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Erfahrungsbericht von FrauNeedle

Diabetes - Wie es bei meiner Tochter war (Teil 1)

Pro:

es ist alles gut gegangen

Kontra:

es gibt immer ein wenig mehr Sorge

Empfehlung:

Nein

Es ist 4 Uhr nachts und ich höre das Poltern in der Küche. Schlaftrunken tapse ich los um nachzuschauen, wer denn da so einen Lärm mitten in der Nacht macht. Es ist meine Tochter. Sie erklärte mir, sie hätte so einen großen Durst und müsse unbedingt etwas trinken. Danach bringe ich sie wieder ins Bett und wir schlafen noch bis um 6:30 Uhr der Wecker klingelte. Zeit aufzustehen und die Kinder für die Schule vorzubereiten. Meine Tochter kommt freudestrahlend aus dem Bad und zeigt mir wie locker ihre Hose geworden ist. Eigentlich war sie nie dick, aber hatte doch immer etwas mehr auf die Rippen. Doch in letzter Zeit hatte sie schon mächtig abgenommen und darüber war sie sehr froh. Bevor sie losging zur Schule, trank sie noch schnell und ich dachte so bei mir: \"Mein Gott, sie trinkt in letzter Zeit aber sehr viel\".

Zwei Tage später, sie war in der Schule, rief mich die Lehrerin an. Tamara fühlte sich nicht wohl, ihr war übel und sie hatte sich übergeben. Ich möchte sie doch bitte von der Schule abholen. Leicht besorgt ging ich also los und war erschrocken über ihre graue Gesichtsfarbe. Doch den ganzen Nachmittag ging es ihr gut und sie turnte die ganze Zeit herum. Na gut, dachte ich mir, dann kann sie nächsten Tag auch wieder zur Schule gehen. Es sollte am nächsten Tag die Faschingsfeier sein, worauf sie sich schon so lange gefreut hatte.

In der Nacht ging es dann wieder los. Ständig mußte sie sich übergeben und ihr Durst wurde immer größer. Gegen Morgen ist sie dann endlich eingeschlafen vor lauter Erschöpfung. Als sie wach wurde, wollte ich mit ihr eigentlich zum Kinderarzt gehen, doch sie fühlte sich so schwach auf den Beinen und sie hatte dieses Piecken im Bauch, daß ich beschloß, einen Notarzt zu rufen. Am Telefon sollte ich erklären, was sie denn hätte und es wurde auf den Blinddarm getippt.

Erst am frühen Abend kam dann endlich der Notarzt. Er drückte mal kurz auf den Bauch, winkelte das Bein an und erklärte nur: \"Der Blinddarm ist es wohl nicht. Gehen sie mit ihr morgen zum Arzt\". Dann verschwand er wieder. Kein Wort darüber, daß Tamara schon ganz eingefallen und grau im Gesicht war, kein Wort darüber, daß sie sich ständig übergeben mußte und schon so schwach war, daß sie nicht mal mehr alleine aufs Klo gehen konnte. Was sollte ich nur tun?

Ich rief meinen Bruder an und fragte, ob er uns am nächsten Tag zum Arzt fahren könnte, denn Tamara konnte ich diese lange Busstrecke nicht mehr zumuten. Er stimmte zu und ich wurde etwas ruhiger. Morgen wird ihr geholfen.

Die kommende Nacht war die schlimmste in meinem Leben. Tamara wollte immerzu trinken, doch bevor es auch nur den Magen erreichte, brachte sie es wieder heraus. Ich riet ihr, eine kleine Pause einzulegen, bis der Magen sich etwas beruhigt hätte. Sie stammelte leise vor sich hin und sagte immer \"Wasser\". Tamara hatte schon immer eine leichte Neigung zum übertreiben. Ich fing an zu schimpfen, sie solle nicht so übertreiben, sie täte ja so, als ob sie im Sterben liegt. Ich war einfach mit den Nerven fertig.

Am nächsten Morgen rief ich beim Kinderarzt an und erzählte ihm die ganze Geschichte. Er riet mir noch etwas Geduld zu haben. Sobald die Patienten fertig wären, kommt er vorbei und sieht sich Tamara mal an. Um 12 Uhr kam er dann endlich. Tamara hatte zwar die Augen offen, doch irgendwie war sie nicht mehr ansprechbar. Der Arzt warf nur einen Blick auf Tamara und wußte sofort was los war. Er rief die Feuerwehr und bis sie eintraf, erklärte er mir, daß sie Diabetes hatte.

