Erfahrungsbericht von Innocent-Angel
Wenn alles nur noch sinnlos ist...
Pro:
Keines
Kontra:
Alles
Empfehlung:
Nein
Nachdem ich heute eine sehr bewegende Therapiestunde hatte, habe ich mich entschieden nun doch einmal bei Ciao zum Depressionen etwas zu schreiben.
Ich möchte euch versuchen zu erklären wie es bei mir zu den Depressionen kam und wie ich den ersten Schritt in Richtung Therapie gegangen bin. Sollte der Bericht manchmal etwas verwirrend wirken, seht es mir bitte nach – Ich stecke gerade selber voller Verwirrung. Ich werde mich aber bemühen… Noch möchte ich dazu sagen, dass ich viele Fakten auf anderen Seiten im Internet gefunden habe.
***Was sind Depressionen***
Es gibt sehr viele verschiedene Formen der Depression.
Somatogene Depressionen nennt man die Form, die körperlich begründbar ist. Z.B. wenn sie in den Wechseljahren, der Pubertät oder auf strukturelle Gehirnveränderungen zurückzuführen ist.
Unter Endogenen Depressionen versteht man eine „grundlose“ Depression. Die Ursachen sind noch nicht erforscht. Es wird aber vermutet, dass sie auf eine Stoffwechselstörung im Gehirn zurückzuführen sind. Dazu zählen zum Beispiel Affektive Psychosen, Melancholie und manisch-depressive Psychosen.
Außerdem wird noch in die Gruppe der Psychogenen Depressionen unterteilt. Dabei wirken innere und äußere Faktoren meist zusammen. Die Patienten erkennen den Grund der Erkrankung meist selbst. Häufig zählen zu den Faktoren der Verlust eines geliebten Menschen oder der Umzug und somit Verlust der vertrauten Umgebung und Menschen.
***Symptome***
Bei Depressionen sind häufig psychische und physische Symptome gekoppelt. Nicht bei jedem müssen alle auftreten.
Die häufigsten psychischen Symptome sind:
° Hoffnungslosigkeit
° Interesselosigkeit
° Freudlosigkeit
° Grübelei
° Angstzustände
° Konzentrationsstörungen
° Entscheidungslosigkeit
° Nervosität
° Verzweifelt / Selbstzweifel
° Verlust der Selbstwertgefühls/Selbstbewusstseins
° Gleichgültigkeit
° unfähig zwischenmenschliche Beziehungen zu erhalten
° sehr extreme Stimmungswechsel
° innere Unruhe
° Schuldbewusstesein
° Gefühl der Inneren Leere
° Selbstmordgedanken
Die häufigsten Physischen Symptome sind:
° Magen-Darm-Beschwerden
° Essstörungen
° Schlafstörungen
° Kopfschmerzen
° Energielosigkeit
° verlangsamte oder aufgeregte körperliche oder sprachliche Reaktionen
° mehr oder weniger Schlaf als gewöhnlich
° Herzbeschwerden
° Rückenbeschwerden
***Wie kam es zu meiner Diagnose***
Als ich im September einen lieben Menschen kennen lernte, dauerte es nicht lange, bis er merkte, dass mit mir etwas nicht stimmte. Nachdem wir fast 2 Monate zusammen waren, kam er dann eines Tages direkt auf mich zu und fragte mich ob ich mir nicht schon einmal Gedanken gemacht hätte, dass meine Stimmungsschwankungen auch eine Depression sein könnten. Erst war ich verdammt sauer, dass er mich als irre abstempeln wollte. (Anm. Das wollte er natürlich nicht, mir kam es aber damals so vor.) Dann erzählte er mir, dass er es bei seiner Mutter am eigenen Leib erfahren hatte. Sie litt sehr lange Zeit unter Depressionen. Dann wurde ich ruhiger und hörte erst mal zu. Er hatte sich auch mit einer Psychotherapeutin hier in Marburg in Verbindung gesetzt und gefragt, was er tun könnte. Nach einem langen Gespräch war ich erst mal fix und fertig. Nie hat es jemand geschafft mir so sehr in meine Seele zu schauen. Ich lag dann fast drei tage zu Hause in meinem Bett und habe geweint und viel nachgedacht. Nachdem ich dann Ende des Jahres ganz am Boden war, hab ich mich mit dieser Therapeutin in Verbindung gesetzt. So konnte es nicht mehr weiter gehen. Mein Leben war ein einziger Haufen Dreck. Ich war ein einziges wimmerndes Häufchen Elend. Nichts ging mehr. Mein Körper versagte mir den Dienst. Ich lag mit einer Magenschleimhautentzündung in meinem Bett und feierte mit nichts und niemanden Weihnachten und Silvester. So weit unten war ich noch nie. Ich will nie wieder dahin zurück. Denn es war eine Zeit in der ich ernsthaft über den Freitod nachgedacht habe. Aber eine Chance wollte ich dem Leben noch geben. Irgendwo brannte noch etwas in mir. Das konnte nicht alles gewesen sein.
