Thema Depression Allgemein Depression Testbericht

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Erfahrungsbericht von patsam

+++Panik vor dem Tode vermischt mit Depressionen+++

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Gerade heute abend wo ich mal wieder alleine sein kann, will ich mal darüber schreiben, welche Krankheit mich seit kurz 2 Monaten in Griff hat -

Es begann alles damit, dass ich als alleinerziehende Mutter mit einem sehr aufgewecktem Töchterchen immer Action habe. Obwohl meine Kleine den Kindergarten besucht und eigentlich gefordert werden sollte, hole ich sie mittags ab und sie ist überhaupt nicht müde.
Manchmal hat sie soviel Elan, dass ich abends einfach nur noch liege und sie fast ins Bett zerren muß, dass sie endlich schlafen geht. Aber zum Glück ist das nur tageweise so extrem.

Meine Wohnsituation nagt auch an mir, da ich in einer Privatmietwohnung lebe, ca 50 qm² zu 380 Euro Miete, Ölofen der aus der Steinzeit ist - wenigstens ist ein großer Tank im VZ verbaut, also spare ich mir das Tankstellen laufen und Kanisterweise das Öl holen, aber der Ofen ist etwas defekt und spinnt halt oft..gut, bei der Gemeinde kann man ja anklopfen wann man will, man wird abgeschoben. Es ist nichts frei, es gibt keine Wohnung und blabla...

Ich will hier aber RAUS!! Weg von dieser Wohnung die mich ein unnötiges Vermögen kostet und mir aber nichts bietet, außer gerade eine wirklich super ruhige Lage! Die Küche ist steinalt und kaum greift man zu fest wohin - zerlegt sich alles.

Diese Sorge um eine billigere Wohnung nagt in mir - mein Ex der zwar so keinen Kontakt mehr mit uns hat, aber leider immer wieder versucht über meinen Bruder Kontakt aufzunehmen - kaum höre ich das ER meine Telefonnummer möchte, wird mir schlecht, ich könnte mich übergeben und mein Magen dreht sich. Ja, es gibt viele Gründe warum ich ihn nicht in die Nähe von meiner Kleinen lassen will - die zwei schlimmsten Gründe - er wurde zum Alkoholiker und er kifft. Er ist der Meinung das er sein Leben mit knapp 43 so am besten lebt - ich hoffe meine Kleine versteht es irgendwann warum ich ihr diesen Menschen nicht als Vater mehr präsentieren möchte (übrigends - dies war einer der Hauptgründe das ich auszog).

Ich habe den Tod meines Vaters im Jänner 2003 absolut nicht verarbeitet - hinzu muß ich sagen, Daddy war Alkoholiker, aber ein gutmütiger. Von ihm konnte ich alles haben - doch ich denke, dass ich nach seinem Tod wütend auf ihn war. Das letzte Jahr das er lebte, verbrachte ich größtenteils in Krankenhäusern und Entzugstherapien, aber er wollte sich nicht an diesem Strohhalm festhalten und gab auf - an Leberzirrhose verstarb er auch!
Für mich war es schlimm, da ich wirklich fast jeden Tag mit Baby ins Krankenhaus fuhr - egal ob in Wien oder in Mödling wo ich es nicht so weit hatte. Therapieplätze, Entzug -überall begleitete ich ihn.

Im gleichen Jahr starb noch ein sehr wichtiger Mensch - Tommy - ja, ich liebte ihn er war verliebt in mich, aber wir benahmen uns wie Teenies wenn wir uns sahen. Ein Motorradunfall nahm auch ihn mir weg!

Dann folgte im Jahr 2003 auch der Umzug in diese Wohnung, da mein Bruder das Elternhaus übernahm - und hier in der Wohnung begann ich dann mich immer mehr zurückzuziehen und die letzten Monate war es schon so arg, dass ich sogar Familienfeiern nicht mehr besuchen wollte.

Ich hatte an nichts mehr Freude, konnte nicht wirklich lachen und dachte immer nur ans kommende Monat, ständig diese Geldsorgen da die Alimente ja fast nie gezahlt werden und ich halt doch für mich und mein Kind sorgen ´muß.

