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Erfahrungsbericht von Kuhli

Film-Jahrbuch 2002

Pro:

sehr informativ, übersichtliches Layout

Kontra:

überhöhter Preis, wohl eher nur für richtige Filmfans

Empfehlung:

Nein

Nett schaut sie mich da vom Buchcover an. Doch „Amelies“ Lächeln aus dem gleichnamigen Film ist natürlich nicht der einzige Grund warum sich dieses Buch mal näher anschauen sollte.

Schon seit nunmehr drei Jahren Sammle ich dieses jährlich erscheinende Buch und bin von seiner Komplexität noch immer begeistert, aber worum geht’s überhaupt ?

Der Titel „Film Jahrbuch 2002“ ist hier eigentlich (fast) Programm, denn in diesem Buch ist wirklich jeder Film aufgelistet der im Zeitraum eines Jahres im Kino, im Fernsehen auf DVD oder Video erstveröffentlicht wurde.
Jedoch muß man natürlich beachten, das in der 2002-Ausgabe keine Filme aus dem Jahr 2002 sind, da dieses Jahr ja noch nicht abgeschlossen ist. Deswegen befinden sich in dieser Ausgabe alle Filme die zwischen dem 1. Januar 2001 bis zum 31. Dezember 2001 veröffentlicht wurden. In der 2001 Ausgabe sind dann alle Filme des 2000er Kalenderjahres usw.

###AUFBAU###

Nach den üblichen Seiten mit Copyrightbestimmungen, Danksagungen und Inhaltsverzeichnis fängt das eigentliche Buch mit einer 1-seitigen Auflistung der Filme des Jahres an, die nächste Seite gehört komplett der Erläuterung der folgenden Filmauflistung. Diese Filmauflistung selbst erstreckt sich in diesem Jahr auf 557 (!) Seiten, doch dazu später mehr. Nach dem Hauptteil des Buches gibt es weiterhin 6 Seiten mit einem Jahresrückblick über die Filmbranche, 9 Seiten über nationale und internationale Filmpreise, 23 Seiten über nationale und internationale Filmfestivals, 6 Seiten über Filmliteratur, 12 Seiten Kino/TV-Hitlisten, 31 Seiten über verstorbene Filmschaffende und zum Schluß noch 68 Seiten Index.

***Filme des Jahres***

Da es sich hier um ein anspruchsvolles unabhängiges Buch handelt findet man hier nicht unbedingt Blockbuster, sondern einfach objektiv gesehen Filme die eine gute Geschichte erzählen und die Zuschauer bewegten. Natürlich gibt’s hier auch Filme die gut an der Kinokasse liefen, denn auch BigBudget-Filme sind manchmal innovativ wie hier z.B. „Moulin Rouge“, „Der Schuh des Manitu“ (naja) und „Die fabelhafte Welt der Amelie“, aber kleine, feine Filme wie „Intimacy“ „Zusammen“ und „Amores Perros“ erleben hier ihre gerechte Anerkennung. Leider ist hier nicht erkennbar wer diese Film zum „Film des Jahres“ erhoben hat, ich tippe aber mal auf den Autor und Filmkenner Lothar R. Just selbst.

***Filmauflistung***

Das Hauptaugenmerk in diesem Buch fällt hier natürlich auf diese Auflistung aller in Deutschland Veröffentlichten Filme des Jahres 2001. Aber nicht nur Kinopremieren kann man hier finden auch Direct-to-Video-Filme wie „Battelfield Earth“ (Ha Ha) und Fernsehfilme. Die Filme sind alphabetisch von A wie „A ma soeur“ bis Z wie „ Ein Zwilling zu viel“ und dazu noch durchgehend numeriert wodurch eine perfekte Übersichtlichkeit gewährleistet ist.
Die Menge der Informationen ist hier natürlich von Film zu Film verschieden, so findet man mehr zu „Der Herr der Ringe“ als über „Die Liebesschule der Mrs. X“, verständlich oder? Allerdings gibt es Grundinformationen die man gleichermaßen bei jedem Film findet, das sind der Originaltitel (wenn vorhanden), das Medium der Erstveröffentlichung (TV, Video, Kino, etc.), der Name des Regisseurs, Darsteller mit Filmname in Klammern, Drehbuchautor, Kameramann, Musik, Schnitt, Produktionsdesigner, Produktionsdaten (Land, Länge, Produzenten), Vertrieb, Erstveröffentlichungsdatum und FSK Freigabe, so wie manchmal eine Bewertung der Filmbewertungsstelle Wiesbaden, die gute Filme mit Wertvoll bzw. Besonders Wertvoll auszeichnen. Zudem gibt es eine objektive Filmbewertung im 4 Sterne-System des Autors.

