Thema Depression Allgemein Depression Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bluebirdunfa

Das Loch

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Hinweis zum lesen:
Dies ist kein Bericht über die Anzeichen und Behandlung von Depressionen. Sondern mein Erfahrungsbericht.
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Mit meinem Rat, holt euch professionelle Hilfe. Bevor jemand das Loch über euch zuschüttet. Depressionen bedürfen einer ärztlichen Behandlung und sollten nicht unterschätzt werden. Viele Depressive Menschen begehen Selbstmord.

Bevor es an den Bericht geht, hier noch ein paar Links zum Thema Depressionen. Dort beschreiben Fachleute diese Krankheit. Meiner Meinung nach sollten wir das auch den FAchleuten überlassen. Deshalb habe ich hier alle Hinweise für eine Selbstdiagnose weggelassen.

http://www.depressions-sprechstunde.de/
http://www.depression.ch/
http://www.kasimone.de/tagebuch1/tage/990731.htm


Das Loch

Als Kind träumte ich ständig von dem Loch. Ich lief geradeaus und fiel in eine tiefe Grube. Der Traum war nicht so schlimm. Wenn ich nicht körperlich gespürt hätte, das ich fiel. Aber niemand fing mich auf. Irgendwann hörten die Träume auf. Jetzt sind sie wieder da. Und nach rund 35 Jahren kann ich nicht mehr stark sein, sondern bin innerlich zerbrochen.
Du darfst nicht weinen, du musst stark sein .Alles ertragen. Mobben gehört zum Leben. Du bist ein Weichein, wenn dich das stört. Geh arbeiten, warum schaffst du deine Arbeit nicht mehr. Plan deinen Tag doch ein. Nur du bist schuld, wenn etwas nicht klappt. Wenn du es willst, kannst du alles erreichen. Du bist jetzt so lange krankgeschrieben, warum schaffst du es da nicht, so nebenbei eine Ausbildung zu machen. (Die Durchfallrate liegt ja nur bei 90 %.)
Es waren doch nur 4 Operationen in 12 Monaten. Du musst abnehmen. Wir nehmen alle ab. Gleichzeitig bekomme ich zu hören; Schmeckt es dir nicht? Wenn die Kinder von meinem neuen Mann da sind. Die können reinhauen. Da macht es Spaß beim essen zuzusehen.
Du bist doch gekündigt, warum kümmerst du dich nicht um was neues.
Bis jetzt habe ich noch keine Kündigung in der Hand.
Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin fertig.
Meine Wohnung ist ein Schlachtfeld. Meine Gedanken sind es auch. Meine Wut frisst mich auf.
Ich ahnte was mit mir los ist.
Aber das darf ich in meiner Familie nicht aussprechen. DEPRESSIONEN. Das ist ein Zeichen das man geisteskrank ist. Das man mit der Umwelt nicht klar kommt. Starke Menschen haben so etwas nicht. Nach außen spiele ich stark zu sein. Allein zu hause kommen wieder die Weinanfälle. Niemand darf es sehen. Als meine Mutter mich anrief, als ich so einen Anfall hatte.; Da warf sie den Hörer auf die Gabel mit den Worten. Mit dir kann man ja eh nicht sprechen. Sie ist Krankenschwester. Sie weiß es. Die Mutter des Amokläufers in Erfurt war auch eine Krankenschwester. Pflichtbewusst und sicher ganz stark. Nur ich bin schwach. Ich bin in eine tiefe Grube gefallen. Die Umwelt merkt es nicht. Nach außen bin ich stark. Denn wenn ich zeige, das ich schwach bin, wird man mich noch mehr verletzen. Dann werde ich da draußen wieder ein Opfer. Mittlerweile traue ich mich kaum noch raus. Deswegen schreibe ich zur Zeit bei Yopi. Um keine Dummheiten zu machen und aus der Grube wieder herauszuklettern. Die Physiologen sind ausgebucht. Ich brauchte 3 Wochen um eine Beratung zu bekommen. Der Physiologe sagte; keine Chance das schaffen sie nicht mit einer Therapiestunde in der Woche. Meine Hausärztin weiß was los ist und hat mir ein Antidepressiva verschrieben. Der Physiologe sagte, Kur oder Tagesklinik. Einen Termin zur Besprechung zu bekommen, dauert einen Monat. Nun warte ich. Hoffentlich Schauspieler ich nicht bei der Besprechung, wie im alltäglichen Leben. Die glauben mir dann nie, das ich wirklich Depressionen habe. Meine Familie denkt, ich erzähle das nur, um nach der ungerechtfertigten Kündigung nicht mehr in die Firma zu müssen. Dabei bin ich seit über 6 Monaten im Loch. Aber, wenn die Leute es merken, werde ich wieder ein Opfer. Das weiß ich. Das ist immer so in Deutschland. Das muss ich verstehen, sagt mein Umfeld. Nur der stärkste siegt. Ich denke, so für mich, ein Glück, du magst keinen Alkohol. Du hast Hunde, also kannst du keinen Selbstmord machen. Die bist gegen Drogen. Die bist noch so vernünftig und schreibst deine Wut aus der Seele. Was machen die anderen Depressiven? Die den Weg zu einem guten Arzt nicht finden. Die nichts von der Krankheit wissen. Meine Mutter hält Depressionen für ein Zeichen von Einbildung, ungeregelten Tagesablauf und Wesensschwäche. Sie ist sicher nicht die einzige, die das denkt. Ich habe versucht allein rauszukommen. Bin ins Fitnessstudio gerannt. Habe nebenbei eine P-Schein Ausbildung begonnen. Um aus dem Haus gehen zu müssen. Um die Panikanfälle, die täglich kommen zu unterdrücken. Aber Mist, die kommen trotz meines guten Willens immer wieder. Ich habe mich belesen. Ich weiß, darüber Bescheid, aber niemand in der Umgebung würde dieses Wissen akzeptieren. Also rede ich nicht davon und hoffe eine Therapie kann helfen. Denn ich muss ja nur aus dem Loch klettern. Und hoffe das mir eine helfende Hand dabei hilft.

