Erfahrungsbericht von Jakini
Trauer ist auch eine Art von Depressionen
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ich war auch eine ganze Zeit depressiv, durch den Tod meines Sohnes, den ich sehr geliebt habe und auch noch immer liebe.
Mein Sohn starb vor vier Jahren im Alter von vier Monten. Es tat und tut verdammt weh, vorallem weil er vier Tage vor meinem Geburtstag gestorben ist. Der kleine war zwar krank, doch ich hatte das Gefühl, daß er gestorben ist, weil er mich nicht liebte, ich nicht gut genug für ihn war. Warum denn sonst zu meinem Geburtstag, zu dem ich mir nichts sehnlicher gewünscht hatte, als daß der Kleine wieder gesund werden würde?
Als mein Sohn gestorben war, da dachte ich, es zerreißt mich innerlich, ich wollte auch sterben, ich wollte so bei ihm sein. Wäre meine große Tochter damals nicht schon gewesen, ich weiß nicht, was passiert wäre. Obwohl ich daran glaube, daß ich nicht dort hingekommen wäre, wenn wo mein Sohn nun ist, und ich will doch eines Tages zu ihm. Also muß ich warten, bis es so weit ist, und ich darf.
Ich habe viel gelesen, über den Tod und über Reinkarnation, das hat mir schon einmal sehr gut geholfen. Mein Arzt verschrieb mir zudem noch eine Gesprächsterapie und schickte mich zur Kur, was mir beides sehr gut getan hatte, denn ich mußte einfach raus, auch wenn ich den täglichen Gang zum Friedhof vermißt habe. Auf der Kur hatte ich Zeit mich nur um mich und den Rest meiner Familie zu kümmern, kein Haushalt, nur Anwendungen und meine große Wickeln. Nebenbei konnte ich am Abend viel Malen, was mir eine große Hilfe war, darin konnte ich meine Trauer damals ausdrücken.
Doch mit meiner großen damals knapp drei Jahre alten Tochter konnte ich auf einmal nichts mehr anfangen, freute ich mich über ihre Fortschritte, so wurde mir in der nächsten Sekunde klar, daß ich so etwas mit dem Kleinen nie erleben würde. Ich verbot mir selber, zu lachen, denn ich dachte, es würde meinem Sohn weh tun, wenn er mich hier auf der Erde lachen sehen würde, weil er dann glauben könnte, ich hätte ihn vergessen und würde ihn nicht mehr vermissen.
Dank regelmäßiger Treffen bei den verwaisten Eltern ging es mir dann doch schnell besser, die Eltern dort durften auch wieder lachen, also durfte ich es auch. Mir wurde klar, daß es meinen Sohn vielleicht eher traurig machen würde, wenn es mir schlecht ging, also bemühte ich mich, daß es mir besser geht, auch meiner Tochter zu liebe, die mit Krankheiten auf meine Trauer und einigelung reagierte. Durch die Sorge um sie war ich dann oft auch abgelenkt.
Ich habe mich viel mit anderen betroffenen Eltern ausgetauscht, nicht nur in der Gruppe, sondern auch per Post und irgendwann per Email über Foren, was mir sehr gut getan hat. Die Familie meines Mannes verlangt von mir, daß es mir auf der Hochzeit meiner Schwägerin, ein halbes Jahr nach dem Tod meines Sohne, gut zu gehen hätte. Sicher, ich war fröhlich, aber während der Trauung habe ich geweint, um meinen Kleinen, besonders als die Standesbeamtin das Thema Kinder und glückliche Zukunft angeschnitten hat. Alle anderen weinten vor Rührung, ich aus Schmerz.
Dann hieß es für die kirchliche Trauung ein Blumenstreukleid für unsere Tochter zu kaufen. Neben den Kleidern hingen kleine süße Anzüge, und auch da konnte ich mich nicht zusammenreißen. Meine Schwiegermutter fragt mich fassungslos, warum ich denn nun weine, es gäbe doch keinen Grund. Keinen Grund? Nur zu gerne hätte ich für meinen Sohn so einen Anzug gekauft, doch nun kann er so etwas nie tragen, weil er einfach nicht mehr da ist.
Aufrecht gehalten in dieser Zeit haben mich die Rescue Tropfen von dem Bachblüten, sie gaben mir Kraft, aber auch noch jemand anderes, denn ich hatte inzwischen ein sehr schönes Buch gelesen. "Das Leben nach dem Tod" von Elisabeth Kübler Ross, über das ich hier auch gerne geschrieben hätte, doch leider ist man auf meinen Produktvorschlag noch nicht eingegangen, und ich habe es hier nicht gefunden. Auf einmal sah ich das Ganze aus einem anderen Licht, glaubte, daß es meinem Sohn, dort wo er nun ist, viel besser gehen würde, dort muß er ja nun nicht mehr leiden. Er starb nicht wegen mir, sondern weil er nicht mehr konnte, und ich gönne ihm seinen Frieden.
