Erfahrungsbericht von Elli-Spirelli
Und wenn sie nicht gestorben sind ...
Pro:
Schauspielerische Leistung, Gesprächsstoff nach der Vorstellung
Kontra:
Werbung versprach was ganz anderes
Empfehlung:
Ja
So oder so in der Art könnte man das Ende eines Filmes in Worten ausdrücken, der einen in eine märchenhafte Zeit versetzt hat und es trotzdem geschafft hat im heute zu bleiben.
The Village - das Dorf, so der Titel des Films, verhieß mit einem grandiosen Trailer einen gruseligen Film, annähernd Horror, ein bißchen Paranormales und eine Prise Schreck. Das Komische aber ist, daß dieser Trailer eine ganz andere Vorstellung hervorruft, als der Film erfüllt hat bzw. erfüllen kann.
Ich persönlich hatte ein reges Interesse an dem Film seitdem ich die erste Vorschau gesehen hatte, gerade weil der Trailer (großes Lob) so genial ist. Am Ende muß ich gestehen, daß es einen Punkt Abzug für diesen geben wird. Das ist allerdings nicht so widersprüchlich, wie man vielleicht denken mag. Denn der Trailer versprach etwas anderes, als der Film mir geliefert hat. Einzig und allein, daß er so interessant und sehr bedacht war läßt ihn grandios erscheinen, für einen Filmeliebhaber aber kann dieser Trailer wie ein Pickel sein, den man versucht auszudrücken, aber am Ende hat man eine größere Geschwulst im Gesicht als zuvor.
Worum es nun eigentlich ging möchte ich natürlich sagen, was mir die Story letztendlich sehr erschwert, schließlich gehe ich ja immer davon aus, daß diesen Bericht jemand liest, der den Film noch nicht kennt und mich somit eine Gradwanderung erwartet.
Das Dorf - sehr einleuchtend, spielt die Hauptrolle in diesem Film - trotz Star-Besetzung gelingt es nicht das Hauptaugenmerk vom Dorf abzulenken. Es liegt inmitten eines Waldes - nein inmitten von Wäldern, um es mit den Worten der dort lebenden Erdenbürger zu nennen. Nun verhält es sich so, daß kein Dorfbewohner diese Wälder betritt. Im ersten Moment hätte ich ja ganz logisch gedacht: Klar, denn die haben ja Angst, was mir natürlich die Vorschau auch schon gezeigt hat. Das ist wohl richtig, aber wohl auch nicht. Im Prinzip kann ich schreiben, was ich will - es gibt immer zwei Seiten dazu. Ich bitte also vermeintliche Widersprüche als Folge des Films und der Story zu betrachten.
Es gibt in diesen Wäldern durchaus etwas, was den Bewohnern das Fürchten lehrt - man nennt sie die “Unaussprechlichen” und spätestens bei diesem Wort denkt man an den Anfang des 19. Jahrhunderts und unweigerlich auch an Filme wie “Sleepy Hollow” und “Der Pakt der Wölfe”. Und so ähnlich wie in den dortigen Besiedlungsgegenden ist dieses Dorf in diesem Film zu sehen. Brave Dorfbewohner verfolgen ein friedliches Leben, sorgen selbst für ihre Nahrung und was sie so zum Leben benötigen, sind füreinander da und haben ein paar Regeln, die den Frieden natürlich sichern. Eine dieser Regeln ist, daß keiner der Bewohner in die Wälder gehen darf, basierend auf dem vermeintlichen Wissen, daß man eine Vereinbarung hat mit den “Unaussprechlichen”, daß man sie nicht stört und diese dafür das Dorf und deren Menschen in Ruhe lassen.
