Erfahrungsbericht von furthy
Graf Dracula
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Meine Leidenschaft ist es über alte Legenden und Leute zu forschen.
Einer der für mich sehr interessant ist ist Dracula. Und nun zu den Fakten:
Die Dracula-Legende
Das einzige, was die meisten Westeuropäer und Amerikaner von Transylvanien wissen, ist ja, daß es die Heimat Draculas ist. "Dracula" aber war und ist bei den Einheimischen unbekannt.
Es gibt aber sogar ganz reale Reiseführer, die den Wahnsinn mit Methode und harter Währung betreiben. Einer sei hier hervorgehoben: "The Tourist´s guide to TRANSSYLVANIA" – Transylvania in Blockschrift! Eine mittelalterliche Karte im Hintergrund, darüber die Maske mit dem Draculadarsteller Christopher Lee, aufgerissene Augen, Wildschweinzähne, Blut. Auf dem Titelblatt das gleiche, dazu noch vier weiße Hunde, die im fahlen Licht des Mondes aus der Erde steigen. In der Einleitung heißt es, die Bewohner des Landes seien Nachkommen der Ostgoten, Petschinegen, Gepiden, Magyaren, ihr Aussehen erinnere an Tiere und Figuren von Bosch. In den Karpaten hausen noch Harpyen und Wolfsmenschen. In der Ortschaft Vatra-Jiu steigen Strigoi (Gespenster) aus den Gräbern, mit Grabsteinen auf den Köpfen. Ein spektakulärer Kitsch, wie man ihn billiger und geschmackloser nicht erfinden kann; aber, wie gesagt, ganz reall: ein Reiseführer.
Aber in Wirklichkeit gibt es Dracula und sein Schloß gar nicht: das Schloß des Vampirs wurde vom englischen Romancier Bram Stoker erfunden und nicht in den Südkarpaten, sondern 200 Kilometer nördlich, in der Nähe der Stadt Bistritz am Borgo-Paß mit Romanmitteln aufgebaut; das war 1897. Lang her, vor 100 Jahren. Außerdem war Stoker, nie dort gewesen.
Doch der Wunsch, Dracula wirklich kennenzulernen, scheint unermeßlich zu sein. Es muß also dieses Schloß unbedingt geben! Ersatzweise ließen die Kulturfunktionäre die auf einem Felsen gelegene Burg Bran (Törzburg) einfach zum Dracula-Domizil erklären.
Ursprung des Namens "Dracula"
Wer aber ist Dracula wirklich, wenn er nicht nur eine Romanfigur sein soll?
"Er war nicht sehr groß, aber untersetzt und muskulös. Sein Auftreten wirkt kalt und hatte etwas Erschreckendes. Er hatte eine Adlernase, geblähte Nasenflügel, ein rötliches, mageres Gesicht, in dem die sehr langen Wimpern große, weit-offene, grüne Augen umschatteten; schwarze buschige Brauen gaben ihnen einen drohenden Ausdruck. Er trug einen Schnurrbart. Breit ausladende Schläfen ließen seinen Kopf noch wuchtiger erscheinen. Ein Stiernacken verband seinen Kopf, von dem schwarze gekräuselte Locken hingen, mit seinem breitschultrigen Körper."
So beschreibt den Fürst Vlad Tepes Nikolaus Modrussa, der im 15. Jahrhundert Legat des Papstes am ungarischen Hof war, und Vlad Tepes, den rumänischen Iwan den Schrecklichen, gut kannte.
Stoker hat doch diese Beschreibung in seinen Roman übernommen? Ja, ihm diente als Dracula-Vorbild der grausame walachische Fürst Vlad Tepes, "der Pfähler". Dieses Vorbild wird im Roman weniger deutlich als in den Filmen, vor allem in Coppolas "Dracula", aber auch bei Curtis oder schon bei Tod Browning mit dem berühmten Béla Lugosi als Vampir, agiert auch der historische Vlad.