Wie ich in die Grube kam:

Jeder wird sich jetzt fragen, wie fällt man in das Loch. Passt man da nicht auf? Oder stolpert man?
Der Weg bis ans Ende der Grube ging in kleinen Schritten vor sich.

Der erste Schritt:
Ein Mordanschlag. Ich war Ca 8 Jahre alt. Der nette Mann versuchte mich zu erwürgen. Meine Schwester sah zu. Sie war 4 Jahre alt. Danach hatte sie einen Sprachfehler. Alle hänseln wegen dem Sprachfehler. Aber niemand weiß, das ich einen Kampf gewonnen habe. Er hat es nicht geschafft. Ich habe mit 8 Jahren gekämpft. Bis es ihm zu lange dauerte. Irgendwann ging er. Meine Eltern gingen zur Polizei. Warum kann ich den Täter nicht beschreiben. Also wurden mir die
Schuldgefühle eingeredet. Hätte ich besser aufgepasst. Dann würden sie den Täter ja finden.
Ich denke mal nicht, das diese Leute dort jemals um ihr Leben gekämpft haben. Ansonsten wüssten sie, das man in diesen Minuten nicht auf die Hosenfarbe achtet. Mein Hals war ringsherum blitze blau. Aber trösten? Fehlansage. Man hat mir mit 8 erklärt, das ich Verständnis für den Täter haben muss, weil er krank ist. Ich darf nicht laut sein und wütend. Anständige Mädchen machen das nicht.

Schritt 2:
Ich habe Hausarbeiten zu machen und zu kuschen. Ich muss dem Stiefvater zeigen, wie gut ich bin. Er zeigte mir dann, was eigentlich erst in der 8. Klasse im Aufklärungsunterricht dran kommt. Warum gefällt es mir nicht. Ich bin ca 9 Jahre alt. Mein Körper reagiert natürlich, aber mein Verstand sagt nein. Mein Verstand siegte und ich sagte es meiner Mutter. Seitdem hat er mich in Ruhe gelassen. Meine kleine Schwester wohl nicht. Aber ich war dann das Mädchen mit dem bösen Blick. Meine ganze Kindheit lang. Immer wenn ich ernst aussah und nicht lachen konnte. Worüber sollte ich auch lachen? Ich denke meine Schwester ist innerlich daran zerbrochen. Ihr Verhalten beweißt es. Eins ihrer Kinder lebt bei meinem jüngeren Bruder als Pflegekind. Eins hat sie dem Ex Mann mitgegeben, nach der Scheidung. Der 18 jährige ist jetzt wohl abgehauen und hat eine volle Strafakte. Die Kinder leiden darunter. Ihre Jüngeren Kinder von einem Türken, haben es besser. Haßt meine Schwester deutsche Männer? Wahrscheinlich. Als sie erwachsen war, bot ihr der Stiefvater noch an, ihr Bett anzuwärmen, nach der Scheidung von ihrem Deutschen Mann.