Diese kaum vorstellbare Absprache findet ein jähes Ende, was auch immer der Grund dafür sein mag - es liegt nicht daran, daß jemand diese Regeln nicht befolgt hat. Schon vor dem ersten Brechen dieser Regel hinterlassen die “Unaussprechlichen” Zeichen , Warnungen.... In meinen Augen ein schier ekliges Bild, wenn man sich vorstellt einen bis auf den Kopf gehäuteten Hund vorzufinden und dann auch noch ein Fundstück von Kindern. Mit welcher Härte dann allerdings im Unterricht über die Feinheiten der Tötung und Häutung geredet wird ist nach betrachten des ganzen Filmes einfach nur grausam. In dem Moment selber empfand ich es nicht so schlimm: Man nehme an, man lebe mit einigen Menschen zusammen in einem Ort, der zwar friedlich ist, dessen Friede aber bedroht wird durch “unaussprechliche” Kreaturen....ein “Etwas” - da wächst man als Kind so hinein, daß es mit zum Leben gehört zu wissen, wer da dem Tier etwas zugefügt hat und vor allem auch wie ... Schließlich sind gerade Kinder diejenigen die naiver und unbedachter an Gefahrensituationen rangehen wie ein Erwachsener es tun würde. Da aber am Ende alles ganz anders wirkt, wirft das Filmende nicht nur Fragen auf, sondern vor allem auch das Wissen, daß einiges mehr schlecht als recht umgesetzt wurde.
Nun gibt es einen jungen Mann inmitten der Dorfbewohner, der etwas Gutes tun will. Da die Dorfbewohner ein sehr eingeschränktes Leben führen und sich bewußt dort von den Wäldern zurückhalten befinden sich zumeist notwendige Medikamente nicht vor Ort. Der mutige Lucius (Joaquin Phoenix) möchte nun gerne sein Leben aufs Spiel setzen und die Wälder durchqueren um in die nächste Stadt einzukehren, alles Notwendige zu besorgen und dann natürlich auch zurückkehren. Einzig und allein der “Ältestenrat” muß davon überzeugt werden. Dieser setzt sich - wie unschwer dem Namen zu entnehmen aus den Ältesten zusammen, die wenig zu tun, aber doch etwas zu sagen haben. Unter anderem zählt zu ihren Aufgaben die Einhaltung des Abkommens zu sichern, damit die “Unaussprechlichen” nicht in das Dorf kommen. Sie sind also - logisch - nicht schwer begeistert von Lucius´s Idee.
Und als hätten die “Unaussprechlichen” diese Idee gehört gehen die Warnungen weiter - in roten Mänteln gehüllte Kreaturen mit Stacheln auf dem Rücken und Klauen wie von 12 Meter großen Adlern machen Dorfspaziergänge in der Nacht um die Dorfbewohner zu ängstigen und ihre Türen zu markieren ... Mit roter Farbe! Und daß die rot ist, das ist gar nicht gut - denn rot ist eine böse Farbe - nein: Es ist DIE böse Farbe. Alles, was rot ist in diesem Dorf wird sogleich vergraben oder was auch immer -hauptsache, es ist nicht zu sehen - denn: Die “Unaussprechlichen” werden von dieser Farbe angelockt.
Lucius geht übrigens nicht in die nächste Stadt, denn seine Angebetete Ivy (Bryce Dallas Howard) kommt in die Bedrängnis es für ihn tun zu müssen, aber auch zu wollen. Denn einen noch viel größeren Fürchtenichts als Lucius findet man in Noah (Adrien Brody), der geistig gestört im Dorf lebt und weder die Wälder noch deren Kreaturen zu fürchten vermag. Und da er keinerlei Reue kennt, da sein Geist dieses Wort schon mal gar nicht verarbeiten kann ist er ein Mensch, der sicherlich lustig ist, aber nicht immer weiß, was er tut. Aus diesem Grund bringt es ihn völlig aus der Fassung daß seine Ivy, mit der er doch so viel “spielt” und tolle Zeiten verbracht hat nun mit Lucius vereint werden soll. Er begeht ein Verbrechen und genau das ist der Punkt!
Es stellt sich nun so langsam aber sicher heraus warum sich die Menschen in diesem Dorf überhaupt angesiedelt haben ... na ja eigentlich auch wieder nicht - aber das ist einer der unvermeintlichen Widersprüche, wenn man über diesen Film schreibt. Denn alle Ältesten haben in der vermeintlich schlechten Stadtwelt erlebt, wie einer ihrer Liebsten durch Verbrechen starb. Einmal war es eine Schwester die vergewaltigt und getötet wurde, das andere Mal der Vater und beim Nächsten war es wieder etwas anderes und natürlich auch das Geld - denn Geld gibt es in dem Dorf nicht - Geld ist nämlich schlecht! Jawoll!
