Tubular Bells - Mike Oldfield Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von Lamertien

Tubular Bells - Glocken für die Ewigkeit??

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Diesesmal möchte ich euch einen weiteren Klassiker der Rockmusik näher bringen - ein \"Fast\"-Meilenstein der Musikgeschichte - \"Tubular Bells\" ein Instrumental-Rock-Werk erster Güte!

Person hinter all dem ist Mike Oldfield, der mit diesem Album sein Debütalbum und wohl zugleich auch sein erfolgreichstes Album in den Musikmarkt gebracht hat. Es ist schon sehr ungewöhnlich, daß ein Album, das nur 2! Musiktitel enthält, dermaßen überraschend und erfolgreich sein konnte und sogar in die Single!Charts gelangte (TB Part One - ein 25-Minuten Stück!). Aber auf diesem Album ist eh (fast) alles ungewöhnlich - nun gut - man kann nicht leugnen, daß es keine Musik wäre, doch es ist deutlich andere Musik, als man es zu heutigen Zeiten zumeist gewöhnt ist.

Wer es etwas verträumt, leicht und experimentell mag, und auch nichts gegen Folk, Folklore und kurzen Rockpassagen einzuwenden hat, der liegt mit diesem Album genau richtig; doch Vorsicht! Auch wenn diese Musik rein Instrumental ist - zum Entspannen sind nicht alle Musikstellen geeignet, hier darf man also nicht denken, daß die Musik vor sich hin plätschern würde. Bevor es zu der Musik selbst geht, noch etwas biographisches und zur Aufnahme selbst:


ZUR PRODUKTION:
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Die Art und Weise, wie dieses Album entstanden ist, ist ziemlich ungewöhnlich und zeigt, daß selbst ein Künstler wie Mike Oldfield es mehr als nur schwer hatte, bekannt zu werden.
Im Grunde hatte Multi-Instrumenatlist Mike Oldfield sich 7! Monate in seinem stillen Kämmerchen zurückgezogen und endlos lange schon an verschiedenen Melodien und Klängen gewerkelt; er war zu diesem Zeitpunkt um die 20 und verbrachte seine ganze Freizeit zum Gitarren- und Instrumente üben; in diesen 7 Monaten entwickelte er seine eigene Spieltechnik und erfand kleinere Instrumentals - Instrumentals die später das Gerüst für sein \"Tubular Bells\" werden sollten. Nachdem er endlich ein Demotape fertiggestellt hatte, zog er aus zu fast allen Plattenfirmen. Mike Oldfield hatte die Hoffnungen schon fast aufgegeben - aufgrund des für diese Zeit unkonventionellen Musikstils hielten ihn die Plattenfirmen für völlig verrückt. Eine Plattenfirma meinte dann \"Gib uns dazu nen Text und ne Gesangsmelodie und du bekommst 20000$\", doch Mike Oldfield ließ sich nicht beirren und versuchte es weiter - Virgin Records blieb noch aus: Er drang ins Tonstudio und hielt dem damaligen Engineer Tom Newman sein Tape unter die Nase und sagte: \"Hör dir das an, das ist von mir - es ist wirklich wirklich gut!\"Newman dachte, einen Irren oder halb besoffenen vor sich zu haben und wimmelte ihn ab: \"Okay - ich hör mir das später mal an, aber nun hau ab..!\" Es geschah nichts, bis Mike Oldfield einige Tage später erneut aufkreuzte: \"Haben Sie sich das noch nicht angehört??\" - \"Oh, sorry - leider nein - hatte ich vergessen.\" In der Hoffnung, ihn loszuwerden legte er schnell das Tape ein -
Er war derart verzaubert, daß er sich das Tape immer und immer wieder anhören mußte - 5 Stunden lang!
Doch bei Virgin Records war noch alles im Aufbau - das Aufnahmestudio \"The Manor\" war das erste häusliche Aufnahmestudio in England und noch eine Menge Dinge mußten eingerichtet werden, bevor man ernsthafte Aunahmen starten konnte - Mike Oldfield bot sich an und half mit; eines Tages war es soweit; die Aufnahme konnte endlich beginnen - aber es sollte recht ungewöhnlich sein: denn bis auf Flöte, Schlagzeug und ein paar Frauenchorstimmen spielte Mike Oldfield JEDES Instrument selbst; 20 verschiedene Instrumente kann man in diesem Album entdecken:

Konzertflügel, Glockenspiel, Farfisa-Orgel, E-Bass, Electric-Guitar, Speed-Guitar, spezielle Bandeffekte, Mandoline, Fuzz-Guitar, Percussion, Acoustic-Guitar, Flageolet, Honky-Tonk-Piano, Lowrey-Orgel, Piltdown Man, Konzertpauken, Dudelsack, Hammond-Orgel, Spanish-Guitar und die berühmten Tubular-Bells (Glocken)

Diese Instrumente alle beherrschen zu können beweist, was für ein Künstler Mike Oldfield sein muß. Über 2000! Overdubs (Aufnahmeversuche) wurden gemacht um alles so perfekt wie möglich hinzubekommen.

