Erfahrungsbericht von Anachronistin
Depressionen = Ausweglosigkeit? - Nein!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Endogene und exogene Depressionen
(geschrieben im 3. Semester des Studienganges Sozialarbeit/-pädagogik)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
3. Depression als Krankheit
3.1. Seelische Kennzeichen
3.2. Körperliche Kennzeichen
4. Die Diagnose einer depressiven Erkrankung
4.1. Diagnostisches Basisprogramm
4.2. Differentialdiagnose
5. Mögliche Ursachen von Depressionen
5.1. Seelische Ursachen
5.2. Biologische Ursachen
5.3. Körperliche Ursachen
6. Depressive Erscheinungsbilder
6.1. Depressive Verlaufsformen
6.2. Diagnostische Einordnung
7. Die Therapie der Depression
7.1. Pharmakotherapie
7.2. Antidepressiva
7.3. Psychotherapie
1. Einleitung
Die Depression stellt die häufigste psychiatrische Erkrankung in der Allgemeinbevölkerung dar. „Vielleicht wird die Depression als >Krankheit unserer Zeit< bezeichnet, weil die Menschen unserer Zeit das rechtzeitige und rechtmäßige Trauern, auch das Ausleben von Schmerz und Wut, verlernt haben.“(Andreas Lehmann/ Bernd Lehle, 1993, Lambertus-Verlag, S.7)
In verschiedenen Ländern wurden Studien betrieben, denen zufolge ca. 17% der Gesamtbevölkerung im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken. Dies bedeutet, dass in Deutschland mindestens 4 Millionen Menschen von einer depressiven Störung betroffen sind. Die Lebensqualität und die soziale, körperliche und geistige Leistungsfähigkeit der Betroffenen werden enorm beeinträchtigt.
Zudem stellt die Depression eine schwere, und oft auch lebensbedrohliche Erkrankung dar, wobei dies im Vergleich zu vielen körperlichen Erkrankungen wie z.B. Krebs oder Herzinfarkt häufig nicht zur Kenntnis genommen oder grob unterschätzt wird. Bis zu 56% der an einer Depression Erkrankten begehen in ihrem Leben einen Selbstmordversuch, rund 15% versterben durch Suizid. In Deutschland liegt die Zahl der an Suizid Verstorbenen jedes Jahr deutlich über der Zahl der Verkehrstoten.
Die Thematik der Depressionen interessiert mich schon seit langer Zeit, denn sowohl
beruflich als auch privat hatte und habe ich mit Menschen zu tun, die an Depressionen
leiden. Und wie oft schon stand ich diesem Problem hilflos gegenüber? Es mangelte mir bisher an wissenschaftlichen Hintergrundinformationen, welche Erklärungen liefern, aber auch den Umgang mit depressiven Menschen erleichtern.
Im Folgenden werde ich auf die Diagnostik, die Ursachen und die Erscheinungsbilder eingehen, wobei ich auch den verschiedenen Möglichkeiten der Therapie meine Aufmerksamkeit schenken will.
Die wichtigsten Fachbegriffe werde ich im Anhang erläutern.
2. Begriffserklärung
Zu Beginn möchte ich die Definition aus dem Buch „PFLEGE HEUTE“ aus dem Gustav Fischer Verlag zitieren.
„Depression: Affektive Störung mit krankhaft niedergedrückter Stimmung des Kranken, die mit einer Vielzahl psychischer, psychosozialer und körperlicher Symptome einhergehen kann. Sehr häufige Störung: Schätzungsweise 15% aller Menschen leiden (mindestens) einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression.“
In „Depressionen und Angst“ (Helga Kabza, Prof. Dr. med. R.Meyendorf,1990, Wort & Bild Verlag) wird die Depression folgendermaßen erklärt:
„In der medizinischen Fachsprache versteht man unter einer Depression zunächst eine bestimmt Stimmungslage. In ihr gehen die Gefühle der Traurigkeit und des Niedergedrückt-Seins über ein >normales< Stimmungstief hinaus. Und zwar sowohl in ihrer Ausprägung, als auch in ihrer Dauer.
