schon schade, dass sein Auftritt im Film nicht etwas großzügiger gestaltet wurde. Auch die Ausstattung der Sets geht überwiegend in Ordnung, um die schaurige Atmosphäre ins rechte Licht zu rücken. Nur bei einigen Details, wie zum Beispiel der Gestaltung des Ferienhauses, in dem erst die Jugendlichen und danach Rachel das verhängnisvolle Band entdecken, ging die Phantasie der Designer etwas mit ihnen durch. So sieht die unheilvolle Ferienhütte, in der sich gegen Ende noch ordentlich dramatische Szenen abspielen, fast schon wie das Hexenhaus aus einem Märchen der Gebrüder Grimm aus, und wirkt deswegen beinahe schon unfreiwillig komisch.

So ist der Appetit an dieser Art Horror-Speise meinerseits jetzt erst mal vollauf gedeckt, und der Nachfolger „Ring 2“ als auch das erschienene Vorspiel „Ring 0“ müssen sich erst mal nach anderen Filmfans umgucken, die sich über diese Japanisch-Phantastische-Horrorkost hermachen wollen.



DVD / Extraausstattung


Die Silberscheibe ist den heutigen Standards entsprechend anzusiedeln, was die Bild- und Tonqualität betrifft. Die meist trüben und unter zu Hilfenahme von Regenmaschinen inszenierten Sequenzen sind erstaunlich klar und kontrastreich eingefangen. Der Ton hält sich meist zurück, um dann aber in den dramatischer werdenden Momenten die Beklemmung zu unterstützen, die hier zu gegebener Zeit immer wieder auftritt.
Die Extraausstattung ist nicht nur sehr kurz, sondern auch eines der seltsamsten, die mir je auf DVD untergekommen ist. In einem 15-minütigen Zusammenschnitt wird ein wilder Mix aus aneinandergesetzten Szenen aus dem Film selber, in dem noch einige gelöschte Filmsequenzen eingesetzt wurden, verwurstelt. Immerhin kann man deutsche Untertitel aus dem Menü anwählen. Ansonsten gibt es nur noch einen Trailer von „Catch me if you can“ und eine Option, in der man sich das Schreckensvideo noch mal in aller Ruhe ansehen kann.
Das ist natürlich für eine aktuelle Produktion viel zu wenig. Ein Audiokommentar des Regisseurs wäre hier zumindest angebracht gewesen, um für den Interessierten die Entstehungs- und Umsetzungsgeschichte des Streifens aus erster Hand zu erfahren. In diesem Bereich hätte man die Silberscheibe erheblich aufpolieren können. Schade um die verpasste Gelegenheit. Vielleicht gibt es ja mal in absehbarer Zeit eine SE zu erwerben.



Filmdaten


Laufzeit: 110 Minuten

Bildformat: 1,85:1

Tonformat: Deutsch / Englisch / Französisch Dolby Digital

Untertitel: Deutsch / Englisch / Französisch / Dänisch u.a.



Fazit


Ganz klar bleibt festzuhalten, dass ohne die geniale Grundidee auf die die Geschichte beruht, auch Verbinskis Film nur ein weiteres nichtssagendes Gruselfilmchen geworden wäre. So aber bleibt sicher auch noch nach dem Ansehen dieser Neuverfilmung das Gehirn des Zusehers aktiv, um die soeben gesehene, über die vollen 110 Minuten kaum nennenswert nachlassende, spannende Story noch ein wenig zu verarbeiten und zu reflektieren. Viel mehr kann man von einem derartigen Genre-Film eigentlich kaum verlangen, auch wenn die Macher an der einen oder anderen Stelle, auf eine etwas zu billige Effekthascherei wohl nicht ganz verzichten wollten.
Auch bei der Erstellung des Bonusprogramms bekleckerten sich die Verantwortlichen nicht gerade mit Ruhm. Es ist mit hauptverantwortlich, dass sich die Scheibe von meiner Seite aus mit drei Sternen begnügen muss und immer noch verhältnismäßig gut dabei wegkommt.

© winterspiegel für Ciao & Yopi

29 Bewertungen, 2 Kommentare

  • mima007

    31.08.2004, 15:57 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    von den Extras enttäuscht. Wie Kraut & Rüben, nicht Fisch, nicht Fleisch:-( Feiner Bericht!

  • dove-networks

    31.08.2004, 13:25 Uhr von dove-networks
    Bewertung: sehr hilfreich

    Also ich hatte bisher nur Schlechtes über die Japan-Verfilmung gehört. Aber vielleicht sollte ich da doch auch mal reinschauen.... Ansonsten sehr schöner Bericht, ausführlich und interessant aufgebaut. MfG Gûlin