Aber es gibt noch eine weitere Anekdote:
Wer sich immer gefragt hat, wer diese Stimme ist ist, der zu Ende von Part One all die Instrumente ansagt:
Mike Oldfield hatte plötzlich eine interessante Idee - eine Stimme, die die einsteigenden Instrumente ansagt, würde bestimmt noch eine weitere Würze hineinbringen. Er fragte Viv Stanshall, ein Mitglied der \"Bonzo Dog Band\", die zum damaligen Zeitpunkt in dem anderen Studio war, ob er kurz mal mitkäme und ihm sagen köntne, welche Instrumente hier so alle rumständen. Er betrat also den Raum, zeigte mit seinem Finger auf all die ganzen Instrumente und benannte eines nach dem anderen. Mike Oldfield zeichnete seine Stimme mit auf, Stanshall verließ wieder den Raum, und der Gag war gelungen.


ZUR MUSIK:
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Wie schon gesagt, sind auf dieser CD nur 2! Tracks.
01 - Part One (25:36)
02 - Part Two (23:21)

Part One beginnt zunächst sehr schwebend, astral und sphärisch. Das holperige Klaviermotiv dürfte wohl einigen sehr bekannt vorkommen - immer wieder ist es von anderen Künstlern gecovert oder sogar als Filmmusik entfremdet worden (bekanntestes Beispiel: Der Exorzist!). Verblüffend ist, daß es trotz eines völlig chaotisch ungeraden Taktes spielend leicht schwingt und überhaupt nicht irgendwie störend wirkt.
Im Gegensatz zu anderen Stücken ist hier alles etwas länger - das Motiv bleibt mehrere Minuten! lang bestehen, und langsam setzen andere Instrumente, wie Akustikgitarre, Bassguitare, Flöte mehr oder weniger sporadisch ein - was folgt sind zahlreiche Variationen des Eingangsthemas und immer wieder andere verschiedene Instrumentenkonstellationen, die nach ca. 9 Minuten zu einem ersten großen Höhepunkt münden.
Himmel! Es ist wirklich mehr als nur schwer, ein solches Werk zu beschreiben, das so komplex ist wie dieses - um es etwas einfach zu schreiben und etwas abzukürzen: der zweite etwas längere Teil ist etwas romantischer und nicht mehr ganz so sphärisch wie der erste - plötzlich gibt es eine kleine Grunge-Einlage mit diesem doch sehr charakteristischen Geschrädder - aber eben NUR mit Gitarre - Bass und Schlagzeug fehlt hier bei. Nach diesen kleineren Ausbrüchen wird es wieder ruhiger und ein Baßlauf bereitet das imposante über 6 Minuten lange Finale vor: der Basslauf und sämtliche anderen eintretende Stimmen bleiben bis zum Ende bestehen. Es werden alle zur Verfügung stehenden 16 Spuren ausgereizt und schließlich ist es so weit - nachdem fast alle Instrumente erklingen, kommen die \"Tubular Bells\" hinzu - pompös und majestätisch; einfach perfekt arrangiert.

