The Village - Das Dorf (VHS) Testbericht

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ab 12,16
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Erfahrungsbericht von ChopSuey

Unsere kleine Farm mal anders...

Pro:

überzeugende Darsteller, gelungene Inszenierung, nachhaltige Wirkung, Spannung

Kontra:

kein echter Schocker ;), Idee nicht die neuste, falsche Erwartungen

Empfehlung:

Ja

Tja, nach Sichtung der Trailer war klar, dass ich mir den neusten Streifen von M. Night Shayamalan unbedingt anschauen musste. (Wem dieser Name nix sagt, wird sicher mit seinen Werken wie SIGNS oder THE SIXTH SENSE was anfangen können). Ein mysteriöser Horror-Thriller ließ sich erahnen. Doch wie das meist so ist, sind Film-Previews nur die halbe Wahrheit und vermitteln einen falschen Eindruck. Bei THE VILLAGE ist das nicht anders...denn was als Thriller angepriesen wird, entpuppt sich schnell als.... na lest selbst.

UNSERE KLEINE FARM

Inmitten eines Tals, welches von Wäldern umgeben ist, lebt eine kleine Gemeinde, die sich dort angesiedelt hat. Eine friedliche Gemeinschaft, abgeschottet von der Aussenwelt, deren \'Ältesten\' für innere Ordnung sorgen.

Das Besondere an diesen Dorfbewohnern ist, dass sie nicht allein in ihrer selbst kreierten Idylle sind, denn in dem angrenzenden Wald, leben die Unaussprechlichen. Riesige, furchterregende Kreaturen, welche die Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Angezogen werden sie von der bösen Farbe, was zur Folge hat, dass alles was rot ist, von den Bewohnern schnellst möglich vergraben wird. Jedoch herrscht eine Art Waffenstillstand zwischen ihnen: die Unaussprechlichen verlassen den Wald nicht, solange die Dorfbewohner den Wald nicht betreten. Somit, haben die Bewohner keine Möglichkeit ihr Dorf zu verlassen ohne den Groll der Kreaturen auf sich zu ziehen.

Der Film startet mit der Szene einer Beerdigung...dieses Unglück veranlasst den furchtlosen Lucius (Joaquin Phoenix) den Ältesten-Rat darum zu bitten, die nächste Stadt aufsuchen zu dürfen. Er will Medizin besorgen. Die Bitte wird ihm jedoch verwährt...schließlich müsste er dafür den Wald durchqueren. Lucius, findet heraus, dass der geistig zurückgebliebene Noah (Adrien Brody) jedoch schon öfter im Wald war, ohne dass die Unaussprechlichen das Dorf angegriffen haben, daraufhin versucht er selbst sein Glück und betritt den Wald. Jedoch nicht ohne Folgen. Prompt läutet in der Nacht die Glocke des Dorfes: die Unaussprechlichen greifen an. Sie versehen die Türen der Bewohner mit der Bösen Farbe...eine Art Warnung.

Die Gemeinde verzeiht Lucius sein unbedachtes Verhalten und die Dinge nehmen ihren gewohnten Lauf. Doch scheinen die Unaussprechlichen weiterhin erzürnt zu sein...immer öfter finden sich, gehäutete Tierleichen im Dorf, diese können nur von den Unaussprechlichen getötet worden sein...oder?

- SPOILER -

Lucius und Ivy (Bryce Dallas Howard), die blinde Tochter des Dorfältesten, beschließen bald zu heiraten, jedoch ist Noah ebenfalls in Ivy verliebt. Kurzerhand greift er Lucius mit dem Messer an. Schwerverletzt wird er von Ivy gefunden... daraufhin bittet sie ihren Vater die Stadt aufsuchen zu dürfen um Medikamente zu holen, damit Lucius gerettet werden kann.

Ihr Vater gewährt ihr diese Bitte....

Dadurch nimmt die Geschichte zugleich ein gutes und dennoch sehr tragisches Ende.

