Über Themen mit F Testbericht

ab 50,19
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von sidhe

F wie Fotografieren -

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Modeln mit mir
oder
wie klein Mirjam aufgrund eines hier aus Wettbewerbsgründen nicht genannten Cappuchino – Instant – Getränkes eine Stunde Model spielen durfte

An einem Dienstag morgen sitze ich hinter meinen Computer geklemmt und buche konzentriert Anzeigen. Nicht mal davon, daß meine Kollegin sich an der Theke stehender Weise mit einem unserer Fotografen in unserer Zeitung unterhält, lasse ich mich ablenken – ich mein, klein Mirjam ist wirklich voll konzentriert hier zugange! Das der Fotograf fast in meinen Cappuchino fällt, wundert mich auch nicht weiter – ich mein, im Wartezimemr beim Arzt lese ich auch öfter mal anderen Leuten in der Zeitschrift mit, da darf der ruhig in meinen Cappuchino starren! Kein Problem, ich bin da so was von flexibel!
Als er eine Weile später (er starrt noch) erwähnt, wie „subba“ gern er Cappuchino trinkt, nicke ich heiter. Klar, ich trink den ja auch gerne! Das merkt der doch – der kuckt doch die ganze Zeit gespannt dabei zu. Doch als er nebenbei die Frage fallen läßt, wo man den so ein subba Cappuchino eigentlich herbekommt, erbarme ich mich schließlich, weichherzig, wie ich nun mal bin, und schlurfe in die Küche, um dem Armen einen Cappuchino zu kochen. Ich mein, manchmal ist klein Mirjam echt nett!
Den subba Cappuchino in der Hand haltend teilt mir der Fotograf mit, daß er als Dankeschön bereit ist, mich (ja, mich) zu fotografieren, richtige, professionelle Porträtaufnahmen. Ich stimme in Erinnerung an den längst meinem Freund versprochenen Fotokalender (welcher Teufel hatte mich bei dem Versprechen eigentlich geritten??!) freudig zu und verschweige schlauerweise, daß das mit dem Cappuchino-Kochen sich auf Pulver rein – Wasser drauf – rühren beschränkt, wahrscheinlich weiß er das doch sowieso, und wenn nicht – warum schlafende Hunde wecken?

