Erfahrungsbericht von Die_böse_Maus
Leise Gesellschaftskritik statt Horror-Thriller
Pro:
gesellschaftskritisch, regt doch zum Nachdenken an
Kontra:
wurde fälschlicherweise als Horror-Thriller angepriesen, Lösung wird zu schnell verraten
Empfehlung:
Ja
Willkommen bei der bösen Maus
Voller Spannung erwartete ich den Kinostart von „The Village – Das Dorf“, dem neuen Film von M. Night Shyamalan. Die Vorschau versprach einen „Thriller, der Erwartungen auf den Kopf stellt“ – also nichts wie ins Kino.
/// Randdaten ///
The Village – Das Dorf
108 Minuten
freigegeben ab 12 Jahren
Start: 9.September 2004
Darsteller:
Joaquin Phoenix,Sigourney Wever,William Hurt,Bryce Dallas Howard und andere
/// Handlung ///
Man wird in das Pennsylvania 1897 versetzt und wird Zeuge wie die kleine, friedliche Gemeinschaft Convingtons fern ab der Städte ihren Alltag meistert. Doch die Menschen dort fühlen sich bedroht, sie leben in ständiger Angst vor den „Unaussprechlichen“, furcht erregenden Kreaturen, die im angrenzenden Wald ihr Unwesen treiben. Der Rat der Ältesten im Dorf, die für jegliche wichtigen Entscheidungen die Gemeinschaft betreffend zuständig sind, haben entschieden, dass es niemandem erlaubt ist das Dorf zu verlassen.
Doch der junge Lucius Hunt (Joaquin Phoenix), der einzige Sohn von Alice (Sigourney Wever) trägt dem Ältestenrat immer wieder seine Bitte vor den verbotenen Wald zu betreten. Edward Walker (William Hurt), Bürgermeister des kleinen Dorfes und Vater der blinden Ivy (Bryce Dallas Howard), in die sich Lucius verliebt hat rät ihm von seinem Vorhaben ab, doch allmählich scheint die Situation eine gefährliche Eigendynamik zu entwickeln... Nicht nur Lucius ist an Ivy interessiert, auch der körperlich und geistig etwas zurückgebliebene Percy (Adrien Brody) bewundert Ivys außergewöhnliche Art die Welt zu „sehen“...Und „die Unaussprechlichen“ haben längst die Grenzen zum Dorf nach Jahren der Ruhe wieder überschritten....
/// Bewertung ///
Wer sich „The Village“ unter dem Aspekt anguckt, einen spannenden Horror – Thriller zu schauen, der wird das Kino völlig enttäuscht wieder verlassen – soviel steht fest! Zwar ist der Film von der Thematik, wie sich oben erkennen lässt, durchaus so konzipiert, doch bewegt er sich nach kurzer Zeit bereits auf einer anderen Ebene. Im Mittelpunkt stehen nicht die „Unaussprechlichen“, sondern es ist diese kleine Dorfgemeinschaft, deren Leben und Zusammenleben fern der Industrie hier analysiert wird.
Unter dem Einfluss des Ältestenrates spinnen sich in Covington, im Rahmen einer wunderschönen Landschaft Geschichten um Liebe und enttäuschte Liebe, um Angst, Verlust und der Hoffnung, dass doch das erarbeitete und selbst aufgebaute niemals in sich zusammenbricht. Man fragt sich schon recht früh, weshalb der angepriesene Horrorfaktor – eben die Kreaturen im Wald – so kurz kommen. Meiner Meinung nach versucht der Regisseur und Drehbuchautor hier zwar über die sprachliche Ebene und Metaphern die Angst vor eben diesen „Unaussprechlichen“ zu etablieren, so dass die wenigen Momente, in denen diese überhaupt gezeigt werden kaum schocken. Letztlich erfährt der Zuschauer schon in der Mitte des Films die Lösung des Rätsels und ich muss sagen, dass meine Freunde und ich uns in diesem Moment einfach nur irritiert anschauten und uns fragten, ob das nicht der mieseste Horrorfilm des Jahres ist.
M. Night Shyamalan hätte „The Village“ nicht als Horror – Thriller ankündigen dürfen, denn um mal den Vergleich zu seinem Film „The Sixth Sense“ zu ziehen kommt das Gruseln einfach viel zu kurz. Nicht umsonst ist der Film wohl ab 12 Jahren freigegeben.
Stattdessen erinnerte mich der Film doch tatsächlich an einen Filmausschnitt über die Amish People, den ich im letzten Semester in meinem Pädagogik – Seminar gesehen habe. Die Dorfgemeinschaft, um die es sich hier dreht lebt fernab der Städte, d.h sie verabscheut alles, was modern und neu ist. Sie zielt darauf ab einen alternativen Lebensstil zu etablieren, einen besseren und erzieht die Kinder des Dorfes in diesem Sinne.
