Über Themen mit D Testbericht

No-product-image
ab 164,96
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von kehlchen

Das Leben und Leiden eines Schülers von Schule bis zum Arbeitsamt.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Ich machte von Mai 2000 bis Mai 2002 eine Umschulung zum IT-Systemelektroniker. Vor dieser Umschulung machte ich eine ABM. Ich möchte euch nun meine Leidensgeschichte erzählen und von meinen Erfahrungen mit der Arbeitssuche berichten.

1993 geht für einen Ahnungslosen Schüler der Hauptschule die Schule zuende. „Was nun?“ war die große Frage. Als Hauptschüler hat man es eh schwer einen Ausbildungsplatz zu finden. Selbst Friseure (!!!) verlangen mittlerweile Abitur oder Mittlere Reife.

Da ich in dieser Zeit in einer Gegend lebte, wo sich 20 junge Menschen um einen Ausbildungsplatz prügelten, machte ich für mich das einzig richtige. Auf zur Berufschule ein Berufsgrundschuljahr im bereich Holz und Elektrotechnik gemacht. Diese Zeit nutzte ich um meine Mittlere Reife zu erreichen. Zugegeben, ich habe 2 Jahre dafür gebraucht, aber letztendlich habe ich sie gehabt.

Was nun? Immer noch keinen Ausbildungsplatz und zuhause rumhockend, beschloss ich 1 Jahr später wieder in meine alte Heimat, der Pfalz, zurück zugehen. Dort angekommen, erst mal nach Arbeit und Ausbildungsplatz gesucht. Nach einem Jahr erst habe ich dann eine Stelle als Langzeitpraktikant in einem Pflegeheim bekommen. Schlecht bezahlt, aber immerhin was zu tun. Mittlerweile bin ich zwanzig und habe noch immer keine Abgeschlossene Berufsausbildung. Gott sei dank habe ich aufgrund von diesem Praktikums eine Azubistelle in einem grossen Pflegeheim für psychisch & physisch benachteiligte Menschen (für Leute mit nicht so einem großen Sprachschatz: *********************(Auf Wunsch des Users nosianai wurde dieser satz entfernt!)) bekommen. Die Ausbildung zum Krankenpflegehelfer dauerte hier ein Jahr. Leider wurde ich danach nicht übernommen. Schade eigentlich, es hatte mir dort richtig Spaß gemacht.

Mit bestandener Prüfung machte ich mich nun auf den Weg einen festen Arbeitsplatz zufinden. Ist gar nicht so leicht, wenn man noch nicht beim Bund war, könnt ihr mir glauben. Ein halbes Jahr später fand ich dann eine Arbeit in dem Heim, wo ich vorher mein Praktikum gemacht habe. Ich konnte mir zu ersten Mal einen eigenen Computer leisten. Damals waren die Kisten noch richtig teuer. Aber ich war überglücklich.

Leider kam dann im Herbst 98 meine Einberufung zur Bundeswehr. Kurz vorher wurde im Pflegeheim mein Vertrag nicht verlängert, mit der Begründung das ich noch nicht beim Bund war. Egal, erst mal Bund machen, dann sieht man weiter.

Die Bundeswehrzeit war für mich die beste Zeit. Als Kraftfahrer im Sanitätsdienst hatte man nicht sehr viel zu tun. Lediglich zwischen den Kasernen hin und herfahren und einmal in der Woche nach Koblenz. Es wurde zwar nicht viel bezahlt, aber es war immerhin besser als zuhause rumzusitzen und Däumchen drehen. Gott sei dank musste ich bei den Sanitätern nicht mit der Waffe rumrennen. Auch vom Wachdienst war ich befreit.

Im Winter 1999 war ich dann endlich mit dem Bund fertig und stand wieder auf der Strasse, ohne Job, ohne Auto und ohne meinen Computer, den ich aus Geldmangel leider wieder verkaufen musste. Tja, that´s life.

Also, wieder mal aufs Arbeitsamt. Die konnten mir aber keine Arbeitstelle mehr vermitteln, da ich leider keine ausreichende Berufserfahrung hatte. Also nervte ich das Amt, bis man mir eine ABM in der Baubranche verschaffte. Fragt mich nicht warum nicht in der Pflege, das konnten sie mir selbst nicht sagen.