So treffe ich nach Feierabend den netten Fotografen, der mir euphorisch erklärt, auf seinen Bildern sehe einfach JEDER subba aus. Ich grins mir ein sonstwohin, weil er das gerade eben zu dem so ziemlich unfotogensten Menschen auf diesem Planeten (nach Dieter Bohlen und Alfred Biolek) gesagt hat. Als Shootingplatz muß die Wiese hinter dem Verlagsgebäude herhalten und los gehts schon.
Ja, klein Mirjam widerlegt jetzt sämtliche Behauptungen aller Topmodels, daß Modeln ja sooooo anstrengend und ein sooooo kräftezehrender Job sein kann. Die lügen!! Klar, denk ich, wer läßt schon gerne raushängen, daß er das große Geld verdient und dafür nichts tun muß außer gut auszusehen und sich in die Landschaft zu schmeißen?!
OK, und jetze??? Ah, ich weiß schon: lächeln, Mirjam, lächeln!!! Ich grinse wie ein radioaktives Honigkuchenpferd und bekomme sofort ein „Nein, nicht so unnatürlich!! Kuck einfach, wie du immer kuckst!“ vor den Latz geknallt. Wie jetzt – wie ich immer kuck? Unwissend? Die Nase kräuselnd wie beim Niesen? Glucksend, kichernd und Bauch festhalten wie beim TV-Total kucken...? Der Fotograf, ganz der Profi, bemerkt meine Not: „Kuck einfach so, als würdest du nicht fotografiert werden.“ Ja aber SISCHER doch! Nichts leichter als das, ich seh beim Essen auch immer so aus, als würd ich nicht essen. Ganz abgesehen davon, daß ich beim Lesen immer so kuck, als würde ich fern sehen. Mensch, Künstler sind so weltfremd!!
Ich versuche also angestrengt so auszusehen, als würde kein Fotograf mit einer riesigen Kamera und einem riesigen Objektiv vor mir herum hüpfen, während der Fotograf mit seiner riesigen Kamera und seinem riesigen Objektiv vor mir herumhüpft.
„Sehr schön,“ lügt er schamlos. „...und jetzt bitte einen Ausfallschritt und die Arme auf den Beinen abstützen!“
Ausfallschritt???? Isn des?? Ein ausfallender Schritt??? Hallohooo, bitte deutsch sprechen!
Wieder bemerkt der alte Profi meine Ratlosigkeit: „Na, einen Ausfallschritt, wie im Sportunterricht, du weißt schon.“
Sportuntericht??? War da mal was in meinem Leben?? Doch, ich erinnere mich dunkel... sehr dunkel.
Immer noch ratlos sehe ich ihn so lange an, bis er mir leicht genervt den Ausfallschritt vormacht. Ach so, Beine breit! Sach doch gleich!! Das kan ich wohl! Also mache ich einen Ausfallschritt (schon klar, wie damals im Sportunterricht...) und komme mir schon leicht seltsam vor. „So, und nun die Arme auf den Beinen abstützen, Oberkörper leicht nach vorne beugen, von unten heraus hoch sehen und...“
Bahnhof. Ich versteh nur Bahnhof, sonst nix. Nix verstehen. Verschüchtert und mit demutsvoll zu Boden gekehrtem Blick frage ich leise „Wollten wir nicht eigentlich Porträtbilder machen? Also, nur Gesicht und so...?“ „Das gehört doch DAZU!“ MENSCH MÄDEL lies es mir von den Lippen oder wie jetzt?? Das gehört daszu?? Wieso’n das jetz?? Gezwungenermaßen nehme ich die in meinen unwissenden Laien-Äuglein absolut lächerliche Haltung ein und bekomme auch gleich ein „Hat dir jemand das Frühstück weg gegessen? Kuck doch nicht so böse!“ an den Kopf geworfen. WIE jetzt?? Ich hänge da wie die Kuh beim Tandemfahren und soll dann auch noch lieb nett fröhlich natürlich kucken? Bin ich ein masochistischer Gummimensch?
Angestrengt lächle ich mein bestes Zahnpasta-Lächeln und der irritierte Blick sagt mir, daß ich das nicht Doktor-Best-reif mache, aber der Fotograf drückt auf dem Auslööser und „Klick-Klick“ darf ich mich wieder entspannen.

„So, jetzt machen wir ein paar Bilder an dem Baum dahinten!“ befiehlt er mir und ich folge willenlos seinen Anweisungen. Er Profi – ich unwissend. Du Tarzan – ich Jane. Schon klar. Am Baum hagelt es auch schon wieder tausend Befehle: So, stell dich doch bitte mal hinter den Baum, Hände drum herum legen, das Gesicht bitte an die rechte Hand lehnen, den Kopf leicht schräg vom Baum weg – aber nciht zu sehr, nur ein klein wenig, und das Kinn bitte auf die Hand legen!“ tönt er gutgelaunt und stellt sich mit Kamera in Position.

Bitte?? Also... Gesicht hinter Baum ... ach Blödsinn, ich hinter Baum... Gesicht vor an die Hand ... ach ja, die Hände erst mal um den Baum legen ... Kinn auf Hand –das kapier ich!!!- und das Gesicht gerade – NEE, schräg und lächeln!!!
„Kopf bitte richtig an die Hand lehnen!“ erinnert er mich fröhlich. Wie konnt ich das nur wieder vergessen?? Ich lehn mein Gesicht an die Hand und lächle natürlich, ungezwungen, nett, freundlich und lustig, eben ganz so, als hät ich ein subba Frühstück gehabt und würde nicht fotografiert werden.
„Mach doch die Haare bitte mal zum Zopf, mit offenen haben wir schon ein paar Bilder.“ Seufzt. Grad wo ich so nett gekuckt hab“ Endlich ist er zufrieden und beginnt um den Stamm herum zu pilgern, um das optimale Licht zu finden und natürlich den günstigsten Winkel – der ist wichtig, erklärt er mir. Während er so nett eschäftig ist, macht sich in meiner Magengegend ein ungutes Gefühl breit. Um Himmels Willen! Spinnen!! Ohrnkriecher!!!! Auf dem Baum wimmelt es doch bestimmt davon! Ich bekomm eine Panikattacke nach der anderen, hoffentlich hält das mein Herz aus! Halloho, du da, fotografier doch bitte mal, damit die Mirjam von dem Baum hier weg kann!
Endlich hat er das mit Licht und Winkel auf die Reihe gekriegt und knipst ein paar Mal lustig herum und ich will mich schon erleichtert vom Baum lösen, da meint er eiskalt „Bitte den Rest vom Körper mal hinter den Baum, da kriegen wir einen besseren Effekt!“ Effekt?? Das heißt Infarkt!! Wie soll ich denn hinter diesen Baum kommen, der ist schräg, Mister Künstler! Ich sehe in fragend an. Doch, der meint das ernst. Also quetsche ich mich irgendwie hinter den Baum und versuche es einfach zu ignorieren, daß jetzt gerade tausend Ohrnkriecher und doppelt so viele Spinnen über meinen schmerzgpeinigten, verrenkten Körper krabbeln und sich einen Ast lachen, weil ich jetzt schlecht aufschreien, panisch losrennen und mich auf den Boden schmeißen kann, um die Viecher auf der Wiese wälzender weise los zu kriegen.

