Die Farbe Lila (Taschenbuch) / Walker Alice Testbericht

ab 5,82
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004

5 Sterne
(5)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Hedwig_2010

Rot für den Körper und blau für den Geist

Pro:

Die Beschäftigung mit einer anderen Kultur als der eigenen, die auf den ersten Blick anders ist und doch sehr viel mit der eigenen gemeinsam hat(te).

Kontra:

Nichts

Empfehlung:

Ja

Wenn ich mir manche Romane so durchlese und deren Inhalt auf mich wirken lasse, muss ich doch feststellen, dass ich froh und dankbar bin, in einem der schönsten und freiesten Länder der Welt leben zu können. An meiner Arbeitsstelle ist es mir des Öfteren passiert, dass ich Menschen mit Migrationshintergrund - wie man ja heute zu sagen pflegt - vor mir habe, bei denen man doch stark merkt, dass ihre Gesellschaften vor allem die Gleichstellung der Frauen noch lange nicht so auf dem Plan haben wie wir in Deutschland. Sicher, bei uns gibt es auch noch einiges zu tun, bis die Balance wirklich stimmt. Aber ich bin schon in einer Zeit aufgewachsen, in der es recht normal war, dass auch Mädchen Abitur machten und studierten. Ich selbst habe es nie nötig gehabt, mich gegen meinen Lebenspartner behaupten zu müssen, habe aber bei anderen Frauen doch mitbekommen, dass da manchmal Courage erforderlich war und es ist auch in unserer Gesellschaft noch gar nicht so lange her, dass Frauen eine schriftliche Einverständniserklärung des Ehemannes benötigten, wenn sie arbeiten gehen wollten.
Sexuelle Gewalt wird bei uns auch mittlerweile in der Ehe geahndet und insgesamt gesehen kann man in unserem Land doch schon behaupten, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter enorme Fortschritte macht. Hoffen wir mal, dass hier lebende Menschen aus anderen Kulturkreisen auch davon "angesteckt" werden und die Vorteile einer vernünftigen Partnerschaft als konstruktives Zusammenleben erfahren werden.

Den nachfolgend vorgestellten Roman werden viele schon als Film gesehen haben und Steven Spielberg hat mit der Verfilmung auch völlig zurecht ein bewegendes und beeindruckendes Werk geschaffen. Nichtsdestotrotz möchte ich auch den Roman noch zum Lesen empfehlen, denn er hat doch einige Besonderheiten und Facetten zu bieten, die ein Film halt nicht so vermitteln kann.

Doch zunächst:



Autor: Alice Walker
Titel: Die Farbe Lila
Originaltitel: The Colour Purple
Erschienen: Januar 2011
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-10: 340492133X
ISBN-13: 978-3404921331
Seitenanzahl: 272
Einband: TB
Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 12,4 x 2,2 cm




Alice Malsenior Walker (* 9. Februar 1944 in Eatonton, Georgia) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und politische Aktivistin. Sie erhielt 1983 für ihren Roman „Die Farbe Lila", Originaltitel „The Color Purple", als erste schwarze Frau den Pulitzer-Preis für Belletristik. Sie erzählt mit dieser Geschichte, die von Steven Spielberg erfolgreich verfilmt wurde, Essentielles aus dem Leben ihrer eigenen Großmutter und gibt uns Lesern einen Einblick in das Leben und die Mentalität der Farbigen in den Südstaaten der USA einige Jahre vor den Weltkriegen.

Allerdings erhielt sie bei weitem nicht nur Lob, sondern wurde teilweise regelrecht geächtet, weil sie in ihrem Buch viele männliche Schwarze als brutal und gewaltbereit darstelle.

Die Vita dieser Autorin ist bemerkenswert, recht bewegt und mindestens genau so interessant wie das hier vorgestellte Buch. Wer sich für das Leben und Wirken der Autorin interessiert, dem sei diese Seite auf Wikipedia zum Lesen sehr empfohlen: http://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Walker. Ich bin nämlich der Ansicht, dass es den Rahmen dieser Buchvorstellung diesmal wirklich sprengen würde, auf diese Autorin und ihre eigenen Aktivitäten und ihre Geschichte detailliert einzugehen.




