Die Waldgräfin (Taschenbuch) / Dagmar Trodler Testbericht
ab 9,48 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2005
Auf yopi.de gelistet seit 06/2005
Erfahrungsbericht von Geisha_X
Unverklärter Blick ins Mittelalter
Pro:
ungewöhnliches Setting, historisch glaubwürdig, einfühlsam, romantisch
Kontra:
Gewalt & Grausamkeiten werden sehr unverblümt dargestellt, viel Latein u. Beten
Empfehlung:
Ja
Als begeisterte Leserin historischer Romane habe ich mich auf dieses Erstwerk einer deutschen Autorin lange gefreut und jetzt bei Erscheinen der Taschenbuchausgabe zugeschlagen. Okay, mit 9,90 Euro liegt diese Ausgabe von Blanvalet noch etwas über dem Schnitt anderer Taschenbücher, doch mit über 600 Seiten kriegt der Leser ja auch jede Menge Buch für sein Geld und eine spannende Story:
Handlung & Personen des Buches
------------------------------
Alienor, die Tochter eines Grafen in der deutschen Eifel bekommt im Jahre 1066 von ihrem Vater einen gefangenen Wilderer als Sklaven geschenkt und soll als Gegenleistung seinen Namen und seine Herkunft herausfinden. Alienor selbst ist es, die erkennt, daß ihm Unrecht angetan wurde und daß es an ihr liegt, dies wieder zu berichtigen. Dabei steht ihr allerdings ihr Glaube im Weg, denn der Fremde ist kein Christ.
Alienors Welt wird beherrscht von ihrem Vater, der Kirche und dem beengten Leben auf einer zugigen Burg, auf der es keine Geheimnisse gibt, jeder über jeden spekuliert. In unterschiedliche Richtungen getrieben von dem eigenen Gewissen, ihrem Sinn für Ehre,Recht und Gerechtigkeit, einer kriegerischen Auseinandersetzung ihrer Familie mit den Bewohnern der angrenzenden Ländereien, ihrem Widerwillen gegen eine ungewünschte Hochzeit, ihrer ungern gesehen Freundschaft mit einem jüdischen Arzt und nicht zuletzt von ihren Gefühlen muß Alienor einen Weg finden, ihn und sich selbst zu befreien. Natürlich gibt es auch eine unvermeidliche Liebesgeschichte, die einer, wenn nicht sogar DER zentrale Punkt der Geschichte ist. Mehr will ich hier nicht verraten, um Euch den Lesespaß nicht zu verderben.
Noch ein paar Worte zu den beiden Hauptfiguren: Alienor ist eine für ihre Zeit starke Frau, doch nicht übertrieben so, ihr anfängliches Vertrauen in die Kirche und die Obrigkeit, die beiden auf den modernen Leser leicht überholt wirken können, sind für mich ein großes Argument ihrer historischen Glaubwürdigkeit. Mit ihrem männlichen Gegenstück hat Dagmar Trodler einen beeindruckenden Alpha-Helden geschaffen, also nicht nur wirklich lecker *g* - sondern auch mit charakterlicher Tiefe.
Autorin & Schreibstil & Recherche
---------------------------------
Die Autorin, die selbst aus der Eifel stammt, hat für meine laienhaften Kenntnisse diese Geschichte sehr gut recherchiert und entführt den Leser in ein Mittelalter, daß der Wirklichkeit eher entsprechen dürfte, als so mancher heroische Ritter-Roman. Der Leser erfährt, wie wenig eine Frau dieser Zeit wirklich zu melden hatte und wie unfassbar groß der Einfluß der Kirche und der Konventionen war.
Der Schreibstil der Autorin ist für ein Buch, daß in dieser Zeit handelt angemessen. Es kommt viel Latein vor, aber so war das ja wohl auch. Auf jeden Fall gewarnt werden muß auch vor den zum Teil grausamen und blutigen Beschreibungen, die in dem Buch vorkommen (Folter, Kampf, Wasserprobe, Krankheiten ...), die zumindest für mich aber das Buch gerade zu dem machen, was es ist - eben kein beschönigtes Büchlein, in dem Edeldamen und Ritter gesittet miteinander verkehren, sondern ein deftiges, rauhes Buch.