Schritt 3:
Dummerweise bekommen alle jungen Mädchen Brüste, Das ist natürlich. Für manche Männer ist es ein Weltwunder. Jetzt plötzlich wurde ich bemerkt. Meine Person wurde nur noch auf die Brüste reduziert. Als wenn die Dinger hätten reden können. Ich habe mehr als viele. Warum sich heutzutage, die Mädels größerer operieren lassen wollen. Ich weiß es nicht. Ich haßte die Dinger. Es ging nicht mehr um mich. Das Thema ging nur noch um sie. Jetzt hieß es sich täglich zu wehren. Ich brach dem Klassenkameraden den Arm. Jeden Tag betatschen. Als ich es erzählte, hieß es, das ist normal. Niemand gab mir den Tip, mal die Jungs zu betatschen. Dafür wäre ich auch zu schüchtern gewesen. Ich sprach kaum noch. Meine Mitarbeitsnote war ständig 3. Nicht weil ich nicht mitarbeitete. Nein, ich redete einfach nicht mehr. Warum auch. Es war eh immer falsch, Die anderen waren schlauer und besser und sagten immer die Wahrheit, auch wenn sie ganz offensichtlich logen. Aber dafür muss ich Verständnis aufbringen.
Ich hatte schon im Kindergarten nicht gesprochen. Ein Zeichen von Stress, wegen der ersten erlebten Scheidung der Eltern. Ich weiß es nicht.
Jeden Tag betatscht zu werden, niemand kann sich das vorstellen. Meine Leistungen sanken. Ich war ständig auf dem Sprung. Hilfe?! Fehlansage. Man muss stark sein.
Alles ertragen. Das sind nur dumme Jungs. Auf den gebrochenen Arm meines Klassenkameraden reagierten die ziemlich sauer. Dafür büßte ich eine Zahnwurzel ein. Hat damals nur keiner bemerkt. Das nach dem Faustschlag die Wurzel weg war. Meine Zahnschmerzen wurden als Einbildung abgetan. Als der Zahn, wegen Fehlender Versorgung abbrach, da war es zu spät. Röntgen?! Nein, du musst stark sein. Keine Schmerzen zeigen. Da kann nichts sein. Wenn der Arzt es sagt.
Mir einmal zu glauben, das war für meine Eltern ein Unding. Ich hatte den bösen Blick. War nicht attraktiv. Eher etwas aufsässig. Und nicht das Kind vom Stiefvater. Man muss immer auf die neue Familie hören und kuschen. Sich ihnen unterordnen.
Wenn ich bedenke, das die Mutter meiner Freundin ihre Kinder mit der Stricknadel vor 40 Jahren abtrieb. Und meiner Freundin jetzt vorhält, das es bei ihr leider nicht geklappt hat. Dagegen hatte ich es ja eigentlich noch richtig gut.
Es gab keine Schläge und kein Alkohol in der Familie. Alles musste brav aussehen.
Ich flüchtete in den S-Bahnen nun vor Männern, die hinter mir herliefen. Ich bin wirklich nicht paranoid und bilde mir das ein. Schon gar nicht, wenn ich bedenke, wie viel junge Mädchen mir berichten, das manche Männer sich in den Bahnen an ihnen reiben. Manche borgen sich meinen großen Hund aus. Denn wenn der neben Ihnen läuft, dann tut das keiner.
Wahrscheinlich liegt hier der Grund, das Kommissionen über unsere Hunde urteilen.
Das die Männer wollen das es keine großen Hunde mehr gibt. Ein böser Gedanke. Ich weiß.

