Erfahrungsbericht von Indigo
Frauen in Bewegung: eine Gegenbewegung zur Frauenbewegung
Pro:
es kann ein absoluter Ausnahmefall sein
Kontra:
es spricht nicht viel dafür
Empfehlung:
Nein
Frauen in Bewegung: eine Gegenbewegung zur Frauenbewegung
Vorbemerkung:
Ich habe zunächst eine passende Rubrik gesucht. Subkultur, aktive Sterbehilfe und Terrorismus erschienen mir zu makaber und somit ungeeignet.
Deswegen nun hier: Alles mit F
Ein schöner Freitagnachmittag geht zuende. Vor der Haustür schauen wir in den Postkasten, nehmen einen Werbekatalog und das Bezirksblatt für Berlin Lichtenberg-Hohenschönhausen, Ausgabe Nr.: BA/2002 mit in die Wohnung.
Während ich gemütlich eine Zigarette rauche und meinen obligatorischen Liter Milch trinke, nehme ich neben mir ungläubiges Kopfschütteln und schließlich lautes Gelächter wahr. Meine Freundin, Studierende der Sozialarbeit an der radikalfeministischen Fachhochschule Alice Salomon in Berlin prustet in die Zeitung. Auf meine Nachfrage, ob ich helfen kann, zitiert sie mir mehrere Kleinanzeigen in dem Bezirksblatt aus der Rubrik „Tipps Termine Treffen“. Ich höre zu, traue meinen Ohren nicht und verdrehe die Augen.
Nun habe ich schon Beiträge über Männer und die Verdrängung ihrer Handarbeitsfähigkeiten geschrieben. Ich habe diskutiert, warum Frauen nicht rückwärts einparken können und warum Männer nicht zuhören. Ich schrieb schon über die Sozialarbeiter und warum sie sich vor allem selbst helfen. – Aber diese Beiträge waren Glossen, letzterer ein kritischer Kommentar.
Das, was jetzt kommt, ist Realität und ich sehe mich nahezu gezwungen, es der breiten Öffentlichkeit kund zu tun, und das als Mann. Auch ich habe an dieser radikalfeministischen Fachhochschule in Berlin einmal studiert. Damals haben die Frauen auf den Herrentoiletten die Pinkelbecken mit Efeu bepflanzt – wegen der Gleichberechtigung. Doch ich dachte bislang, dass die wichtigen Errungenschaften der Frauenbewegung ein gewisses Maß an Gleichberechtigung etabliert haben, wenn auch noch lange nicht alles im grünen Bereich ist. Aber diese Kleinanzeigen sind aus einer Zeitung im Jahr 2002 und nicht aus den späten fünfziger Jahren, und sie sind authentisch.
In der Kategorie Frauen/Mädchen inseriert der Frauenladen HELLMA:
Am 2.,9.,16.,23., und 30.9., 11 Uhr:
„Selbst ist die Frau“, Nähen unter Anleitung
Am 13.9. um 10 Uhr:
„Wenn Steine erzählen könnten“, Kreativtag
Wenn ich diese Anzeigen lese, so fehlen nur noch die Workshops „Wie koche ich lecker für meinen Mann“ und „Autogenes Schweißen in der Gruppe“. Selbst ist die Frau, wenn sie nähen kann. Kann sie anscheinend nicht, deswegen die Anleitung. Für mich als geschulten Sozialpädagogen ist das vielleicht Hilfe zur Selbsthilfe, oder so ähnlich. Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld die Bundesanstalt für Arbeit für die Beschäftigung der Projektmitarbeiter des Frauenladens HELLMA pro Jahr ausgibt. Aber das ist Unsinn, wirtschaftlicher und inhaltlicher Unsinn. Mag sein, dass die Freizeitgestaltung und der Treff an sich ein sinnvolles und notwendiges Angebot ist, aber doch nicht mit so einem Angebot. Würden Männer derartige Inserate schalten, sie würden wahrscheinlich geteert und gefedert.
Aber es kommt noch besser, oder auch schlimmer.
Das Zentrum für Frauen und Mädchen HAFEN inseriert:
Am 2. Montag und 3. Dienstag im Monat:
Info zur Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe
Am 1. Dienstag und 4. Montag im Monat:
Info zu Schulden und Insolvenz
Am 1. und 3. Mittwoch im Monat:
Heiteres Gedächtnistraining
Ist dies nun ein Zentrum für Frauen und Mädchen oder eine Alzheimer –Selbsthilfegruppe? Ich finde eine unabhängige Sozialhilfeberatung sehr sinnvoll. Auch Beratungsangebote zu Arbeitslosigkeit, Schulden und Insolvenz sind sinnvoll, wenn sie professionell und qualifiziert gestaltet werden. Fraglich bleibt, warum diese Angebote geschlechtsspezifisch sind. Verwunderlich ist allemal, warum jeweils den Mittwoch darauf ein heiteres Gedächtnistraining folgt. Eine mir unerklärliche Konstellation.