Gleichzeitig fällt es mir schwer den Roman einzuordnen. Das romantische Thema der Liebesgeschichte überwiegt so sehr in dem Roman, daß er für mich als historischer Roman nicht richtig eingeordnet wäre, andererseits sind Thema, geschichtliche Glaubwürdigkeit und Setting für eine Einordnung als \"historischer Liebesroman\" zu untypisch und auch zu gut ausgearbeitet. Der Roman ist eindeutig ein Zwischending aus diesen beiden. Wer entweder nur einen historischen Roman erwartet und keine Liebesromane mag, dürfte enttäuscht werden. Wer sich lediglich auf einen gefälligen historischen Liebesroman eingstellt hat, könnte einen Schock bekommen.
Leseprobe
---------
... Noch nie hatte ich eines von Vaters Opfern so nahe vor mir gehabt, hatte mich - anders als Mutter - immer geweigert, die Auswüchse seines Rechtsempfindens zur Kenntnis zu nehmen. Und nun stand ich vor diesem Elend und rang um Fassung. Das war nicht recht. Was immer dieser Mann verbrochen haben mochte, solche Quälerei konnte Gott nicht gutheißen ... Mit dem Fuß schob ich den Weinkrug noch ein Stück näher und nickte ihm zu. Nimm schon. Schwerfällig wie ein alter Mann versuchter er daraufhin, seine kauernde Haltung auf dem Boden zu verändern. Die Pastete rutschte aus seinen kraftlosen Händen. Eine Ratte kam aus dem Dunkel hervor und wollte die Beute schon davonschleppen, da warf er sich mit einem Laut der Verzweiflung über das Almosen und schlug nach dem Tier, hieb mit der flachen Hand auf den Boden, dass es klatschte, wieder und wieder, bis er ermattet liegen blieb. Ich sah die Augen der Ratte heimtückisch aufglänzen, als sie floh. Grauen stieg mir wie ein Tier mit spitzen Klauen den Rücken hoch. (S. 27)
Mein Urteil
-----------
Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase riss mich die spannende Story mit und ließ mich in ein anderes Zeitalter eintauchen. Durch die \"Härte\" der Geschichte wirkt das Buch auf mich sehr realistisch und unverblümt, was mir gut gefiel. Umso mehr hat mich die Geschichte dadurch angerührt und bewegt. Die Spannung wurde das ganze Buch über aufrecht erhalten. Alienor und ihr männliches Gegenstück hinterlassen eine tiefe Beeindruckung. Mein Lob an die Autorin - ein solches Erstlingswerk findet man selten.
Das glückliche aber doch offene Ende deutet schon an, daß die Autorin auch eine Fortsetzung zu der Geschichte geschrieben hat, die unter dem Titel \"Freyas Töchter\" erschienen ist, bisher aber nur gebunden.
Handlung & Personen des Buches
------------------------------
Alienor, die Tochter eines Grafen in der deutschen Eifel bekommt im Jahre 1066 von ihrem Vater einen gefangenen Wilderer als Sklaven geschenkt und soll als Gegenleistung seinen Namen und seine Herkunft herausfinden. Alienor selbst ist es, die erkennt, daß ihm Unrecht angetan wurde und daß es an ihr liegt, dies wieder zu berichtigen. Dabei steht ihr allerdings ihr Glaube im Weg, denn der Fremde ist kein Christ.
Alienors Welt wird beherrscht von ihrem Vater, der Kirche und dem beengten Leben auf einer zugigen Burg, auf der es keine Geheimnisse gibt, jeder über jeden spekuliert. In unterschiedliche Richtungen getrieben von dem eigenen Gewissen, ihrem Sinn für Ehre,Recht und Gerechtigkeit, einer kriegerischen Auseinandersetzung ihrer Familie mit den Bewohnern der angrenzenden Ländereien, ihrem Widerwillen gegen eine ungewünschte Hochzeit, ihrer ungern gesehen Freundschaft mit einem jüdischen Arzt und nicht zuletzt von ihren Gefühlen muß Alienor einen Weg finden, ihn und sich selbst zu befreien. Natürlich gibt es auch eine unvermeidliche Liebesgeschichte, die einer, wenn nicht sogar DER zentrale Punkt der Geschichte ist. Mehr will ich hier nicht verraten, um Euch den Lesespaß nicht zu verderben.