Das Buchcover ist natürlich - wie könnte es auch anders sein - in einem frischen Lilaton gehalten und hat in der oberen Hälfte quasi eine Art Fenster, in dem man eine junge Schwarze sieht, die dem Leser recht ausdruckslos entgegenblickt. Bei einem Blick ins Buch selbst, stellt man sofort fest, dass der ganze Roman in Briefform geschrieben ist. Dazu in einer Umgangssprache, die zwar gewöhnungsbedürftig ist, der man sich durch ihre Eindringlichkeit aber kaum entziehen kann. Mich hat das insgesamt noch neugieriger gemacht, ob der Roman mit der wirklich beeindruckenden Verfilmung mithalten kann. Meistens habe ich zuerst das Buch gelesen und schaue dann den Film. Hier war es aber umgekehrt und ich gebe zu, es nicht bereut zu haben, dass ich mir das Buch doch noch gekauft habe.
Allerdings besitze ich eine gebundene Ausgabe, deren Coverbild ich viel treffender und schöner finde: Im oberen Drittel ist nämlich ein Blumenfeld zu sehen, in dem sich zwei junge, schwarze Frauen freundlich und offenbar fröhlich schwatzend gegenüber stehen. Ein sehr harmonischer, einladender Anblick.




Celie wird als 14jähriges Mädchen von dem Mann, von dem sie glaubt, dass es ihr Vater sei, mehrfach missbraucht. Ging sie zunächst mit ihrer Schwester Nettie sehr gern in die Schule, wird dies nach dem Tod ihrer Mutter und ihrer eigenen zweiten Schwangerschaft nach einer kurzen, aber erfolglosen Intervention der Lehrerin schlicht und einfach eingestellt. Ab sofort sorgt Celie als Älteste für die ganze Familie. Zunächst völlig überfordert damit, wächst sie doch allmählich in dies Leben hinein und erwirbt für sich selbst eine fatalistische Lebenseinstellung. Auflehnung, das hat sie an ihrer Mutter erlebt, bringt den Tod und Celie will leben.

Die zwei Kinder, die sie gebärt, werden von ihrem vermeintlichen Vater verkauft. Sie selbst verschachert er regelrecht an einen Mann mit schlechtem Ruf - seine Frau wurde ermordet - , als klar wird, dass dieser sich eigentlich an Celies jüngere Schwester Nettie heranmachen will, die der vermeintliche Vater für sich selbst haben will. Damit er Celie auch los wird, erzählt er Albert, dass sie keine Kinder mehr bekommen könne und gibt sogar eine Kuh dazu, die sie mühevoll selbst aufgepäppelt hat. Celie selbst bekommt alles mit, nimmt aber alle Erniedrigungen, Prügel und aufgetragenen Dienstmädchenarbeiten des ihr aufgezwungenen Ehemanns Albert, den sie für sich nur Mr... nennt, klaglos hin.

Sie versorgt Haus, Hof und Feld, ihn und seine tyrannischen Kinder und kommt gar nicht auf den Gedanken, sich gegen ihn aufzulehnen oder für sich selbst irgendwelche Rechte zu beanspruchen. Sie kennt bisher für sich einfach kein anderes Leben, als den ganzen Tag zu arbeiten und einfach weiterzuleben, egal, was kommt. Zu tief ist sowohl der lange physische als auch psychische Missbrauch, den Celie erfahren musste.

Ihre Schwester Nettie, die ihr, wann immer es möglich ist, weiterhin lesen und schreiben beibringt, erklärt ihr oft, dass sie sich gegen ihren ihr aufgezwungenen Ehemann und dessen Kinder wehren und behaupten solle, aber Celie glaubt selbst nur daran, dass sie nichts anderes könne, als jeden Tag irgendwie zu überstehen, hält sich selbst für hässlich und dumm. Auch der Besuch von Alberts Schwestern, die ihre Haushaltsführung loben, ihr ein neues Kleid verschaffen und sie dringend auffordern, sich gegen ihren Mann öfter mal durchzusetzen, ändern nichts an Celies Haltung. Sie bekommt alles rund um sich mit, funktioniert aber nur, wie wir heute sagen würden.

Durch einen puren Zufall sieht Celie einmal ihre Tochter Olivia mit deren neuer Mutter beim Einkaufen und ahnt mehr, als dies durch Beweise zu wissen, dass ihre Kinder an diese Frau, Ehefrau eines schwarzen Pfarrers, verkauft worden sind. Als ihre Lieblingsschwester Nettie, mit der sie eine innige Beziehung hat, von zuhause wegläuft, weil sie die Zustände dort nicht mehr aushält, rät ihr Celie, bei dem Pfarrer Samuel und seiner Frau Corinne um eine Stellung nachzusuchen, die Nettie nicht nur erhält, sondern sich im Laufe der Zeit mit dem Ehepaar anfreundet und ihren weiteren Lebensweg mit ihnen beschreitet. Allerdings geht Samuel mit der Familie als Missionar nach Afrika und Netties Briefe an Celie fängt Albert ab. Celie geht daher davon aus, dass Nettie tot sei.