Also vereinbarte ich einen Termin zur Vordiagnostik. Dort saß ich dann sehr verunsichert und wurde mit Fragen traktiert. Am Ende hieß es: “Ihre Antworten weisen auf eine Depression hin.“ Nun ist das Problem, dass alle Therapeuten in Marburg voll ausgebucht sind und es deshalb zu einer Wartezeit von 6 Monaten auf einen Platz kam. Nach 6 verdammt harten Monaten der Einsamkeit und fast völligen Isolation bekam ich endlich meine 5 vordiagnostischen Stunden. Diese werden immer von der Kasse übernommen und dienen der Suche nach dem Problem. Also ob und wenn an welcher Depression man leidet.
Am Ende der 5 Stunden hieß es dann „schwere Depression mit Anzeichen vom Borderline-Symptom“ und es wurde erst mal eine Kurzzeittherapie vereinbart. Diese 25 Stunden sollten nun erst einmal genutzt werden um eine Verhaltenstherapie zu machen.
***Verhaltenstherapie und meine Geschichte***
Ich wurde von meiner Therapeutin gefragt, ob ich Medikamente haben wolle. Da ich ein Mensch bin, der erst wenn er sich halb tot fühlt Medikamente nimmt verneinte ich. Und nun begann also die Arbeit.
Wie sieht so eine Verhaltenstherapie aus???
Ich kann nur aus eigenen Erfahrungen schildern, deshalb mich bitte nicht, wenn ihr etwas anders kennt.
In der Verhaltenstherapie geht es darum, Gedankenfehler zu erkennen und durch neue Denkmuster zu ersetzten. Denn meisten sind Depressive sehr kreative Menschen, wenn es darum geht zu sagen was alles an ihnen Scheiße ist und warum sie an allem Schuld sind.
Am Anfang stand bei mir erst einmal eine Analyse. Dabei geht es darum herauszufinden, welche Grundbedürfnisse der jeweilige Mensch hat.
Als Beispiel will ich mal meine eigenen nennen, denn es geht hier nicht um essen, trinken und schlafen
Meine persönlichen Grundbedürfnisse sind ein Partner, Erfolg und Annerkennung und Autonomie. Darauf stützen sich dann Verhaltensweisen und Wertvorstellungen. Also wenn ich einen Partner will, dann suche ich Harmonie und Geborgenheit (Wertvorstellungen) also verhalte ich mich dementsprechend oder eben nicht. Und solche Widersprüche zwischen diesen Dingen sollen aufgedeckt werden.
Und heute ging es zum Beispiel um das Erkennen von Gedankenfallen. Gedankenfallen sind recht einfach zu erklären und bestimmt kennt jeder von euch solche auch. Wenn man zum Beispiel einen Misserfolg hatte, dann überlegt man sich warum. Der Unterschied zwischen Depressiven und „normalen“ Menschen ist hierbei, dass sich Depressive schnell in einer Gedankenspirale verfangen die auch typischweise bei jedem Misserfolg wiederkehrt. Wenn man zum Beispiel in einer Klausur versagt hat – sorry – durchgefallen ist, dann sage ich mir:“ Ich bin doch eh zu blöd – Alles lernen hat nichts gebracht – So wird nie etwas aus mir – ich ende irgendwann als Assi – Meine Zukunft kann ich abhaken. “Und diese Gedanken wiederholen sich immer wieder. Irgendwann hat man es mal wieder erfolgreich geschafft, ganz unten anzukommen.