Zu diesen Grundinfo’s kommen dann noch zu jedem Film Texte, die nicht vom Autor selbst geschrieben wurden sondern Rezessionen aus anderen kompetenten Fachblättern sind. Wie gesagt sind diese Info’s von Film zu Film unterschiedlich, so haben billige Video- und Fernsehproduktionen oft nur eine kurze Inhaltsangabe als Text, die Mehrheit hat dazu aber noch Kritiken von den unterschiedlichsten Filmkennern, so z.B. aus der SZ oder aus dem Film-Dienst und manchmal gibt’s auch noch kurze Interviews mit Regisseuren oder Darstellern, aber wie auch bei der Auswahl zum Film des Jahre, werden hier nicht nur Chartsstürmer ausführlich besprochen sondern auch andere „Filmperlen“, die oft nur wirklichen Filmfreunden und Independentliebhabern ein Name sind, normalen Kinogängern sind die dann nicht wirklich bekannt.
Sowieso ist das Buch eher für Filmfanatiker geeignet, die Kritiken sind hier nicht unbedingt auf den Massengeschmack ausgerechnet, denn hier liegt nicht der Unterhaltungswert im Vordergrund sondern die Qualität der Filme, so daß auch den in der Allgemeinpresse hochgelobtesten Filmen immer wieder etwas negatives abgewonnen wird.
Kennt man einen Film macht es wirklich Spaß die oft viel zu ernsten Kritiken zu lesen und liest man Kritiken über Filme die man noch nicht gesehen hat, findet man dabei genug Filme die man auf seine „Filme die ich noch sehen muß“ – Liste eintragen kann.
Das Layout der Filmauflistung ist sehr einfach zu überblicken und stellenweise mit kleineren und größeren Schwarz/Weiß - Bildern versehen, besser kann man es wirklich nicht machen.
Was mich jedoch geärgert hat, ist das der Film „Ein kriminelles Paar“ (!) auch nur eine kleine 4-Zeilen Zusammenfassung als Textinfo hat. Schade eigentlich.

***Jahresrückblick über die Filmbranche***

Hier findet man die wichtigsten Ereignisse der Filmbranche des letzten Jahres, monatlich getrennt.

***Filmpreise***

Unter dieser Rubrik sind alle nennenswerten nationalen und internationalen Filmpreise aufgelistet mit allen Nominierten und Gewinnern, sowie einer kleinen textlichen Einleitung zu jeder Verleihung.

***Filmfestivals***

Ähnlich der Filmpreisauflistung, sind hier alle wichtigen nationalen und internationalen Filmfestivals aufgelistet, vom Sundancefestival bis zur Berlinale.

***Filmliteratur***

Hier findet man eine Auflistung aller im Jahr 2001 erschienen Filmbücher, gegliedert in 1. Film-Geschichte und –Theorie, Genre; 2. Nachschlagewerke; 3. Autobiographien, Biographien, Monographien und 4. Film und Literatur.

***Kino/TV-Hitlisten***

Eines der für mich interessantesten Aspekte des „Anhangs“. Hier findet man Tabellen über die erfolgreichsten Kinofilme des Jahres in Amerika, Deutschland, Frankreich, Englisch, Österreich und Schweiz. Zudem gibt‘s viele weitere Tabellen, wie z.B. die erfolgreichsten deutschen Filme im Kino, die erfolgreichsten Fernsehfilme und die erfolgreichsten Kinofilme im Fernsehen. Leider sind hierbei einige Daten verfälscht, da wirklich nur die 2001er Einnahmen gelten und Filme wie z.B. Herr der Ringe, der zwar 2001 im Kino startete aber den Großteil der Einnahmen 2002 verbuchte, im unteren Rang der Liste verweilen.

***Verstorbene Filmschaffende***

Hier findet man eine alphabetische Auflistung aller Filmschaffender (nicht nur Schauspieler, auch Regisseure, Drehbuchautoren, Produzenten,...) die im Jahr 2001 verstorben sind.

***Index.***

Sucht man nach bestimmten Personen kann man hier in der alphabetischen Liste die Namen nachschlagen und so die Filme suchen, in den sie mitgespielt haben.

###Preis###

Auch hier hat die Euroumstellung zugeschlagen. Die letzte Ausgabe kostete noch 29.90 DM bzw. 14.95 Euro, die aktuelle Ausgabe kostet 19.95 Euro und ist somit 5 Euro teurer geworden, aber kein bißchen dicker oder aufwendiger. Auch deswegen ist das Buch wirklich nur was für richtige Filmfans.


Fazit :

Trotz des hohen Preises ist dieses Buch für Filmfans absolut zu empfehlen. Hier wird einem eine Fülle an Informationen zu wirklich jedem Film des aktuellen Jahres geboten, übersichtlich, ausführlich und kompetent präsentiert.
Alle anderen greifen am besten auf die KinoNews von McDonalds zurück, die selbst den schlechtesten Film als Filmereignis darstellen.

Daten:

Film-Jahrbuch 2002
Von Lothar R. Just
Erschienen im Heyne Verlag
Für 19.95 Euro
719 Seiten gebunden, komplett in schwarz/weiß
mit farbigem Cover

11 Bewertungen