Meist aber ergeben sich, genau wie im Roman, heillose Vermischungen und Verwechslungen. Historische Falschheiten, Fehler und Verballhornungen häufen sich, die einem in Siebenbürgen Geborenen die Haare zu Berge stehen lassen...
Vlads Vater (Vlad II, Dracul) wurde von Sigismund von Luxemburg, König von Gottes Gnaden der deutschen, böhmischen und ungarischen Lande, zum Fürsten der Walachei erhoben und zum Ritter des Drachenordens geschlagen (1431). Er bekam den Namen "Dracul."
"Dracul" heißt auf Rumänisch: Der Teufel! Aus dem Ehrennamen also wurde aus Unkenntnis ein Höllenname. Draculea, wie der Sohn genannt wurde, Vlad Tepes, der Pfähler, erbte von seinem Vater Vlad II Dracul, den Namen, aber dieser Name geht zurück auf den erwähnten Drachenorden "Societas Draconis", einen Kampfbund gegen die Türken. Der in Nürnberg so hochgeehrte Vater kehrte dann 1431 nach Schäßburg zurück, wo er sein Hauptquartier hatte, und auch das Recht zur Münzprägung besaß (es gibt noch heute solche Münzen mit dem Drachen in Ringform, dem Uroborus, der ein Kreuz hält).
Ist Vlad Tepes wirklich in Schäßburg geboren? Es könnte ja sein. Geboren ist er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hier; sein Vater Vlad Dracul hatte nach der Rückkehr von Nürnberg von 1431 bis 1435 in der Stadt Asyl gefunden, bevor er 1436 auf den Thron der Walachei kam. Der Historiker Kroner schreibt: "Vlad Dracul fand von 1431 bis 1435 zunächst in Schäßburg Asyl... Es ist aber nicht erwiesen, daß er auf dem Museumsplatz/Ecke Pfarrgäßchen gewohnt hat, auch nicht, daß sein Sohn Vlad Tepes (der Pfähler) hier geboren wurde. Das Haus ist erst später errichtet worden. Aus den Unterlagen geht nicht hervor, wo er Unterschlupf gefunden hat. Trotzdem, wird das genannte Haus von rumänischen Historikern als das Haus des Vlad Dracul ausgewiesen und touristisch als 'Dracula-Gaststätte' vermarktet..."
Die Geburtslegende des Vlad Tepes ist in Segesvár-Sighisoara-Schäßburg Legende geblieben.
Auch andere Fälschungen sind Legion, in einem Buch über Dracula-Filme wird Siebenbürgen-Transylvanien als "rumänisches Land jenseits der Berge", beschrieben: und, so heißt es zum Beispiel: in Schäßburg "lebte Dracula in einem Haus mit massiven Mauern, das heute noch steht." In Wirklichkeit war Schäßburg eine siebenbürgisch-sächsische Stadt, die damals zu Ungarn, später zu Österreich-Ungarn gehörte, erst seit 1919 ist sie rumänisch! Zu Vlads Zeiten noch mit freiem Stadtrecht, lag sie im sogenannten "Königsboden" im Fürstentum Siebenbürgen, und war nicht rumänisches Land, gehörte nie zur Walachei. Im Stadt-Zentrum einer siebenbürgisch-sächsischen Stadt durfte kein Fremder siedeln oder gar Hausbesitz haben, Vlads Geburtshaus kann nur in der Unterstadt gestanden haben. Aber daß er in Schäßburg geboren wurde, ist wahrscheinlich.
Vlad Tepes kam in einer Schlacht gegen die Türken ums Leben. Und es heißt, sein Kopf sei nach Istanbul, sein zerstückelter Körper aber nach Snagov gebracht worden. Doch beides hat sich wie bei einem Phantom wirklich in Nichts augelöst, ist nirgends zu finden!1931, zum 500 Geburtstag von Vlad, war das Grab geöffnet worden, und – es war leer! Vlad ist tatsächlich verschollen, verschwunden. Woher die Historiker heute nun den wirklichen Toten, also die Knochen, nehmen wollen, ist schleierhaft.