Schritt 4:
Ich begann die Lehre. Der nächste Überfall erfolgte im Wald. In der Nähe des Lehrlingswohnheimes. Ich sammelte Pilze. Die einzige Kneipe des Ortes war nicht so mein Ding. Dafür war ich auch hier der Außenseiter. Alle Zensuren 1. Aber das war egal. Ich war kein Trinker. Und das war unverzeihlich.
Mittlerweile klingelten meine Alarmglocken schon, wenn sich mir jemand näherte.
Ich wartet ab. Als er zugriff, griff ich zum Messer. Unverzeihlich für eine Frau. Und vollkommen überraschend für ihn. Ich wehrte mich. Das war undenkbar. Er war total schockiert. Ich befahl ihm vor mir aus dem Wald zu laufen und hielt das Messer griffbereit.
Er tat es. An eine Anzeige war nicht zu denken. Ich hatte ja die Waffe benutzt. Ein Pilzmesser. Es war ja nichts passiert. Nach allen Rechtssprechungen wäre ich damit wahrscheinlich schuldig gewesen. Frauen die sich wehren, sind in der Gesellschaft nicht gerne gesehen. Ich hätte, egal wie auch immer Schuld gehabt. Schließlich war ich allein Pilze sammeln. Damit bin ich Freiwild. Er hat mir ja nichts getan. Besser gesagt, ich ließ ihm keine Zeit dazu.

Schritt 5:
Jeder junge Mensch würde gerne weggehen, schwimmen oder ähnliches. Mit dem Job ging das nicht mehr. Meine Hände waren auf Grund einer Unverträglichkeit mit Blasen übersät und offen. 10 Jahre lang. Aber auf Männer war mir eh die Lust vergangen. Die, die ich traf, redeten toll. Hatten am ende eine Frau und Kinder. Und waren nur auf eine schnelle Autonummer aus. Das war im Osten. Oder ihre Frau war arbeiten, und sie suchten Abwechslung. Na klasse. Mein Abteilungsleiter bat mir fast jeden Tag Sex an. Ich wollte nicht. 2 Jahre nachdem ich das Fernstudium angefangen habe, wollte der Betrieb mich auch nicht mehr auf einem Leiterposten. Ein Zusammenhang?! Den bilde ich mir sicher nur ein. Auch das die einzige 2 Frauen in der Abteilung, nachdem sie auf sein Angebot einstiegen,. entweder mehr Lohn oder einen Posten in dem Männerjob bekamen. Der Betrieb ließ mich fallen. Der Assi, der nicht arbeiten will, der wird mit dem Betriebsauto nach Arbeit gefahren. Ich der alles macht, den treten sie in den Arsch. Damals wusste ich noch nicht, was Mobbing ist.
An allem war man immer selber schuld. Irgend etwas machte man falsch.
Einen Tag nach Abschluss des Ing. Studiums holte ich meinen ersten Hund. Jetzt war der Betrieb für mich gestorben. Einsatzbereitschaft wurde nicht akzeptiert. Aber wenn der Abteilungsleiter wieder besoffen in der Firma rumlag. Das war OK. Der Job war ja ganz in Ordnung. Die meisten Kollegen auch. Viele konnten nur nicht damit umgehen, das ich als Frau ein Studium schaffte. Welches sie abbrechen mussten.
Ich begann nur noch Geld zu verdienen. Mit dem Hund verheilten die Hände. Dafür ging der blöde Ausschlag an den Füßen los.

