Traffic - Macht des Kartells (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von juillet

Die Kunst realistisch zu wirken

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Jedes Jahr das gleiche bei den Oscarverleihungen. Da fiebert man mit seinen persönlichen Favoriten mit und erlebt dann, wie ein Preis nach dem anderen von Filmen abgestaubt wird, von denen man vorher noch nie etwas gehört hat. Letztes Jahr war es „Traffic“, der gleich vier der begehrten Trophäen einheimste und meine Neugier weckte. Einen Monat später lief er dann ja glücklicherweise auch bei uns.
Dass ich etwas zu spät ins Kino kam (normalerweise regen mich solche Leute immer auf, aber ich konnte nix dafür! *unschuldigaufmeinenheiligenscheinzeig*) und die ersten Minuten verpasste, machte aber gar nichts, denn spannend war es allemal...


Handlung:
* * * * * * *

„Traffic“ ist ein Episodenfilm, dessen fünf Handlungsstränge erst nach und nach logisch miteinander verknüpft werden. Im Zentrum aller Einzelstories steht der Drogenhandel.

Richter Robert Wakefield (Michael Douglas) wird vom Präsidenten zum obersten Drogenbeauftragten ernannt und soll mit den mexikanischen Behörden gemeinsam den Drogenhandel zwischen beiden Ländern bzw. den generellen Missbrauch eindämmen.

Derartig auf seine Arbeit fixiert, merkt er zu spät, dass seine eigene Tochter Caroline (Erika Christensen), 16-jährig, Musterschülerin und sehr beliebt, längst dem verfallen ist, wogegen er ankämpfen will.

Gleichzeitig ist der mexikanische Polizist Javier Rodriguez (Benicio Del Toro) mit seinem Partner Manolo (Jacob Vargas) damit beschäftigt, ihrerseits Drogenschmuggler in der Grenzstadt Tijuana aufzuspüren und eines der beiden bestehenden Drogenkartelle zu zerschlagen. Beauftragt werden sie vom obersten mexikanischen Verbrechensbekämpfer General Salazar (Thomas Millian), dessen eigentliches Interesse jedoch erst später ans Licht kommt.

Zwei amerikanische verdeckte Ermittler - Gordon und Castro - verhaften den Dealer Eduardo Ruiz (Miguel Ferrer) und nehmen ihn in das Zeugenschutzprogramm auf, um ihn als Kronzeugen gegen den gesuchten Drogenbaron Carlos Ayala (Steven Bauer) aussagen zu lassen.

Ayalas schwangere Frau Helena (Catherine Zeta-Jones), die vor der Verhaftung ihres Mannes keine Ahnung von dessen Geschäften hatte, will diesen aus dem Gefängnis holen, indem sie einen Killer engagiert, der den Kronzeugen zum Schweigen bringen soll.


Umsetzung:
* * * * * * * *

Die ernste Drogenproblematik, mit der sich der Film beschäftigt, lässt kaum Platz für Sentimentalität. Knallhart und realistisch zeichnet Regisseur Steven Soderbergh, der für seine Arbeit einen Oscar erhielt, die fiktive Milieustudie, die an Spannung kaum zu übertreffen ist.
Geschickt werden dazu Elemente eingesetzt, die den Zuschauer glauben machen, mitten im Geschehen zu sein. Verwackelte Kameraaufnahmen erzeugen diese Wirkung ebenso wie der Gelbstich der in Mexiko spielenden Szenen, die fast ausschließlich auf Spanisch sind (keine Angst, Untertietel schaffen Abhilfe). Im Gegensatz dazu wird in einem sterilen Blauton gezeigt, wie verwöhnte amerikanische Jugendliche die Langeweile auf illegale Art und Weise bekämpfen.
Bemerkenswert ist dabei auch der Schnitt (Stephen Mirrione erhielt nicht umsonst die Trophäe), der den Wechsel von einer Szene zur nächsten mal langsam verlaufen lässt und mal zwischen mexikanischem und amerikanischem Schauplatz rapide hin und her springen lässt. Um keine Verwirrung aufkommen zu lassen, wird anfangs durch Einblendung des jeweiligen Drehortes dem Zuschauer erleichtert, der Handlung zu folgen, was meiner Meinung nach sehr gut klappt.


Schauspieler:
* * * * * * * * *

Benicio Del Toro hat sich seinen Oscar als bester Nebendarsteller redlich verdient. Die Rolle des kleinen mexikanischen Polizisten Javier nimmt man ihm jede Sekunde voll ab. Er schafft es durch sein toughes und dennoch einfühlsames und intelligentes Auftreten, Javier zum eigentlichen Helden des Films werden zu lassen. Ich zumindest habe am meisten mit dieser Figur mitgefiebert.
Wenngleich Michael Douglas die Situation des besorgten Familienvaters, der in der Öffentlichkeit seine persönlichen Probleme verbergen muss um glaubwürdig zu bleiben, ebenso brilliant darstellt. Beeindruckend ist, wie ihm bei einem Vortrag über Drogenbekämpfungsmaßnahmen klar wird, welche Rolle die Familie bei diesem Vorhaben spielt.
Douglas` Ehefrau Catherine Zeta-Jones mimt nicht nur die reiche, sensible Mutter sehr überzeugend, sondern auch die plötzlich vom Drogengeschäft betroffene Verbrecherin. Nach weniger anspruchsvollen Rollen, kann sie hier ihr Talent endlich unter Beweis stellen.


Fazit:
* * * *

Selten habe ich einen Film gesehen, der über immerhin ganze 143 Minuten keine Spur von Langeweile aufkommen lässt. Keine Szene ist zu langatmig, sondern erhält die Spannung bis zum Schluss. Schonungslos, aber ohne eine allzu große Fülle an Gewalt- und Actionszenen, bekommt man in „Traffic“ die verschieden Perspektiven des eng verwobenen Drogennetzes vor Augen geführt. Auf Hollywood-Kitsch wird weitestgehend verzichtet. Selbst der Vortrag von Wakefield kommt nicht mit der Moralkeule daher, sondern stimmt einfach nachdenklich. Betroffen macht vor allem natürlich das Schicksal seiner Tochter, die von der Drogensucht in die Prostitution getrieben wird. Die Szenen im Ghetto sind richtig schockierend.

Der vierte Oscar ging übrigens an Drehbuchautor Stephen Gaghan, der sich die TV-Serie „Traffik“ von Simon Moore zum Vorbild nahm. Die spannende Story berechtigt diese Auszeichnung auf jeden Fall.
Dass die Altersfreigabe bei 16 Jahren liegt, ist verständlich, denn die Folterszenen, in denen in Mexiko Beteiligte am Drogengeschäft von General Salazar zur Aussage gezwungen werden, sind schon recht brutal, kommen aber glücklicherweise nicht allzu oft vor.
Als einer meiner absoluten Lieblingsfilme hat „Traffic“ locker die Bestnote verdient.

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • liiiiindaaaaa

    29.03.2006, 17:03 Uhr von liiiiindaaaaa
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich...über gegenlesungen würde ich mich freuen;)