The White Pony - Deftones Testbericht

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ab 27,52
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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von McCoize

Es vollzieht sich ein Wandel im Haus der Fliegen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Zuerst eine Frage an Euch: Wie würde Euch regelmäßiger Antidepressiva- und Alkoholkonsum beeinflussen? Nicht unbedingt positiv, oder? Wahrscheinlich wärt Ihr auch nicht in der Lage zur Schule/Arbeit zu gehen oder irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Ihr würdet Eure Zeit zu Hause oder im nahe gelegenen Park verbringen - aber als „Leben“ würdet ihr das Ganze wohl eher nicht mehr bezeichnen...
Könntet Ihr Euch aber auch vorstellen, dass Ihr in so einem Zustand eines der besten Metalalben der letzten Jahre schreibt? - Nein? Nun ja, dann sei euch gesagt: Chino Moreno von den Deftones hat genau DAS geschafft!
Ich kann Euch zwar nicht sagen, was ihn in zu diesen -legalen- Drogen führte, (vielleicht hat er den Starrummel nicht verkraftet, vielleicht hatte er aber auch Schwierigkeiten im Privaten) doch trotzdem zog er sich nicht zurück, sondern ging mit seiner Band ins Studio, um ein unglaubliches Album fertig zu stellen...

„White Pony“ beinhaltet nicht nur 11 tolle Tracks, sondern verfügt gleichzeitig über einen sehr unterhaltsamen Multimediateil mit Bildern der Band, einem Live-Video und einem kleinen Game à la „Pacman“, das von einem Fan erstellt wurde.

Vom CD-Cover gibt es mehrere Ausführungen (silbern, schwarz...): ich besitze die Standard-Form in Silber mit einem kleinen galoppierenden Pferd -„the white pony“- in der rechten unteren Ecke.
Das Booklet ist in schwarz-weiß gehalten und enthält alle Texte zu den Songs, sowie sehr interessante, teils wirklich künstlerische Fotomontagen der einzelnen Bandmitglieder.


Lasst mich nun zu den Titeln kommen...

~~ # 01 FEITICEIRA ~~
Männer stellt Euch vor, Ihr werdet von einer fremden, recht attraktiven, Frau gekidnappt, gefesselt und im Kofferraum ihres Wagens verstaut!!! Für manche von Euch vielleicht eine ganz reizvolle Vorstellung ;-), für andere (wie Sänger Chino) ein Horrortrip!
Mal unschuldig, mal kreischend ängstlich und dann wieder herausfordernd, so präsentiert sich der Sänger im ersten Stück des Albums. Und ebenso geben sich die Gitarren: ständig wechseln sie zwischen heftig, zart und sehnsüchtig. Ich glaube, da wünscht sich jeder Mal entführt zu werden. ;-)

~~ # 02 DIGITAL BATH ~~
Bei diesem Lied habe ich eigentlich nur ein Bild vor Augen: nachts in einer mit heißem Wasser gefüllten Badewanne zu sitzen und sich die Seele aus dem Halse zu schreien!!! Pure Leidenschaft gepaart mit einer zerbrechlich wirkenden Stimme. Jeder Refrain dieses Stück ist ein großartiger Höhepunkt! Die Melodie besteht nur aus einigen wenigen, aber dennoch sehr beeindruckenden Akkorden. Im letzten Drittel hören wir dann ein leichtes Geplätscher im Hintergrund, daher auch meine Assoziation zur Badewanne am Anfang.
Für mich ist dieses Stück eines der besten des ganzen Albums.

~~ # 03 ELITE ~~
And the winner is... 2001 erhielt die Band genau für diesen Song einen Grammy für die „Best Metal Performance“ auf einem Album. Chino schreit mehr, als das er singt, aber bei diesem Song wäre alles Andere als Brüllen wirklich unpassend. Gitarrengeschrammel vom Feinsten, hin und wieder ein paar Akzente setzen, dazu eine ordentliche Portion Drums und schon habt ihr Euren Grammy-Gewinner. ;-) Ein wirklich sehr einfach konzipierter Song, der aber genau dadurch eine so „einschlagende“ Wirkung erhält.