Noch ein paar Worte zu den beiden Hauptfiguren: Alienor ist eine für ihre Zeit starke Frau, doch nicht übertrieben so, ihr anfängliches Vertrauen in die Kirche und die Obrigkeit, die beiden auf den modernen Leser leicht überholt wirken können, sind für mich ein großes Argument ihrer historischen Glaubwürdigkeit. Mit ihrem männlichen Gegenstück hat Dagmar Trodler einen beeindruckenden Alpha-Helden geschaffen, also nicht nur wirklich lecker *g* - sondern auch mit charakterlicher Tiefe.
Autorin & Schreibstil & Recherche
---------------------------------
Die Autorin, die selbst aus der Eifel stammt, hat für meine laienhaften Kenntnisse diese Geschichte sehr gut recherchiert und entführt den Leser in ein Mittelalter, daß der Wirklichkeit eher entsprechen dürfte, als so mancher heroische Ritter-Roman. Der Leser erfährt, wie wenig eine Frau dieser Zeit wirklich zu melden hatte und wie unfassbar groß der Einfluß der Kirche und der Konventionen war.
Der Schreibstil der Autorin ist für ein Buch, daß in dieser Zeit handelt angemessen. Es kommt viel Latein vor, aber so war das ja wohl auch. Auf jeden Fall gewarnt werden muß auch vor den zum Teil grausamen und blutigen Beschreibungen, die in dem Buch vorkommen (Folter, Kampf, Wasserprobe, Krankheiten ...), die zumindest für mich aber das Buch gerade zu dem machen, was es ist - eben kein beschönigtes Büchlein, in dem Edeldamen und Ritter gesittet miteinander verkehren, sondern ein deftiges, rauhes Buch.
Gleichzeitig fällt es mir schwer den Roman einzuordnen. Das romantische Thema der Liebesgeschichte überwiegt so sehr in dem Roman, daß er für mich als historischer Roman nicht richtig eingeordnet wäre, andererseits sind Thema, geschichtliche Glaubwürdigkeit und Setting für eine Einordnung als \"historischer Liebesroman\" zu untypisch und auch zu gut ausgearbeitet. Der Roman ist eindeutig ein Zwischending aus diesen beiden. Wer entweder nur einen historischen Roman erwartet und keine Liebesromane mag, dürfte enttäuscht werden. Wer sich lediglich auf einen gefälligen historischen Liebesroman eingstellt hat, könnte einen Schock bekommen.
Leseprobe
---------
... Noch nie hatte ich eines von Vaters Opfern so nahe vor mir gehabt, hatte mich - anders als Mutter - immer geweigert, die Auswüchse seines Rechtsempfindens zur Kenntnis zu nehmen. Und nun stand ich vor diesem Elend und rang um Fassung. Das war nicht recht. Was immer dieser Mann verbrochen haben mochte, solche Quälerei konnte Gott nicht gutheißen ... Mit dem Fuß schob ich den Weinkrug noch ein Stück näher und nickte ihm zu. Nimm schon. Schwerfällig wie ein alter Mann versuchter er daraufhin, seine kauernde Haltung auf dem Boden zu verändern. Die Pastete rutschte aus seinen kraftlosen Händen. Eine Ratte kam aus dem Dunkel hervor und wollte die Beute schon davonschleppen, da warf er sich mit einem Laut der Verzweiflung über das Almosen und schlug nach dem Tier, hieb mit der flachen Hand auf den Boden, dass es klatschte, wieder und wieder, bis er ermattet liegen blieb. Ich sah die Augen der Ratte heimtückisch aufglänzen, als sie floh. Grauen stieg mir wie ein Tier mit spitzen Klauen den Rücken hoch. (S. 27)
Mein Urteil
-----------
Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase riss mich die spannende Story mit und ließ mich in ein anderes Zeitalter eintauchen. Durch die \"Härte\" der Geschichte wirkt das Buch auf mich sehr realistisch und unverblümt, was mir gut gefiel. Umso mehr hat mich die Geschichte dadurch angerührt und bewegt. Die Spannung wurde das ganze Buch über aufrecht erhalten. Alienor und ihr männliches Gegenstück hinterlassen eine tiefe Beeindruckung. Mein Lob an die Autorin - ein solches Erstlingswerk findet man selten.
Das glückliche aber doch offene Ende deutet schon an, daß die Autorin auch eine Fortsetzung zu der Geschichte geschrieben hat, die unter dem Titel \"Freyas Töchter\" erschienen ist, bisher aber nur gebunden.
30 Bewertungen, 1 Kommentar
-
08.02.2007, 21:04 Uhr von evaachenbach
Bewertung: sehr hilfreichlg eva
Bewerten / Kommentar schreiben