So passierte es Anfang August, dass mir immer öfter schwindelig wurde, ich öfters Kreislaufprobleme bekam und schließlich dann nach einem Spielplatzbesuch mit meiner Tochter fast zusammen gebrochen wäre.

Mit Ach und Krach fand ich mit meiner Kleinen den Weg nach Hause!!
Durch eine gute Bekannte kam ich zu einem super Arzt, der sofort ,,Panic Atacks mit Depressionsschüben\" diagnostizierte.

Es folgten an einem Wochenende oft bis zu dreimal am Tag diese sogenannten Panickattacken. Mir wird dabei fürchterlich übel, meine Hände und Beine werden taub, Herzrasen setzt ein und fürchterliche Schweißausbrüche - und genau in diesem Moment habe ich Angst zu sterben. Meist befürchte ich einen Herzinfarkt zu kriegen bis hin zum Gehirntumor und Brustkrebst, Lungenkrebs redet man sich alle möglichen Krankheiten ein.
Was passiert mit meiner Tochter!?! Ich bin dann so fertig, dass ich zu weinen beginne, mich an mein Kind klammere, die es natürlich nicht versteht und eben diese Panik vor dem Tod habe.
So eine Attacke dauert bei mir im Schnitt 15 - 30 Minuten und danach bin ich fast 2 Tage erledigt.

Wenn ich in dieser Zeit nicht meine Mutter hätte, ich wüsste nicht was ich gemacht hätte und machen würde.
Morgens aufstehen und mein Kind für den Kindergarten fertig machen!? Es geht und ging nicht!! Ich brauchte über eine Stunde um mich gedanklich aufs Aufstehen konzentrieren zu können!!

Ich bekam natürlich Medikamente verordnet, die mich aber noch mehr zurück setzten und ich richtig benebelt war.
Also ich muß sagen, die halfen mir absolut nicht und mein Hausarzt setzte sie wieder auf die halbe Dosis zurück. es folgten eine Menge Untersuchungen - inkl Zahnbeschwerden die aufgrund der Gesamtsituation eintraten (laut meiner Zahnärztin wirkt sich eine psychische Krankheit auch auf Zähne aus).

Mittlerweile bin ich in Behandlung bei einer super Neurologin, die mit mir nachdem sie mich aufgebaut hat, eine Gesprächstherapie beginnen wird. Meine Medikamente wurden abgesetzt und ich bekam ein ganz anderes Medikament das mir auch hilft wieder etwas abzunehmen.
Denn meine Gewichtszunahme nach der Verhütungsspritze war auch ein großer Aspekt mit meiner eigenen Unzufriedenheit.

Zur Zeit geht es mir gut, der letzte Anfall liegt 10 Tage zurück und ich denke immer positiver. Ich habe gelernt mich selbst nicht zu überfordern.
Sei es nur zu Hause im Haushalt - schaffe ich nicht alles aufeinmal, dann bleibt eben etwas für den nächsten Tag liegen und fertig.
Fühle ich mich nach dem Vormittags Kurs müde und ausgelaugt, gehe ich am Nachmittag schlafen und erhole mich, verschiebe meine diversen Nebentätigkeiten auf andere Tage.

Denn das was ich hier oder bei yopi verdiene kriegt meine Kleine auf ihr Sparbüchlein, doch um ihr eben im Kindergarten auch alles bieten zu können, schafft man es ohne Nebentätigkeit einfach nicht und sei es nur putzen zu gehen. Dafür geniere ich mich in der heutigen Zeit auch nicht mehr!! So kann ich ihr in zwei Wochen ihre heiß ersehnte Geburtstagsfeier beim Mc Donald leisten oder alleine das Kakaogeld für den Kiga, die Ausstellungsbesuche und Ausflüge vom Kiga oder Kasperlbesuche...darauf bin ich stolz - aber meine Therapeutin versucht mich eben von meiner Konzentration auf das Kind abzulenken.

Es ist richtig - man kann die Liebe als alleinerziehende eben nur auf das Kind abgeben und ich habe soviel gegeben und immer wieder zurück gesteckt - jetzt bin ich ausgelaugt und oft nach 2 Stunden spazieren gehen so schwach, als hätte ein anderer 5 Stunden schwer gearbeitet.