Vlads gewaltsame Lebensgeschichte
Vater Vlad, Ritter des Drachenordens, und gewählter Fürst, fand Hilfe bei König Sigismund und beim Vetter am moldauischen Hof. Zog von Schäßburg aus bald auch in die Hauptstadt Târgoviste in der Walachei ein, verließ Schäßburg 1436. Schon als Kind, nach der ersten Thronbesteigung seines Vaters, begleitete Vlad, der Sohn, seinen Vater ständig, auch in den Krieg. 1444 an die türkische Pforte, wo der Alte seine beiden Söhne, Vlad und Radu (den Schönen) als Geiseln zurücklassen mußte. Hier erlebte der halbwüchsige Vlad Grauenhaftes im Kerker Egrigötz in den anatolischen Bergen. Dort folterte ihn der Gefängniswärter Gugusyoglu, ließ ihn hungern, gab ihm Menschenfleisch zu essen und Kot, dann Tierhoden, so daß er gequält wurde von Begierden, und der Aufseher zwang den Jungen, erst 14 war er damals, ihm zu Willen zu sein. Fader Gestank in der Zelle nach dieser schweißigen Gewalt. Der junge Vlad sann auf Rache. Dem Gugusyoglu sollte ein spitzer Holzpfahl vorbehalten sein. Und das regte den pubertären Vlad sehr auf.
Vlad Dracul, der Vater wurde dann vom ungarischen König Johann Hunyadi geschlagen. Der älteste Sohn, Vlads Bruder, Mircea getötet, Vater Vlad floh.
Ja, und der Geisel, dem Sohn Vlad, wurden Greuelgeschichten über den Tod seines Bruders und Vaters erzählt. Es war Rache, die Vlad zum Blutfürsten werden ließ. Vater und Bruder seien von Vladislaws Henkern gezwungen worden, ihr eigenes Grab zu schaufeln, und sie seien in Stücke geschnitten worden. Was nicht stimmt.
Der Vater entkam. Damals machten Greuelnachrichten Geschichte. Es gab ja kaum Zeitungen. Und so waren es auch Chroniken und tendenziöse Flugblätter, die Vlad den Sohn zum "argen Wüterich" und Vampir machten, der er nicht war. Also der Vater entkam. Mircea allerdings wurde tatsächlich lebendig begraben.
Acht Jahre lang war Vlad auf Wanderschaft. Reisender in Sachen Macht. Versprechungen, Taktik, Lügen. Er kannte den Hof, die türkischen Wesire, war gleichaltrig mit dem Sultan Mehmed. Er hatte viele Städte und Höfe gesehen, Rom, Stambul, Nürnberg, das Prag des Alchemistenkaisers Rudolf II. Er kannte viele Sprachen, hatte ein solides Wissen.
Hunyadi söhnte sich mit Vlad aus, die Sachsenstädte sprachen für ihn. Vlad hatte den Rücken frei, marschierte in der Walachei ein.
Aber was hat das noch mit dem Film- und Romanhelden Dracula zu tun?
Es hat. In Stokers Roman wird es betont: dem pedantischen Rechtsanwaltsgehilfen Jonathan Harker wird im verfallenen Schloß des Vampirs eine Geschichtslektion in Form einer falschen Familiengeschichte der Draculeas zuteil:
"Wir Szekeler sind mit recht stolz, denn in unseren Adern fließt das Blut manchen tapferen Volkes, das kämpfte, wie es der Löwe tut – um die Herrschaft nämlich. Hierher ... brachten die ukrainischen Stämme von Island herunter den Kampfgeist, den Thor und Wotan ihnen verliehen hatten und den ihre Krieger an den Küsten von Europa, ja, an denen von Asien und Afrika so wütend austobten, daß schließlich die Leute glaubten, es seien keine Menschen sondern Werwölfe."