SCHAUSPIELER

Joaquin Phoenix meistert seine Rolle gut. Er spielt den ruhigen und dennoch furchtlosen Lucius überzeugend, da er diese ruhige, gefasste Ausstrahlung hat. Man kennt den Bruder von River Phoenix schon aus SIGNS und GLADIATOR. Zu Anfang wirkt er auf den Zuschauer noch verunsichert und irgendwie unbedeutend. Doch übernimmt er zusehends eine tragende Rolle im Filmgeschehen und schließlich bringt er die Dinge ins Rollen. Stille Wasser sind tief...

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf Bryce Dallas Howard, welche die wohl schwierigste Rolle der Ivy spielt. THE VILLAGE ist ihr Leinwanddebüt weshalb ihre Leistung um so bemerkenswerter ist. Überzeugend stellt sie die Blinde Ivy dar. Alles andere als schicksalsergeben ist Ivy eine der tragenden Figuren, die trotz ihrer Blindheit Dinge \'sieht\' die anderen verborgen bleiben. Sie besitzt Stärke, Intelligenz und wirkt manchmal fast unheimlich. Bryce Howard ist die ideale Besetzung, da man ihr jederzeit als Sehende die Rolle der Blinden Ivy abnimmt.

Eine ebenfalls schwere Bürde trägt Adrien Brody, welcher schon einen Oscar für DER PIANIST einheimsen konnte. Er spielt den geistig behinderten Noah. Eigentlich wirkt Noah zwar überdreht aber dennoch liebenswert...dass er jemand ein Haar krümmen kann, hätte man nicht vermutet...schließlich legt er als Erwachsener das Verhalten eines Kleinkindes an den Tag. Dass Adrien Brody die geistige Verwirrung so authentisch rüberbringen konnte, hat ihm sicherlich einiges abverlangt. Als Zuschauer ist man zwischen Sympathie und Abneigung für Noah hin und her gerissen.

Sigourney Weaver, William Hurt und Brendan Gleeson, lassen den jungen Schauspielern den Vortritt und fungieren eher als Nebenrollen. Zwar wird ihnen als Einzelpersonen keine wirklich tragende Bedeutung im Film beigemessen...dennoch sind ihre Rollen das tragende Gerüst, auf welchem die Geschichte aufgebaut ist.

Die INSZENIERUNG...

...des Films ist große Klasse und rettet den Gesamteindruck. Im ganzen Film, gibt es keine störenden Elemente a lá Hollywood-Wahn. Keine schnellen Schnitte, wechselnde Bilder, farbenfrohe Aufnahmen...nichts hektisches was von der Story ablenken könnte. Allein die Handlung und die Figuren stehen im Vordergrund. Regisseur Shayamalan schafft es eine bedrückende Stimmung aufzubauen, von der ersten Minute an wirkt alles sehr düster und geheimnisvoll. Die Atmosphäre lässt gleich darauf schließen, dass der vermeintliche Frieden täuscht.

KRITIK

Nun, was das mysteriöse angeht wird man nicht wirklich enttäuscht. Gänsehaut bleibt dagegen eher aus - das höchste der Gefühle sind kurze Schreck-Momente. Gruseln aber wird sich nicht mal meine 6-jährige Nichte bei THE VILLAGE. Jedoch...

...bin ich mir nicht sicher was ich von dem Werk halten soll. Einerseits wurden meine Erwartungen sehr enttäuscht, da THE VILLAGE ins Genre des Horror so gar nicht passen mag. Dennoch herrscht eine bedrückende und düstere Atmosphäre. Durch die Idee eine Legende von finsteren Kreaturen wahr werden zu lassen baut sich eine gewisse Spannung auf, welche sich aber an keinem Punkt wirklich entladen wird. Zugegeben ist die Idee des Filmes an sich nicht neu. Seltsame Ungeheuer, welche die Menschen in Schrecken versetzen. Ein alter Hut, nicht wahr? Die Umsetzung dagegen aber ließ auf Gutes hoffen. Sie ist gelungen...und eigentlich faszinierend. Gerade der Kontrast zwischen der aufkommenden Trostlosigkeit gegenüber der friedlichen Idylle verfehlen nicht ihre Wirkung. Aber ein fader Nachgeschmack bleibt.

