Erfahrungsbericht von Divalein
Wie ein Frühlingsspaziergang
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Nein
Voll von Leere sitze ich hier, schiebe das unbedingt zu Verrichtende weit von mir weg, achte aber darauf, dass es nicht aus Sichtweite gerät – es muss ja doch gemacht werden. Wie ein wuchtiger Fels lastet es mir nun schon seit Wochen auf der Seele, betäubt mich dabei aber mehr als dass es mich antreiben könnte, zerfurcht meine Antriebskanäle und setzt dabei bitteren Sud frei.
Ja, ich bin bitter. Sauer geradezu. Sauer, dass ich bin wie ich bin. Antriebsarm und faul. Ich habe einfach keine Lust, kann die Lust auch nicht einfach so entwickeln und überhaupt, ohne Lust kann ich die Sache nicht verrichten ...
Es geht lediglich um einen Essay. Ich muss einen Essay schreiben. Erst einmal.
Doch auch das ist schon zu viel verlangt, strapaziert meine Nerven bis ins Unermessliche.
Ich weiß nicht, woher diese Unfähigkeit, Sinnvolles zu tun, kommt. Habe ich sie mir selbst vermacht, indem ich schon während des vergangenen Semesters schwächlichst einknickte und nach Ruhe rief? Ist es meine Schuld, dass ich mich jetzt wie eine Überfahrene fühle, ein plattes Etwas, das gerade von einer Dampfwalze überfahren wurde? Eins ist jedenfalls klar: Die Dampfwalze war die Universität und der Fahrzeugführer war das korrekte deutsche System, was über jede popelige Ausnahme einen amtlichen Nachweis verlangt.
Ich wurde krank davon.
Nicht nur davon, aber es katalysiert meine Asthmaerkrankung, machte aus dem folgenden Infekt eine Katastrophe und war nicht Unschuld an der resultierenden Herzmuskelentzündung.
Alles was ich ernte, sind Blicke des Unverständnisses. Natürlich verlange ich auch kein Mitleid. Aber ein klein wenig Rücksichtnahme ... ein klein wenig Kopfnicken – das würde mir schon voll und ganz genügen, genügt haben. Denn nun ist zu spät.
Nun würge ich bereits an den Spätfolgen eines krankheitszerfurchten Semesters, das so ganz und gar irreparabel erscheint, das ich aber nicht einfach mit dem Totalschaden liegen lassen will.
Ich möchte noch etwas retten, den ein oder anderen Kurs, möchte zeigen, dass die Stunden, in denen ich präsent war, nicht unnütz waren ... ja, ich möchte. Will ich? Ich habe zumindest einen innerlichen Drang, der mich zu diesem „möchten“ zwingt. Der Wille ... na ja ... ertrinkt im Fleisch. Und alles, was bei mir im Moment fleischlich ist, zeichnet sich durch Schwäche aus.
Ich würde so gerne zum Blatt neben mir greifen, es hochnehmen und abschreiben. Das Blatt beinhaltet nämlich den Rohentwurf des vorgenannten Essays.
Ich möchte es weiterentwickeln und feinschleifen – so dass es als Vor-Text zur Hausarbeit abgegeben werden kann.
Doch alles was ich kann, ist den Geist fließen zu lassen.
Ich kann nicht klar denken, schon gar nicht analytisch, aber erst recht nicht schreiben.
Paralytisch sitze ich hier, ödemische Beine ertragen einen schweren Laptop auf sich, und tippe mein Innerstes nach Außen. Als würde das etwas bringen, als wäre es die Ventilierung, die mir freien Raum für neue Taten verschaffen könnte.
Ich tippe und tippe, klage und klage und das Unwohlsein, was mich beim Gedanken an die Universität ereilt, mildert sich doch nicht ab.
Nebenbei schaue ich das flimmernde Bild des Fernsehers an, sehe farbige Menschen, die Soulballaden singen und zwischendurch cool rappend durch den Raum grooven.
Vielleicht sollte auch ich lieber cool rappend durch den Raum grooven? Vielleicht wäre das meine Katharsis?
Denn nur noch eine kathartische Regung kann mir jetzt noch helfen. Wenn nicht einmal das Verfassen von schnöden Kleintexten Abhilfe gegen das Vakuum schafft, dann kann nur noch etwas ganz Neues etwas bringen ...
Jedoch, was passiert, wenn mir derartiges musikalisches Genonsense Freude bereiten würde, immense Freude, solch große Freude, dass ich gar nicht aufhören will und die Arbeiten dann gar nicht mehr bewältigt bekomme?
Nein! Ich muss am Platz bleiben, muss mich überwinden, muss es JETZT tun ...
Mein Blick streift das Papier und ich versuche, meine unleserliche Klaue zu entziffern. Eine Strapaze. Was habe ich mir damals nur dabei gedacht, meine Gedanken auf das Blatt zu schmieren?
Ich zögere ... schon wieder ...
Mittlerweile zeigen rotblonde Mangamädchen, was sie unter der Kleidung tragen (und was nicht) und wollen den (männlichen) Zuschauer dazu verführen, irgendein vulgäres Video auf ihr Handy zu laden.
Wir leben in einer Konsumwelt. Auch ich konsumiere lieber als dass ich selbst produziere.
Und deshalb werde ich mich jetzt erstmal dem neuen Harry Potter – Band widmen.
Vielleicht bin danach so entspannt, dass mir der Essay wie ein Frühlingsspaziergang erscheint ...
(c), Divalein 29.07.2005
48 Bewertungen, 16 Kommentare
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03.01.2009, 19:39 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichoh ja das Gefühl der Leere, ausgebrannt, wer kennt es nicht??? lg
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02.09.2008, 05:19 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreichLiEbE gRuEsSE uNd EiNe GuTe N8
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04.04.2008, 14:04 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichlg rettchen
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19.11.2007, 12:16 Uhr von moniseiki
Bewertung: sehr hilfreich***-SH-***-LESEN UND GELESEN WERDEN---Liebe grüße moniseiki
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03.11.2007, 16:41 Uhr von manu63
Bewertung: sehr hilfreichlg manu63
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28.07.2007, 09:26 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreichLG Anita
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12.06.2007, 00:26 Uhr von Volker111
Bewertung: sehr hilfreichLG Volker
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04.03.2007, 13:15 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichSh & lg Sarah
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29.01.2007, 01:15 Uhr von Zuckermaus29
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße Jeanny :o)
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15.01.2007, 09:40 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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09.11.2006, 15:23 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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09.10.2006, 20:59 Uhr von swissflyer
Bewertung: sehr hilfreichHarry Potter?!? Dazu mäöchte ich jetzt nichts sagen. ;o)
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20.03.2006, 20:09 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSchöner persönlicher Bericht. Und dass solche persönlichen Berichte für einige Leser schlechter als sh sein können, ist mir auch immer wieder ein Rätsel...
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02.08.2005, 17:00 Uhr von Whiteghost
Bewertung: sehr hilfreichHi, ich bin gerade bei nem Internetcafe und habe gerade deinen Bericht gelesen! Was soll ich sagen - bin einfach sprachlos (im positiven -> so schön)!!! Lg, Whiteghost
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30.07.2005, 11:50 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSei nicht so streng mit Dir, nimm dich in Deine Arme. Umärmle dich heftig und herzlich.
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30.07.2005, 09:40 Uhr von campino
Bewertung: sehr hilfreichsolche Momente - Stunden - Tage. Leider. Das Gute daran ist, sie vergehen, denn nichts bleibt für immer.



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