Ich kannte Diabetes ja schon von meiner Schwägerin, aber in so einem Zustand hatte ich sie natürlich noch nie erlebt. Wir fuhren dann also mit der Feuerwehr in die Klinik. Unterwegs wurde Tamara immer wieder vom Doktor angeschrieb, sie solle ihren Namen nennen und all sowas. Ich wurde schon langsam sauer! Warum schreit er sie nur so an?

Und dann ging alles ganz schnell. In der Klinik kümmerten sie sich sofort um meine Tochter und ich stand eine Weile da und konnte nichts tun. Erst nachdem alles untersucht, gemessen und versorgt war, kam eine Diabetesberaterin auf mich zu und unterhielt sich ganz ruhig mit mir. Ich habe geheult wie verrückt und mir schreckliche Vorwürfe gemacht. Warum bin ich denn nur nicht selbst darauf gekommen?

Tatsache war, daß Tamara damals schon mehr tot als lebendig war und hätte ich einen Tag länger gewartet, hätte ich sie jetzt nicht mehr. Ganze 4 Tage lag sie im Koma, mußte gewickelt werden und wurde über den Tropf ernährt. In dieser Zeit bin ich jeden Tag hin und hatte mit der Schulung begonnen. Ich mußte alles über Diabetes lernen und natürlich auch wie man spritzt.

Anfangs war alles ganz leicht für Tamara und für mich. Sie trug ihr Schicksal tapfer, lernte fleißig und spritzte sich von Anfang an selber. Kurz vor ihrem 9. Geburtstag wurde sie nach Hause entlassen. Ich war so stolz auf sie, wie Tapfer sie doch war. Doch das hielt nicht lange an.......



Wie es weitergeht, und was wir noch alles erlebt haben, erzähle ich im nächsten Bericht, sonst wird das hier zu lang.

Danke für´s Lesen - FrauNeedle

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-02 23:04:17 mit dem Titel Diabetes - Wie es bei meiner Tochter war (Teil 2)

Hier geht es also weiter mit den Erlebnissen, die wir hatten, als meine Tochter Diabetes bekam. Wie ich bereits schrieb, kam sie kurz vor ihrem 9. Geburtstag aus der Klinik nach Hause.
Die Geburtstagsfeier verlief eingentlich recht gut. Zwar mußte immer genau zu einer bestimmten Uhrzeit gegessen werden und Tamara durfte auch nur immer eine bestimmte Menge essen, aber es war noch etwas Neues und irgendwie fühlte sie sich wichtig dabei. Sie hatte jetzt eben etwas Besonderes und alle bewunderten sie über ihre Tapferkeit.

Die Monate vergingen. Ab und zu nervte es sie schon, daß sie ständig morgens und abends spritzen mußte. Sie vermißte die schöne Zeit, als sie um sich herumknabbern konnte, wann sie wollte. Manchmal passierten auch Mißgeschicke und sie vertauschte ausversehen das Insulin. Dann kam es schon mal vor, daß wir die Nacht zum Tag machen mußten und wir nicht schlafen durften, weil ständig gegessen werden mußte.

Irgendwann war es dann soweit. Es kam die Pubertät dazu. Da trafen zwei Welten aufeinander - die Pubertät und der Diabetes. Das konnte ja nicht gut gehen! Tamara bekam Wutanfälle, Schreianfälle und war in diesen Momenten nicht mehr ansprechbar. Sie saß dann auf dem Boden wie eine Irre und zitterte am ganzen Körper. Wieder war ich verzweifelt und redete mit ihrem Arzt. Er riet mir, zur Behindertenfürsorge zu gehen und eine Einzelfallhilfe zu beantragen.

Eine Einzelfallhilfe ist eine Person, die sich ein bis zwei mal die Woche ausschließlich um das Kind kümmert. Ich also hin und den Antrag gestellt. Es dauerte keine drei Wochen und wir hatten Silke. Eine junge Studentin, die Psychologie studierte und selbst Diabetes hatte. Perfekt, dachte ich, sie kann wenigstens mitfühlen, wie es Tamara geht. Und so war es auch. Einmal die Woche kam Silke und unternahm etwas mit Tamara. Sie zeigte ihr, daß man trotz Diabetes ein ganz normales Leben führen konnte. Damit Tamara nicht ausgeschlossen wurde, begleitete Silke sie sogar mit auf Klassenreise, was ich ganz toll fand, denn der Lehrerin hätte man diese Belastung nicht alleine aufbrummen können.