Damit wird die Depression zu einer Krankheit. Deren Symptome sind, unter anderen, eine tiefgreifende Veränderung der Gemütslage, nicht aber des Verstandes. Das kranke Gefühl oder Gemüt beeinflusst aber das Denken, das in der Depression auch anders ist. Man hat dunkle, ängstliche Gefühle, die im normalen Gemütszustand nicht existieren. Der Zustand der Traurigkeit und Niedergeschlagenheit ist oft bis zur Hoffnungslosigkeit herabgesunken. Der Depressive empfindet sein Leben als sinnlos. Das kann soweit gehen, dass er am liebsten nicht mehr leben möchte, auch wenn noch keine festen Gedanken bestehen, sich das Leben nehmen zu wollen. Diese Beeinträchtigung im Gefühlsbereich wird meistens von körperlichen Unannehmlichkeiten wie Erschöpfung, Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit begleitet.“
Jeder Mensch erlebt neben Zeiten der Freude auch Zeiten der Traurigkeit. Stimmungsschwankungen gehören zum Leben. Depressionen sind nicht nur durch besondere Schwere und Dauer von Trauer und Niedergeschlagenheit gekennzeichnet, sie sind auch qualitativ anders als >normale< Traurigkeit. Sie verändern den Menschen und können von ihm alleine oft nicht bewältigt werden.
Es gibt nicht die Depression, der Begriff ist vielschichtig, denn es gibt verschiedenste Depressionsformen, die in ihrer Ausprägung sehr unterschiedlich sind.
3. Depression als Krankheit
Die Depression ist eine Gemütskrankheit mit seelischen und auch körperlichen Symptomen, die häufig auch zwischenmenschliche, private und auch berufliche Folgen nach sich zieht. Das Krankheitsbild ist vielschichtig, die Depression kann Tage, Wochen, aber auch über Monate andauern.
Manchmal ist die Symptomatik sehr auffällig, doch die Erkrankung kann auch uncharakteristisch oder hinter körperlichen Beschwerden auftreten, man spricht dann von einer „larvierten“ oder „maskierten“ Depression.
3.1. Seelische Kennzeichen
Depression ist eine Krankheit, die sich durch eine Vielzahl von sich überlagernden und miteinander verwobenen Symptomen kennzeichnet. In der Medizin spricht man daher auch von einem depressiven Syndrom.
Nachfolgend werde ich die wichtigsten seelischen Kennzeichen nennen und kurz erläutern:
- Traurigkeit: Wie bereits an anderer Stelle angedeutet, unterscheidet sich diese Trauer wesentlich von der „normalen“. Die Trauer des Depressiven ist im Grunde genommen eine tiefe Trost- und Hoffnungslosigkeit, die so weit reichen kann, das der Betroffene regelrecht erstarrt und innerlich versteinert.
- Freudlosigkeit: Besonders dieses Symptom macht Angehörigen zu schaffen, wenn ihre Aufheiterungsversuche oder Sympathiebeweise nicht die erwünschte Wirkung zeigen.
- Interessenlosigkeit: Häufig ist sich der Depressive seiner zunehmenden Gleichgültigkeit schmerzlich bewusst. Dieser Zustand der Energielosigkeit und Lethargie führt dazu, dass der Betroffene keine Ideen mehr hat, keine Aktivitäten mehr zeigt und seine Schaffenskraft verliert.
- Innere Unruhe: Gegensätzlich zu diesem äußeren Bild der Erschlaffung und Passivität erscheint die Tatsache, dass viele Kranke zugleich von innerer Unruhe gequält sind, welche von vielen sogar als körperlicher Schmerz empfunden wird. Andere wiederum sind hektisch und gereizt, machen einen „atemlosen“ Eindruck,
als seien sie ständig auf dem Sprung.
- Mutlosigkeit und Grübelneigung: Die Sichtweise des Depressiven ist negativ fixiert, alle Probleme werden überbewertet, es zeigt sich eine eigenartige selbstzerstörerische Lebenseinstellung, eine krankhafte Suche nach dem Negativen.
- Angstzustände: Angstzustände sind oft unbestimmt und diffus. Alles ist schlimm, bedrohlich und feindlich, dazu kommt das Gefühl der Verlassenheit.
Aber die Angst kann auch ganz konkrete Formen annehmen, Angst vor einer Begegnung, Angst vor jedem Klingeln des Telefons, Angst vor jeder Entscheidung, vor Auseinandersetzungen...
Schließlich kann es auch zu Panikreaktionen kommen, wenn ständig Versagensängste und Ängste vor drohendem Unheil präsent sind.
