Erfahrungsbericht von Rym2210
Flugangst
Pro:
nichts
Kontra:
alles
Empfehlung:
Nein
Die Angst hat sich bei mir so langsam eingeschlichen und hat nun das Extrem erreicht.
Vor noch ca 5 Jahren konnte ich ganz unbekümmert in ein Flugzeug steigen - gut ich war immer froh, wenn ich wieder Boden unter den Füssen hatte- aber mehr als ein Unbehagen war es nicht.
Dieses Unbehagen stieg und stieg und wurde zur Angst.
Die Zeiträume vor dem Flug, in denen ich hypernervös war wurden immer grösser und ein paar Tage vor dem Flug konnte ich kaum schlafen, bekam Durchfall und Magenkrämpfe und Alpträume.
Im Flugzeug selber viel mir das atmen schwer, meine Hände waren klatschnass und eiskalt , die Nervosität kann ich kaum beschreiben.
Ablenkungsversuche durch gebotenes Unterhaltungsprogramm der Airlines oder Lektüre schlugen fehl. Kaum einen Satz konnte ich lesen und auch noch verstehen.
im April 2004 flog ich mit Tunis Air von Monastir nach Düsseldorf. Der Flug war ruhig und angenehm, nur ich hatte ein Mega schlechtes Gefühl. Dann kurz vor der Landung ging es ziemlich steil und senkrecht nach unten. Eigentlich nichts Aussergewöhnliches, höchstens eine unvorteilhafte Art zu landen. ABER NICHT FÜR MICH.
Ich sah kurz aus dem Fenster, sah Bäume auf das Flugzeug zufliegen ( in meiner Phantasie), nichts erschien mir normal und ich fing wie ein kleines Kind an zu heulen.
Auch ganz normal kurz vor der Landung leuchteten dann die EXIT-lampen auf. Für mich hiess es aber, Absturz- Notfall!
Völlig verzweifelt krallte ich mich in den Arm der Frau neben mir, die ich nie zuvor gesehen hatte.
Ich hatte Glück, es war eine nette Dame, die mich versuchte zu beruhigen und mich ihren Arm zerdrücken lassen hat.
Half aber alles nichts, ich fing an zu hyperventilieren und merkte nicht einmal ,dass der Flieger schon aufgesetzt hatte.
Die Stewardess kam und hielt mir die Brechtüte vors gesicht, damit ich wieder normal atmetete.
Erst ca 10 Minuten nach der Landung kam ich langsam wieder zu mir.
Danach habe ich mir geschworen- nie nie wieder in ein Flugzeug zu steigen, ABER
direkt 3 Monate später tat ich es wieder.
In der Zwischenzeit hatte ich mir 2 Bücher gegen Flugangst gekauft und wusste nun wenigstens, dass alles was mir Angst machte, völlig normal ist. Die Turbulenzen, das leichte Absinken nach dem Start, das Wackeln der Tragflächen......
Ausserdem heisst es ja \" DIE ANGST KANNST DU NUR BESIEGEN; WENN DU DICH IHR AUSSETZT\"
Also ein Feigling bin ich nun wirklich nicht und wie soll ich auch anders nach Tunesien kommen??
Also wieder rein in den Flieger:
Ein paar Tränen bei Start und Landung und die üblichen Symtome, aber es war auszuhalten und machte mir doch etwas Mut.
Und ich war ja auch nicht alleine. Das hat sehr viel geholfen!
Im Februar 2005 war nun meine letzte Flugreise.
Ich hatte 2 Tage vor dem Flug angefangen Beruhigungsmittel zu nehmen und alles hielt sich im grünen Bereich.
Am Flughafen angekommen war ich noch voller Zuversicht und starken Willen, es durchzuhalten.
Dann fing das Drama an.
Der Flug war mit Hapag Lloyd und für 8h50 geplant.
Wir sassen in der Wartehalle und die Sonne schien. Alles war gut, bis die Durchsage kam.
DER FLUG WIRD SICH UM 3 STUNDEN VERSPÄTEN
Warum denn? Natürlich musste ich sofort nachfragen.
\"Die Maschine kam aus München und in München schneit es ganz doll und die Maschine kann nicht starten und noch ein paar technische Probleme.\"
Eiskalte Ansage!
Und ich denke, es war nicht zu übersehen, wie mir die Angst im Gesicht stand.
Gut mein Mann beruhigte mich wieder etwas, dann kam die nächste Durchsage.
Wir wurden namentlich aufgerufen und sollten zum Abfluggate kommen.
\" Es tut uns leid, aber es gab Probleme mit der Sitzplatzvergabe, Plätze die in Düsseldorf reserviert wurden, wurden gleichzeitig in München vergeben\"
und wir bekamen neue Bordkarten- nun anstatt vorne fast ganz hinten - wo es doch da am meisten wackelt!
Dabei sind wir extra einen Abend vor Abflug zum Late-night-check-In gefahren, um vorne zu sitzen.
Ich konnte kaum etwas sagen , so nervös wurde ich.
Mein Mann versuchte mit dem Mitarbeiter am Schalter zu reden.
Das war eine gute Idee!!!!
\" ich kann hier gar nichts ändern, seien sie froh, dass sie zusammen sitzen, andere müssen sogar getrennt sitzen\"
Stimmt! ein Mann, der mit seinem Sohn alleine flog, sollte nun getrennt von seinem Kind sitzen. Der tat mir noch mehr leid als ich mir selbst.
Aber gut, wenigstens nicht alleine!
nach über 4 Stunden verspätung hatte ich eine gute Ladung Nervosität aufgestaut - normal - so lange am Flughafen warten...
Endlich Bording
Wir kamen ins Flugzeug und oh Schreck- was für ein Chaos.