Ich fürchte mich immer wieder vor der nächsten Panikattacke - aber ich habe gelernt nicht daran zu denken und schiebe es einfach weg bzw in langsamen Schritten versuche ich es zu akzeptieren.

Denn ich will mein Leben nie von dieser Krankheit beherrscht haben!! Dagegen kämpfe ich weiter an und ich habe in den 2 Monaten sovieles erreicht wenn es gegen Depressionen geht oder eben diesen Panikattacken, dass mein Hausarzt sehr zufrieden mit mir ist!!

Schlimm war es einige Wochen lang - bei jedem Zwicken irgendwo hatte ich schon wieder eine schlimme Krankheit im Kopf! Das war davor aber nicht so - warum kommt es dann jetzt!? Ich habe mittlerweile die Bestätigung von meinem Arzt das mein Kopf, mein Herz, Blut..etc alles tip top ist - dies versuche ich mir vor Augen zu halten, wenn ich merke das meine Hände zu kribbeln beginnen und eine Unruhe sich in mir ausbreitet!!

Kein Stress - keine zu emotionalen Filme - keine aggressive Musik - nur viel Ruhe und Ausgeglichenheit sind mir momentan das Wichtigste und ich hoffe das ich die Krankheit schnell hinter mir habe und daraus mehr gelernt habe als in all den Jahren davor!!

Ich konnte vorher mit dem Wort - Panikattacken - absolut nichts anfangen. Was soll das sein - was passiert da mit einem!? Sogar als ich meinen ersten Anfall hatte, wusste ich nicht was es ist. Es hängt alles mit den Nerven zusammen und alles was man reinfrisst und vorallem über Jahre hinweg so wie bei mir und es waren ja eigentlich schon sehr viele Jahre, sucht sich auf irgendeine Art und Weise den Weg nach draußen. Bei mir leider mit dieser Folge!!!

Mein größter Wunsch weiterhin - ruhig zu bleiben und nicht von den Medikamenten abhängig zu werden, damit ich mich immer wieder ruhig stellen kann!! Ich schaffe es auch ohne!!!



Unter gleichem Nick auch bei ciao

Patsam

35 Bewertungen, 7 Kommentare

  • hjid55

    23.02.2007, 18:37 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Sarah

  • Zuckermaus29

    22.08.2006, 22:27 Uhr von Zuckermaus29
    Bewertung: sehr hilfreich

    Oh, so einen ernsten Bericht bin ich von Dir gar nicht gewöhnt! Wünsche Dir viel Kraft und Deine kleine Maus wird Dir sicher dabei helfen! Hoffe, dass es Dir inzwischen viel besser geht! liebe Grüße Jeanny

  • Fantomiss

    30.06.2006, 22:22 Uhr von Fantomiss
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein sehr persönlicher und bewegender Bericht. Ich selbst kenne Depressionen leider nur zu gut und bin deshalb seit einigen Wochen in Behandlung. Mittlerweile ist es deutlich besser geworden. Ich hoffe, dir geht es mittlerweile auch wieder gut (oder zuminde

  • Fernsteuerung

    12.10.2005, 21:26 Uhr von Fernsteuerung
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ein sehr berührender Bericht. ... Bewertung aufgebessert.

  • alexphilip

    27.09.2005, 17:20 Uhr von alexphilip
    Bewertung: sehr hilfreich

    neige dazu, mich immer wieder zu überfordern. Nach der Geburt unseres 1. Kindes bekam dieses im Alter von 4 Wochen Neurodermitis, die sich im Laufe der Monate immer mehr ausbreitete und verschlimmerte. Wir waren 4 Wochen in einer Spezialklinik,danach

  • antjeeule

    26.09.2005, 19:12 Uhr von antjeeule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Patricia, im Grunde ist es ja schon komisch, hier ein sehr nützlich zu geben, denn Depressionen sind alles andere als nützlich. Ich wünsch dir sehr, dass es dir bald besser geht und du Therapeuten findest, die dich bei dem Weg aus dies

  • campino

    26.09.2005, 18:48 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    sind etwas fürcherliches. Ich weiß das, denn ich spreche aus jahrelanger Erfahrung. Zum Trost und zur Hoffnung möchte ich Dir sagen: Es gibt einen Weg aus diesem Teufelskreis. Er ist schwer, aber er ist zu schaffen. Alles Gute für Dich