- Konzentrationsstörungen: Die Erschwerung und Verlangsamung jeglichen
Denkens bis hin zur völligen Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, werden zum Dauerzustand. Die „Leere im Kopf“ macht alles unmöglich.
- Entscheidungsunfähigkeit: Selbst banalste Alltagsfragen bringen den Kranken
schier zur Verzweiflung, alles verliert sich in fruchtlosem Grübeln.
Das Persönlichkeitsbild des Depressiven sieht eigentlich so aus: Sie zeichnen sich in besonderem Maße durch Pflichtbewusstsein, Korrektheit, Einsatzbereitschaft, Fleiß und Zuverlässigkeit aus. Sie neigen schon in gesunden Tagen dazu, sich selbst zu überfordern.
- Minderwertigkeits- und Schuldgefühle: Der Kranke muss in seinem desolaten
Zustand nicht nur seine Depression aushalten, sondern muss zudem noch ertragen, dass er für seine Mitmenschen eine Belastung ist.
3.2. Körperliche Kennzeichen
Eine Depression ist so gut wie immer mit negativen Reaktionen des Organismus verbunden. Diese körperlichen Kennzeichen haben meist keine nachweisbare medizinische Ursache.
Die häufigsten Symptome sind:
- Magen- und Darmbeschwerden: Magendruck, Völlegefühl, Blähungen,
Sodbrennen, Krämpfe, Übelkeit, Brechreiz, Aufstoßen usw.
- Essstörungen: oft Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust oder aber Heißhunger
(Fressanfälle)
- Schlafstörungen: Einschlaf- und Durchschlafprobleme, Angst- und Alpträume
- Kopfschmerzen und Kopfdruck: Druckgefühle, stechende Schmerzen, Muskelverspannungen im Nackenbereich
- Nachlassen der Seh- und Hörfähigkeit: auch Geruchs- und Geschmacksinn können beeinträchtigt sein
- Herzbeschwerden und Kreislaufstörungen: Schmerzen oder Stiche in der Herzgegend, Herzrasen, Schwindelgefühl, Gleichgewichtsstörungen, Kollapsneigung
- Atmung: Enge im Hals- und Brustbereich, Druck auf der Brust, flache oder unregelmäßige Atmung, schweres Atemholen und „Lufthunger“
- Vegetative Funktionsstörungen: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Zittern, schnelleres Erröten, erhöhte Hitze- oder Kälteempfindlichkeit
- Sexualität: Nachlassen des sexuellen Verlangens, des Triebs und der Potenz; Orgasmusstörungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Menstruationsstörungen
Häufig kommt es zu Fehldiagnosen und falschen Therapien, da die genannten Symptome nicht auf eine Depression zurückgeführt werden.
(vgl. Andreas Lehmann/ Bernd Lehle,1993, Lambertus-Verlag, S.13/14)
4. Die Diagnose einer depressiven Erkrankung
Die Diagnose der Depression stützt sich auf eine der beiden führenden Klassifikationssysteme, das internationale ICD-10 (International Classification of Diseases, herausgegeben von der WHO) oder das DSM-IV der American Psychiatric Association.
„Für die Diagnose einer depressiven Episode müssen nach ICD-10 folgende Bedingungen erfüllt sein:
1. Mindestens zwei Hauptsymptome (gedrückte Stimmung, Interesse-/
Freudlosigkeit und Antriebsstörungen) müssen vorliegen, weiterhin mindestens zwei der anderen, körperlichen Symptome (Einfügung von mir, J.W.).
2. Die Symptome müssen mindestens zwei Wochen andauern.
3. Eine andere, organisch bedingte psychische Erkrankung muss ausgeschlossen sein, ebenso der Missbrauch psychotroper Substanzen.“
(http://www.mednet-depression.de/beschreibung_der_depression.htm)
An erster Stelle sollte also immer das ausführliche ärztliche Gespräch stehen, bei welchem unbedingt die oben genannten körperlichen und seelischen Symptome zur Sprache gebracht, und hinterfragt („Exploration“) werden müssen.
4.1. Diagnostisches Basisprogramm
Um anderweitige behandelbare Erkrankungen ausschließen zu können, muss in allen Fällen immer ein diagnostisches Basisprogramm durchgeführt werden.