Nun ist es wichtig den ersten Satz dieser Gedankenspiralen zu erkennen und durch einen Neuen zu ersetzen. In meinem Fall ist es der Satz ich bin eh zu blöd. OK, spätestens seit meinem IQ-Test weiß ich, dass das nicht der Fall ist. Also sag ich mir: „Es gab aber auch schon Momente in denen ich sehr erfolgreich war.“ Daraus sollte sich nun eine neue positive Einstellung ergeben. Natürlich muss man dabei sehr hart arbeiten. Denn oft fällt es einem einfach nicht auf, dass man gerade wieder auf dem besten Weg ins Abseits ist.
Besonders hart hat mich die heutige Therapiestunde getroffen. Jeder, der auch auf der Suche nach der Liebe ist wird mich vielleicht ansatzweise verstehen können. Meine schlimmste Gedankenfalle ist nämlich: „Ich finde keinen Partner und bin selbst dran Schuld“. Naja und dann haben wir sehr lange darüber diskutiert, woran es liegen kann. Meine Einstellung „Ohne Partner werde ich nie glücklich“ ist wohl die Hauptursache. Dadurch bin ich traurig wenn ich keinen habe und somit fehlt es mir an der Ausstrahlung. Jeder kennt das ja sicher, dass wenn man verliebt ist, die Leute Schlange stehen… eben weil man diese Ausstrahlung hat.
Naja, aber wie werde ich glücklich ohne Partner??? Ich muss mich selbst lieben. Das ist etwas was mir sehr schwer fällt. Denn ich kenne zwar dank meiner Ex-Freunde meine schlechten Eigenschaften – nur irgendwie sind mir keine positiven bekannt. Was soll ich also an mir lieben. Wenn ich auf die Menschen höre, die mal meine Partner waren ist es eindeutig mein Ar… . Toll und das bei mir, wo mir Äußerlichkeiten an eben jenem vorbei gehen.
Da liegt wohl eine große Ursache meiner Depression. Mangelndes bis gar kein vorhandenes Selbstbewusstsein. Ich wurde heute gefragt, was denn so schlimm an mir sei, dass ich mich nicht lieben kann. So bin ich nie an das Thema herangegangen. Ich fragte immer nur, was könnte ich denn an mir lieben. Und als ich darauf keine Antwort fand, war der Umkehrschluss, dass alles Scheiße sein musste.
An dieser Stelle werde ich erst einmal mit den Schilderungen meiner Selbst abbrechen, da mir schon wieder die Tränen laufen und ich im Moment nicht mehr kann. Versprochen, mit fortschreitender Therapie, werde ich den Bericht ergänzen.
***Besonders schlimme Dinge***
Was mir sehr oft auffällt, ist dass es für mich hart geworden ist, glückliche Menschen zu sehen. Nicht dass ich es ihnen nicht gönne, aber es tut so verdammt weh. Ich habe mich deswegen auch fast völlig aus dem Leben zurückgezogen. Bis auf wenige Musicalbesuche, verlasse ich meine Wohnung nur noch um arbeiten zu gehen oder einzukaufen. Und selbst diese Dinge fallen mir immer schwerer. Am schlimmsten war es, als ich meine Schwester besucht habe. Ich liebe sie sehr, so ist es gar nicht. Auch ihren Freund und mein Neffe und meine Nichte liegen mir sehr am Herz. Aber als ich bei ihr war, und sie mich nur aus guten Absichten aufmuntern und anspornen wollte, hat es mich wieder ganz nach unten gerissen. Ich fühlte mich unfähig und unzulänglich. Sie sagte immer: „Nu komm doch endlich mit. Auf dem Fallschirmsprungplatz gibt es bestimmt ne Menge Spaß“, „Häng doch nicht mit so einem Gesicht da“… Auch wenn es lieb gemeint war, tat es sehr weh. Und das liegt häufig daran, dass Angehörige keine Ahnung haben, wie sie mit einem Depressiven umgehen sollen. Bitte, sagt Menschen die eine Depression haben nie solche Floskeln wie „Es wird schon wieder“ oder „Stell dich nicht so an, anderen geht es viel schlechter, die haben nicht mal was zu essen“ --- Das hilft nicht. Ganz im Gegenteil. Man fühlt sich schuldig, weil man doch alles hat und nicht zufrieden oder glücklich sein kann.