Die Verballhornung ist verwirrender gar nicht möglich, ein grausiges Gemisch. So kommen dann die Hunnen vor, auf die diese "Werwölfe" stießen, auf Attila. Wahr ist, daß die Székler (ungarisch: Székely), nicht Szekeler wie im Roman, ein ganz normaler madjarischer Stamm, und daß die Drãculesti Walachen sind, nicht Székler, Vlad Tepes gehört in die Walachei und nicht nach Transylvanien, wo er nur zufällig geboren wurde, weil sein Vater zeitweilig dort im Exil lebte.
Aber alle Filme plappern diese Fälschung nach. So wird etwa im Film "Dracula" (1979) von John Badham, Vlad vom Irrenarzt Dr. Seward in London gebeten, ein Buch in ungarischer Sprache zu übersetzen. Das kann der aber nicht, da er Székler sei und kein Madjar. Ein Blick ins Lexikon hätte genügt: Székler sind ein madjarischer Volksstamm. Die natürlich madjarisch sprechen. Coppola läßt Dracula mit starkem ungarischen Akzent sprechen, was völlig falsch ist. Im "Spiegel" wurde sogar von einem "unverkennbaren transylvanischen Akzent" gesprochen.
Die historische Tragödie des Fürsten Vlad Tepes
1458 schlägt er ein türkisches Heer, 10.000 werden gepfählt. 1459: eine Gesandtschaft, die Tribut fordert, wird ebenfalls gepfählt. Eine Aktion unter der Führung des Beg von Nicopolis Hamza, die Vlad mit List gefangennehmen soll, mißlingt. 4.000 Türken werden rings um Târgoviste aufgespießt.
Doch war sein Land zu klein, um der Großmacht Paroli zu bieten. So schrieb er an mehrere Fürsten und Könige, auch an Matthias Corvin, den ungarischen König, um Verbündete zu gewinnen. Sie ließen ihn allein. Mohammed II, der Eroberer von Byzanz, greift ihn mit einem Heer von 150.000 Soldaten und vielen Schiffen auf der Donau an. Vlad hat 30.000 Mann. Er führt den ersten Guerillakrieg der Welt. Er legt Hinterhalte, attackiert bei Nacht, usw. Die Osmanen ziehen erschöpft ab. Doch auch seine Kräfte sind aufgebraucht; er muß wieder nach Transylvanien fliehen. Bruder Radu verrät ihn: wird Fürst. Sein Freund und Vetter aus der Moldau, Stefan, verrät ihn, greift ihn sogar an.
Matthias Corvin nimmt ihn gefangen, und sperrt ihn zwölf Jahre lang in die finstern Verliese der Festung Visegrád unter der Donau bei Budapest. Der Grund: 3 gefälschte Briefe, in denen Vlad dem Sultan angeblich Verhandlungen anbot, und sich ihm unterwerfen wollte, also ein Verräter war, wurden (möglicherweise) von den Sachsenstädten dem ungarischen König zugespielt. Corvin schickt dem Papst über den Legaten Modrussa eine Kopie der gefälschten Briefe, denn er sich sowohl dem Papst als auch den Venezianern gegenüber rechtfertigen muß, warum er ihn ausgerechnet jetzt gefangennimmt, obwohl er Geld für den Türkenfeldzug erhalten hat.
Zwölf Jahre später lebt Vlad wieder frei in Buda. Dann neue Schlachten, den Thron wiederzugewinnen. Doch er ist müde, zu Tode erschöpft, und er fällt im Kampf. Sein Kopf kommt nach Tzarigrad, der Körper angeblich nach Snagov, ein Grabmal ohne Namen. Wirklich ein Untoter, denn – das Grab, wie wir sahen, als es geöffnet wurde, war leer, und Vlad seither ein Phantom?
Ich hoffe ihr wisst nun einiges Bescheid über Dracula.