~~ # 04 RX QUEEN ~~
Schleppendes Tempo, starke Gitarren, emotionale Stimme, aber irgendwie sehr kurzweilig. Ich kann mich einfach nicht mit diesem Song anfreunden, obwohl er gar nicht mal so schlecht ist. Daher nun ja, also, tja, ich sag’s mal so: ein guter Song, den ich nicht wirklich leiden kann.;-)

~~ # 05 STREET CARP ~~
Tiefpunkt. Nette Schrammelgitarren, Wechsel zwischen starker und schwacher Stimme, schöne Drums - aber das Lied bleibt einem nur recht kurz, wenn überhaupt, im Gedächtnis. Das gewisse Etwas, das i-Tüpfelchen fehlt einfach, um das Prädikat „guter Metalsong“ zu bekommen. Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal. ;-)

~~ # 06 TEENAGER ~~
Sphärische Klänge, der Rhythmus von einer Drummachine (Drum’n’Bass-mäßig), eine sanfte Akustikgitarrenmelodie und eine zartbeseelte Stimme, die von den längst vergangenen Teenagerzeiten erzählt. Herrlich melancholisch und wunderbar zum Abschalten. Kaum zu glauben, dass dieser Song wirklich von einer Metalband stammt... denn eigentlich ist es eher ein Chill-out Stück und würde wohl mehr in einen Club passen.

~~ # 07 KNIFE P(A)RTY ~~
Im Booklet nennt sich das Stück einfach nur „Knife prty“ - bitte fragt mich nicht, ob dieser Rechtschreibfehler beabsichtigt war oder nicht, denn das habe ich bis heute nicht herausgefunden. ;-) Was ist zu hören? Eine eindringlich Gitarrenmelodie, die sich erst in den Übergängen und Refrains völlig entfaltet, dazu fette Drums und eine fordernde Stimme, die vor Verlangen nach [?]... -ja nach was eigentlich?- nur so strotzt. Ich möchte mich hier jetzt nicht zu irgendwelchen -falschen- Interpretationen hinreißen lassen, daher lasse ich die folgenden Textpassagen, mal ganz unkommentiert stehen:

My knife it’s sharp and chrome
Come see inside my bones […]
In here we are all anaemic
In here anaemic and sweet
So go get your knife […]
Lay down […]
Now kiss me

Besonders bemerkenswert bei diesem Song ist das Zwischenstück im letzten Drittel des Stückes. Denn hier gibt es eine unglaublich tolle Symbiose von Stimme und Gitarre: wir hören eine Frau, die so laut und schrill schreit, als würde sie Todesängste erleben müssen und als ihre vermeintlich letzten Schreie ertönen, geht das Ganze plötzlich in das schrille Fiepen der Gitarre über! Einfach unglaublich, und somit eines meiner Lieblingsstücke.

~~ # 08 KOREA ~~
Bei diesem Song kann ich mich echt nicht entscheiden, ob ich ihn für „gut“ oder „weniger gut“ halten soll. Er beinhaltet zwar alle typischen Metalkomponenten -fette Gitarren, harte Drums und eine herrlich grölende Stimme- aber das Tempo ist etwas langsam ausgefallen. Chino erinnert mich im Refrain irgendwie an einen Drill-Sergeant, der seine Soldaten anschreit. ;-)
(Ist nur eine Vermutung, aber na ja, hmm... könnte das vielleicht eine Anspielung auf den Korea-Krieg sein?)