„Ein solches Programm sollte beinhalten:
- orientierte internistische und exakte neurologische Untersuchung
- Blutdruckmessungen
- Laborwerte durch Blutentnahme: Blutbild, Blutkörperchensenkung, Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte, Blutzucker, Eisen, Schilddrüsenwerte, Vitamin B12, immunologische Parameter (zum Ausschluss akuter oder länger zurückliegender Infektionen, z.B. Lues, Borreliose)
- EEG
- radiologische Bildgebung ( Computertomographie, Kernspintomographie)
(http://www.mednet-depression.de/diagnose_depression.htm)
4.2. Differentialdiagnose
Manchmal können Depressionen auch das erste Symptom einer körperlichen (meist internistischen oder neurologischen) Erkrankung sein, wie z.B. : eine Schilddrüsenfehlfunktion, eine Nebennierenerkrankung, ein Schlaganfall, die Parkinson-Krankheit, aber auch Demenzen (z.B. Alzheimer-Krankheit), Hirntumoren, Krebserkrankungen, Rheumatische Erkrankungen und viele andere mehr.
Außerdem ist es möglich, dass einige Medikamente depressive Symptome verursachen, wie z.B.: Blutdruckmittel, Hormonpräparate, Antibiotika, Cortison, Parkinsonmittel, aber auch einige Psychopharmaka bei nicht-fachgerechter Anwendung (z.B. Neuroleptika).
Zu bedenken sei auch, dass depressive Symptome sehr oft in Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen wie z.B. Angsterkrankungen, Schizophrenie und Suchterkrankungen auftreten.
(vgl. http://www.mednet-depression.de/differentialdiagnose.htm)
5. Mögliche Ursachen von Depressionen
Aufgrund der Vielschichtigkeit der Erkrankung, ist es sehr schwierig, die Ursachen genau zu bestimmen. In der Medizin unterscheidet man zwischen seelischen, biologischen und körperlichen Ursachen.
Meist sind es eine ganze Reihe von Faktoren, die zu einer Depression führen.
Jedoch müssen zwischen den auslösenden Ursachen einer depressiven Erkrankung und deren Ausprägungsgrad kein Zusammenhang bestehen. Gleiche Ursachen lösen bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Depressionsformen aus, wobei natürlich nicht jeder Mensch depressiv wird, obwohl er möglicherweise ähnliche belastende Umstände erleben musste.
Man geht davon aus, dass bei manchen Menschen eine Veranlagung vorhanden ist, sozusagen eine Neigung, depressiv zu reagieren. Allerdings spielen natürlich auch die Lebensumstände eine Rolle. Inwieweit bei einem Erkrankten nun die Veranlagung oder die Lebensumstände ursächlich auf die Entstehung bzw. das Ausbrechen einer Depression hinzielen, ist sehr schwer einzuschätzen.
5.1. Seelische Ursachen
Als häufigste Auslöser für Depressionen sind die seelischen Ursachen zu nennen, welche sowohl aktuell sein, als auch weiter zurückliegen können. Besonders einschneidend sind traumatische Erlebnisse aus der Kindheit, da diese zumeist verdrängt, und daher nie richtig verarbeitet werden konnten. Aber auch Schicksalsschläge, die soziale Situation oder schwerwiegende Veränderungen in den Lebensumständen können verantwortlich sein.
5.2. Biologische Ursachen
„Störungen im Gehirnstoffwechsel zählen zu den biochemischen Ursachen. Stoffe, die in unserem Gehirn gebildet werden, sind für die Übertragung der Botschaften von Nervenzelle zu Nervenzelle verantwortlich. Werden zu wenig von diesen Stoffen gebildet, so tritt eine Stoffwechselstörung im Gehirn auf, die eine depressive
Erkrankung zur Folge haben kann.“ (Helga Kabza/ Prof. Dr. med. R. Meyendorf, 1990, Wort & Bild Verlag, S.35)
5.3. Körperliche Ursachen
Unter körperlichen Ursachen versteht man Veränderungen de Hormonhaushalts, z.B. in den Wechseljahren oder nach einer Entbindung. Aber auch die Nebenwirkungen mancher Medikamente können Depressionen auslösen, mit verursachen oder verstärken. Des weiteren sind Übermüdung, zuwenig körperliche Bewegung und eine Unterfunktion der Schilddrüse zu nennen.