Wer schöne Fotos haben will, muß leiden, also grins ich Zahnpasta-reif und verdränge meine Angst. Klick-klick ... ich grinse weiter ... klick-klick ... ich grins und grins ... klick-klick .. oh gut, ich rutsche (!!!!!) ... klick-klick festkrallen, einfach nur festkrallen!! ... „Kuck doch nicht so verkrampft!“ mahnt der Fotograf. Wie jetzt?? Hallohoo? Lieg ich in Mallorca am Strand und schlürf ein eiskaltes Desperados oder hänge ich mit dem letzten Rest Überlebenswillen an einem Vaum, auf dem eine Ohrnkriecher-Kolonie in schönster Eintracht mit einer Spinnen-Siedlung lebt?? Himmel, Künstler sind so weltfremd! Er knipst noch ein paar mal, dann darf ich wieder in die Senkrechte und die Session ist beendet. Der Fotograf verspricht mir hoch und heilig, daß ich die Meisterwerke in zwei Tagen in Händen halten werden.

Zwei Tage später sehe ich allerdings nichts von irgendwelchen modelähnlichen Bildern von mir und auch die nächsten Tage vergehen ohne ein Zeichen von dem Fotograf. Schließlich begreife ich, warum das so lang dauert!
Der verzweifelte Fotograf versucht panisch, seine Behauptung „bei meinen Bildern sieh jeder gut aus“ durch komplizierter Retuschierarbeit am Computer zu beweisen. Daß das zwecklos ist, hät ich ihm aber auch gleich sagen können! Geschieht ihm aber recht, was muß er sich auch vor dem drittunfotogensten Menschen der Welt im Eigenlob suhlen?

Endlich, wieder sind Tage erhalten, erhalte ich eine Nachricht – der Fotograf ruft an und sagt mir, die Fotos seien subba geworden (sischer doch) und behauptet zu guter Letzt noch, ich säe aus wie auf einer Titelseite. „Aber sischer doch.“ antworte ich im Brustton all meiner Überzeugung aus den Tiefen meiner Seele. „HA!“ kommt es da von der anderen Seite der Leitung „Wollen wir wetten? Wir wetten um hundert Mark!“ Ich grinse fröhlich ins Telefon und rufe „OK!“ in den Hörer, gedanklich rechne ich aus, wie viele Tankfüllungen das gibt. Doch dann falle ich ungebremst ins Bodenlose. Der Fotograf, offensichtlich erschüttert, daß ich seine Wette annhemen will, entgegnet schnell (zu schnel!) „Gut, wir wetten um einen Cappucino!“ Hall, muß das so deutlich sein? Nach diesem Gespräch lösen sich all meine nie geträumten Traumbilder meiner vor der Schwelle stehenden Karriere als Newcomerin 2000 in der weltweiten Modelszene in Luft auf und ich sehe der grausamen Wahrheit ins Auge: ich bin nicht der Typ Frau, die ihrem Lebenspartner einen Fotokalender versprechne sollte – nicht mit den eigenen Bildern darin.

