Die Entdeckung der Currywurst (Taschenbuch) / Uwe Timm Testbericht

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Erfahrungsbericht von smoother

Die Entdeckung der Currywurst

Pro:

- schnell und sehr einfach zu lesen - gelungene Handlung - gute Erzähltechnik und Inszenierung

Kontra:

- hoher Preis

Empfehlung:

Ja

"Das Hohelied auf ein unspektakuläres Frauenleben... Der Autor versteht es, das Geflecht menschlicher Beziehungen auszuleuchten. Sinnlichkeit, Heiterkeit, Bitternis und Trauer sind in dieser Geschichte so ineinander verworben, dass sie zum nachhaltigen Lektüreerlebnis wird."

So wurde Ursula Reinbold im "Neuen Deutschland" zitiert und umschreibt damit eine gut inszenierte Liebesgeschichte, die dann "zufällig zur Entdeckung der Currywurst führte".

Als Gymnasiast bin ich bemüht viel zu lesen. Daher habe ich die Anregung meines Deutschlehrers wahrgenommen und mir dieses Buch für stolze 8,50€ gekauft. Wie er bereits bei seiner Vorstellung des Buches erzählte, handelt es sich um eine Liebesgeschichte, spannend und sehr authentisch erzählt.

Hier nun meine kurze Inhaltsangabe:
Der Erzähler (vermutlich der Autor?) erinnert sich an seine Kindheit in Hamburg zurück: Dort aß er vor etwa 40 Jahren immer eine Currywurst, am Stand von Frau Brücker. Da es soetwas damals nirgendswo anders gab, glaubt er, Frau Brücker sei die Entdeckerin der Currywurst und macht sich zu der mittlerweile im Altenpflegeheim untergebrachten Brücker unterwegs, um ihre Geschichte zu hören, wie sie die Currywurst entdeckte:

Ende des Krieges, in der Hamburger Hafengegend: Lena Brücker, damals schon 40, nimmt einen später desertierenden Marineoffizier bei sich auf, da ihr eigener Mann gerade an der Front in Russland kämpft. Sie verliebt sich in ihm. Als Deutschland längst kapituliert hat, will sie diese Liebe künstlich verlängern und erzählt ihm, der Krieg sei noch im vollen Gange, jetzt gegen Russland.
Eines Tages jedoch, der Marineoffizier hat nur noch den Krieg im Kopf, vernachlässig Lena Brücker, rutscht es ihr heraus: "Der Krieg ist schon längst aus. Aus, verstehste? Futschikato!" - wenige Tage später ist er verschwunden.
Die Zeit bis dahin war sehr schön und romantisch aber auch sehr gefährlich: Ihr Vermieter, ein überzeugter Nationalsozialist, hat immer ihre Wohnung durchsucht, während sich der Marineoffizier in einer Abstellkammer verstecken musste.

Als nun der Marineoffizier hinfort ist, kommt auch schon ihr Mann wieder. Als sie handfeste Beweise (Enge Unterwäsche einer anderen Frau) in seinem Wäschesack findet, wirft sie ihm aus der Wohnung. Ihre Arbeit in der Lebensmittelbehörde verliert sie fast zeitgleich.

Auf der Suche nach Arbeit, gibt ihr eine Nachbarin einen Tip: Da stehe wohl ein Verkaufsstand frei.
Sie zögert kaum, kauft ihn sogleich und überlegt eifrig, was man denn verkaufen könne: Kalbswürste mit Ketchup und Kartoffelpuffer.
Die Würstchen erhält sie von einer alkoholsüchtigen Bekannten ihres Vaters, muss aber Tauschgeschäfte betreiben, um diese zu erhalten, denn Geld war damals viel weniger wert als (alki-freundliche) Waren wie echter schottischer Whiskey.
Das Pflanzenfett und den Ketchup will sie durch ein weiteres komplexes Tauschgeschäft erhalten. Allerdings bekommt sie zum Schluss kein Pflanzenfett, sondern darf sich zwischen "1 Kilo Currypowder" oder "5 Speckseiten" entscheiden. Sie nimmt das Currypulver, in Gedanken an ein Ereignis, von dem ihr der Marineoffizier erzählt hat ("Ein wenig Curry und man die Nacht wundersame Träume").

Als sie schon spät abends die ganzen erworbenen Sachen, das dunkle Treppenhaus, hoch in ihre Wohnung trägt, passiert es ihr: Mit den Gedanken bei ihrem Marineoffizier, fallen ihr 3 von 10 Ketchupflaschen und ein wenig Curry auf den Boden. Heulend, weil sie das wohl schlechteste Tauschgeschäft ihres Lebens gemacht hat und immerzu nur an ihren Marineoffizier denken muss, schmeckt sie an der braunen Soße und stellt fest, dass es mit der Kalbwurst in der Pfanne heissgemacht ein fruchtigfeuriges Erlebnis ist.




So wurde die Currywurst entdeckt. Zum Schluss gibt es noch ein Happy-End und ein traurig-schönes Ende. (Verraten tu ich diese hier nicht, denn das Ende ist wohl das Beste am ganzen Buch).


Fazit:
Ein sehr authentisch wirkendes Buch, in dem sehr viele Details zur damaligen Situation (z.B. die aufgemalten Strumpfhosen, das Einbacken von Sägespähne in Lebensmitteln, uvm.) und zur Gesellschaft geschildert werden. Jedoch hätte man meiner Meinung nach, die Liebesgeschichte etwas kürzen können und auch den stolzen Preis etwas senken können.
Mein Urteil: Lesenwert und ein nachhaltiges Lektüreerlebnis!

17 Bewertungen, 2 Kommentare

  • anonym

    11.03.2006, 20:12 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...sh...*g*...Lg, Christina

  • WreckRin

    11.03.2006, 15:19 Uhr von WreckRin
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht, freu mich über Gegenlesungen <br/>Viele Grüße, Sandra