6. Depressive Erscheinungsbilder
Je nach vorherrschender Symptomatik werden verschiedene depressive Syndrome beschrieben:
- gehemmt-depressives Syndrom (vorherrschende Antriebsarmut und Verlangsamung)
- agitiert-depressives Syndrom (vorherrschende innere Unruhe, „Nervosität“)
- somatisierte oder larvierte Depression (vorherrschende körperliche Beschwerden)
- wahnhafte Depression (meist schwere depressive Symptome mit charakteristischen psychotischen Symptomen wie Schuld-, Verarmungs- oder Versündigungswahn)
Häufig bestehen auch Überschneidungen oder Übergänge der verschiedenen depressiven Erscheinungsbilder. Ihre Differenzierung ist dennoch wichtig, da sich die Behandlung hauptsächlich danach richtet.
(vgl. http://www.mednet-depression.de/formen_depression.htm)
In „ PFLEGE HEUTE“ wiederum wird eine andere Einteilung der Krankheit vorgenommen:
a) Endogene Depression
(Melancholie, zyklothyme Depression, engl. major depression)
Dies ist ein Manifestationsform der affektiven Psychose. Wie bei anderen endogenen Psychosen ist ihre Ursache ungeklärt. Erbliche Faktoren spielen sicher eine Rolle, können aber die Erkrankung nicht hinreichend erklären. Ausgelöst werden die Phasen oft durch zwischenmenschliche Belastungen.
b) Organische Depressionen
Diese Form ist ein Ausdruck einer organischen Erkrankung.
c) Psychogene Depressionen
Die psychogenen Depressionen werden noch einmal unterteilt:
- Reaktive Depressionen, die durch belastende äußere Faktoren (z.B. Tod eines
geliebten Menschen)ausgelöst werden
- Neurotische Depressionen, die sich aufgrund frühkindlicher Störungen entwickeln
sollen und deren Vorkommen umstritten ist. Eine überfürsorgliche Mutter soll die
aggressiven Impulse (Trotz) verhindern, so dass das Kind nicht selbständig werden
kann, seine aggressiven Impulse unterdrückt und letztlich gegen sich selbst richtet
- Erschöpfungsdepressionen, die eine Antwort des Organismus auf Dauerbelastung
darstellen
(vgl. Gustav Fischer Verlag, 1998, S.1286)
6.1. Depressive Verlaufsformen
Depressionen können ganz unterschiedlich verlaufen. Es ist möglich, dass eine Depression als plötzlich einsetzende schwere Erkrankung auftritt, die durch fachgerechte Behandlung nach wenigen Wochen wieder zurückgebildet wird. Andererseits können auch über Jahre hinweg leichte Symptome bestehen, die nicht als Depression erkannt werden, obwohl sie den Erkrankten erheblich in seiner Lebensqualität einschränken.
Oftmals besteht jedoch ein phasenhafter Verlauf, am häufigsten sind wiederkehrende depressive Episoden alleine, die als unipolare Form bezeichnet wird. Seltener tritt die bipolare Form auf, welche sich durch wechselnde depressive und manische Episoden auszeichnet.
Die Gefahr der Entwicklung einer chronischen Erkrankung besteht dann, wenn Depressionen längere Zeit unerkannt und nicht fachgerecht behandelt werden, in seltenen Fällen droht sogar eine Therapieresistenz.
Es bestehen auf dem Gebiet der Depressionen enorme Forschungsdefizite, etwa, wenn es um die Behandlung von leichteren depressiven Symptomen geht. So herrscht in Fachkreisen Uneinigkeit sowohl über die medikamentöse als auch die psychotherapeutische Vorgehensweise.
6.2. Diagnostische Einordnung
Je nach Verlauf, vorherrschender Symptomatik und anzunehmender Ursachen des depressiven Syndroms kann die Depression diagnostisch eingeordnet werden. Häufig gibt es Überschneidungen mit Angsterkrankungen und somatoformen Störungen, mit Psychosen und schizophrenen Krankheitsformen.
Die Diagnose, das aktuelle klinische Bild und die Schwere der Symptomatik entscheiden über die Art der geeignetesten Therapieform.
