Thema Depression Allgemein Depression Testbericht

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Erfahrungsbericht von black_hunter_1978

Tipps für Manisch-Depressive: Bin ich noch normal? Bericht von Betroffenem

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hallo!

Ich möchte gerne denjenigen Lesern helfen, die manisch-depressiv sind und Antworten für ihre Erkrankung suchen.

Ich selbst bin schon seit einigen Jahren psychisch krank. Zuletzt war ich auch manisch-depressiv.
Ich hatte auch noch andere psychische Krankheitsbilder.

Meine manisch-depressive Phase hatte ich, als ich absichtlich zweimal über jeweils mehrere Tage mein Antidepressivum (Zoloft) ohne Rücksprache mit einem Arzt aus eigener Entscheidung abgesetzt hatte. Im Nachhinein habe ich erkannt, dass das ein ziemlicher Fehler war, aber ich hatte mich zu dem Zeitpunkt innerlich aufgegeben. Ich rate niemandem, der manisch-depressiv ist, sein Antidepressivum ohne Rücksprache mit einem Arzt selbstständig abzusetzen! Denn wenn ihr das macht, müsst ihr mit folgenden qualvollen Symptomen bzw. Begleiterscheinungen rechnen (spreche aus eigener Erfahrung):

1. Ihr habt keine Ziele mehr und lebt nur noch in den nächsten Tag hinein. Alles ist einem völlig egal.
2. Ihr bekommt Suizidgedanken, die sich verstärken können.
3. Es kann vorkommen, dass ihr nicht wisst, welcher Wochentag gerade ist (man verdreht die Tage).
4. Ihr bekommt beim Absetzen des Medikaments sehr wahrscheinlich auch noch Depressionen. Die sind ziemlich gefährlich, weil gleichzeitig Suizidgedanken aufkommen können, die sich jederzeit verstärken können. Bis die Depressionen weg sind, können locker 2 qualvolle Wochen vergehen, denn solange braucht der Körper, bis er wieder einen gewissen Spiegel des Antidepressivums bei regelmäßiger Einnahme aufbaut.
5. Ihr werdet sicherlich das Absetzen des Antidepressivums bereuen.
6. Manchmal könnt ihr nicht einschätzen, ob es euch gut oder schlecht geht.
7. Ihr habt keine Gefühle mehr. Das heißt ihr weint nicht mehr, wenn ihr Suizidgedanken bekommt. Das ist gefährlich und ihr solltet dann dringend bei jemandem eures Vertrauens Hilfe durch Gespräche holen . Ihr müsst alles erzählen, sonst kann euch keiner helfen. Ihr braucht euch auch dafür nicht zu schämen.
8. Euch ist oft alles egal.
9. Mal seid ihr super gut drauf, und einige Minuten später habt ihr eine extrem betrübte Stimmung und kommt ins Grübeln, ohne dass ihr irgendetwas tut.
10. Ihr bemitleidet euch sehr wahrscheinlich selbst und vor eurer gesamten Familie. Das mit dem Mitleid kann besonders dann auftreten, wenn ihr euch innerlich aufgebt. Dann sollte dringend jemand die Polizei alarmieren, auch wenn es nur der Sicherheit dient und die Polizei den Betroffenen "nur" in ein LKH bringt.
11. Ihr bekommt in der Familie kein Verständnis, zumindest denkt ihr es. Man verletzt sich gegenseitig mit Worten, ohne dass man es will.
12. Nach Beendigung der depressiven Phase, nachdem der Körper einen gewissen Spiegel wieder aufgebaut hat, können Zwangsgedanken auftreten, die gefährlich sein können. Bei mir kamen die Zwangsgedanken, wie ich mich mit welchen Gegenständen das Leben nehmen könnte. Diese Gedanken waren sehr qualvoll.


Bitte setzt niemals auf eigene Gefahr eure Antidepressiva ab, ihr werdet es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereuen!

Wichtig ist auch, dass ihr mit jemandem eures Vertrauens über eure Probleme redet. Wenn ihr nicht darüber redet, geht es euch noch dreckiger. Einstündige Psychologengespräche reichen in der Woche da nicht aus, weil die Depression in Schüben kommt und wieder geht und wieder kommt. Ihr dürft euch auch nicht schämen (Angstzustände sind normal): z. B. wenn ihr jemandem von Suizidgedanken erzählt, könnte er die Polizei rufen ... Genau das Gegenteil ist der Fall: Der Gesprächspartner bedankt sich sogar in der Regel für das Vertrauen, das ihr ihm entgegen bringt. Notfalls ist es sinnvoll, mehrere Leute ins Vertrauen zu ziehen, wenn ihr denkt, ihr nervt jemanden stundenlang mit euren Problemen. Sinnvoll bei solchen Gesprächen ist auch, dem gesunden Gesprächspartner anzubieten, darüber zu erzählen, was er überhaupt für Probleme hat. Er wird auch bereit sein, offen über seine Probleme zu reden, weil er einen solchen Vertrauensbeweis (bzgl. Suizid) bekommen hat. Außerdem ist dieses Angebot für den Suizidalen enorm wichtig, weil er sehen kann, hey, ich werde ja doch noch gebraucht, ich bin nicht unwichtig, ich kann jemandem helfen! Und so muss ich nicht nur von mir erzählen, sondern kann auch dem anderen Gesprächspartner etwas zurückgeben und das Gespräch fixiert sich nicht ausschließlich auf den Psychisch Erkrankten.

Was euch auch helfen kann, ist das Internet. Dort habe ich ein paar Antworten gefunden. Z. B. wollte ich wissen, warum ich überhaupt psychisch erkranken konnte. Im Internet stand z. B., dass Erwachsene psychisch erkranken können, weil sie in ihrer Kindheit traumatische Erlebnisse zu verkraften hatten. (z. B. eines Angehörigen in der Kindheit, ...).

Dort könnt ihr wirklich über jedes Eurer Krankheitsbilder und -symptome genauestens informieren. Wenn ihr das lest, seid ihr beruhigt und müsst euch nicht fragen, warum ihr die ganzen blöden Symptome habt. Sicherlich fragt ihr euch auch, ob ihr noch normal seid. Einer Statistik zufolge soll jeder dritte Mensch in Deutschland einmal im Leben eine Lebenskrise haben, in der er psychisch erkranken kann.

Wichtig ist auch, dass man Leute anspricht, die dieselbe Erkrankung haben wie ihr, d. h. die auch manisch-depressiv sind oder waren. Z. B. im Bekanntenkreis gibt es oft einen solchen Fall. Wenn das nicht möglich ist, sucht euch Internetforen aus dem Internet von Betroffenen heraus und chattet z. B. mit ihnen, was sie für Erfahrungen mit dem Krankheitsbild gemacht haben.

Was auch noch psychischen Erkrankungen vorbeugen soll, ist regelmäßiger Sport. Alleine ein regelmäßiger Spaziergang soll lt. wissenschaftlichen Berichten vor psychischen Erkrankungen besser schützen (habe ich in der Tageszeitung gelesen).

Gruß,

black_hunter_1978

6 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Moerderschnecke

    14.09.2009, 22:06 Uhr von Moerderschnecke
    Bewertung: sehr hilfreich

    kann dir zwar nicht 100 %tig zustimmen, aber doch ganz informativ.

  • freshmaik

    05.09.2007, 20:19 Uhr von freshmaik
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hatte mal nen Bekannten, der auf eigene Faust Antidepressiva abgesetzt hat. Kann dir nur zustimmen.. bloß nicht... ging voll nach hinten los und er war echt für garnix mehr zu gebrauchen..