Versicherungskaufmann/frau Testbericht

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Erfahrungsbericht von seehuhn

Der Weg zum Versicherungskaufmann bzw. zur Versicherungskauffrau

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hallo liebe Leser,

ich habe im Januar meine Ausbildung zur Versicherungskauffrau abgeschlossen und möchte euch nun etwas über den Weg dorthin erzählen.

Ausbildungsdauer
Versicherungskaufmann/frau ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, der nach dem Berufsbildungsgesetz geregelt ist.
Die Ausbildung dauert normalerweise 3 Jahre, kann aber auf 2 bzw. 2,5 Jahre verkürzt werden. Ob man die Lehrzeit verkürzt hängt von der bisher besuchten Schule und den Leistungen in der Berufsschule ab.
Ich habe einen Realschulabschluss und war in den ersten beiden Jahren relativ gut in der Schule. Deshalb habe ich meine Lehrzeit, mit Einverständnis meines Ausbildungsbetriebes, auf 2,5 Jahres verkürzt.

Die Ausbildung endet mit einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung, welche von der IHK abgehalten wird.

Ausbildungsform
Die Ausbildung wird im dualen System durchgeführt, das heißt, teils Schule, teils Betrieb.

Der Berufsschulunterricht findet meist 2 Tage wöchentlich statt. In manchen Bundesländern findet aber auch Blockunterricht statt.

Berufsschulunterricht
Der Unterricht findet in den Fächern Versicherungslehre, Wirtschaftskunde, Sozialkunde, Rechnungswesen, Datenverarbeitung (nur im ersten Lehrjahr), Englisch, Deutsch und Religion (nur im zweiten Lehrjahr) unterrichtet.

Religion wird allerdings nicht in allen Bundesländern unterrichtet. Meiner Ansicht nach ist dieses Fach Zeitverschwendung.
In manchen Bundesländern wird auch Sport unterrichtet. Auch total überflüssig. Religion hatten wir statt Datenverarbeitung. Man stelle sich mal vor, in der heutigen Zeit, in der alles mit Computer abgewickelt wird, wird Datenverarbeitung nur im ersten Jahr unterrichtet. Bei diesem Unterricht hättet ihr mal dabei sein sollen. Die erste Stunde befasste sich damit, wie man einen Computer einschaltet.

In Versicherungslehre wird das Wissen über die einzelnen Sparten übermittelt. Zumindest geben sich die Lehrer Mühe. Die Lehrer sind an die Stundenpläne gebunden und es gibt nicht mal kurzfristige Änderungen. Über die neue Riester-Rente wurden wir nicht informiert. Kein Wort.

In den anderen Fächern wird viel wirtschaftliches Grundwissen übermittelt, was man aber nicht immer wirklich braucht. Gehört eben zur Allgemeinbildung.

Zugangsvorrausetzungen
Rechtlich ist nichts festgelegt, jedoch wird von den meisten Arbeitsgebern meistens mindestens der Realschulabschluss vorausgesetzt. Abitur oder Fachabitur wird aber auch gern gesehen.
In unserer Klasse war ein Schüler mit Hauptschulabschluss. Die meisten hatten Abitur oder Fachabitur.

Ausbildungsvergütung
In der Versicherungs- und Bankbranche sind die Vergütungen recht hoch. Soweit ich weiß, sogar eine der höchsten.

1. Ausbildungsjahr: € 687
2. Ausbildungsjahr: € 757
3. Ausbildungsjahr: € 825

Sonstiges
Vor Ausbildungsbeginn sollte man schon festlegen, in welchen Bereich man gehen möchte. Lieber verkaufsorientiert in den Außendienst oder in den organisatorischen Bereich, dem Innendienst.

Einen Job zu finden ist wahrscheinlich für einen Außendienstangestellten einfacher, wie einen Angestellten im Innendienst. Dies liegt aber vor allem daran, dass die meisten Außendienstangestellten kein oder nur ein sehr geringes Grundgehalt haben. Man hat also kein geregeltes Einkommen. Hat man einen schlechten Monat und verkauft nichts, ist das monatliche Entgelt auch dementsprechend gering.
Deshalb habe ich mich auch für den Innendienst entschieden. Ich wollte ein geregeltes Einkommen und eine feste Arbeitszeit. So arbeite ich von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Im Außendienst fängt die Hauptarbeitszeit erst am 16.00 Uhr an, da ja die meisten Versicherungsnehmer auch arbeiten und erst abends Zeit haben.