Oft gibt der Kleine mir inzwischen viel Kraft, denn ich vertraue darauf, daß er mein persönlicher Schutzengel ist und das hilft mir ungemeint. Vorletztes Jahr hat z.B. um den Geburtstag meiner Tochter ständig geregnet, doch an dem Tag war super Wetter, so daß der geplante Kindergeburtstag im Tierpark auch stattfinden konnte. Für uns stand fest, das war unser Schutzengel.
Manchmal falle ich in ein tiefes Loch und es geht mir verdammt schlecht, doch danach geht es mir auch bald wieder besser.
Ich finde, man muß sich seinem Schmerz hingeben, sich damit auseiander setzten, dann geht es eines Tages wieder besser.
Einfach nur gutes Reden, nun benimm Dich doch mal, das hilft da auf keinen Fall.
Ich habe viele verwaiste Eltern kennengelernt, die meisten fühlten so wie ich. Natürlich ist die Trauer auch eine Art von Depression, der man sich eine Zeit hingeben sollte, denn sonst wird eine richtige Depression draus. Auf jeden Fall sollte man sich mit dem betroffenen Thema befassen, und viele Gespräche, am besten mit Menschen, die sich auskennen, führen. Aber sich auf keinen Fall von unwissenden, wie ich es mit der Familie meines Mannes erlebt habe, reinreden lassen. Hört in Euch rein, Eure innere Stimme sagt schon, was richtig ist, und die weiß es besser, auch im Falle von Depressionen. Und wenn ihr erst einmal viel Schlafen wollt, dann ist das auch o.k., ihr müßt nur irgendwann wieder aufwachen.
Die beste Hilfe für meine derzeitigen Tiefs, die mich überwiegend im Winter überfallen, denn im November wurde mein Sohn geboren, im April starb er, ist meine kleine Tochter, und natürlich auch die mittlere, die auf den Tag genau ein ein halb Jahre nach seinem Tod geboren wurde. Wenn die Kleine mich anlacht, dann weiß ich, sie wurde von ihrem Bruder geschickt, damit es noch besser geht, und manchmal habe ich da so einen kleinen leisen Verdacht, doch das gehört hier nicht hin.
Mein Sohn starb vor vier Jahren im Alter von vier Monten. Es tat und tut verdammt weh, vorallem weil er vier Tage vor meinem Geburtstag gestorben ist. Der kleine war zwar krank, doch ich hatte das Gefühl, daß er gestorben ist, weil er mich nicht liebte, ich nicht gut genug für ihn war. Warum denn sonst zu meinem Geburtstag, zu dem ich mir nichts sehnlicher gewünscht hatte, als daß der Kleine wieder gesund werden würde?
Als mein Sohn gestorben war, da dachte ich, es zerreißt mich innerlich, ich wollte auch sterben, ich wollte so bei ihm sein. Wäre meine große Tochter damals nicht schon gewesen, ich weiß nicht, was passiert wäre. Obwohl ich daran glaube, daß ich nicht dort hingekommen wäre, wenn wo mein Sohn nun ist, und ich will doch eines Tages zu ihm. Also muß ich warten, bis es so weit ist, und ich darf.
Ich habe viel gelesen, über den Tod und über Reinkarnation, das hat mir schon einmal sehr gut geholfen. Mein Arzt verschrieb mir zudem noch eine Gesprächsterapie und schickte mich zur Kur, was mir beides sehr gut getan hatte, denn ich mußte einfach raus, auch wenn ich den täglichen Gang zum Friedhof vermißt habe. Auf der Kur hatte ich Zeit mich nur um mich und den Rest meiner Familie zu kümmern, kein Haushalt, nur Anwendungen und meine große Wickeln. Nebenbei konnte ich am Abend viel Malen, was mir eine große Hilfe war, darin konnte ich meine Trauer damals ausdrücken.
Doch mit meiner großen damals knapp drei Jahre alten Tochter konnte ich auf einmal nichts mehr anfangen, freute ich mich über ihre Fortschritte, so wurde mir in der nächsten Sekunde klar, daß ich so etwas mit dem Kleinen nie erleben würde. Ich verbot mir selber, zu lachen, denn ich dachte, es würde meinem Sohn weh tun, wenn er mich hier auf der Erde lachen sehen würde, weil er dann glauben könnte, ich hätte ihn vergessen und würde ihn nicht mehr vermissen.
Dank regelmäßiger Treffen bei den verwaisten Eltern ging es mir dann doch schnell besser, die Eltern dort durften auch wieder lachen, also durfte ich es auch. Mir wurde klar, daß es meinen Sohn vielleicht eher traurig machen würde, wenn es mir schlecht ging, also bemühte ich mich, daß es mir besser geht, auch meiner Tochter zu liebe, die mit Krankheiten auf meine Trauer und einigelung reagierte. Durch die Sorge um sie war ich dann oft auch abgelenkt.