Es gab Zeiten, da lief es ganz gut. Es waren die \"normalen\" Schwierigkeiten, die man mit einem pubertierendem Kind hatte. Als Tamara 13 Jahre alt war, kam der erste große Liebeskummer. Wir haben das alle durchgemacht. Auch wir waren mal in einem unereichbaren Star verliebt, doch wir waren nicht so unglücklich darüber, daß wir uns gleich das Leben nehmen wollten - oder?

Tamara wurde immer depressiver, schloß sich in ihr Zimmer ein und weinte, weinte, weinte...
Immer wieder sprach sie vom Selbstmord und ich konnte ihr da so gar nicht helfen. Ich war in der Zeit ihre Feindin. Sie wußte von meinen Vorwürfen, die ich mir wegen ihrem Diabetes machte und nutzte es auch oft aus. Tamara war eine gute Schauspielerin. Vor Bekannten zeigte sie sich immer von ihrer besten Seite. Ich wollte meine Tochter ja auch nicht schlecht machen, also stand ich mit meinen Problemen fast alleine da, wäre da nicht Silke gewesen. Sie vermittelte oft Gespräche zwischen Mutter und Kind und spielte den Schiedsrichter, falls es in Streit ausartete.

Wie oft saß Tamara am offenen Fenster und mir blieb fast das Herz stehen, aus Angst, sie würde jeden Moment springen. Es war wirklich eine schlimme Zeit. Ich mußte auch auf meine anderen Kinder achten, daß sie sich nicht vernachlässigt fühlten. Immer war ich die Starke, die alles ertrug, niemals hat mich jemand weinen sehen, doch es gab Nächte, da konnte ich nicht schlafen, weil die Tränen nicht aufhören wollten zu fließen. Es gab Tage, da bin ich wie einen wütende Furie durch die Wohnung gelaufen und meine Kinder gingen mir lieber aus dem Weg.

Nach ca. einem halben Jahr hatte Silke es geschafft. Tamara hatte den Gedanken an Selbstmord aufgegeben. Sie begab sich noch einmal für eine Woche ins Krankenhaus um eine neue Schulung mitzumachen. Sie bekam jetzt die intensivierte Therapie, das heißt, sie spritzt je nachdem zu jedem Essen eine ausgerechnete Menge Insulin, konnte aber nun essen wann und wieviel sie wollte. Damit war das Leben für sie viel lebenswerter. Die schlimmste Phase sollte jetzt endlich überwunden sein.

Der nächste Knick kam, als Tamara 14 war. Es war Dezember und Silke und Tamara wollten sich ein letztes mal vor Weihnachten treffen. An jenem Tag erschien Silke aber nicht. Es war so gar nicht ihre Art, nicht wenigstens vorher anzurufen, daß etwas dazwischen gekommen war. Da wir wußten, daß die Mutter von Silke kränkelte, redete ich ihr ein, daß sie wahrscheinlich schnell dorthin mußte und in der Aufregung vergessen hatte anzurufen.

Am nächsten Tag stand in der Zeitung: \"Junge Studentin warf sich vor die U-Bahn\"!!
Ich hatte es zuerst gar nicht registriert, was ich da gelesen hatte. Wir versuchten immer wieder bei Silke anzurufen, doch es ging keiner ans Telefon. Nach einer Woche rief ich dann bei der Diabetesberaterin an, um zu fragen, was denn los sei. Dort erfuhr ich dann schreckliche Wahrheit. Es war Silke, die sich vor die U-Bahn geworfen hatte. Keiner weiß warum, nicht mal ihr Verlobter konnte etwas sagen. Wie sollte ich das jetzt Tamara beibringen? Sie waren trotz Altersunteschied richtig gute Freundinnen geworden. Ich schob es auf die lange Bank und wollte für Tamara wenigstens noch ein glückliches Weihnachtsfest herausholen. Danach blieb mir dann wohl nichts anderes übrig.

Tamara war am Boden zerstört. Sie konnte es nicht verstehen und ich auch nicht. Sie sprach so schlecht über Selbstmord und tat es dann selbst? Warum war sie so verzweifelt? Wir haben bis heute keine Antworten darauf bekommen. Meine Sorge war auch, daß es mit Tamara jetzt wieder bergab geht, doch sie war mit ihren 14 Jahren schon sehr erwachsen geworden. Sie trauert zwar noch heute und manchmal weint sie auch noch. Aber die Zeit heilt alle Wunden.

Heute ist Tamara 18 Jahre alt und eine neue große Aufgabe wartet auf sie. Kaum daß sie Volljährig war, ist sie zu ihrem Verlobten gezogen. Sie sind beide sehr glücklich. Eines Tages waren wir mal am Rathaus Spandau verabredet. Sie hatte seit 2 Monaten Probleme mit ihrer Menstruation und nun sollte ihr endlich geholfen werden. Ich glaube als Mutter ist man immer besorgt, wenn es den Kindern gesundheitlich nicht so besonders geht, auch wenn sie schon längst erwachsen sind. Da ich gerade in der Nähe war, haben wir uns also dort verabredet.