Einer der für mich sehr interessant ist ist Dracula. Und nun zu den Fakten:
Die Dracula-Legende
Das einzige, was die meisten Westeuropäer und Amerikaner von Transylvanien wissen, ist ja, daß es die Heimat Draculas ist. "Dracula" aber war und ist bei den Einheimischen unbekannt.
Es gibt aber sogar ganz reale Reiseführer, die den Wahnsinn mit Methode und harter Währung betreiben. Einer sei hier hervorgehoben: "The Tourist´s guide to TRANSSYLVANIA" – Transylvania in Blockschrift! Eine mittelalterliche Karte im Hintergrund, darüber die Maske mit dem Draculadarsteller Christopher Lee, aufgerissene Augen, Wildschweinzähne, Blut. Auf dem Titelblatt das gleiche, dazu noch vier weiße Hunde, die im fahlen Licht des Mondes aus der Erde steigen. In der Einleitung heißt es, die Bewohner des Landes seien Nachkommen der Ostgoten, Petschinegen, Gepiden, Magyaren, ihr Aussehen erinnere an Tiere und Figuren von Bosch. In den Karpaten hausen noch Harpyen und Wolfsmenschen. In der Ortschaft Vatra-Jiu steigen Strigoi (Gespenster) aus den Gräbern, mit Grabsteinen auf den Köpfen. Ein spektakulärer Kitsch, wie man ihn billiger und geschmackloser nicht erfinden kann; aber, wie gesagt, ganz reall: ein Reiseführer.
Aber in Wirklichkeit gibt es Dracula und sein Schloß gar nicht: das Schloß des Vampirs wurde vom englischen Romancier Bram Stoker erfunden und nicht in den Südkarpaten, sondern 200 Kilometer nördlich, in der Nähe der Stadt Bistritz am Borgo-Paß mit Romanmitteln aufgebaut; das war 1897. Lang her, vor 100 Jahren. Außerdem war Stoker, nie dort gewesen.
Doch der Wunsch, Dracula wirklich kennenzulernen, scheint unermeßlich zu sein. Es muß also dieses Schloß unbedingt geben! Ersatzweise ließen die Kulturfunktionäre die auf einem Felsen gelegene Burg Bran (Törzburg) einfach zum Dracula-Domizil erklären.
Ursprung des Namens "Dracula"
Wer aber ist Dracula wirklich, wenn er nicht nur eine Romanfigur sein soll?
"Er war nicht sehr groß, aber untersetzt und muskulös. Sein Auftreten wirkt kalt und hatte etwas Erschreckendes. Er hatte eine Adlernase, geblähte Nasenflügel, ein rötliches, mageres Gesicht, in dem die sehr langen Wimpern große, weit-offene, grüne Augen umschatteten; schwarze buschige Brauen gaben ihnen einen drohenden Ausdruck. Er trug einen Schnurrbart. Breit ausladende Schläfen ließen seinen Kopf noch wuchtiger erscheinen. Ein Stiernacken verband seinen Kopf, von dem schwarze gekräuselte Locken hingen, mit seinem breitschultrigen Körper."
So beschreibt den Fürst Vlad Tepes Nikolaus Modrussa, der im 15. Jahrhundert Legat des Papstes am ungarischen Hof war, und Vlad Tepes, den rumänischen Iwan den Schrecklichen, gut kannte.
Stoker hat doch diese Beschreibung in seinen Roman übernommen? Ja, ihm diente als Dracula-Vorbild der grausame walachische Fürst Vlad Tepes, "der Pfähler". Dieses Vorbild wird im Roman weniger deutlich als in den Filmen, vor allem in Coppolas "Dracula", aber auch bei Curtis oder schon bei Tod Browning mit dem berühmten Béla Lugosi als Vampir, agiert auch der historische Vlad.
Meist aber ergeben sich, genau wie im Roman, heillose Vermischungen und Verwechslungen. Historische Falschheiten, Fehler und Verballhornungen häufen sich, die einem in Siebenbürgen Geborenen die Haare zu Berge stehen lassen...