Ich habe mich viel mit anderen betroffenen Eltern ausgetauscht, nicht nur in der Gruppe, sondern auch per Post und irgendwann per Email über Foren, was mir sehr gut getan hat. Die Familie meines Mannes verlangt von mir, daß es mir auf der Hochzeit meiner Schwägerin, ein halbes Jahr nach dem Tod meines Sohne, gut zu gehen hätte. Sicher, ich war fröhlich, aber während der Trauung habe ich geweint, um meinen Kleinen, besonders als die Standesbeamtin das Thema Kinder und glückliche Zukunft angeschnitten hat. Alle anderen weinten vor Rührung, ich aus Schmerz.
Dann hieß es für die kirchliche Trauung ein Blumenstreukleid für unsere Tochter zu kaufen. Neben den Kleidern hingen kleine süße Anzüge, und auch da konnte ich mich nicht zusammenreißen. Meine Schwiegermutter fragt mich fassungslos, warum ich denn nun weine, es gäbe doch keinen Grund. Keinen Grund? Nur zu gerne hätte ich für meinen Sohn so einen Anzug gekauft, doch nun kann er so etwas nie tragen, weil er einfach nicht mehr da ist.
Aufrecht gehalten in dieser Zeit haben mich die Rescue Tropfen von dem Bachblüten, sie gaben mir Kraft, aber auch noch jemand anderes, denn ich hatte inzwischen ein sehr schönes Buch gelesen. "Das Leben nach dem Tod" von Elisabeth Kübler Ross, über das ich hier auch gerne geschrieben hätte, doch leider ist man auf meinen Produktvorschlag noch nicht eingegangen, und ich habe es hier nicht gefunden. Auf einmal sah ich das Ganze aus einem anderen Licht, glaubte, daß es meinem Sohn, dort wo er nun ist, viel besser gehen würde, dort muß er ja nun nicht mehr leiden. Er starb nicht wegen mir, sondern weil er nicht mehr konnte, und ich gönne ihm seinen Frieden.
Oft gibt der Kleine mir inzwischen viel Kraft, denn ich vertraue darauf, daß er mein persönlicher Schutzengel ist und das hilft mir ungemeint. Vorletztes Jahr hat z.B. um den Geburtstag meiner Tochter ständig geregnet, doch an dem Tag war super Wetter, so daß der geplante Kindergeburtstag im Tierpark auch stattfinden konnte. Für uns stand fest, das war unser Schutzengel.
Manchmal falle ich in ein tiefes Loch und es geht mir verdammt schlecht, doch danach geht es mir auch bald wieder besser.
Ich finde, man muß sich seinem Schmerz hingeben, sich damit auseiander setzten, dann geht es eines Tages wieder besser.
Einfach nur gutes Reden, nun benimm Dich doch mal, das hilft da auf keinen Fall.
Ich habe viele verwaiste Eltern kennengelernt, die meisten fühlten so wie ich. Natürlich ist die Trauer auch eine Art von Depression, der man sich eine Zeit hingeben sollte, denn sonst wird eine richtige Depression draus. Auf jeden Fall sollte man sich mit dem betroffenen Thema befassen, und viele Gespräche, am besten mit Menschen, die sich auskennen, führen. Aber sich auf keinen Fall von unwissenden, wie ich es mit der Familie meines Mannes erlebt habe, reinreden lassen. Hört in Euch rein, Eure innere Stimme sagt schon, was richtig ist, und die weiß es besser, auch im Falle von Depressionen. Und wenn ihr erst einmal viel Schlafen wollt, dann ist das auch o.k., ihr müßt nur irgendwann wieder aufwachen.
Die beste Hilfe für meine derzeitigen Tiefs, die mich überwiegend im Winter überfallen, denn im November wurde mein Sohn geboren, im April starb er, ist meine kleine Tochter, und natürlich auch die mittlere, die auf den Tag genau ein ein halb Jahre nach seinem Tod geboren wurde. Wenn die Kleine mich anlacht, dann weiß ich, sie wurde von ihrem Bruder geschickt, damit es noch besser geht, und manchmal habe ich da so einen kleinen leisen Verdacht, doch das gehört hier nicht hin.
18 Bewertungen, 3 Kommentare
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13.05.2002, 00:47 Uhr von kay74
Bewertung: sehr hilfreichschlimme Erfahrung, wünsche dir und deiner Familie alles Gute
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17.04.2002, 19:16 Uhr von engel123
Bewertung: sehr hilfreichIn solch eine Situation möchte ich nie kommen und wünsche es auch niemanden. Aber schön ist, wie du dich trotzdessen aufbaust!
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17.04.2002, 15:13 Uhr von mystery_delusion
Bewertung: sehr hilfreichich hatte nie Kinder deshalb kann ich mir nur vorstellen, wie schlimm es sein muß, eines zu verlieren, aber dann wieder denke ich man kann es sich nicht vorstellen, wie es sein muß, wenn man es nicht selbst erlebt hat. wegen dem Buchbericht....



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