Der Frauenpunkt „Courage“ bietet an:
18.9. Tag der offenen Tür zum Thema „Arbeit ist unser Auftrag – soziale Zukunft gestalten“;
und um 17.00 Uhr: offener Stammtisch des Clubs AUTOgestresster Frauen: „Wann bin ich fahrtüchtig?“
Hier geht es anscheinend nicht darum, wann frau fahruntüchtig ist, sondern überhaupt erst einmal darum, wann sie denn fahrtüchtig ist. Ich hatte mich wie oben erwähnt auf das Rückwärtseinparken beschränkt (Glosse), aber hier wird a priori vorausgesetzt, dass frau nicht fahrtüchtig ist, oder?
Das Frauenzentrum am Mühlengrund bietet an:
4.9. um 14 Uhr: Handarbeiten in geselliger Runde
6.9. um 10 Uhr: Gymnastik rund um den Stuhl
Hier fehlt mir nun endgültig der Zugang. Bei „Handarbeiten“ würde ich ja eigentlich an nichts Böses denken, aber wenn es dann um den Stuhl geht, eingegrenzt auf den Stuhl von Frauen, hört der Spaß doch wirklich auf. Man (oder auch frau) stelle sich nur diese Gymnastik vor. Mir wird ja schon beim Schreiben schlecht. Auch diese bizarre Übung wird sicherlich zu 100 Prozent durch die Bundesanstalt für Arbeit finanziert. Wenn die wüssten!
Ich möchte abschließend betonen, dass ich es eigentlich grundsätzlich vermeide, die Schreibweise mit man/frau oder die geschlechtsneutrale Schreibweise zu benutzen. Ich schreibe so, wie es im Duden steht (meistens) und meine grundsätzlich Menschen, obwohl ich sehr wohl weiß, dass Sprache auch Macht transportiert. Aber Begriffe wie TriebtäterInnen, MörderInnen, AnrufbeantworterIn, Fußballfrauschaft, HäuptlingInnen etc. finde ich irgendwie komisch.
Soweit so gut, jetzt geht es mir besser.
Ich freue mich auf die herzlichen, liebevollen, verständnisvollen und einfühlsamen Kommentare aller Männer und Frauen.
P.S.:
Eine weibliche Kommentatorin ergänzte noch den Workshop "Angstfreies Töpfern". Da wäre ich nicht drauf gekommen.
Vorbemerkung:
Ich habe zunächst eine passende Rubrik gesucht. Subkultur, aktive Sterbehilfe und Terrorismus erschienen mir zu makaber und somit ungeeignet.
Deswegen nun hier: Alles mit F
Ein schöner Freitagnachmittag geht zuende. Vor der Haustür schauen wir in den Postkasten, nehmen einen Werbekatalog und das Bezirksblatt für Berlin Lichtenberg-Hohenschönhausen, Ausgabe Nr.: BA/2002 mit in die Wohnung.
Während ich gemütlich eine Zigarette rauche und meinen obligatorischen Liter Milch trinke, nehme ich neben mir ungläubiges Kopfschütteln und schließlich lautes Gelächter wahr. Meine Freundin, Studierende der Sozialarbeit an der radikalfeministischen Fachhochschule Alice Salomon in Berlin prustet in die Zeitung. Auf meine Nachfrage, ob ich helfen kann, zitiert sie mir mehrere Kleinanzeigen in dem Bezirksblatt aus der Rubrik „Tipps Termine Treffen“. Ich höre zu, traue meinen Ohren nicht und verdrehe die Augen.
Nun habe ich schon Beiträge über Männer und die Verdrängung ihrer Handarbeitsfähigkeiten geschrieben. Ich habe diskutiert, warum Frauen nicht rückwärts einparken können und warum Männer nicht zuhören. Ich schrieb schon über die Sozialarbeiter und warum sie sich vor allem selbst helfen. – Aber diese Beiträge waren Glossen, letzterer ein kritischer Kommentar.
Das, was jetzt kommt, ist Realität und ich sehe mich nahezu gezwungen, es der breiten Öffentlichkeit kund zu tun, und das als Mann. Auch ich habe an dieser radikalfeministischen Fachhochschule in Berlin einmal studiert. Damals haben die Frauen auf den Herrentoiletten die Pinkelbecken mit Efeu bepflanzt – wegen der Gleichberechtigung. Doch ich dachte bislang, dass die wichtigen Errungenschaften der Frauenbewegung ein gewisses Maß an Gleichberechtigung etabliert haben, wenn auch noch lange nicht alles im grünen Bereich ist. Aber diese Kleinanzeigen sind aus einer Zeitung im Jahr 2002 und nicht aus den späten fünfziger Jahren, und sie sind authentisch.