Aber es gibt einen Trost: ich bin immer noch fotogener als Bohlen und Biolek!


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-23 09:32:50 mit dem Titel Von einer die auszog Fahren zu lernen...

Wer kennt nicht mehr das sehnsüchtige Warten auf die große und schier allmächtige 18? Endlich erwachsen (zumindest den Lenzen nach) endlich alles machen was man will, heimkommen wann man will und zu guter Letzt: endlich Auto fahren! Alles supi – pünktlich ein halbes Jahr vorher beginnt man mit der ersten Theoriestunde und muß erst mal fast quietschen vor Lachen, weil es ja dermaßen LOGISCH ist, daß ein Auto nu auf der Strasse fahren darf und man sich an die Verkehrsregeln halten muß!

Irgendwann naht auch die erste praktische Stunde – als geübter Schwarzfahrer hab ich da keine Bedenken, also setz ich mich neben den Fahrlehrer, der dann erklärt, wie ich Sitz und Gurt einstelle und dann die Spiegel und so weiter. Dann kommt die Sache mit dem Schalte – Kupplung getreten halten und bitte mal in den ersten Gang schalten... ok, zweiter Gang, gut, jetzt bitte in den fünften... und so geht das weiter, bis der Fahrlehrer zufrieden ist. Selbstbewußt und beflügelt von dem Schalterfolg geht es nun an das wirkliche, echt Fahren auf einer Strasse – nicht in irgendwelchen Waldwegen oder Privatgeländen.

Also, Auto an... ach JA, anschnallen – ach lieber Fahrlehrer, das hät ich doch noch gemacht! So, jetzt anfahren, nicht zu viel Gas und... ja du popeliger Golf, jetzt mach doch ma hinne, zieeeeeh du trotteliges Auto...oho, die Handbremse! Räusper. Also ehrlich, wer kann denn als unerfahrener Fahranfänger ahnen, daß die Handbremse auf völlig ebenem Gelände angezogen ist – und das im Winter, wo doch alle Bekannten immer erzählen, das die da festfrieren kann?!

OK, auf ein neues, ohne Handbremse fährt auch der pupsige Golf, in dem ich sitz. So, der Fahrlehrer nickt zufrieden. Jetzt fahr bitte von dem Parkplatz runter und die Strasse rechts rein. Kein Problem, das schaff ich doch! Blinken nicht vergessen... welche Richtung war noch mal der Blinker nach rechts? Hmm, nach unten....? AHHHHH falsch, doch nach oben, hihi, passiert! Unter dem gestrengen Blick des Fahrlehrers biege ich nach rechts ab, natürlich sehr vorsichtig, schließlich ist das Fahren auf der Hauptstrasse doch nicht das selbe wie auf Feldwegen. Alles klar, gleich haben wir die Kurve fantastisch gemeistert, da meint der Fahrlehrer kühl, dass es erstens ein bisschen langsam war, wie ich gerade um diese Kurve geschlichen bin, da, wären um diese Zeit mehr Autos unterwegs gewesen, ein mittlerer Stau ausgelöst worden wäre und zweitens sei es absolut unnötig, sich selbst in die Kurve zu legen, da dies weder auf das Auto noch auf die Fahrtrichtung irgendwelche wie auch immer geartete Auswirkungen hätte. Hüstel. Also, lieber Lehrer, jetzt mal im Ernst – sooo langsam war das auch wieder nicht, wir hatten einmal fast einen zweistelligen kmh-Bereich und außerdem habe ich mich ja gar net sooooo arg in die Kurve gelegt und wenn doch, dann doch nur, weil das so ungewohnt ist... hüstel.

Ernüchtert fahre ich nun weiter, mit voller Konzentration auf die beiden Streifen, die die Fahrbahn begrenzen (ja, ich habe in Theorie echt aufgepaßt!), huhu, der rechte kommt näher, also nach links gegenlenken, ganz klar! Oh oh, zu weit nach links, doch wieder nach rechts... na super, wieso fährt denn das doofe Auto jetzt Schlangenlinien?? Meiner beim Üben hat das nie gemacht! Verscheißern?? Mit unendlicher Geduld fragt der Fahrlehrer, ob ich eventuell in der Lage wäre, etwas weniger stark und abrupt zu lenken, da er den nächsten Schüler auch gerne noch in DIESES Auto steigen lassen wollte. Räusper – Mensch, war doch Absicht! Ich wollt nur kucken, ob du bei der Sache bist!