Schritt 6:
Wohnungssituation:
Heute schreien die Kinder nach Kinderzimmern. Wir hatten früher ein Kinderzimmer und schliefen dort zu dritt. Bis meine Eltern auf die Idee kamen Geld zu verdienen. Damit sich mein Stiefvater ein Auto kaufen konnte.
Das Kinderzimmer wurde vermietet. An 3 Bauarbeiter. Die stiefelten täglich durch die Wohnung und das Wohnzimmer (Durchgangszimmer). Das brachte 700 Mark/monatlich. Zuerst schliefen wir zu fünft im Elternschlafzimmer. Dann wanderte ich auf den Dachboden, weil ich zu alt war. Dort war eine Kammer von 3 x 3 m. Im Sommer glutheiß und im Winter eiskalt. Der Ofen blies den Rauch ins Zimmer. 3 x 3 m wurden dann vollgequalmt. Man konnte auch keine Hand mehr vor den Augen sehen. Also Fenster auf. Dann wurde es aber wieder eiskalt. Ein echter Deutscher hält das aus. Alleine auf dem Dachboden, ohne Kontakt nach draußen, geschweige denn Fernseher oder Radio.
Jeden Tag bedeutete das, vom Wohnzimmer durch den langen Flur am vermieteten Kinderzimmer vorbei in die Küche und dann durch die Hintertür eine dunkle Wendeltreppe zum Dachboden hoch zu laufen. Manchmal hatte ich Panik. Aber man darf sich nicht so haben. Ist doch kein Problem. Meine kleine Schwester hatte Angst. Als Sie, sie auch noch dort einquartieren wollte, protestierte sie. Ich aber auch. 3 x 3 m in denen ein Ofen eine alte Couch von der Vermieterin und ein Schrank stand. Dort sollten wir zu 2 rein. Meine erste neue Zimmereinrichtung kaufte ich mir von meinen eigenen Geld. Auch die Renovierung finanzierte ich selber. Zu Ostzeiten bezahlte ich dann monatlich für diese Unterkunft 300 Mark an meine Eltern. Das war billig sagten sie mir. Eine eigene Wohnung hätte ich nie finanzieren können. Die Gesamtmiete für die 100m2 Wohnung betrug 65 Mark. Aber eine Wohnung im Osten zu bekommen, wenn man unverheiratet und Kinderlos war, war unmöglich.
Ich legte mir viele Hobbys zu, um nicht zu Hause sein zu müssen. Der Tierpark wurde mein zweites zuhause.
Nach der Scheidung meiner Eltern, tauschte meine Mutter ihre Wohnung gegen eine kleinere Neubauwohnung. Meinen Bruder hatten sie 2 Jahre ins Internat geschickt, weil er für das Elternschlafzimmer zu groß geworden war. Ich zog in eine leerstehende Wohnung schwarz ein. Was blieb mir übrig. Dort wohne ich noch heute. Damals war ich 23 Jahre alt.
Ca 5 Jahre später gab man mir dann doch einen Mietvertrag für das Loch ohne Bad. Natürlich hatten sie es auch nie nötig, in der Wohnung irgendetwas zu reparieren oder zu sanieren.
Meinen Bruder nahm meine Mutter mit in die neue Wohnung. Aber nicht lange. Dann zog er mit 17 in die Wohnung ihres neuen Mannes.
Der Zoff mit dem Wohnungsamt war unerträglich. Einerseits, hatte ich keine Wahl. Andererseits, war es illegal.
1997 hatte ich dann endlich einen Mietvertrag und einen Hund. Dieser Hund half mir nicht zu verzweifeln. Er rettet mir damals wohl sicher das Leben. Ich hatte angefangen mit Rasierklingen zu schneiden. Warum wusste ich nicht. Heute weiß ich es.
Nach der Wende, brüllten die Männer im Betrieb die mich schwere Lasten hatten schleppen lassen, weil sie alle krank waren (Rückenleiden, Herzprobleme)( Das Wunder der Wende. Plötzlich waren alle gesund) und riefen, jetzt werfen wir die schwachen Frauen raus aus der Firma. Das war der Augenblick, wo ich verstand warum Menschen eine Geschlechtsumwandlung vornehmen. Um ihren Job zu behalten.

Damals hatte ich noch Humor. Und meinen Hund. Damals kam ich immer noch selber aus dem Loch.

Schritt 6:
Der Betrieb schließt und ich werde Pendler. Versorge mittlerweile 2 Hunde. Einen Garten, einen Haushalt in Berlin und ein Haus in E.. Die Situation im Betrieb ist unerträglich. Ingenieure stapeln Kisten, legen Becher ein. Blonde schöne Verkäuferinnen dürfen an die Maschinen. Warum habe ich eigentlich den Beruf erlernt. Ich war auch nicht die Ausnahme. Je höher die Ausbildung, umso schlechter das Einsatzgebiet. Ich zeige Eigeninitiative und mein Chef zeigt mir was er davon hält. Er sagt, er wird mich fertig machen. Zeugen gibt es nicht. Aber mir glaubt eh keiner. Zum Frust mache ich mit meinem Hunde Schutzdienst. Mein Arbeitskollege zündet in der Pause meine Jacke an. Die ich noch anhabe. Mit den Worten „Berliner brennen am besten“ . Ich liebe das Lied von den Prinzen. Das ist so wahr. Fürsprecher kann ich nicht erwarten. Ich kämpfe weiter. Gegen Mobbing. Mit der Figur brauche ich vor sexuellen Belästigungen keine Angst mehr zu haben.
Hab ich schon etwas anderes erlebt außer Kampf. Ich kann mich nicht mehr an Frieden erinnern.
An meinem Geburtstag gibt es keinen Urlaub. Arbeit gibt es aber auch nicht. Als ich das einen Tag vorher sage, wird der Chef wütend. Nur er weiß, was hier abgeht. An meinem Geburtstag komme ich zur 12 Stunden Schicht. Begrüßt werde ich mit den Worten, kannst ja jetzt nach Hause fahren, ist eh nichts zu tun. Ich bin 200 Km von zuhause entfernt.
Und von allen Freunden und Bekannten. Mit einer alleinstehenden Berlinerin will hier keiner etwas zu tun haben. Ich streike, und sitze die 12 Stunden, fast heulend ab.
Als mein Hund stirbt lasse ich mich nach P. versetzen. Hier habe ich nichts mehr verloren. Während ich das so schreibe, heule ich wieder. Er war mein Lieblingshund.