Im Großen und Ganzen kommt ein bißchen Verständnis dafür auf, daß es Menschen gibt die aus solch einer Umgebung entfliehen und sich da ansiedeln, wo sie zwar nicht wieder wegkönne, aber wo sie sicher sind. Aber sind sie das denn nun, wenn auf einmal der Noah doch ein Verbrechen begeht? Da wechselt im Film das Gefühl von Verständnis zu einem Gefühl heran, in dessen Ausartungen man den Dorfbewohnern zurufen möchte: Das habt ihr nun davon - seht ihr - es passiert überall ...
Und wissen wir nicht auch, daß es überall passiert? Wußten die das denn etwa nicht? Im Grunde kein schlechter Denkansatz für die reale Welt außerhalb des Kinosaals - aber leider wird auch dieser Denkansatz wieder ein wenig umgeschmissen - nicht zuletzt weil der Film so endet wie er eben endet ...
Überraschend ...
Die Story ist nicht schlecht, sie ist mit Sicherheit sogar lebendig, aber das Ende ist mehr als Mystery und schon gar kein Drama-Element ... Um mal nebenbei zu erwähnen daß dieser Film als “Mystery-Drama” verkauft wird. In Wirklichkeit ist das nicht annähernd Mystery oder übersinnlich - es ist eine Verkettung vom “Staatsfeind Nr.1” und “Jurassic Park” - natürlich in nicht so ausschweifenden Sequenzen, aber durchaus mit dem weitwinkligen Blick eines denkenden Endverbrauchers - dem Zuschauerauge entkommt vielleicht einiges - dem Geist aber letztendlich doch nicht. Pluspunkte hat die Story auf jeden Fall verdient - was es aber soll mit der Werbung darauf hinzudeuten, daß der Film wie Unbreakable, The Sixth Sense oder Signs ist - das möchte ich schon gerne wissen - denn ich kann The Village nur ganz entfernt mit diesen Filmen vergleichen - ich will es nichtmal, weil mir ganz andere Filme bei dem Film eingefallen sind, wie man ja dem Text entnehmen kann.
Ich mag Filme, die ein überraschendes Ende haben und ich mag Filme, die mich nicht langweilen - alles das hat mir “The Village” auch gegeben. In all den 2 Stunden habe ich mich schließlich nicht wirklich gelangweilt, wenn ich das behaupten würde, würde ich lügen. Trotzdem war der Film nicht wirklich das, was ich erwartet hätte und ist am Ende nur halb so faszinierend, wie erhofft. Ernüchternd wäre ein Wort, was beschreibt wie ich empfand. Rätselnd passt allerdings auch, denn eins muß ich dem Regisseur M. Night Shyamalan lassen: Das Ende regt nicht nur zum Nachdenken an, sorgt nicht nur für Gesprächsstoff und verbirgt sogar aufwerfende Fragen, die in der heutigen Welt so manchen Platz verloren haben. Gleichzeitig schafft er es fast 1 ½ Stunden vorzutäuschen um dann erst ganz langsam umzulenken, aufzudecken und erst in den letzten Minuten Wahrheit zu zeigen. Alleine diese Umsetzung verdient mehr als ein Lob, denn das war gekonnte Kunst - in Perfektion. Was allerdings nichts damit zu tun hat, daß der gesamte Film Ernüchterung gebracht hat und für mich irgendwas gefehlt hat - Vielleicht war es auch ein Tick zu wenig Klarheit - zu viel Stoff zum Grübeln oder einfach nur zu viele ungeklärte Fragen. Das mochte Absicht sein, muß aber deshalb noch nicht jedem gefallen.