Das eigentliche Kernstück des Filmes bilden die Erfahrungen der Dorfältesten, welche sie dazu bewegt haben das Dorf zu gründen. Obwohl man ihnen keine große Bedeutung im Film beimisst, erfährt man am Ende welche tragende Rolle sie eigentlich spielen. Zumindest der Schluss des Filmes dürfte für Überraschungen sorgen, da man sich fast überrumpelt fühlt von dieser Wendung. Interessant in dem Zusammenhang ist natürlich, dass die Farbe des Blutes als Böse Farbe deklariert wird. Betrachtet man den Hintergrund der Dorfgründer so scheint selbige Symbolologie einleuchtend. Was ich nicht näher erörtern kann ohne das Geheimnis zu lüften.

Eine gelungene Sequenz hingegen ist Ivy´s Durchquerung des Waldes. Als Zuschauer weiß man nun schon um das Geheimnis des ganzen Spektakels...und auch Ivy weiß Bescheid. Doch gerade deshalb ist ihre Begegnung mit einem ‚Unaussprechlichen‘ besonders unheimlich und zerrt vielleicht bei dem ein oder anderen an den Nerven. Diese Verfolgungsjagd, ist in Hinblick auf die Lösung des Rätsels um die Legende der Waldbewohner besonders tragisch – bedenkt man, dass sie tödlich endet. Nicht jedoch für Ivy. Zudem sichert die tödliche Begegnung den Fortbestand des Dorfes..weiterhin abgeschnitten von der Aussenwelt. Welches zugleich Fluch und Segen ist.

Wer das nun verwirrend findet, wird sich THE VILLAGE wohl anschauen müssen.

Anschauen sollte man sich den Film vielleicht auch deshalb, da Regisseur Shayamalan auf unkonventionelle Art und Weise Kritik an der Gesellschaft übt. Worauf er eigentlich hinaus will wird zwar erst nach und nach klar, dafür aber mit nachhaltigem Eindruck. Er findet mit THE VILLAGE einen Weg sich gegen die sich entwickelnden Strukturen unserer heutigen Zeit auszusprechen und prangert die Missstände an. Zumindest fand ich es sehr aufschlussreich, dass er die Figuren seines Films eigentlich vor der Realität flüchten und sie statt dessen in ihrer eigens geschaffenen Welt leben lässt.

Paradoxerweise schaffen sie sich ihre eigenen Dämonen statt sich den realen zu stellen. Ich fand es sehr gelungen, dass man sich für diese indirekte Art der Kritik entschieden hat. Denn trotz der falschen Vorstellungen bezüglich der Handlung, hatte der Film einen gewissen Unterhaltungswert und hinterlässt kein Gefühl von Umsonst-gesehen. Eher ein Aha-Effekt.

Aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass es ein ernster Film ist..und mit Unterhaltungswert nicht gemeint ist, dass man sich entspannt zurücklehnen kann um die Dinge auf sich wirken zu lassen.

FAZIT

Ein Film der an die Empfindungen der Zuschauer apelliert und mit selbigen spielt.

Aber nicht ganz so gekonnt wie man es vom Regisseur erwartet hätte. Teilweise vermag er es einen in seinen Bann zu ziehen, jedoch bleibt der große Knaller aus. Meine Erwartungen wurden enttäuscht, denn THE VILLAGE ist nicht der Gruselschocker, als welcher er angepriesen wird...eher entpuppt er sich als gesellschaftskritisches Werk, der zum Nachdenken animiert.

Dennoch geht etwas faszinierendes von dem Film aus und rettet ihn. Obwohl ich in den Film mit falschen Vorstellungen gegangen bin, wurde ich auf unerwartete Weise teilweise positiv überrascht. Denn die Klasse des Filmes macht gerade das aus, was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt und vielleicht im verborgenen von den meisten übersehen oder nicht verstanden wird.

Letztendlich ist THE VILLAGE vielleicht doch ein verkanntes Meisterwerk ?

©ChopSuey

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