Ich fühle mich wie Dreck! Ich fühle mich hässlich! Ich fühle mich unzulänglich, dumm und nichtskönnend! Ich weiß vom Verstand her, dass es nicht so ist – das ändert aber nichts an der Tatsache, dass mein Gefühl so ist. Und das tut besonders weh…
Bitte seht Depressive als das was sie sind. Krank – Nicht verrückt oder Irre – Einfach krank. Das ist wichtig, denn jeder Depressive hält sich selber schon für “bescheuert“.
Zum Schluss möchte ich euch noch ein paar Fragen hier hinein kopieren, die ich auf der Seite http://www.angst-depressionen-alkoholerkrankung.de gefunden habe. Sie können helfen eine Depression zu erkennen. Man sollte sich natürlich immer an einen Arzt wenden!!! Wie gesagt können sie NUR HELFEN eine Depression zu erkennen!!!
Fragen, die eine Depression erkennen helfen
- Können Sie sich noch freuen?
- Fühlen Sie sich seelisch und körperlich elend, letztlich ohne ausreichenden Grund?
- Fällt es Ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen?
- Haben Sie das Interesse an Dingen verloren, die Ihnen zuvor viel bedeuteten?
- Neigen Sie vermehrt zum Grübeln?
- Quält Sie das Gefühl, Ihr Leben sei sinnlos geworden?
- Fühlen Sie sich müde, schwunglos, abgeschlagen - und zwar ohne entsprechende Belastung?
- Sind Sie plötzlich verunsichert, ratlos, ängstlich, obgleich das nicht Ihrer Wesensart entspricht?
- Können Sie nicht mehr schlafen?
- Spüren Sie plötzlich irgendwelche Druckgefühle, Missempfindungen, Schmerzen, besonders im Bereich von Kopf, Brust, Rücken?
- Haben Sie keinen Appetit mehr, evtl. an Gewicht verloren?
- Gibt es Probleme in sexueller Hinsicht
In diesem Sinne wünsche ich euch allen: BLEIBT GESUND!!!
Ich möchte euch versuchen zu erklären wie es bei mir zu den Depressionen kam und wie ich den ersten Schritt in Richtung Therapie gegangen bin. Sollte der Bericht manchmal etwas verwirrend wirken, seht es mir bitte nach – Ich stecke gerade selber voller Verwirrung. Ich werde mich aber bemühen… Noch möchte ich dazu sagen, dass ich viele Fakten auf anderen Seiten im Internet gefunden habe.
***Was sind Depressionen***
Es gibt sehr viele verschiedene Formen der Depression.
Somatogene Depressionen nennt man die Form, die körperlich begründbar ist. Z.B. wenn sie in den Wechseljahren, der Pubertät oder auf strukturelle Gehirnveränderungen zurückzuführen ist.
Unter Endogenen Depressionen versteht man eine „grundlose“ Depression. Die Ursachen sind noch nicht erforscht. Es wird aber vermutet, dass sie auf eine Stoffwechselstörung im Gehirn zurückzuführen sind. Dazu zählen zum Beispiel Affektive Psychosen, Melancholie und manisch-depressive Psychosen.
Außerdem wird noch in die Gruppe der Psychogenen Depressionen unterteilt. Dabei wirken innere und äußere Faktoren meist zusammen. Die Patienten erkennen den Grund der Erkrankung meist selbst. Häufig zählen zu den Faktoren der Verlust eines geliebten Menschen oder der Umzug und somit Verlust der vertrauten Umgebung und Menschen.
***Symptome***
Bei Depressionen sind häufig psychische und physische Symptome gekoppelt. Nicht bei jedem müssen alle auftreten.