Schritt 7:
In P. rutsche ich immer tiefer in das Loch. Versuche alles zu regeln. Wohnung mit 2 Hunden. Gibt es nicht. Steht alles leer. Aber nicht für eine alleinstehende Berlinerin mit einem Collie und einem jungen Sheltiewelpen. Das geht nicht. Also kaufe ich einen Garten und schlafe dort. Im Sommer baue ich am Gartenhaus. Damit ich den Winter dort ohne Heizung überleben kann. Aber mein Körper fängt bei der harten arbeit an zu streiken. Nur noch Termine regeln. Keinen Urlaub seit 12 Jahren. In der Urlaubszeit nur noch alles in Berlin in Ordnung bringen müssen. Denn wenn ich nicht dort bin, bleibt dort die ganze Arbeit liegen.
Keiner ist da. Wenn ich fertig sind, fragt die Familie, wieso schaffst du das alles nicht. Ist doch kein Problem. Andere schaffen es auch. Ich kenne keinen anderen der es schafft. Sie haben Mitleid mit der Alkoholikerin in der neuen Familie. Mitleid mit mir. Fehlanzeige. Ich habe es mir ja ausgesucht. Niemand sagt das es kaum Jobs gibt in B.. Das die Chancen für eine 37 Jährige dicke Frau schlecht stehen. Sie verstehen nicht, das ich seit 24 Jahren in der Firma bin. Das, das Geld für den Urlaub einfach nicht reicht. Das Auto kostet viel Geld. Die Nebenwohnungen auch. 3 Jahre lang bezahle ich 1200 Dm Miete im Monat. Nach Abzug der Fahrtkosten und Versicherungen bleibt da nichts mehr übrig. Wenn ich das vorrechne, sind es Ausreden.
Seit 6 Jahren tun mir jetzt täglich die Finger weh. Ich schlucke massenhaft Schmerzmittel dagegen.
In E. haben sie die Abluft statt nach außen nach innen geleitet. Beschwerden von der Belegschaft, werden nicht akzeptiert. Arbeiter sind ja dumm. Meine Haare wurden innerhalb eines Monats blond vom Wasserstoffperoxid in der Halle. Meine Lunge streikt. Um arbeiten zu können schlucke ich haufenweise hochdosiertes Prednisolon. Mein Gewicht schnellt nach oben. Aber ich kann wieder arbeiten. Ich habe Asthma, nachdem ich 19987 viel Wasserstoffperoxid in der Firma eingeatmet habe. Aber sie sagen, als Allergiker kommt es von der Allergie. Und vom Übergewicht. Wasserstoffperoxid einzuatmen ist ungefährlich. Meine Lungenärztin tobt. Aber was soll ich machen. Schwäche darf man nicht zeigen. Dann wird stärker gemobbt. Nachdem ich Stärke bewiesen habe und meinen Schichtleiter beleidigt habe, lässt er mich teilweise in Ruhe. Jetzt mobbt er nur noch über den Dienstplan.
2001 lasse ich mir beide Hände operieren. Hochgradiges Karpaltunnelsyndrom beidseitig. Ich zeige das erstemal Schwäche. Hätte ich es nicht machen sollen? Es ist meine Gesundheit. Damit bin ich ein Opfer. Nach dem ich wieder arbeiten gehe; Erzählt der Betriebsrat allen im Betrieb, was ich als ehemaliger B. Arbeiter hier verdiene. Ich komme ahnungslos in die Firma. Begrüßt werde ich mit den Worten “Wir wissen was du verdienst, jetzt kannst du dich frisch machen“
Am gleichen Tag darf ich zur Abteilungsleiterin. Sie tobt, weil sie nur das gleiche Geld wie ich verdient. Ich bin seit 2,5 Jahren in P.. Der Direktor hat den Vertrag unterschrieben.
Ich bin seit 23 Jahren in der Firma. Sie gibt mir Zeit, meine Kollegen von ihren Posten wegzumobben. Wortwörtlich. Ich soll ihnen in meiner Arbeitszeit die Arbeit wegnehmen.
Wie soll ich von meiner Fließbandmaschine weggehen. Das geht nicht. Ich arbeite weiter, wie immer. Es gibt keinen Grund für Abmahnungen. Alle anderen die sich über mich beschweren, haben welche. Eigenartig. Diese Leute sind alle besser. Am 11. September 2001 platzt die Bombe. 60 min bevor ich die Sache in den USA erfahre, darf ich zur Aussprache. Ich soll akzeptieren das ich weniger Lohn bekomme. Wegen dem Betriebsfrieden. Um es nicht eskalieren zu lassen sag ich ja. Ich bekomme die Nase voll vom kämpfen. Die gleiche Frau die mir höhnisch sagt, hier geht’s rau zu, zittert 15 min später bei der Meldung aus der USA.
Ich greife zu meinem Handy und rufe gleich vom Betrieb aus meinen Bekannten im Kongo an. Er ist bei der Armee. Und ich mache mir bei der Meldung Sorgen um sein Leben. Weil ich weiß, das dort oft gekämpft wird. Meine Abteilungsleiterin ist also nur stark, wenn ihr Direktor neben ihr steht. Interessant. Natürlich gehe ich zum Anwalt. Der sagt nur, was der Blödsinn soll. Das alles, ist laut Gesetz unwirksam. Ich rede wieder nicht vie, um nicht angegriffen zu werden. Als die Kündigung kommt, lasse ich mich krankschreiben. Das war im Oktober. Ich hatte den Chef gefragt, ob dieses Spiel mit den Angestellten nicht teuer werden kann. Er lachte und sagte, das ist heute so. Der Stärkere probiert den Schwachen wegzustoßen. Er denkt er ist stark. Ich habe um mein Leben gekämpft und gewonnen. Mit 8 Jahren. Die Gerichtsverhandlungen enden unentschieden. Die Richterin versteht meinen Arbeitgeber nicht. Mein Anwalt macht ihn fertig. Ich bekomme lauter nette Briefe von der Firma. Man nennt das, mit Dreck werfen, um den anderen fertig zu machen. Ich komme langsam an den Boden der Grube an. Rede mit den Anwalt, wegen einem Vergleich. In der Zwischenzeit kommt der nächste Schlag. Mein Knie ist kaputt vom schleppen. Nicht vom 3 maligen herumschleppen der 400 Kg Paletten in 20 min. Nein von dem Übergewicht. Das ich nicht lache. Die wissen gar nicht wie das in der Molkerei heute abläuft. Der Knorpelschaden ist 3 und 4 gradig. Höher als 4 geht es nicht. Die Behandlung verläuft ohne Schmerzmittel. Ich wache nach der Operation ohne eine Schmerzbehandlung auf. Akkupunktiert wird auch ohne Betäubung. Auf mein Weinen wird geantwortet „Sie sind empfindlich und hysterisch“. Jetzt habe ich den Boden erreicht. Der Arzt reagiert nicht auf meine Bemerkung, das die Schmerztabletten nicht anschlagen. Als Asthmatiker vertrage ich sie auch nicht. Ich schlucke die Schmerztabletten meines Hundes. Die scheinen zu helfen. Nach der Operation laufe ich 4 Treppen hoch. Die Pfleger können mich mit ihren ungeeigneten Stuhl nicht schmerzfrei hoch tragen. In was für einem Land lebe ich. 2 Tage danach fahre ich 6 Stunden mit dem operierten Knie durch die Stadt um meinem Hund zum Tieraugenarzt zu fahren. Meine Schmerzen werden mit Überempfindlichkeit erklärt. Wenn ich so empfindlich wäre, wie hätte ich dann fahren können.