Als ich zum Rathaus laufen wollte, kam sie mir weinend entgegen und fiel mir in die Arme. Ich spürte sofort was los war und tröstete sie erstmal. Meine Tochter ist schwanger! :-)
Ganz ungeplant und überraschend. Damit mußte sie sich erstmal abfinden. Ich erklärte ihr, egal, wie immer sie sich entscheiden würde, ich halte zu ihr. Und nachdem sie die Reaktion ihres Verlobten sah, der überglücklich im Dreieck sprang, war auch sie glücklich darüber.

Doch auch so eine Schwangerschaft ist nicht einfach bei Diabetes. Sie wird derzeit von 4 Ärzten betreut und muß ihre Blutzuckerwerte ganz weit unten halten, damit es ein gesundes Kind wird. Im November kommt ihr Kind - MEIN ENKELKIND zur Welt und Tamara schlägt sich mal wieder tapfer durch. Ich bin stolz auf sie!

Danke für´s Lesen - FrauNeedle

Diesen Bericht schrieb ich auf Ciao (unter Viti1961) vor über einem Jahr. Fortsetzung folgt....



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-02 23:04:38 mit dem Titel Diabetes - Wie es bei meiner Tochter war (Teil 3)

Einige können sich vielleicht daran erinnern, daß ich schon darüber geschrieben hatte, wie es damals war, als meine Tochter Diabetes bekam. Zum Abschluß hatte ich die freudige Nachricht verbreitet, daß sie schwanger ist - mich also ziemlich alt aussehen läßt und zur Oma macht...

Am 4. November sollte der Stichtag sein und nun hieß es erstmal, in die Hände spucken und sich um sehr gute Blutzuckerwerte kümmern. In den alten Berichten hatte ich ja erwähnt, daß meine Tochter sich nicht gerade rührend um ihre Werte gekümmert hatte und sich schon die kleinen ersten Folgeschäden einschleichen.

Doch in der Schwangerschaft sieht das alles ganz anders aus. Lange Unterhaltungen mit den Ärzten haben es geschafft, daß sie sich wirklich darum bemüht. Es ist aber auch ganz klar, wenn man erfährt, daß das Kind bei hohen Blutzuckerwerten eine Mißbildung bekommen kann. Es ist ja auch bekannt, daß Diabetiker-Kinder meist große Propper werden, wegen der hohen Werte.

Ziel war es nun erstmal einen HbA1c-Wert von ungefähr 6% zu erreichen. Der HbA1c-Wert sagt aus, wie der durchschnittliche Blutzuckerspiegel der vergangenen 2 bis 3 Monate war. Zum Vergleich sei einmal kurz erwähnt, daß der Wert bei meiner Tochter immer bei 12-13% lag, also viel zu hoch. Doch erstaunlicherweise schafte sie es innerhalb von 3 Monaten auf 6,5% zu kommen und der Arzt war damit sehr zufrieden.

Dann kamen die ersten Ultraschall-Bilder. Erst jetzt ist vor allem mir so richtig klar geworden, daß dort wirklich ein Baby heranwächst - mein Enkelkind :-)
Im 5. Monat war es dann soweit, meine Tochter sollte endlich erfahren, ob sich Baby nun richtig entwickelt hat, ob alle Arme, Beine und Fingerchen dran sind, auch ob die Organe soweit OK sind. Alles war in bester Ordnung.
Bei dieser Untersuchung hatte sie dann auch erfahren, daß es ein Mädchen wird, was meine Tochter noch glücklicher erscheinen ließ und meinem Schwiegersohn erstmal gar nicht in den Kram paßte. Hätte er doch lieber einen kleinen Fußballer in die Welt gesetzt :-)

Sie wurde von insgesamt 4 Ärzten betreut:
Eine Diabetesärztin in der Klinik - sie kümmerte sich hauptsächlich um die Beratung zum Thema Diabetes und Schwangerschaft, klärte meine Tochter über die Gefahren auf und beratschlagte mit ihr, wieviele Insulineinheiten nun zu spritzen waren.
Der praktische Arzt - er kümmerte sich um Tamaras Werte. In der Schwangerschaft braucht man bei gleichbleibender Nahrungszufuhr trotzdem mehr Insulin. Am Ende sogar das Dreifache.
Ein Klinik-Gynäkologe - der spezialisiert ist auf Diabetes und Schwangerschaft. Da bei meiner Tochte alles soweit gut verläuft, braucht er sich kaum um sie kümmern. Auf Wunsch würde er bei der Geburt aber dabei sein.
Der Gynäkologe - Er kümmerte sich rührend um meine Tochter. Am Anfang war sie noch ganz ruhig, doch je mehr der Bauch wuchs, umso verunsicherter war sie. Fast wöchentlich erschien sie bei ihm in der Praxis und fragte, ob alles seine Richtigkeit hatte und er erklärte ihr geduldig, was diese ganzen Wehwehchen auf sich hatten.