Gerade Ivy, die blinde Tochter des Bürgermeisters besticht auf der einen Seite als Ebenbild eben dieser Vorstellung, bricht aber auf der anderen Seite wieder mit den Traditionen, als das Leben ihres Verlobten Lucius in Gefahr ist. Sie ist meiner Auffassung nach ohnehin der eigentliche Protagonist des Films. Seit früher Kindheit blind, sieht sie nur die Aura eines Menschen und daher viel mehr als die meisten anderen. Die junge Bryce Dallas Howard, mir eine völlig unbekannte Schauspielerin, überzeugt hier durch Lebenslust gepaart mit einem Blick für die Welt, nach dem man sich selbst sehnt. Ihr Zusammenspiel mit Joaquin Phoenix alias Lucius wirkt an manchen Stellen etwas holperig, doch gelingt ihnen dennoch eine authentische Darstellung einer Liebe, die sich nicht auf Oberflächlichkeiten gründet, sondern aus wahrer Liebe erwachsen ist. Es ist diese Liebe, die die Macht hat Grenzen zu überwinden und diese Grenzüberschreitung – im realen Sinne durch das Passieren der Grenzen zum verbotenen Wald als auch die Grenzen des eigenen Glaubens, der durch ihre Erziehung in Schule und Elternhaus gesetzten Grenzen...In „The Village“ werden traditionelle Werte aufgegriffen, um menschliches Verhalten zu erklären und Urantrieb ist immer die Liebe.
Dennoch hat der einstige Horror – Thriller gesellschaftskritische Tendenzen aufzuweisen, die sich in der Diskrepanz zwischen dem Stadtleben (welches nicht bildlich dargestellt wird, aber wohl in den Köpfen der Zuschauer mehr als lebendig ist) und dem isolierten Dorfleben zeigt. Die Menschen von Convington verteufeln das Stadtleben, da sie mit ihm nur negative Ereignisse – insbesondere Verbrechen und durch diese den Verlust von Verwandten und Freunden - verbinden, leben aber auf dem Dorf dennoch in ständiger Angst: in Angst davor, dass ihre mühevoll aufgebaute Gemeinschaft bald der Vergangenheit angehört (wer den Film und die Lösung kennt, dem wird hier deutlich, um welche Projektion es sich handelt)
Als ich das Kino verließ, hat der Film von mir erstmal den Stempel „schlecht“ bekommen, da ich mir einfach Horror und Thriller erhofft habe, doch im nachhinein muss ich sagen, dass „The Village“ mich zum Nachdenken angeregt hat. Daher bekommt er von mir noch 3 Sterne und eine Empfehlung.
Vielen Dank für Eure Lesungen, Bewertungen und Kommentare!
Voller Spannung erwartete ich den Kinostart von „The Village – Das Dorf“, dem neuen Film von M. Night Shyamalan. Die Vorschau versprach einen „Thriller, der Erwartungen auf den Kopf stellt“ – also nichts wie ins Kino.
/// Randdaten ///
The Village – Das Dorf
108 Minuten
freigegeben ab 12 Jahren
Start: 9.September 2004
Darsteller:
Joaquin Phoenix,Sigourney Wever,William Hurt,Bryce Dallas Howard und andere
/// Handlung ///
Man wird in das Pennsylvania 1897 versetzt und wird Zeuge wie die kleine, friedliche Gemeinschaft Convingtons fern ab der Städte ihren Alltag meistert. Doch die Menschen dort fühlen sich bedroht, sie leben in ständiger Angst vor den „Unaussprechlichen“, furcht erregenden Kreaturen, die im angrenzenden Wald ihr Unwesen treiben. Der Rat der Ältesten im Dorf, die für jegliche wichtigen Entscheidungen die Gemeinschaft betreffend zuständig sind, haben entschieden, dass es niemandem erlaubt ist das Dorf zu verlassen.
Doch der junge Lucius Hunt (Joaquin Phoenix), der einzige Sohn von Alice (Sigourney Wever) trägt dem Ältestenrat immer wieder seine Bitte vor den verbotenen Wald zu betreten. Edward Walker (William Hurt), Bürgermeister des kleinen Dorfes und Vater der blinden Ivy (Bryce Dallas Howard), in die sich Lucius verliebt hat rät ihm von seinem Vorhaben ab, doch allmählich scheint die Situation eine gefährliche Eigendynamik zu entwickeln... Nicht nur Lucius ist an Ivy interessiert, auch der körperlich und geistig etwas zurückgebliebene Percy (Adrien Brody) bewundert Ivys außergewöhnliche Art die Welt zu „sehen“...Und „die Unaussprechlichen“ haben längst die Grenzen zum Dorf nach Jahren der Ruhe wieder überschritten....
/// Bewertung ///
Wer sich „The Village“ unter dem Aspekt anguckt, einen spannenden Horror – Thriller zu schauen, der wird das Kino völlig enttäuscht wieder verlassen – soviel steht fest! Zwar ist der Film von der Thematik, wie sich oben erkennen lässt, durchaus so konzipiert, doch bewegt er sich nach kurzer Zeit bereits auf einer anderen Ebene. Im Mittelpunkt stehen nicht die „Unaussprechlichen“, sondern es ist diese kleine Dorfgemeinschaft, deren Leben und Zusammenleben fern der Industrie hier analysiert wird.