Vlads Vater (Vlad II, Dracul) wurde von Sigismund von Luxemburg, König von Gottes Gnaden der deutschen, böhmischen und ungarischen Lande, zum Fürsten der Walachei erhoben und zum Ritter des Drachenordens geschlagen (1431). Er bekam den Namen "Dracul."
"Dracul" heißt auf Rumänisch: Der Teufel! Aus dem Ehrennamen also wurde aus Unkenntnis ein Höllenname. Draculea, wie der Sohn genannt wurde, Vlad Tepes, der Pfähler, erbte von seinem Vater Vlad II Dracul, den Namen, aber dieser Name geht zurück auf den erwähnten Drachenorden "Societas Draconis", einen Kampfbund gegen die Türken. Der in Nürnberg so hochgeehrte Vater kehrte dann 1431 nach Schäßburg zurück, wo er sein Hauptquartier hatte, und auch das Recht zur Münzprägung besaß (es gibt noch heute solche Münzen mit dem Drachen in Ringform, dem Uroborus, der ein Kreuz hält).
Ist Vlad Tepes wirklich in Schäßburg geboren? Es könnte ja sein. Geboren ist er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hier; sein Vater Vlad Dracul hatte nach der Rückkehr von Nürnberg von 1431 bis 1435 in der Stadt Asyl gefunden, bevor er 1436 auf den Thron der Walachei kam. Der Historiker Kroner schreibt: "Vlad Dracul fand von 1431 bis 1435 zunächst in Schäßburg Asyl... Es ist aber nicht erwiesen, daß er auf dem Museumsplatz/Ecke Pfarrgäßchen gewohnt hat, auch nicht, daß sein Sohn Vlad Tepes (der Pfähler) hier geboren wurde. Das Haus ist erst später errichtet worden. Aus den Unterlagen geht nicht hervor, wo er Unterschlupf gefunden hat. Trotzdem, wird das genannte Haus von rumänischen Historikern als das Haus des Vlad Dracul ausgewiesen und touristisch als 'Dracula-Gaststätte' vermarktet..."
Die Geburtslegende des Vlad Tepes ist in Segesvár-Sighisoara-Schäßburg Legende geblieben.
Auch andere Fälschungen sind Legion, in einem Buch über Dracula-Filme wird Siebenbürgen-Transylvanien als "rumänisches Land jenseits der Berge", beschrieben: und, so heißt es zum Beispiel: in Schäßburg "lebte Dracula in einem Haus mit massiven Mauern, das heute noch steht." In Wirklichkeit war Schäßburg eine siebenbürgisch-sächsische Stadt, die damals zu Ungarn, später zu Österreich-Ungarn gehörte, erst seit 1919 ist sie rumänisch! Zu Vlads Zeiten noch mit freiem Stadtrecht, lag sie im sogenannten "Königsboden" im Fürstentum Siebenbürgen, und war nicht rumänisches Land, gehörte nie zur Walachei. Im Stadt-Zentrum einer siebenbürgisch-sächsischen Stadt durfte kein Fremder siedeln oder gar Hausbesitz haben, Vlads Geburtshaus kann nur in der Unterstadt gestanden haben. Aber daß er in Schäßburg geboren wurde, ist wahrscheinlich.
Vlad Tepes kam in einer Schlacht gegen die Türken ums Leben. Und es heißt, sein Kopf sei nach Istanbul, sein zerstückelter Körper aber nach Snagov gebracht worden. Doch beides hat sich wie bei einem Phantom wirklich in Nichts augelöst, ist nirgends zu finden!1931, zum 500 Geburtstag von Vlad, war das Grab geöffnet worden, und – es war leer! Vlad ist tatsächlich verschollen, verschwunden. Woher die Historiker heute nun den wirklichen Toten, also die Knochen, nehmen wollen, ist schleierhaft.