Meine Erfahrungen
Meine Ausbildung habe ich bei einem kleinen Versicherungsmakler gemacht. Obwohl eine Ausbildung bei einem Makler gut sein soll (laut meinem Chef) kann ich sie nicht unbedingt empfehlen.
Ich hatte nicht, wie viele aus großen Versicherungen, Schulungen. Ich hab mir mehr oder weniger, alles selber beigebracht, da schon gar nicht die Zeit war, um sich umfassend mit mir zu befassen.

Am Anfang der Ausbildung ist man eigentlich nur für die üblichen Bürojobs zuständig: Kopieren, Faxen, Briefe schreiben, Aktenablage, Kaffee machen.
Mit der Zeit wird es dann immer mehr.

Auch wer im Innendienst wird nicht um Verkaufsgespräche herumkommen. Natürlich nicht unbedingt mit den großen Produkten, wie Lebens- oder Krankenversicherung, aber eine Haftpflicht oder eine Hausratversicherung muss man schon verkaufen können.

Für einen Auszubildenden im Außendienst sind die Beratungsgespräche wirklich nicht ganz einfach. Aber mal ehrlich: Wer von euch würde einem 18-jähringen Jüngling ohne Ahnung eine Lebensversicherung abkaufen? Also ich nicht.

Im zweiten Lehrjahr kann man schon sehr viel machen. In diesem Job ist es aber schon wichtig, dass man fast alles noch von seinem Ausbilder oder seinem Chef noch einmal kontrollieren lässt. In diesem Beruf kann ein Fehler verheerende Folgen haben. Ich habe einmal versehentlich die Kontonummer des geschiedenen Ehepartners angegeben. Dieser wollte das Geld nicht zurückzahlen. Gab ziemlich Stress.

Im November 2001 hatte ich meine schriftliche Abschlussprüfung. Diese legt man in den Fächern Versicherungslehre, Wirtschaft- und Sozialkunde und Rechnungswesen ab.
Diese Prüfung sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie ist wirklich nicht gerade einfach.

Nach ca. 4 Wochen erhielt ich dann die Bepunktung und die Einladung zur mündlichen Prüfung, welche bei einer Versicherung im Büro durchgeführt wird. Bei mir war es die Frankfurter Allianz in Augsburg.
Dort findet dann ein ca. 20 Minuten dauerndes Beratungsgespräch statt. Ich muss echt sagen, ich hatte Panik vor der mündlichen, da ich ja im Außendienst keine Erfahrung habe. Doch wer sagt es denn: Ich habe mit 95% (eine glatte 1) meine mündliche Prüfung bestanden.

Die Ausbildung endet mit bestehen der mündlichen Prüfung. Da ich ganz kurzfristig doch nicht übernommen werden konnte (vielleicht auch nicht wollte) bin ich seit diesem Tag arbeitslos.

Allerdings hat man mit der Ausbildung zum Versicherungskaufmann/frau viele Möglichkeiten.
Man kann in der Bank arbeiten, in Bausparkassen, in Büros…

So, ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick geben. Sollten Ihr noch Fragen haben, so bin ich gerne bereit diese zu beantworten.

54 Bewertungen, 5 Kommentare

  • diabolo26

    01.08.2002, 14:20 Uhr von diabolo26
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich bin Versicherungsmakler und finde Deine Bewertung echt gut. Sehr Aussagekräftig.

  • Duffy_2000

    31.03.2002, 05:22 Uhr von Duffy_2000
    Bewertung: sehr hilfreich

    perfekt !! (Dein Bericht meine ich) Gruß Dietmar

  • Schnecke65830

    30.03.2002, 19:37 Uhr von Schnecke65830
    Bewertung: sehr hilfreich

    Versuchs doch mal bei der R+V, die suchen immer Leute... Falls das was wird - ich bekomme sogar ne Provision für Vermittlungen - meld Dich doch einfach mal ;-) Herzliche Grüße und schöne Feiertage

  • pepsiman

    26.02.2002, 01:06 Uhr von pepsiman
    Bewertung: sehr hilfreich

    Nach der Ausbildung kannst du wenigstens richtig beraten, nicht wie die Jungs nach BWV oder so.

  • _TranceRider_

    20.02.2002, 01:35 Uhr von _TranceRider_
    Bewertung: sehr hilfreich

    naja, in eine Bank muss man als Versicherungskaufmann erstmal kommen.