Part Two ist ebenso gut, und ich muß zugeben, daß ich part two noch schöner als part one finde: Vor allem der Anfang ist hier so schön ruhig und melodisch, daß man einerseits denkt, man könnte vor einem warmen knisternden Kaminfeuer sitzen, draußen den Regen beobachten, oder gerade frisch verliebt mit auf-Wolke-7-schwebenden Gedanken durch die Gegend wandern, ohne die Umwelt um sich herum richtig wahrzunehmen.
Besonders ergreifend finde ich hier die Stellen mit der Mandoline und den sanften Frauenchoralstimmen (die aber trotzdem keinen richtigen Text singen); diese \"Knuddel\"-Stimmung hält ca. 10 Minuten an - dann wird es etwas mittelalterlicher und wie fast in der Braveheart-Filmmusik bestimmen plötzlich tiefe Konzertpauken den Rhythmus - das Flötenspiel und die anderen Instrumente sorgen übrigens dafür, daß es so mittelalterlich klingt
Plötzlich kracht alles musikalisch zusammen: Kompletter Stilwechsel vom Mittelalter zum Rock - das verblüffendste und verrückteste ist hier Mike Oldfields Stimme - der Text (oder eher das Gerülpse, Gegröle und Gejaule) klingt mehr als nur abgedreht - ich weiß nicht recht, aber vielleicht ist es sogar ein Rückwärtstext: Jedenfalls klingt das etwa so: \"Schuckutuach-doch-nktuwau,....\" vor allem der Refrain wird da etwas wilder - vom Gegröle her klingt es schon fast wie bei Sepultura und Megadeth - anschließend wird es zu Wolfsgeheule!! Etwas später nach einem wirklich schönen Oldfield-typischen Gitarrensolo wiederholen sich diese beiden Teile.
Nach etwa 4 einhalb Minuten ist dieser \"Wolfs-Rock\" auch schon wieder zu Ende - sanfte schwebende Orgelklänge geben wieder Zeit zum Luftholen - insgesamt war dieser Zwischenteil gerade eben doch mehr als nur plötzlich! Ganz minimal erinnert mich dieser ruhige Zwischenteil auch an typische Pink Floyd Sounds - aber das Gitarrenspiel ist und bleibt eben unverkennbar Mike Oldfield. Plötzlich beginnt der Schlußteil - wie ein schnelles Folklore-Stück tanzt der Song zu Ende - nach der ungefähr 8ten Wiederholung ist Schluß, doch inzwischen ist es immer schneller geworden (bis hin zum presto) und so sinkt man, sollte man mit getanzt haben, nun völlig erschöpft mit einem Drehwurm im Kopf zu Boden.


SONSTIGE INFOS:
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An dieser Stelle möchte ich noch etwas wichtiges ansprechen:
\"Tubular Bells\" existiert in zahlreichen Versionen - Tubular Bells II, Tubular Bells III, und The Orchestral Tubular Bells sind meines Erachtens nur Versuche, mit diesem genialen Album noch einmal schnelles Geld zu machen . Sie reichen in keinerlei Hinsicht an das Original aus dem Jahre 1973 heran - Vor allem \"The Orchestral Tubular Bells\" klingt völlig verweichlicht, und kitschig überzogen - Diese Fassungen kann ich keienswegs empfehlen. Anderen Meinungen zufolge sollen jedoch diese Alben eine deutlich bessere Klangqualität haben - hier kann ich direkt einmal Entwarnung geben - auf meiner Ausgabe finde ich den Klang wirklich zufriedenstellend - Aussetzer und ähnliches höre ich da nicht!

Hier empfehle ich auf jeden Fall diese Ausgabe:
Tubular Bells - Remastered - 25th Anniversary Edition / Mike Oldfield
Virgin Records - CDVX 2001 - 7243 8 45658 2 4
Diese Version gibt es in einer speziellen \"Limited Edition\" mit einer 24-Karat-Gold-CD.
Das erfreuliche ist: Der Preis ist dadurch nicht anders! Statt eines typischen Jewelcase befindet dich die CD in einem Hardcover-Band - ein Buch in CD-Größe, das 32 Seiten lang Photos und Texte über die Produktion dieses Albums bringt.

Ein gelungener Gag der damaligen Zeit ist ebenfalls mit aufgeführt:
\"This stereo record cannot be played on old tin boxes no matter what they are fitted with. If you are in posession of such equipment please hand it into the nearest police station.\"


FAZIT:
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Dieses Album ist bist zur heutigen Zeit ein Bestseller und liefert selten gehörte zeitlose Musik. Musik, die fernab des typischen Mainstreams steht und Musik die fernab des typischen Rockgeschehens steht. Wer ständiges Schlagzeug und normale 4/4-Takt Beats hören muß, der wird mit diesem Album seine Probleme haben; man darf auch nicht kritisieren, daß viele Abschnitte etwas inhaltslos zusammenplaziert wurden - denn gerade diese Vielfalt macht \"Tubular Bells\" ja aus - es ist endlich einmal NICHT dieser typische Larifari, der heutzutage durch die Radio- und Fernsehsender dröhnt. Obwohl es insgesamt sehr erfolgreich geworden ist, ist es dennoch äußerst unkommerziell - ich kann ja damit leben, die Frage ist, wie das andere sehen?
Alle anderen kann ich nur sagen: Dieses Album ist ein einmaliges und auch wichtiges Werk der Rockgeschichte. Genau wie die Beatles, Pink Floyd und einige andere wenigen Gruppen gehört dieses Album in jede gut sortierte CD-Sammlung. Es bleibt ein Werk, das man auch durch x-fache Remakes eben nicht besser, sondern nur noch schlechter machen kann.

Viel Spaß beim Hören!

© Lamertien@YOPI@DOOYOO, Musicus@CIAO, Christoph Harmuth

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