Schauspielerische Leistungen findet man aber auch - gute und sogar sehr gute. Ich muß sagen daß Bryce Dallas Howard sogar mehr Glanz und Können besaß als Sigourney Weaver (was diesen Film anbelangt natürlich) - auch Adrian Brody vollbrachte eine wahrlich gute Leistung - es bedarf bei beiden Figuren (Ivy und Noah) viel Können und ich muß wirklich sagen: Glückwunsch für diese Schauspielerauswahl. Wieder andere vermochten mich nicht so zu überzeugen, fallen aber nur mehr oder minder ins Gewicht.
Ich weiß nicht, was ich zum Thema Empfehlung ja oder nein sagen soll. Einerseits ist es lohnenswert sich den Film anzusehen, allerdings sollte man dann wohl auch andere Erwartungen haben, als die, die beim Sehen des Trailers geschürt werden und man sollte Filme mögen, die nur beim ersten Schein allzu leichte Kost darstellen. Für Zuschauer, die ausschließlich mit Action, Blut oder auch klarer Story zu kriegen sind will ich gar keine Empfehlung geben, auch nicht für Liebhaber des “Zusammenzuck-Schreck-Effects” - da dieser eigentlich nur an zwei kleineren Stellen zu erhaschen ist. Im Grunde ist der Film scheinbar genau richtig für die, die bei der Vorschau denken: Das ist nichts für mich.
Eingeschränkt empfehlenswert.
Am Ende bleibt mir ein “Schade” ....
Schade, daß man für den Film mit den anderen Erfolgen wirbt, die wirklich mit dem Paranormalen glänzen ... Denn DAS ist in diesem Film rein gar nicht der Fall - es ist auch deswegen eher ernüchternd - Das Mystische - Das Übersinnliche - eigentlich wird es mit dem Film beendet - Shyamalan hat in meinen Augen damit eine durchgehend mystische Filmreihe beendet und hat nun scheinbar eher Gefallen an Verschwörungen, Geheimnissen und Komplotten gefunden.
Sei es wie es sei - Pro und Contra halten sich dann doch die Waage:
3 Sterne
Eure
Elli-Spirelli
64 Bewertungen, 16 Kommentare
-
12.06.2008, 11:31 Uhr von Iris1979
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht. Liebe Grüße aus Wien
-
02.06.2008, 00:43 Uhr von try_or_die87
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße aus Regensburg
-
28.05.2008, 22:00 Uhr von misscindy
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr hilfreicher Bericht, lg Sylvia
-
28.05.2008, 11:01 Uhr von creedy18
Bewertung: sehr hilfreichfeiner Bericht LG Andrea
-
12.05.2008, 11:37 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
-
12.05.2008, 10:51 Uhr von Zzaldo
Bewertung: sehr hilfreichein Klasse Bericht von dir.LG Stephan
-
09.04.2008, 21:57 Uhr von Turbotisl1
Bewertung: sehr hilfreichsh und lg
-
29.03.2008, 00:25 Uhr von PaterBrown
Bewertung: sehr hilfreichdie Unaussprechlichen nennen wir in dezidierten Insiderkreisen die hiesigen CSU-Stadträte.. LOL
-
27.03.2008, 21:31 Uhr von gerrhosaurus1978
Bewertung: sehr hilfreichLG, Daniela
-
26.03.2008, 08:52 Uhr von wir_2
Bewertung: sehr hilfreichich hab mich soooo gefürchtet!
-
25.03.2008, 19:36 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichAmerikanischer Quark eben...;-)
-
21.03.2008, 17:02 Uhr von lassie222
Bewertung: sehr hilfreichDen haben wir damals im Kino gesehen, fand ihn aber nicht so toll und hätte mir mehr erhofft von der Werbung her!!!
-
17.03.2008, 21:25 Uhr von Striker1981
Bewertung: sehr hilfreichSH ..mfg STRIKER
-
17.03.2008, 13:13 Uhr von Puenktchen3844
Bewertung: sehr hilfreichSH, LG
-
15.03.2008, 11:31 Uhr von logotip
Bewertung: sehr hilfreichLG logotip
-
13.03.2008, 05:20 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichsh lg werner
Bewerten / Kommentar schreiben