Erfahrungsbericht von eretrea
Endstation Psychiatrie
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Nein
Die Schule habe ich überstanden. Die Pubertät war auch fast vorbei und die Zukunft als Kinderkrankenschwester war geplant und in vollem Gange. Meine kleine Welt war total in Ordnung und mein Weg war frei, als plötzlich ein Stein vom Himmel fiel, genau mitten auf meinen Weg. Zum Glück sind wir Menschen so flexibel und können selbst entscheiden, und Gott sei Dank haben wir einen Kopf zum Denken.
Ich habe nachgedacht, ich habe sehr lange nachgedacht und ich habe gemerkt, dass es nicht mein Wunsch war Kinderkrankenschwester zu werden. Doch jetzt hatte ich ein anderes Problem: Was wollte ich denn werden???
Ich wollte lernen, ich wollte Dinge verstehen und ich wollte mich in eine Uni setzen. Ich wünschte mir in einem alten, modrig und historisch riesigen Gebäude zu sitzen und mir meinen Kopf von einem bärtigen Mann füllen zu lassen. Dies war mein Wunsch. Mein Traum!!
Ich weiss nicht wirklich, was zwischen meinem Traum und der Psychiatrie passiert ist. Ich kam an einen Punkt, wo ich das Leben nur noch satt hatte. Ich wollte nicht mehr im Fluss mit all den anderen leistungssüchtigen Menschen schwimmen. Ich wollte am Ufer stehen und bewusst leben, ich wollte nicht mehr tun, was mir andere sagten. Mein Ziel war es, zu leben, zu fühlen, zu spüren, zu sein, wie ich wirklich war. Ich hatte die Gewalt meiner Eltern satt. Ich hasste die Ungerechtigkeit der Welt. Ich verabscheute die Gesellschaft.
Aber wie sollte ich es zu meinem Ziel schaffen? Mein Weg war bedeckt mit Steinen, Hügeln und Bergen. Ich wollte frei sein. Ich mochte nicht mehr kämpfen.
Ich war überzeugt, dass mir der Selbstmord das geben könnte, was ich lange gesucht hatte.
Frei zu existieren, ohne auf der Welt sichtbar zu sein.
Ich habe es nicht bis zu meiner erhofften Freiheit geschafft. Es war viel schlimmer, man hat mich gefangen und eingesperrt. Sieben Monate wurde ich an jenem Ort festgehalten, über den wir früher gelacht hatten.
Die Menschen in der Psychiatrie, nicht nur Idioten, Psychos und „Hirnis“, versuchten mir zu erklären, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Ich konnte und wollte sie nicht verstehen. Bis zu meinem vermeintlichen Todestag.
An jenem Tag bin ich leise weinend im Kleiderkasten gestorben(!). Ich hatte genügend Zeit, um mir meine Wunden aus der Kindheit zu lecken. Die Zeit reichte aus, um mit der Vergangenheit abzuschliessen.
Seit der Psychiatrie weiss ich, egal wie gross oder klein der Berg auch sein mag, man darf ihn nie ohne Bergführer und Gruppe besteigen.
27 Bewertungen, 7 Kommentare
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10.01.2008, 18:37 Uhr von wir_2
Bewertung: sehr hilfreichich wünschte, ich könnte über meine Depression so offen reden wie du - ich bin gefangen - in meinen eigenen vier Wänden (keine Angst, bin in medizinischer Betreuung)
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08.09.2006, 20:05 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichDanke für Deine Offenheit
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22.08.2002, 01:38 Uhr von diewicca
Bewertung: sehr hilfreichich selber leide auch an depresionen, ausgelöst durch eine plötzliche körerliche erkrankung, die mich seit drei Jahren lahm legt und mich als damals sehr aktiven Menschen, völlig beschneidet. Auch ich habe über Psychosomatrische K
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03.07.2002, 01:04 Uhr von Cayan
Bewertung: sehr hilfreichVielen Dank für Deinen anschaulichen Erfahrungsbericht!
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13.05.2002, 00:52 Uhr von kay74
Bewertung: sehr hilfreichich denke, die Psychiatrie ist ein Krankenhaus wie jedes andere auch. und die Krankheiten, die dort behandelt werden, sind nicht zu verharmlosen oder gar ins Lächerliche zu ziehen...
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09.04.2002, 14:31 Uhr von ss09876
Bewertung: sehr hilfreichPsychische Erkrankungen, sind Erkrankungen wie alle anderen auch, und sollten auch so angesehen werden! MfG Szilvia
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23.02.2002, 13:36 Uhr von Azira
Bewertung: sehr hilfreichDein Beitrag hat mich sehr berührt und ich kann Dich sehr gut verstehen, obwohl ich Deine Oma sein könnte (vermute ich). Zwei junge Menschen in meiner Umgebung waren in Deiner Situation und sie haben es dann Gott sei Dank auch mit Hilfe eines ode



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