Doch beileibe nicht alle Frauen in ihrer Umgebung leben wie Celie. Der älteste Sohn von Albert, Harpo, verliebt sich in Sofia, ein resolutes, stämmiges, selbstbewußtes Mädchen, dass sich nichts gefallen lässt. Er möchte nach ihrer Heirat eigentlich die gleiche Gewalt über seine junge Frau haben wie Albert über Celie, ist aber nicht in der Lage, sich gegen sie durchzusetzen. Während ihres Zusammenlebens haben diese beiden die traditionellen Geschlechterrollen sogar getauscht. Sofia werkelte ständig an ihrem Haus herum und erledigte lieber alle schwereren Arbeiten, als zu kochen oder die Kinder zu versorgen. Dies übernahm zwar Harpo, allerdings löste seine Unzufriedenheit über ihr gemeinsames Leben bei ihm streckenweise so etwas wie Bullemie aus. Unfähig, ihrer beider Konflikt durch Gespräche zu lösen, wird Harpo schließlich von Sofia verachtet und verlassen. Ihre Unbeherrschtheit und ihr Stolz werden Sofia allerdings zum Verhängnis. Vom Bürgermeister auf der Strasse angesprochen, weigerte sie sich zunächst, als seine Haushälterin und Kinderfrau zu arbeiten und - von ihm dazu tätlich provoziert - schlägt sie ihn zurück. Von der eingreifenden Polizei halb tot geschlagen, landet sie im Gefängnis und muss als Hafterleichterung (wiederum nur durch Schändung einer anderen Frau erreicht) nun doch in seinem Haushalt Sklavenarbeit leisten. Allerdings behandelt der Bürgermeister seine eigene weiße Frau ebenfalls wie den letzten Dreck und so nähern sich diese beiden Frauen allmählich einander an und Sofia bringt der Bürgermeistergattin sogar das Autofahren bei.

Da Celie seit Netties Fortgang nun niemanden mehr hat, dem sie ihre intimsten Sorgen und Nöte anvertrauen kann, schreibt sie zunächst Briefe an Gott. Diese schreibt sie, wie es ihr gerade in den Sinn kommt und es stehen bei ihr wichtige Ereignisse auf gleicher Ranghöhe und werden scheinbar genauso emotionslos erzählt wie unwichtigere. Einzig bei einem Thema ändert sich der Tonfall ihrer Schreiben: der Sängerin Shug Avery. Von ihr hat sie einmal ein Foto gesehen, das sie sehr beeindruckt hat und diese Frau würde sie gerne einmal leibhaftig sehen. Schon immer hat sie diese Frau bewundert, erschien sie ihr doch alles zu sein, was sie selbst nicht ist: schön, reich, eigenständig, unabhängig und stolz. Sie bekommt mit, dass ihr Ehemann Albert mit Shug ein Verhältnis haben soll, bei dem er sich allerdings offenbar als der Schwächere erweist. Als Shug schwer erkrankt und von Celies Ehemann, der mit Shug ein Verhältnis hat, zum Gesundpflegen zu ihnen nach Hause geholt wird, verändert sich ihrer aller Leben durch diese lebensfrohe, selbstbewußte Frau langsam, aber stetig. Durch Shug lernt sie auch, dass Sexualität nicht weh tun muss und dass es Zärtlichkeit auch für sie gibt. Shug findet auch heraus, dass Albert Celie unterdrückt, schlägt und, dass er die Briefe von Nettie unterschlagen hat. Allerdings erst da wacht Celie auf und denkt sogar daran, ihren Mann umzubringen.

Die weitaus bessere Lösung ist allerdings ihr Sprung in die Selbstständigkeit mit Shugs Hilfe. Durch ihre Fertigkeiten und Kreativität beim Nähen motiviert, eröffnet sie erfolgreich eine Schneiderei und schreibt ihre Erlebnisse nun an Nettie - quasi als Antwort auf deren Briefe - in der Hoffnung, sie irgendwann doch wiederzusehen. Mit dem Erlangen auch finanzieller Unabhängigkeit wächst nun endlich auch Celies Selbstbewußtsein, während Albert unter dem Fortgang beider Frauen leidet und fast vor sich hin vegetiert. