Erfahrungsbericht von Audiomanic
Mein Hobby der Diskus
Pro:
Teuer in Anschaffung und Unterhaltung
Kontra:
Macht unheimlich viel Spass
Empfehlung:
Ja
besonders möchte ich heute die Aquarianer unter Euch begrüßen, denn genau darum geht es im heutigen Bericht.
Ich habe schon mit 6 Jahren begonnen, mich für die Aquaristik zu begeistern. Damals hatte ich ein kleines 60 Liter Aquarium mit Guppys und Black Mollis.
Mein Vater hat mich seiner Zeit damit infiziert und es hat mich bis heute nicht losgelassen.
Sicherlich hatte ich in meiner Teenagerzeit zeitweise andere Vorlieben, aber mit etwa 20 Jahren habe ich dieses Schöne Hobby wieder entdeckt.
Summa Summarum bin ich abzüglich der Unterbrechung nun schon fast 20 Jahre lang Aquarianer.
Ich weis, einige von Euch werden verblüfft sein und dies von mir gar nicht erwarten. Mein anderes Hobby, die Gitarre, passt wohl besser zu mir! ;o)))
Bei meinem Wiedereinstieg in die Aquaristik mit etwa 20 jahren, packte mich der Ergeiz und ich wollte unbedingt den König der Aquaristik pflegen und nachzüchten.
Der Diskus (Symphysodon aequifasciatus discus):
------------------------------------------------------------
Kommt ausschließlich in Südamerika vor und lebt dort in den Seitenarmen der Amazonas. Zum Beispiel vorwiegend im Rio Negro.
In den letzten Jahren hat sich der Diskus zu einem beliebten Aquariumsfisch gemausert, der heute häufiger anzutreffen ist als noch vor 5 Jahren.
Dennoch wird die Pflege dieses Fisches sehr unterschätzt. So lese ich in vielen speziellen Diskusforen immer und immer wieder von den selben Problemen.
- Mein Diskus atmet zu schnell
- Mein Diskus steht nur in der Ecke und frisst kaum
- Mein Diskus hat eine sehr dunkle Grundfarbe
Das sind alles Probleme, die sehr häufig vorkommen und von einer schlechten Haltung kommen. Oftmals wird auch der Fehler gemacht, dass diese schönen Fische im Zoofachhandel gekauft werden, bei denen die Qualität meist sehr schlecht ist.
Anfänglich hatte ich genau diese Probleme auch, später jedoch mit etwas Erfahrung, schaffte ich sogar die Zucht.
Ein Interessantes Schauspiel den Tieren bei der „Paarung“ und Aufzucht ihrer jungen zuzusehen.
Das besondere an der Aufzucht ist, dass die jungen Diskus die ersten Tage fest am Substrat klebend, als Eier ausharren müssen. Nach einigen Tagen beginnen sie zu schlüpfen, kleben aber noch immer mit am Kopf befindlichen Haftdrüsen am Substrat. Löst sich einer vom Substrat, sind Vater- und Muttertier sehr bemüht die jungen einzusammeln, im Maul kurz durchzukauen und wieder an das Substrat zu spuken, am dem sie erstaunlicherweise wieder hängen bleiben.
Aber auch diese Zeit geht vorüber und die Jungdiskus schwimmen als kleine zappelnde Fischlarven im Aquarium umher. Erstaunlich dabei ist, dass sie nie die näher der Elterntiere verlieren, denn von denen müssen sie sich ernähren.
Aber sie saugen keine Milch und die Elterntiere gehen für die jungen auch nicht auf Jagt.
Die Jungtiere ernähren sich leicht Vampiristisch und schmarotzerisch von der Haut der Elterntieren. Dazu schwillt die obere Schicht der Epidermis der Elterntiere an und bildet eine Art Hautsekret, welches die Jungfische mit ihren kleinen Zähnchen fassen und Stückweise herausreisen.
Dies darf man sich aber nicht so vorstellen, dass die Elterntiere dann mit großen Löchern herumschwimmen. Diese herausgebissenen Stücke sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann.
Der Diskus ist in der gesamten Fischwelt der einzige Fisch, der seine Nachkommen so aufzieht.
Ein Diskus ist aber auch teuer. Ein einzelner gut gewachsener und gut konditionierter Diskus kann unter Umständen 100-200 EUR kosten.
Ein gut harmonisierendes Zuchtpaar ein Vielfaches.
Ich musste vor einigen Jahren einmal aus Platzgründen ein Zuchtpaar abgeben, welches ich für knapp 700,- EUR abgeben konnte.
Hier spielt natürlich die Größe der Tiere und die erfolgreich aufgezogenen Nachzuchten eine große Rolle.
Dieses Paar schaffte nicht selten Nachkommen und die 300 Stück.
Um solche Fisch zu haben und auch zu behalten braucht es schon eine Menge Wissen, Erfahrung, Zeit und Geduld.
Das Wasser muss genau stimmen.
(Für die Aquarianer unter Euch)
-PH um 5
-KH nicht messbar
-GH nicht messbar
-N03 weit unter 10mg/l (am besten auch nicht messbar)
Um ein solches Wasser in NRW herstellen zu können, habe ich viel Geld auf den Tisch gelegt.
Ersten musste das Wasser weicher werden.
Dazu habe ich mir eine große Vollentsalzungsanlage angeschafft.
Damit einhergehend muss der in NRW viel zu hohe PH Wert des Leitungswassers herunter geregelt werden.
Um das gute Wasser im Aquarium immer im Blick zu haben, habe ich mir elektronische Messgeräte angeschafft, die permanent die wichtigsten Wasserwerte messen.
Ebenfall wichtig ist eine sehr gut funktionierende Filterung.
Das geht nicht mit kleinen Innenfiltern, die man meist in heimischen Aquarien antrifft, sondern man muss mehrfach filtern.
Das heist:
- Es muss eine N03 Filterung her. N03 ist übrigens der Wert, der die Verschmutzung des Wassers duch Kot, absterbende Pflanzenreste und Urin bestimmt. (Ja auch Fische urinieren.)
- Es muss biologisch und auch
- mechanisch gefiltert werden.
Es werden dazu im Zoofachgeschäft sehr teure Komplettfilter angeboten, aber diese Versprechen mehr als sie leisten.
Auch nicht zu vernachlässigen ist die Größe des Beckens.
Ich möchte keinem raten sich einen Schwarm Diskus unter 10 Tieren zu kaufen. Der Diskus ist ein Schwarmfisch, der die Gesellschaft liebt und gerade als Jungtier in einer Gruppe von vielleicht nur 5 oder 6 Tieren einfach zu schnell schreckhaft wird und durch diesen ausgelösten Stress anfällig gegen Krankheiten wird.
500 Liter sind hier mindestens anzuschaffen. Ich habe mich damals für einen Kubus 90x90x90cm (länge x höhe x breite) entschieden, der knapp 730 Liter fasst.
Für Nachzuchten müssen weitere Zuchbecken angeschafft werden, die
1. separat gefiltert werden müssen und
2. auch nicht unbedingt gleich neben dem Schaubecken stehen sollten.
Diese Zuchtbecken sollten vorzugsweise quatratisch sein und das Maß 50x50x50 nicht unterschreiten. Immerhin muss hier anfänglich das Zuchtpaar mit allen Nachkommen unterkommen.
Die Filterung ist hier nicht so extrem wichtig. Hier tut es ein luftbetriebener Schwammfilter. Dafür muss aber regelmäßig mit sehr weichem Wasser, welches über den Vollentsalzer hergestellt werden muss, Wasser gewechselt werden. Unter Umständen sogar täglich.
Man sollte sich also wirklich überlegen, solche Fisch anzuschaffen.
Kuzes Fazit:
--------------
Die Anschaffung der Fische und Technik ist sehr teuer, die Unterhaltung der Becken meist noch teuer. Dafür belöhnt dieser Fisch seinen Pfleger mit viel Spass an der Aquaristik, unglaublich viel Ruhe und königliche Elleganz.
Mein Tip:
-----------
Die Haltung, geschwige denn die Zucht, wird keinem beim ersten Versuch gelingen. Daher sollte nicht zu schnell die Flinte ins Korn geworfen werden.
Kauft Euch keine Diskus im Zoofachgeschäft, fahrt lieber viele Km bis zum nächsten Züchter. Aber auch nicht alle Züchter sind seriös!!! Man sollte sich mindestens 10 Züchter ansehen. Und beim Züchter immer darauf bestehen, auch das Elternpaar besichtigen zu können. Ein Züchter der nichts zu verbergen hat, wird Euch den Wunsch gewähren.
Nachwort:
------------
Mittlerweile habe ich alle meine Diskus verkauft. Ich kann mich heute nicht mehr auf diesem Markt halten, indem Asiatische Hochzuchten mehr Ansehen haben als ein Diskus, der naturfarben ist, kerngesund und wohlgenährt.
Der Boom zu den Asiatischen Zuchtfarben verdrängt den kleinen Züchter, der seine Jungdiskus für jämmerliche 5 EUR pro Stück abgeben muss, die in der Zeit des Auswuchses viele einige hundert EUR verschlingt.
Hier stimmt dann das Verhältnis zwischen Leistung und Preis einfach nicht mehr.
Ich frage mich wie dumm der Mensch heute ist, der er sich lieber einen Asiatischen Import anschafft, der voller Antibiotika und Parasiten ist, vielleicht sehr farbenfroh, aber auch keine lange Lebenserwartung hat.
Da sollten doch 30,- EUR für eine deutsche Nachzucht besser angelegt sein.
In diesem Sinne wie immer...
LG, Jens
25 Bewertungen, 5 Kommentare
-
21.04.2005, 11:54 Uhr von plötzlichpapa
Bewertung: sehr hilfreichgesehen. In einem Seitenfluss des Orinocko. Das war ein tolles Erlebnis.
-
15.04.2005, 01:41 Uhr von Rosensammlerin
Bewertung: sehr hilfreichHallo Jens, leider musste ich ähnliche Erfahrungen machen. Ich bin inzwischen ca. 40 Jahre Aquarianerin, wurde auch von meinem Vater mit 7 Jahren infiziert. Ok., ziehen wir die ersten 10 Jahre mal ab, da war ich ja noch ein Kind. Mit der Nachzucht von
-
11.04.2005, 02:31 Uhr von FrankundFrei
Bewertung: sehr hilfreich...schon wieder gedacht etwas aus der Leichtathletik zu lesen zu bekommen, dabei geht's ja um Fische;-))
-
08.04.2005, 15:07 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichaber Fische liegen mir nicht, ich finde die langweilig :o) meine Katzen würden die eh sofort fressen :o) ganz liebe grüße tammy
-
07.04.2005, 18:43 Uhr von Overknees
Bewertung: sehr hilfreichUnd wieder: lernen mit Jens. Und ich hab zuerst gedacht, jetzt käme was zu Leichtathletik :). *greetz* Marc A.
Bewerten / Kommentar schreiben