Die häufigsten psychischen Symptome sind:
° Hoffnungslosigkeit
° Interesselosigkeit
° Freudlosigkeit
° Grübelei
° Angstzustände
° Konzentrationsstörungen
° Entscheidungslosigkeit
° Nervosität
° Verzweifelt / Selbstzweifel
° Verlust der Selbstwertgefühls/Selbstbewusstseins
° Gleichgültigkeit
° unfähig zwischenmenschliche Beziehungen zu erhalten
° sehr extreme Stimmungswechsel
° innere Unruhe
° Schuldbewusstesein
° Gefühl der Inneren Leere
° Selbstmordgedanken
Die häufigsten Physischen Symptome sind:
° Magen-Darm-Beschwerden
° Essstörungen
° Schlafstörungen
° Kopfschmerzen
° Energielosigkeit
° verlangsamte oder aufgeregte körperliche oder sprachliche Reaktionen
° mehr oder weniger Schlaf als gewöhnlich
° Herzbeschwerden
° Rückenbeschwerden
***Wie kam es zu meiner Diagnose***
Als ich im September einen lieben Menschen kennen lernte, dauerte es nicht lange, bis er merkte, dass mit mir etwas nicht stimmte. Nachdem wir fast 2 Monate zusammen waren, kam er dann eines Tages direkt auf mich zu und fragte mich ob ich mir nicht schon einmal Gedanken gemacht hätte, dass meine Stimmungsschwankungen auch eine Depression sein könnten. Erst war ich verdammt sauer, dass er mich als irre abstempeln wollte. (Anm. Das wollte er natürlich nicht, mir kam es aber damals so vor.) Dann erzählte er mir, dass er es bei seiner Mutter am eigenen Leib erfahren hatte. Sie litt sehr lange Zeit unter Depressionen. Dann wurde ich ruhiger und hörte erst mal zu. Er hatte sich auch mit einer Psychotherapeutin hier in Marburg in Verbindung gesetzt und gefragt, was er tun könnte. Nach einem langen Gespräch war ich erst mal fix und fertig. Nie hat es jemand geschafft mir so sehr in meine Seele zu schauen. Ich lag dann fast drei tage zu Hause in meinem Bett und habe geweint und viel nachgedacht. Nachdem ich dann Ende des Jahres ganz am Boden war, hab ich mich mit dieser Therapeutin in Verbindung gesetzt. So konnte es nicht mehr weiter gehen. Mein Leben war ein einziger Haufen Dreck. Ich war ein einziges wimmerndes Häufchen Elend. Nichts ging mehr. Mein Körper versagte mir den Dienst. Ich lag mit einer Magenschleimhautentzündung in meinem Bett und feierte mit nichts und niemanden Weihnachten und Silvester. So weit unten war ich noch nie. Ich will nie wieder dahin zurück. Denn es war eine Zeit in der ich ernsthaft über den Freitod nachgedacht habe. Aber eine Chance wollte ich dem Leben noch geben. Irgendwo brannte noch etwas in mir. Das konnte nicht alles gewesen sein.
Also vereinbarte ich einen Termin zur Vordiagnostik. Dort saß ich dann sehr verunsichert und wurde mit Fragen traktiert. Am Ende hieß es: “Ihre Antworten weisen auf eine Depression hin.“ Nun ist das Problem, dass alle Therapeuten in Marburg voll ausgebucht sind und es deshalb zu einer Wartezeit von 6 Monaten auf einen Platz kam. Nach 6 verdammt harten Monaten der Einsamkeit und fast völligen Isolation bekam ich endlich meine 5 vordiagnostischen Stunden. Diese werden immer von der Kasse übernommen und dienen der Suche nach dem Problem. Also ob und wenn an welcher Depression man leidet.
Am Ende der 5 Stunden hieß es dann „schwere Depression mit Anzeichen vom Borderline-Symptom“ und es wurde erst mal eine Kurzzeittherapie vereinbart. Diese 25 Stunden sollten nun erst einmal genutzt werden um eine Verhaltenstherapie zu machen.
***Verhaltenstherapie und meine Geschichte***
Ich wurde von meiner Therapeutin gefragt, ob ich Medikamente haben wolle. Da ich ein Mensch bin, der erst wenn er sich halb tot fühlt Medikamente nimmt verneinte ich. Und nun begann also die Arbeit.
Wie sieht so eine Verhaltenstherapie aus???
Ich kann nur aus eigenen Erfahrungen schildern, deshalb mich bitte nicht, wenn ihr etwas anders kennt.