Abgesehen von den Arztbesuchen, rief sie auch bei mir mindestens zweimal die Woche an und fragte immer wieder, ob das alles normal ist oder ob sie sich Sorgen machen müßte. Als Mutter von 4 Kindern konnte ich mich ganz gut an gewisse Eigenarten während der Schwangerschaft erinnern und sie meist beruhigen.

Doch es gab auch Momente, wo ich mal richtig Mutter sein durfte und schimpfen mußte.
Durch sehr hohe Blutzuckerschwankungen, war meine Tochter im 5. Monat sehr oft nachts unterzuckert. Diese führten sogar dahin, daß sie nicht nur einmal ohnmächtig war...

Vor 3 Tagen rief mich dann meine Tochter ganz nervös an und erzählte mir, daß ihr Arzt und die Klinik beschlossen hatten, ihr Baby 2 Wochen früher auf die Welt kommen zu lassen. So langsam wurde es ihr bewußt, daß es ernst wird, auch wenn sie sich die ganze Zeit darauf vorbereitet hatte.

Nun möchte ich euch nicht weiter auf die Folter spannen:
Gestern (1. Oktober 2001) war es dann soweit. Der Anruf, auf den ich mich genauso gefreut wie gefürchtet hatte. Am anderen Ende ertönte die Stimme meines Schwiegersohnes. Ich kann nicht mehr genau sagen, was er sagte, doch das Wort OMA klingt mir jetzt noch in den Ohren. Zuerst wollte ich es nicht glauben, es war doch noch viel zu früh...
Im nächsten Moment schnappte ich nur noch die Jacken und ging Kopflos mit einem Dauerlächeln im Gesicht los Richtung Klinik.

Da lag sie, meine Tochter, völlig fertig, glücklich und traurig zugleich, bewegungsunfähig, da ihr Baby durch Kaiserschnitt zur Welt kam und sie immernoch betäubt und benommen war. Doch das Wichtigste war, es geht ihr gut!

Nachdem ich sie fast erdrückt habe vor Freude, sie ausgehorcht hatte, wie es denn war und ihr gezeigt habe, wie stolz ich auf sie bin, machte ich mich auf den Weg zur Intensiv-Station, um nun endlich meine Enkelin zu sehen. Mein Gott war ich aufgeregt, habe fast gezittert und konnte es gar nicht erwarten nun endlich zu ihr geführt zu werden. Ganze 5 Minuten mußte ich warten, bis ich eingelassen wurde...

Dann sah ich den kleinen Wonneproppen endlich und war sofort verliebt in sie. Sie hatte noch eine Sonde im Magen, da die Verdauung noch nicht ganz funktionierte. Mir wurde erklärt, daß sie noch ganz große Schwierigkeiten mit den Blutzuckerwerten hatte, da sie ja während der Schwangerschaft die hohen Werte meiner Tochter abbekam, aber das Insulin selbst schon produzierte. Nun muß sich das erstmal auf ihre eigenen Werte einpendeln. Doch das ist alles völlig normal und nicht besorgniserregend.

Sie heißt Celina
ist 48 cm \"groß\"
3300 g \"schwer\"
hat viele schwarze Haare auf dem Kopf
und ist einfach nur schnuckelig süß :-)

So, das war´s dann. Ich freue mich, daß alles soweit in Ordnung ist und werde mich nun auf die Rolle der Oma einspielen müssen. Gar nicht so einfach, wenn man selbst noch ein 5jähriges Kind zu Hause hat, der jetzt übrigens ein ganz stolzer Onkel ist :-)

Danke für´s Lesen - FrauNeedle


Auch diesen Bericht schrieb ich vor über einem Jahr auf Ciao (unter Viti1961). Mittlerweile ist klein Celina 1 Jahr alt und hellblond auf dem Kopf. Noch immer bin ich ganz vernarrt in sie und sie freut sich nun auf ein kleines Geschwisterchen :-)

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