Weiter gehts, der Motor röhrt, vielleicht sollte ich mal in den dritten Gang schalten, aber so lange der da neben nix sagt, schalt ich nix, nein nein, das laß ich schön bleiben, fehlt ja gerade noch, daß da noch so ein übermäßig kluger Kommentar kommt! Lalala, ich hör das nicht und wenn doch, dann ignorier ich das wohl. Ob ich vielleicht der Meinung sei, ich könne endlich in den Dritten schalten?! Motzt da der beifahrende Lehrer. Na super! Erst nix sagen und dann motzen oder was? Verscheißern?! Gekränkt schalte ich in den Dritten und beschleunige. Aufmerksam, wie ich nun mal bin, seh ich sofort, daß das runde Schild, an dem ich soeben vorbei genudelt bin, ein Hinweis dafür ist, daß ich schon hundert fahren darf. Kein Problem, mehr Gas... so, Hand an den Schalthebel... ja wieso eiert das denn so?? So, weiter gehts, Kupplung treten...Fuß vom Gas...schalten...wieder Gas...oh, jetzt hab ich glatt die Kupplung ein wenig schnell losgelassen... hihi passiert. So, weiter im Text. Der Fahrlehrer schweigt vor sich hin, ich sitze mit vor Konzentration zusammengepetzten Augen wie der Affe am Schleifstein und lenke begeistert vor mich in.

Aha, der Motor wird lauter, Zeit für den Fünften, ich verstehe! Nach der Kurve hier sollte ich mal schalten.... plötzlich sagt mein Nebenmann cool: „Schalten.“ Verscheißern?!?! Mitten in der Kurve?? Nix gibts, ich mag nicht, blödes Spiel!! Ich schalt nach der Kurve, keine Sekunde vorher. De Aufforderung wird nochmals wiederholt, diesmal laut, deutlich und im Befehlston – bin ich bei der Bundeswehr?? Aber gut, ich schalte... geschafft! Der Seitenstreifen kam bedrohlich nahe, aber wir fahren ja noch!
Glücklich über die –naja, relativ reibungslosen ersten 10 Minuten bis jetzt, fahre ich aufmerksam weiter. Ja, Spiegel kucken... erst innen, dann außen! „Der Golf hinter uns ist aber häßlich“ – diese Information dient einzig und allein dazu, dem Fahrlehrer zu beweisen, wie toll man schon Spiegel-Guggen-Und-Gefahren-Oder-Automarken-Erkennen kann. Selbstzufrieden fahre ich frisch fromm fröhlich und mehr oder weniger frei weiter, als sich der Lehrer räuspert. Wie jetzt? Naja, der hat wohl ein Frosch im Hals, passiert ja wahrscheinlich auch nicht so oft, daß jemand in der ersten Stunde so aufmerksam fährt...RÄUSPER...Verscheißern?! Was soll denn das? Leicht gekränkt erkläre ich dem Fahrlehrer, daß ich ja wohl alles richtig mache – Schalten, Spiegel kucken, Lenken ... und da sieht er aufmerksam in Richtung Tachometeranzeige, ich folge seinem Blick und erschrecke. Hui, 140 Sachen, erstaunlich, wie schnell ein Golf – wohlgemerkt ein GOLF – sein kann. Verlegen bremste ich ein bißchen und tue, als wär eigentlich nichts gewesen.

So geht das noch eineinhalb Stunden weiter und in den nächsten Stunden wird es auch nichts besser. Kaum kann man lenke, kommt der unnötige Rechts-Vor-Links Kram dazu. Soll ich jetzt ganz abbremsen an der Kreuzung oder langsam fahren – egal für was ich mich entscheide, es ist garantiert falsch!

Und wer konnte schon ahnen, das eine Spezies, der man vor kurzem selbst noch angehörte, zu einer überaus bedrohlichen und unkalkulierbaren Gefahr entwickelt – jedesmal, wenn ein Fußgänger auf dem Gehweg daherspaziert, bekomme ich Panikattacken und Schweißausbrüche, denn wer weiß, ob der nicht plötzlich auf die Idee kommt, auf die Fahrbahn zu hüpfen?