7. Die Therapie der Depression
Depressionen sind behandelbar. Das stützende ärztliche Gespräch bildet die Grundlage der Depressionsbehandlung. Die Behandlungsstrategie gliedert sich in drei Phasen:
1. Akutbehandlung (Dauer: Tage bis Wochen)
2. Erhaltungstherapie (Dauer: Monate)
3. Rückfallverhütung; Rezidivprophylaxe (Dauer: Jahre bis lebenslang)
Zu den gängigsten Behandlungsmaßnahmen zählen:
- Pharmakotherapie
- Psychotherapie
- Soziotherapeutische Maßnahmen
- Schlafentzugstherapie
- Lichttherapie
- Elektrokrampftherapie
Depressionen werden ambulant und auch stationär behandelt. Die Entscheidung für die jeweilige Behandlung ist abhängig von der Schwere der Symptome, dem sozialen bzw. familiären Umfeld des Patienten und dessen Suizidgefährdung.
7.1. Pharmakotherapie und Antidepressiva
Als Antidepressiva werden Medikamente zur Behandlung von Depressionen bezeichnet. Diese werden in der Praxis selten verordnet, da diese Medikamente mit starken Vorurteilen belastet sind. Dagegen muss gesagt werden, dass Antidepressiva
- beim Gesunden keinen Einfluss auf die Stimmung haben,
- nicht abhängig machen,
- die Persönlichkeit des Menschen nicht verändern,
- seltener verschrieben werden als bedenklichere Psychopharmaka, wie z.B. Tranquilizer (hohe Gefahr der Abhängigkeitsentwicklung) oder auch Neuroleptika (lösen häufig Bewegungsstörungen aus, die zum teil sogar irreversibel sind)
- wirken nicht „symptomverschleiernd“, sondern machen oftmals durch ihren Einsatz eine effektive Psychotherapie überhaupt erst möglich
- haben zwar eine Reihe von Nebenwirkungen, welche jedoch keine bleibenden, irreversiblen Schäden hinterlassen
Nach drei Hauptwirkungskomponenten werden Antidepressiva verordnet, diese Komponenten sind:
- Depressionslösende, stimmungsaufhellende Wirkung
- Psychomotorisch aktivierende, antriebssteigernde Wirkung
- Psychomotorisch dämpfende, sedierend-angstlösende Wirkung
7.2. Psychotherapie
Auch bei der Psychotherapie wird aufgrund von Verlauf und Dauer der Depression und je nach schwere der Symptomatik die jeweils angebrachteste Therapieform gewählt.
Besonders hervorzuheben sind hierbei die Verhaltenstherapie und die Interpersonale Psychotherapie. Diese verfahren beinhalten u.a.:
- Korrektur negativer Realitäts- und Selbstbewertungen,
- Schrittweiser Aufbau von Aktivitäten nach dem Prinzip der positiven Verstärkung,
- Förderung von Selbstsicherheit und sozialer Kompetenz,
- Therapeutische Beeinflussung der Interaktion des Depressiven mit seinen nahen Bezugspersonen.
In bestimmten Fällen können auch folgende Therapieformen angezeigt sein:
- tiefenpsychologisch fundierte oder psychoanalytische Psychotherapie,
- Paartherapie,
- Familientherapie,
- Entspannungstherapie (Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Atementspannung oder Autogenes Training).
18 Bewertungen, 4 Kommentare
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27.08.2002, 14:53 Uhr von diewicca
Bewertung: sehr hilfreichViele sagen immer wieder, wenn sie Traurigkeit verspüren: "Ich bin depressiv." Depression ist wie Du schreibst eine ernstzunehmende Krankheit und ohne Hilfe von aussen, hat man selten eine Chance daraus zu kommen. Viele Menschen schämen
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05.06.2002, 05:38 Uhr von Andreas68
Bewertung: sehr hilfreichDer eingangs erwähnte Hinweis auf mangelndes Abtrauern und Ausleben von Schmerz u. Wut, wobei letztere verträgliche Formen finden muss, als Ursache für Depression gibt mir Hoffnung für mich. Bei anderen hatte ich so etwas vermutet, hiel
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04.06.2002, 20:14 Uhr von Hyperhirn
Bewertung: sehr hilfreichOk, sehe, das das am Anfang ein versehen war :-) kann ja mal passieren, toller Beitrag.
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04.06.2002, 20:11 Uhr von kulosa
Bewertung: sehr hilfreichDa fehlt doch was? Oder?



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