Vlads gewaltsame Lebensgeschichte
Vater Vlad, Ritter des Drachenordens, und gewählter Fürst, fand Hilfe bei König Sigismund und beim Vetter am moldauischen Hof. Zog von Schäßburg aus bald auch in die Hauptstadt Târgoviste in der Walachei ein, verließ Schäßburg 1436. Schon als Kind, nach der ersten Thronbesteigung seines Vaters, begleitete Vlad, der Sohn, seinen Vater ständig, auch in den Krieg. 1444 an die türkische Pforte, wo der Alte seine beiden Söhne, Vlad und Radu (den Schönen) als Geiseln zurücklassen mußte. Hier erlebte der halbwüchsige Vlad Grauenhaftes im Kerker Egrigötz in den anatolischen Bergen. Dort folterte ihn der Gefängniswärter Gugusyoglu, ließ ihn hungern, gab ihm Menschenfleisch zu essen und Kot, dann Tierhoden, so daß er gequält wurde von Begierden, und der Aufseher zwang den Jungen, erst 14 war er damals, ihm zu Willen zu sein. Fader Gestank in der Zelle nach dieser schweißigen Gewalt. Der junge Vlad sann auf Rache. Dem Gugusyoglu sollte ein spitzer Holzpfahl vorbehalten sein. Und das regte den pubertären Vlad sehr auf.
Vlad Dracul, der Vater wurde dann vom ungarischen König Johann Hunyadi geschlagen. Der älteste Sohn, Vlads Bruder, Mircea getötet, Vater Vlad floh.
Ja, und der Geisel, dem Sohn Vlad, wurden Greuelgeschichten über den Tod seines Bruders und Vaters erzählt. Es war Rache, die Vlad zum Blutfürsten werden ließ. Vater und Bruder seien von Vladislaws Henkern gezwungen worden, ihr eigenes Grab zu schaufeln, und sie seien in Stücke geschnitten worden. Was nicht stimmt.
Der Vater entkam. Damals machten Greuelnachrichten Geschichte. Es gab ja kaum Zeitungen. Und so waren es auch Chroniken und tendenziöse Flugblätter, die Vlad den Sohn zum "argen Wüterich" und Vampir machten, der er nicht war. Also der Vater entkam. Mircea allerdings wurde tatsächlich lebendig begraben.
Acht Jahre lang war Vlad auf Wanderschaft. Reisender in Sachen Macht. Versprechungen, Taktik, Lügen. Er kannte den Hof, die türkischen Wesire, war gleichaltrig mit dem Sultan Mehmed. Er hatte viele Städte und Höfe gesehen, Rom, Stambul, Nürnberg, das Prag des Alchemistenkaisers Rudolf II. Er kannte viele Sprachen, hatte ein solides Wissen.
Hunyadi söhnte sich mit Vlad aus, die Sachsenstädte sprachen für ihn. Vlad hatte den Rücken frei, marschierte in der Walachei ein.
Aber was hat das noch mit dem Film- und Romanhelden Dracula zu tun?
Es hat. In Stokers Roman wird es betont: dem pedantischen Rechtsanwaltsgehilfen Jonathan Harker wird im verfallenen Schloß des Vampirs eine Geschichtslektion in Form einer falschen Familiengeschichte der Draculeas zuteil:
"Wir Szekeler sind mit recht stolz, denn in unseren Adern fließt das Blut manchen tapferen Volkes, das kämpfte, wie es der Löwe tut – um die Herrschaft nämlich. Hierher ... brachten die ukrainischen Stämme von Island herunter den Kampfgeist, den Thor und Wotan ihnen verliehen hatten und den ihre Krieger an den Küsten von Europa, ja, an denen von Asien und Afrika so wütend austobten, daß schließlich die Leute glaubten, es seien keine Menschen sondern Werwölfe."
Die Verballhornung ist verwirrender gar nicht möglich, ein grausiges Gemisch. So kommen dann die Hunnen vor, auf die diese "Werwölfe" stießen, auf Attila. Wahr ist, daß die Székler (ungarisch: Székely), nicht Szekeler wie im Roman, ein ganz normaler madjarischer Stamm, und daß die Drãculesti Walachen sind, nicht Székler, Vlad Tepes gehört in die Walachei und nicht nach Transylvanien, wo er nur zufällig geboren wurde, weil sein Vater zeitweilig dort im Exil lebte.