Jetzt wo ich auf dem Boden bin, retten mich meine Hunde. Durch sie kenne ich viele Hundebesitzer. Eine Malerin mit ihren Hund trifft mich und verweist mich zu ihrer Hausärztin. Diese Ärztin sieht was los ist und diagnostiziert,
>>.
Der erste Arzt der sieht, das ich fertig bin. Alle anderen sagen nur, ich will nicht. Aber ich will. Und kann nicht mehr. Ich versuche mein leben noch allein zu regeln. Versuche dagegen zu kämpfen. Aber jeder Tag ist ein Kampf gegen die Umwelt. Gegen den Gartennachbarn der Beschwerdebriefe wegen einem zu langen Rasen schreibt (20 cm) und sich beschwert, das die Samen rüberfliegen oder ihnen meine Gartengestaltung nicht gefällt.
Mittlerweile habe ich drei Hunde. Und jedem Verantwortlichen der sie mir nehmen will, sage ich den Kampf an. Mein größter steht auf der sogenannten 20x40 Liste. Ein Collie. Das ist ein Witz. Ich bräuchte ein polizeiliches Führungszeugnis um ihn zu behalten. Er müsste gechipt werden. Ich bräuchte jetzt einen Hundeführerschein. Für einen jetzt 10 jährigen Hund. Der 8 mal auf der Grünen Woche mitgemacht hat, als Ausstellungshund in der Heim-Tier-Pflanze Ausstellung dort. Der 3 x bei der Heim- Tier – Schau für Kinder mitgewirkt hat. Der 6 x die Begleithundprüfung hat. Der hochgradige Hüftgelenksdysplasie hat. Und der in seinem Leben öfter Mädchen begleit hat, damit sie nicht angekrabbelt oder belästigt werden. Denn Fakt ist, seitdem ich Hunde neben mir habe, greift mich auf der Straße keiner mehr an. Früher wurde ich oft angegriffen und grundlos beleidigt. Sehen diese mutigen Leute den Hund, gehen sie weiter. Und ich habe Ruhe.
Ich könnte mir Mühe geben und endlich abnehmen. Denn ich weiß aus Erfahrung. Wenn ich dünner bin, dann werde ich respektiert. Dann ist meine Arbeit etwas wert. Obwohl die geleistete Arbeit vorher dieselbe war. Verstehen tue ich das nicht. Wenn ich 20 kg weniger wiege, dann sage ich die Wahrheit. Ansonsten glaubt mir eh keiner was ich sage. Dicke kleine Frauen haben keine Lobby. Und sie entsprechen nicht den Schönheitsideal. Auch wenn sie so aussehen, weil sie stark aussehen müssen. Damit sie nicht angegriffen werden. Damit man ihre Person nicht mehr auf den Busen reduziert.