In der Kategorie Frauen/Mädchen inseriert der Frauenladen HELLMA:
Am 2.,9.,16.,23., und 30.9., 11 Uhr:
„Selbst ist die Frau“, Nähen unter Anleitung
Am 13.9. um 10 Uhr:
„Wenn Steine erzählen könnten“, Kreativtag
Wenn ich diese Anzeigen lese, so fehlen nur noch die Workshops „Wie koche ich lecker für meinen Mann“ und „Autogenes Schweißen in der Gruppe“. Selbst ist die Frau, wenn sie nähen kann. Kann sie anscheinend nicht, deswegen die Anleitung. Für mich als geschulten Sozialpädagogen ist das vielleicht Hilfe zur Selbsthilfe, oder so ähnlich. Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld die Bundesanstalt für Arbeit für die Beschäftigung der Projektmitarbeiter des Frauenladens HELLMA pro Jahr ausgibt. Aber das ist Unsinn, wirtschaftlicher und inhaltlicher Unsinn. Mag sein, dass die Freizeitgestaltung und der Treff an sich ein sinnvolles und notwendiges Angebot ist, aber doch nicht mit so einem Angebot. Würden Männer derartige Inserate schalten, sie würden wahrscheinlich geteert und gefedert.
Aber es kommt noch besser, oder auch schlimmer.
Das Zentrum für Frauen und Mädchen HAFEN inseriert:
Am 2. Montag und 3. Dienstag im Monat:
Info zur Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe
Am 1. Dienstag und 4. Montag im Monat:
Info zu Schulden und Insolvenz
Am 1. und 3. Mittwoch im Monat:
Heiteres Gedächtnistraining
Ist dies nun ein Zentrum für Frauen und Mädchen oder eine Alzheimer –Selbsthilfegruppe? Ich finde eine unabhängige Sozialhilfeberatung sehr sinnvoll. Auch Beratungsangebote zu Arbeitslosigkeit, Schulden und Insolvenz sind sinnvoll, wenn sie professionell und qualifiziert gestaltet werden. Fraglich bleibt, warum diese Angebote geschlechtsspezifisch sind. Verwunderlich ist allemal, warum jeweils den Mittwoch darauf ein heiteres Gedächtnistraining folgt. Eine mir unerklärliche Konstellation.
Der Frauenpunkt „Courage“ bietet an:
18.9. Tag der offenen Tür zum Thema „Arbeit ist unser Auftrag – soziale Zukunft gestalten“;
und um 17.00 Uhr: offener Stammtisch des Clubs AUTOgestresster Frauen: „Wann bin ich fahrtüchtig?“
Hier geht es anscheinend nicht darum, wann frau fahruntüchtig ist, sondern überhaupt erst einmal darum, wann sie denn fahrtüchtig ist. Ich hatte mich wie oben erwähnt auf das Rückwärtseinparken beschränkt (Glosse), aber hier wird a priori vorausgesetzt, dass frau nicht fahrtüchtig ist, oder?
Das Frauenzentrum am Mühlengrund bietet an:
4.9. um 14 Uhr: Handarbeiten in geselliger Runde
6.9. um 10 Uhr: Gymnastik rund um den Stuhl
Hier fehlt mir nun endgültig der Zugang. Bei „Handarbeiten“ würde ich ja eigentlich an nichts Böses denken, aber wenn es dann um den Stuhl geht, eingegrenzt auf den Stuhl von Frauen, hört der Spaß doch wirklich auf. Man (oder auch frau) stelle sich nur diese Gymnastik vor. Mir wird ja schon beim Schreiben schlecht. Auch diese bizarre Übung wird sicherlich zu 100 Prozent durch die Bundesanstalt für Arbeit finanziert. Wenn die wüssten!
Ich möchte abschließend betonen, dass ich es eigentlich grundsätzlich vermeide, die Schreibweise mit man/frau oder die geschlechtsneutrale Schreibweise zu benutzen. Ich schreibe so, wie es im Duden steht (meistens) und meine grundsätzlich Menschen, obwohl ich sehr wohl weiß, dass Sprache auch Macht transportiert. Aber Begriffe wie TriebtäterInnen, MörderInnen, AnrufbeantworterIn, Fußballfrauschaft, HäuptlingInnen etc. finde ich irgendwie komisch.
Soweit so gut, jetzt geht es mir besser.
Ich freue mich auf die herzlichen, liebevollen, verständnisvollen und einfühlsamen Kommentare aller Männer und Frauen.
P.S.:
Eine weibliche Kommentatorin ergänzte noch den Workshop "Angstfreies Töpfern". Da wäre ich nicht drauf gekommen.



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