Da ich aber nun nicht die ganze zeit in der ABM als Hilfsarbeiter versauern wollte, strebte ich eine Umschulung an. Da ich ja schon vorher von Computer und von der Rumbastelei an diesen Geräten begeistert war, wurde mir eine Maßnahme in Mainz vermittelt. Mittlerweile bin ich 25 Jahre alt, machte meine Prüfung und werde voraussichtlich nach Beendigung dieser Maßnahme wieder Arbeitslos sein, da es kaum noch Firmen gibt die Umschüler einstellen, vor allem nicht in der Computerbranche. Hier sind die Anforderungen dermaßen hoch, das man sie in 2 Jahren Theoretischer Ausbildung nicht schaffen kann. Gott sei dank habe ich sehr viel während der begleitenden Praktika auf der Uni gelernt. Aber was nutzt es einem wenn man nicht eingestellt wird....

In dieser ganzen zeit, von der Schule an bis zur jetzigen Prüfung hat mir das Arbeitsamt ganze 2x geholfen. Es gab kaum Unterstützung von Seiten des Amts.

Jetzt frage ich mich wieder : „Was nun?“

Vielen Anderen erging und ergeht es genauso. Aber ich frage mich langsam, woran dies liegt. Sind es die Schüler selber? Sind es die Firmenchefs die zu hohe Anforderungen stellen? Oder ist des der Staat? Man kann es nicht sagen. Ich habe bei meinen Recherchen mit ein paar Schülern und Firmenchefs geredet. Jeder gibt die Schuld den anderen.
Bemerkung: es ist interessant, was man so während der Zugfahrten erfährt. Solltet Ihr auch mal machen.

Ich weiß nur eins: nicht jeder der von der Hauptschule kommt, ist ein notorischer Faulpelz. Ich habe sehr viel mitbekommen was so im allgemeinen von Hauptschülern gehalten wird. So schlecht sind wir gar nicht. Und doch frage ich mich auch: was sind wir für eine Gesellschaft, die nur nach der Schulbildung geht? Hat man jemals danach gefragt, warum jemand auf die Hauptschule geht?

Es ist nicht nur, weil man Lernfaul ist oder „zu Dumm“.(siehe PISA-Studie: da haben sogar Realschüler und Gymnasiasten schlecht abgeschnitten.) Nein, viele Eltern können es sich nicht leisten ihre Kinder auf ein Gymnasium zu schicken und später Studieren zu lassen. Doch das wird leider von vielen nicht wahrgenommen.

Dies soll kein Vorwurf gegenüber Gymnasium und Realschule sein. Doch wünschte ich, den Hauptschülern würde genauso viel unter die Arme gegriffen werden. Würde man sich mehr um diese Schüler kümmern, so würde auch die Gewalttätigkeit und die Kriminalität auf diesen Schulen weniger werden. Die Schüler stehen meist so unter Leistungsdruck (nicht nur Hauptschüler), dass es kein wunder ist, wenn sie irgendwann resignieren oder Ausrasten und keine Leistungen mehr in der Schule bringen. Das beste Beispiel ist hier meine Cousine. Vom Gymnasium zur Realschule, nur weil sich die Eltern es sich nicht leisten konnten, ihr die überteuerten Bücher und Unterrichtsbegleitenden Ausflüge zu bezahlen. Jetzt schreibt sie nur noch schlechte Noten, weil sie vor Unterforderung sich im Unterricht langweilt. Und wenn sie so weiter macht landet sie noch auf der Hauptschule, was ihren beruflichen Tod bedeutet.

Doch möchte ich hier noch die letzte Frage stellen:
Wenn man die Sorgen und Probleme der Schüler ernst nimmt, könnte man solche Katastrophen wie in Erfurt nicht verhindern?


Nachtrag 25.11.02: ICH HABE WIEDER EINEN JOB, UND DAS OHNE HILFE DES ARBEITSAMTS....

26 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Anachronistin

    26.11.2002, 14:46 Uhr von Anachronistin
    Bewertung: sehr hilfreich

    Nun, Schulabschluss und Fleiß haben nun wirklich nicht viel miteinander zu tun. Ein Gymnasiast kann ebenso faul sein, wie ein Hauptschüler. Schön, dass Du nun wieder einen Job gefunden hast!

  • anonym

    25.07.2002, 13:13 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich hab mich ziemlich an der Bemerkung "ENDSTATION Behindertenheim" gestoßen. Das ist, glaube ich, nicht nötig. - Um auf deine letzte Frage einzugehen: Ich glaube, dein Bericht ist eine runde Sache, Erfurt passt da nicht dazu. Die Hint

  • Gabri

    08.05.2002, 17:36 Uhr von Gabri
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse ! Gabri