Auf der Autobahn werde ich fast von einem LKW überfahren, der selbst meinen Fahrlehrer in Angst und Schrecken versetzt hat; auf der langen Fahrt nach Strassburg darf ich nicht schneller als 130 fahren und als ich endlich mal kurz die 200 Marke erreiche, bin ich plötzlich der schlimmste Repräsentant aller Fahrschüler!

Bei der ersten mir völlig unbekannten Landstrasse telefoniert mein Lehrer munter vor sich hin während ich Blut und Wasser schwitzender Weise Traktoren überholen muß und kaum hat er aufgelegt, beginnt er mir Ikea-Küchen im entsprechenden Katalog zu zeigen und motz bei meinem unkonzentrierten„Ja, die ist echt schön“ auch noch herum, daß ich nicht richtig hingekuckt hätte – verscheißern?! Wenn ich mal meinen Blick von der Fahrbahn löse um u sehen, wo um Himmels Willen ich eigentlich herumfahre, heißt es immer, ich soll mich auf die Strasse konzentrieren!

So rückt der Führerschein scheinbar in immer weitere Dimensionen, und das, obwohl der Lehrer ja immer sagt, das schaff ich auch noch.
Das schlimmste an der Sache ist, daß der 18te Geburtstag sich direkt proportional zur Entfernung des Führerscheins nähert und ich auch schon meinen eigenen höchstpersönlichen Autoschlüssel zu meinem eigenen,, höchstpersönlichen Auto am Schlüsselbund baumeln habe – und nicht fahren darf!!

Der nette Fahrlehrer tröstet mich – Mädchen, ich versprech dir, du schaffst die Prüfung! Und du wirst dein eigenes Auto fahren! Vielleicht kannst du ihn da auch schon als Oldtimer anmelden! VERSCHEISSERN?!


oooooooooooo
o„Nachwort“o
oooooooooooo

Ich hab mein Führerschein beim ersten Mal geschafft, obwohl ich beim Rückwärts-Einparken näher an der linken Straßenseite stand als an der rechten (-; Den Prüfer schien das nicht zu stören, aber das ist eine andere Geschichte...

Was mich interessieren würde: Fährt einer von euch noch so wie das in der Fahrschule gelernt wurde?

25 Bewertungen, 6 Kommentare

  • anonym

    27.11.2002, 16:21 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hab das ganze Unterfangen vor mir hergeschoben bis ich 21 war....mein Fahrlehrer hatte auch ganz schön zu leiden...hab dann aber alles beim ersten Mal geschafft....man gewöhnt sich wohl dann die eine oder andere Unart an ;o)

  • Anubis71

    30.07.2002, 22:39 Uhr von Anubis71
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wieder mal ein köstlicher Bericht von Dir. Ich denke auch gerne an meine ersten "Reitstunden" zurück! :-))

  • BruceWilli

    30.04.2002, 15:00 Uhr von BruceWilli
    Bewertung: sehr hilfreich

    Natürlich nicht mehr! In der Fahrschule lernt man Dinge die sich im Straßeneverkehr eh nicht verwirklichen lassen. Wenn jeder so fahren würde wär glaub noch ein größeres Chaos auf der Straße wie es jetzt schon oft der

  • anonym

    30.04.2002, 14:20 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mein Fahrlehrer war ganz anders: Kein sinnloses Am-Ort-vor-sich-hinschalten und keine Ikeakataloge. Dafür köstliche Zigaretten, die ich unbemerkt und genussvoll in mich aufsaugte, ständige Ermahnungen, dass ich zu den Berufsrasern gehör

  • uteker

    29.04.2002, 22:46 Uhr von uteker
    Bewertung: sehr hilfreich

    Obwohl das bei mir schon viele, viele Jahre (37 Jahre) her ist, irgendwie war es damals schon genau so. Es hat Spaß gemacht, deinen humorvollen Bericht zu lesen. Gruß Ute

  • Peacemaker4all

    24.04.2002, 01:02 Uhr von Peacemaker4all
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bitte schau doch auch mal bei mir rein!