Wirklich alles war durcheinander.
Auch die Plätze von unseren 2. Bordkarten schon belegt.
Der völlig überforderte Steward erklärte uns dann ganz nebensächlich, dass einer in Reihe 22 und der andere in Reihe 14 sitzen soll.
WIE BITTE?
Mir standen schon die Tränen in den Augen.
Mein Mann klärte den Steward über meine Flugangst auf und sein Komentar
\"Ja das haben wir doch alle\"
Eine nette Stewardess verstand und bemühte sich andere Gäste zu bewegen die Plätze zu tauschen- leider ohne Erfolg!
Mein letzter Satz, bevor ich völlig in Tränen ausbrach war, dann steig ich wieder aus.
Nun bemühte sich die Chefstewardess. es kam eine Durchsage, dass wir weitere 2 Stunden Verspätung haben würden, wenn wir keine lösung finden, da das ganze Gepäck wieder ausgeladen werden müsse und eine Identifizierung statt findet.
Ein Mädel in der ersten Reihe sah mich so sehr weinen und gab uns ihren Platz. Nun sassen wir zwar nicht ganz zusammen, aber nur durch den Gang getrennt.
Nun ein dickes Lob an die Besatzung der Hapag Lloyd:
Wirklich den ganzen Flug über hat man sich ganz liebevoll um mich bekümmert. Ich wurde richtig verwöhnt.
Kurz vor der Landung noch ein paar Tränen und es war geschafft.
Der Rückflug
So ein sch...ss Wetter hab ich ja ewig nicht mehr in Tunesien gesehen. Sturm und Regen.
Bei so einem Wetter kann man doch nicht fliegen? Wie sollte ich das denn hinbekommen?
Bis 18 Uhr, wo der Rückflug sein sollte weinte ich und war fast entschlossen nicht zu fliegen.
Irgendwie schaffte es mein Mann Etappenweise mich bis in den Flieger zu bekommen, immer mit grossen Protest meinerseits.
Diesmal war der Flieger halb leer. Wir sassen zusammen in der ersten Reihe und 2 Reihen hinter uns niemand.
Die Maschine fing an zu rollen und ich an zu weinen.
Ich bekam Angst,die ich kaum beschreiben kann und einen richtigen Weinkrampf.
Der steward stand auf und setzte sich neben mich. Die ganze Zeit, während des Starts, der wirklich sehr wackelig war, beruhigte er mich. Nach einer halben Stunde hatte ich mich dann auch etwas beruhigt und der Rest des Fluges verlief ganz ok. Also wieder dickes Lob an die Besatzung!!
Woher meine Angst kommt, weiss ich überhaupt nicht. Kein Flug war so dramatisch, dass er so eine Phobie auslösen könnte.
ein Seminar wird auch nicht helfen, weil fliegen tue ich ja trotz der Angst ständig, mal davon abgesehen, dass die Seminare viel zu teuer sind.
So in 40 Stunden muss ich da wieder rein!
Wie es mir geht? Grauenhaft!
Letzte Nacht hab ich kaum geschlafen und mein Magen dreht sich und ich checke 2 mal täglich den Wetterbericht für den Flugtag, ob auch ja kein Sturm oder Unwetter zu erwarten sind
Wovor hab ich Angst?
ich weiss es selber nicht genau. Vielleicht das ausgeliefert sein und selbst nicht eingreifen können.
Der Absturz an sich , obwohl ich sonst eher risikofreudig bin
Was tue ich gegen meine Angst?
Fliegen und immer wieder fliegen
mich ablenken
und beten!
Beruhigungstabletten nehmen.
Alkohol auf keinen Fall, aus religösen Gründen.
Falls jemand noch einen Tipp hat, bitte schnell- hab nicht mehr viel Zeit!!!!
Also wenn alles gut geht, dann höhrt Ihr in ca 2 Wochen wieder von mir und ich bringe Euch Sonne mit :-))
ich muss ja jetzt einen Stern geben, dabei würde ich lieber - 15 Sterne geben.
49 Bewertungen, 8 Kommentare
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07.04.2007, 15:17 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichSh & lg Sarah
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20.01.2007, 15:36 Uhr von hope1
Bewertung: sehr hilfreichmit der Hapag Lloyd besatzung hab ich auch nur gute erfahrung :)
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07.05.2006, 15:28 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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06.06.2005, 23:29 Uhr von Fanta_L
Bewertung: sehr hilfreichmein freund kennt sich sehr gut mit flugzeugen aus...bei jedem geräusch erzähöt er mir, woher das kommt. das kann beruhigen, aber auch nicht immer...lg, fanta
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31.05.2005, 11:39 Uhr von April
Bewertung: sehr hilfreichIch hoffe, Du kannst Deinen Urlaub trotzdem genießen und freue mich schon auf Deinen Reisebericht! LG April
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28.05.2005, 19:48 Uhr von nicky82
Bewertung: sehr hilfreichguter bericht lg nicky
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21.05.2005, 16:00 Uhr von tigerle3
Bewertung: sehr hilfreichglaub die Angst kann ich dir gut nachfühlen. Ich bin noch nie geflogen, aber allein beim Gedanken daran gruselt es mich schon. Denk beim nächsten Flug an alle Yopi User hier, die dir ein sehr nützlich gegeben haben. Wir leiden in Gedanken m
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20.05.2005, 22:45 Uhr von Overknees
Bewertung: sehr hilfreichHm. Nicht böse sein... aber wenn Du öfter fliegst, dann ist das Geld für ein Seminar gut angelegt. Selbst Menschen, die vorher absolute Panikatacken (wie Du ja auch) hatten kommen da im Allgemeinen angstfrei raus. Für jemand wi



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