Aber alle Filme plappern diese Fälschung nach. So wird etwa im Film "Dracula" (1979) von John Badham, Vlad vom Irrenarzt Dr. Seward in London gebeten, ein Buch in ungarischer Sprache zu übersetzen. Das kann der aber nicht, da er Székler sei und kein Madjar. Ein Blick ins Lexikon hätte genügt: Székler sind ein madjarischer Volksstamm. Die natürlich madjarisch sprechen. Coppola läßt Dracula mit starkem ungarischen Akzent sprechen, was völlig falsch ist. Im "Spiegel" wurde sogar von einem "unverkennbaren transylvanischen Akzent" gesprochen.
Die historische Tragödie des Fürsten Vlad Tepes
1458 schlägt er ein türkisches Heer, 10.000 werden gepfählt. 1459: eine Gesandtschaft, die Tribut fordert, wird ebenfalls gepfählt. Eine Aktion unter der Führung des Beg von Nicopolis Hamza, die Vlad mit List gefangennehmen soll, mißlingt. 4.000 Türken werden rings um Târgoviste aufgespießt.
Doch war sein Land zu klein, um der Großmacht Paroli zu bieten. So schrieb er an mehrere Fürsten und Könige, auch an Matthias Corvin, den ungarischen König, um Verbündete zu gewinnen. Sie ließen ihn allein. Mohammed II, der Eroberer von Byzanz, greift ihn mit einem Heer von 150.000 Soldaten und vielen Schiffen auf der Donau an. Vlad hat 30.000 Mann. Er führt den ersten Guerillakrieg der Welt. Er legt Hinterhalte, attackiert bei Nacht, usw. Die Osmanen ziehen erschöpft ab. Doch auch seine Kräfte sind aufgebraucht; er muß wieder nach Transylvanien fliehen. Bruder Radu verrät ihn: wird Fürst. Sein Freund und Vetter aus der Moldau, Stefan, verrät ihn, greift ihn sogar an.
Matthias Corvin nimmt ihn gefangen, und sperrt ihn zwölf Jahre lang in die finstern Verliese der Festung Visegrád unter der Donau bei Budapest. Der Grund: 3 gefälschte Briefe, in denen Vlad dem Sultan angeblich Verhandlungen anbot, und sich ihm unterwerfen wollte, also ein Verräter war, wurden (möglicherweise) von den Sachsenstädten dem ungarischen König zugespielt. Corvin schickt dem Papst über den Legaten Modrussa eine Kopie der gefälschten Briefe, denn er sich sowohl dem Papst als auch den Venezianern gegenüber rechtfertigen muß, warum er ihn ausgerechnet jetzt gefangennimmt, obwohl er Geld für den Türkenfeldzug erhalten hat.
Zwölf Jahre später lebt Vlad wieder frei in Buda. Dann neue Schlachten, den Thron wiederzugewinnen. Doch er ist müde, zu Tode erschöpft, und er fällt im Kampf. Sein Kopf kommt nach Tzarigrad, der Körper angeblich nach Snagov, ein Grabmal ohne Namen. Wirklich ein Untoter, denn – das Grab, wie wir sahen, als es geöffnet wurde, war leer, und Vlad seither ein Phantom?
Ich hoffe ihr wisst nun einiges Bescheid über Dracula.
22 Bewertungen, 3 Kommentare
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06.04.2002, 15:58 Uhr von juefu
Bewertung: sehr hilfreichHast du mir nie erzählt dass du dich so über Draculka interessierst.
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02.04.2002, 12:50 Uhr von The_Wishmaster
Bewertung: sehr hilfreichWow, interessanter Bericht...
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02.04.2002, 12:45 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichinteressanter bericht
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