In der Verhaltenstherapie geht es darum, Gedankenfehler zu erkennen und durch neue Denkmuster zu ersetzten. Denn meisten sind Depressive sehr kreative Menschen, wenn es darum geht zu sagen was alles an ihnen Scheiße ist und warum sie an allem Schuld sind.
Am Anfang stand bei mir erst einmal eine Analyse. Dabei geht es darum herauszufinden, welche Grundbedürfnisse der jeweilige Mensch hat.
Als Beispiel will ich mal meine eigenen nennen, denn es geht hier nicht um essen, trinken und schlafen
Meine persönlichen Grundbedürfnisse sind ein Partner, Erfolg und Annerkennung und Autonomie. Darauf stützen sich dann Verhaltensweisen und Wertvorstellungen. Also wenn ich einen Partner will, dann suche ich Harmonie und Geborgenheit (Wertvorstellungen) also verhalte ich mich dementsprechend oder eben nicht. Und solche Widersprüche zwischen diesen Dingen sollen aufgedeckt werden.
Und heute ging es zum Beispiel um das Erkennen von Gedankenfallen. Gedankenfallen sind recht einfach zu erklären und bestimmt kennt jeder von euch solche auch. Wenn man zum Beispiel einen Misserfolg hatte, dann überlegt man sich warum. Der Unterschied zwischen Depressiven und „normalen“ Menschen ist hierbei, dass sich Depressive schnell in einer Gedankenspirale verfangen die auch typischweise bei jedem Misserfolg wiederkehrt. Wenn man zum Beispiel in einer Klausur versagt hat – sorry – durchgefallen ist, dann sage ich mir:“ Ich bin doch eh zu blöd – Alles lernen hat nichts gebracht – So wird nie etwas aus mir – ich ende irgendwann als Assi – Meine Zukunft kann ich abhaken. “Und diese Gedanken wiederholen sich immer wieder. Irgendwann hat man es mal wieder erfolgreich geschafft, ganz unten anzukommen.
Nun ist es wichtig den ersten Satz dieser Gedankenspiralen zu erkennen und durch einen Neuen zu ersetzen. In meinem Fall ist es der Satz ich bin eh zu blöd. OK, spätestens seit meinem IQ-Test weiß ich, dass das nicht der Fall ist. Also sag ich mir: „Es gab aber auch schon Momente in denen ich sehr erfolgreich war.“ Daraus sollte sich nun eine neue positive Einstellung ergeben. Natürlich muss man dabei sehr hart arbeiten. Denn oft fällt es einem einfach nicht auf, dass man gerade wieder auf dem besten Weg ins Abseits ist.
Besonders hart hat mich die heutige Therapiestunde getroffen. Jeder, der auch auf der Suche nach der Liebe ist wird mich vielleicht ansatzweise verstehen können. Meine schlimmste Gedankenfalle ist nämlich: „Ich finde keinen Partner und bin selbst dran Schuld“. Naja und dann haben wir sehr lange darüber diskutiert, woran es liegen kann. Meine Einstellung „Ohne Partner werde ich nie glücklich“ ist wohl die Hauptursache. Dadurch bin ich traurig wenn ich keinen habe und somit fehlt es mir an der Ausstrahlung. Jeder kennt das ja sicher, dass wenn man verliebt ist, die Leute Schlange stehen… eben weil man diese Ausstrahlung hat.
Naja, aber wie werde ich glücklich ohne Partner??? Ich muss mich selbst lieben. Das ist etwas was mir sehr schwer fällt. Denn ich kenne zwar dank meiner Ex-Freunde meine schlechten Eigenschaften – nur irgendwie sind mir keine positiven bekannt. Was soll ich also an mir lieben. Wenn ich auf die Menschen höre, die mal meine Partner waren ist es eindeutig mein Ar… . Toll und das bei mir, wo mir Äußerlichkeiten an eben jenem vorbei gehen.
Da liegt wohl eine große Ursache meiner Depression. Mangelndes bis gar kein vorhandenes Selbstbewusstsein. Ich wurde heute gefragt, was denn so schlimm an mir sei, dass ich mich nicht lieben kann. So bin ich nie an das Thema herangegangen. Ich fragte immer nur, was könnte ich denn an mir lieben. Und als ich darauf keine Antwort fand, war der Umkehrschluss, dass alles Scheiße sein musste.