~~ # 09 PASSENGER ~~
Bei diesem Stück bekommt die Band Unterstützung von Maynard James Keenan (von Tool bzw. A Perfect Circle), dem Mann mit der wohl unvergleichlichsten und sehnsuchtsvollsten Stimme der Musikszene. Der Song ist eine Mischung aus Tragik, Sehnsucht, Leidenschaft und purer Lebensenergie. Maynard und Chino stehen in ständiger Konversation zueinander, wobei Maynard als eine Art „Echo“ von Chino fungiert. Mal zart, mal zügellos leidenschaftlich, so geben sich nicht nur die Stimmen, nein. auch die Gitarren haben sich dem Gesang angepasst. Im Text wird die nächtliche Fahrt zwei sich nahe stehenden Personen beschrieben:

Take me around again
Drive faster
Roll the windows down
This cool night air is curious
Let the whole world look in
Who cares who sees anything?

Falls ihr in nächster Zeit also wieder mal nachts mit dem Auto unterwegs seid und die Welt um Euch herum vergessen wollt, sei Euch dieser Song ganz besonders ans Herz gelegt. ;-)

~~ # 10 CHANGE (IN THE HOUSE OF FLIES) ~~
Der Titel ist maßgebend. Die Strophenteile bestehen aus mystischen Klängen, einer feingliedrigen Gitarrenmelodie und einer verletzlichen Stimme. Im Refrain erhebt sich nun plötzlich die Band zu voller Größe und das Lied erhält einen unglaublich mitreißenden Charakter. Auch hier spielt die Melancholie wieder eine bedeutende Rolle. Ein fünfminütiges Meisterwerk - anders kann ich es nicht beschreiben. Der „Wandel, der sich im Haus der Fliegen vollzieht“ ist der absolute Höhepunkt des Albums.

~~ # 11 PINK MAGGIT ~~
Wer jemals den Song „Back to school“ von den Deftones gehört hat, wird sofort eine auffallend große Ähnlichkeit mit „Pink Maggit“ erkennen. Der Grund dafür ist, dass die Band während den Aufnahmen zu diesem Track so voller Ideen und Tatendrang war, dass sie einen weiteren Song schrieb, der auf dem Refrain dieses Songs basiert. Getreu dem Prinzip: aus eins mach’ zwei. ;-)
Das Lied beginnt mit vereinzelten Gitarrentönen und dazu singt Chino mit zerbrechlicher Stimme von der Hass-Liebe zu einer Frau. Dann erlöschen plötzlich alle Instrumente und man denkt schon, dass nun Schluss sei, aber jetzt beginnt der Song erst richtig. Von nun an erwartet uns eine einprägsame Melodie mit wundervollen Gitarren von der wir uns wünschten, dass sie nie enden möge. Und wenn es nicht so unmöglich aussehen würde, könnte man doch glatt sein Feuerzeug herausholen. ;-)
Schließlich klingt der Song wieder so aus, wie er auch schon begann - hinzu kommt jedoch das Hintergrundgeräusch eines (menschlichen?) Herzens, das immer langsamer schlägt und schließlich ganz aussetzt.

FAZIT:

Also ich empfinde dieses Album wirklich als eine sehr große Bereicherung für meine -doch recht große- CD-Sammlung. Für alle Leute, die schon die vorherigen Alben der Band besitzen, sei gesagt: miteinander vergleichen ist hier wirklich nicht angebracht! Mit dieser CD hat sich die Gruppe einfach noch mal selbst erfunden.
Auch wenn die Jungs nicht unbedingt zu den härtesten Musikern der Branche gehören, wahrscheinlich wollen sie das auch gar nicht ;-), ist ihnen mit diesem Album wirklich eine tolle Metal-Platte gelungen, die ich mir immer wieder gerne -zur großen „Freude“ meiner Eltern (von meinem Freund mal ganz zu schweigen *g*) ;-)- zu Gemüte führe.


In diesem Sinne: ROCK ON!!!



Widmen möchte ich diese Meinung GrEnE! ;-)
Du kennst ja meine Vorliebe für kleine symbolische Geschenke... *lach* ...ich hoffe, Du weißt dies auch zu würdigen! *g*