Unter dem Einfluss des Ältestenrates spinnen sich in Covington, im Rahmen einer wunderschönen Landschaft Geschichten um Liebe und enttäuschte Liebe, um Angst, Verlust und der Hoffnung, dass doch das erarbeitete und selbst aufgebaute niemals in sich zusammenbricht. Man fragt sich schon recht früh, weshalb der angepriesene Horrorfaktor – eben die Kreaturen im Wald – so kurz kommen. Meiner Meinung nach versucht der Regisseur und Drehbuchautor hier zwar über die sprachliche Ebene und Metaphern die Angst vor eben diesen „Unaussprechlichen“ zu etablieren, so dass die wenigen Momente, in denen diese überhaupt gezeigt werden kaum schocken. Letztlich erfährt der Zuschauer schon in der Mitte des Films die Lösung des Rätsels und ich muss sagen, dass meine Freunde und ich uns in diesem Moment einfach nur irritiert anschauten und uns fragten, ob das nicht der mieseste Horrorfilm des Jahres ist.
M. Night Shyamalan hätte „The Village“ nicht als Horror – Thriller ankündigen dürfen, denn um mal den Vergleich zu seinem Film „The Sixth Sense“ zu ziehen kommt das Gruseln einfach viel zu kurz. Nicht umsonst ist der Film wohl ab 12 Jahren freigegeben.
Stattdessen erinnerte mich der Film doch tatsächlich an einen Filmausschnitt über die Amish People, den ich im letzten Semester in meinem Pädagogik – Seminar gesehen habe. Die Dorfgemeinschaft, um die es sich hier dreht lebt fernab der Städte, d.h sie verabscheut alles, was modern und neu ist. Sie zielt darauf ab einen alternativen Lebensstil zu etablieren, einen besseren und erzieht die Kinder des Dorfes in diesem Sinne.
Gerade Ivy, die blinde Tochter des Bürgermeisters besticht auf der einen Seite als Ebenbild eben dieser Vorstellung, bricht aber auf der anderen Seite wieder mit den Traditionen, als das Leben ihres Verlobten Lucius in Gefahr ist. Sie ist meiner Auffassung nach ohnehin der eigentliche Protagonist des Films. Seit früher Kindheit blind, sieht sie nur die Aura eines Menschen und daher viel mehr als die meisten anderen. Die junge Bryce Dallas Howard, mir eine völlig unbekannte Schauspielerin, überzeugt hier durch Lebenslust gepaart mit einem Blick für die Welt, nach dem man sich selbst sehnt. Ihr Zusammenspiel mit Joaquin Phoenix alias Lucius wirkt an manchen Stellen etwas holperig, doch gelingt ihnen dennoch eine authentische Darstellung einer Liebe, die sich nicht auf Oberflächlichkeiten gründet, sondern aus wahrer Liebe erwachsen ist. Es ist diese Liebe, die die Macht hat Grenzen zu überwinden und diese Grenzüberschreitung – im realen Sinne durch das Passieren der Grenzen zum verbotenen Wald als auch die Grenzen des eigenen Glaubens, der durch ihre Erziehung in Schule und Elternhaus gesetzten Grenzen...In „The Village“ werden traditionelle Werte aufgegriffen, um menschliches Verhalten zu erklären und Urantrieb ist immer die Liebe.
Dennoch hat der einstige Horror – Thriller gesellschaftskritische Tendenzen aufzuweisen, die sich in der Diskrepanz zwischen dem Stadtleben (welches nicht bildlich dargestellt wird, aber wohl in den Köpfen der Zuschauer mehr als lebendig ist) und dem isolierten Dorfleben zeigt. Die Menschen von Convington verteufeln das Stadtleben, da sie mit ihm nur negative Ereignisse – insbesondere Verbrechen und durch diese den Verlust von Verwandten und Freunden - verbinden, leben aber auf dem Dorf dennoch in ständiger Angst: in Angst davor, dass ihre mühevoll aufgebaute Gemeinschaft bald der Vergangenheit angehört (wer den Film und die Lösung kennt, dem wird hier deutlich, um welche Projektion es sich handelt)
Als ich das Kino verließ, hat der Film von mir erstmal den Stempel „schlecht“ bekommen, da ich mir einfach Horror und Thriller erhofft habe, doch im nachhinein muss ich sagen, dass „The Village“ mich zum Nachdenken angeregt hat. Daher bekommt er von mir noch 3 Sterne und eine Empfehlung.
Vielen Dank für Eure Lesungen, Bewertungen und Kommentare!
14 Bewertungen, 1 Kommentar
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13.11.2004, 21:28 Uhr von nickvonzoehner
Bewertung: sehr hilfreichDu hast den Sinn des Filmes sehr gut erkannt ähnlich so ähnlich habe ich das auch interpretiert.
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