An dieser Stelle werde ich erst einmal mit den Schilderungen meiner Selbst abbrechen, da mir schon wieder die Tränen laufen und ich im Moment nicht mehr kann. Versprochen, mit fortschreitender Therapie, werde ich den Bericht ergänzen.
***Besonders schlimme Dinge***
Was mir sehr oft auffällt, ist dass es für mich hart geworden ist, glückliche Menschen zu sehen. Nicht dass ich es ihnen nicht gönne, aber es tut so verdammt weh. Ich habe mich deswegen auch fast völlig aus dem Leben zurückgezogen. Bis auf wenige Musicalbesuche, verlasse ich meine Wohnung nur noch um arbeiten zu gehen oder einzukaufen. Und selbst diese Dinge fallen mir immer schwerer. Am schlimmsten war es, als ich meine Schwester besucht habe. Ich liebe sie sehr, so ist es gar nicht. Auch ihren Freund und mein Neffe und meine Nichte liegen mir sehr am Herz. Aber als ich bei ihr war, und sie mich nur aus guten Absichten aufmuntern und anspornen wollte, hat es mich wieder ganz nach unten gerissen. Ich fühlte mich unfähig und unzulänglich. Sie sagte immer: „Nu komm doch endlich mit. Auf dem Fallschirmsprungplatz gibt es bestimmt ne Menge Spaß“, „Häng doch nicht mit so einem Gesicht da“… Auch wenn es lieb gemeint war, tat es sehr weh. Und das liegt häufig daran, dass Angehörige keine Ahnung haben, wie sie mit einem Depressiven umgehen sollen. Bitte, sagt Menschen die eine Depression haben nie solche Floskeln wie „Es wird schon wieder“ oder „Stell dich nicht so an, anderen geht es viel schlechter, die haben nicht mal was zu essen“ --- Das hilft nicht. Ganz im Gegenteil. Man fühlt sich schuldig, weil man doch alles hat und nicht zufrieden oder glücklich sein kann.
Ich fühle mich wie Dreck! Ich fühle mich hässlich! Ich fühle mich unzulänglich, dumm und nichtskönnend! Ich weiß vom Verstand her, dass es nicht so ist – das ändert aber nichts an der Tatsache, dass mein Gefühl so ist. Und das tut besonders weh…
Bitte seht Depressive als das was sie sind. Krank – Nicht verrückt oder Irre – Einfach krank. Das ist wichtig, denn jeder Depressive hält sich selber schon für “bescheuert“.
Zum Schluss möchte ich euch noch ein paar Fragen hier hinein kopieren, die ich auf der Seite http://www.angst-depressionen-alkoholerkrankung.de gefunden habe. Sie können helfen eine Depression zu erkennen. Man sollte sich natürlich immer an einen Arzt wenden!!! Wie gesagt können sie NUR HELFEN eine Depression zu erkennen!!!
Fragen, die eine Depression erkennen helfen
- Können Sie sich noch freuen?
- Fühlen Sie sich seelisch und körperlich elend, letztlich ohne ausreichenden Grund?
- Fällt es Ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen?
- Haben Sie das Interesse an Dingen verloren, die Ihnen zuvor viel bedeuteten?
- Neigen Sie vermehrt zum Grübeln?
- Quält Sie das Gefühl, Ihr Leben sei sinnlos geworden?
- Fühlen Sie sich müde, schwunglos, abgeschlagen - und zwar ohne entsprechende Belastung?
- Sind Sie plötzlich verunsichert, ratlos, ängstlich, obgleich das nicht Ihrer Wesensart entspricht?
- Können Sie nicht mehr schlafen?
- Spüren Sie plötzlich irgendwelche Druckgefühle, Missempfindungen, Schmerzen, besonders im Bereich von Kopf, Brust, Rücken?
- Haben Sie keinen Appetit mehr, evtl. an Gewicht verloren?
- Gibt es Probleme in sexueller Hinsicht
In diesem Sinne wünsche ich euch allen: BLEIBT GESUND!!!



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