Ende:
Am 1.7 werde ich das erstemal in meinem Leben arbeitslos sein. Mit einer Abfindung die ein Witz nach den Jahren ist. Ich hätte die Verhandlung gewonnen. Mein Anwalt ist deswegen nicht sehr erfreut. Aber, was wäre, wenn ich gewonnen hätte? Gegen die Abteilungsleiterin, die Lügen schrieb. Gegen den Betriebsrat, der sich so nett über mich äußerte. Ich würde Spießruten laufen. Ich liebe das Leben und will mich nicht fertig machen lassen. Dann verzichte ich lieber auf den Job. Wenn in dieser Gesellschaft alle nur Glücklich sind, wenn sie Menschen fertig machen können. Dann sollen sie auch die Rechnung bezahlen. Ich werde irgendwie überleben. Mein Gewissen ist rein. Ich schubste niemanden vom Posten., wie befohlen. Meine Kollegin sagte ängstlich zu mir. Wenn du meine Arbeit machen kannst, dann fliege ich raus. Die Neue, die aus einer zugemachten Abteilung umgesetzt wurde, sagte gleich, \"Dann weiß ich, wer als nächster auf der Liste steht. Wenn sie mit dir anfangen\".
Meine Großmutter hat den Krieg überlebt.
Ich werde das hier auch überleben.

Ich schaffe es diesmal nur nicht alleine.
Lebenskrisen kann man meistern.

Vielen Dank für euer lesen. Vielelciht war der Bericht etwas wirr für euch. Aber so sieht es in meinem Kopf aus.

25 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Baby1

    04.05.2006, 11:38 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anita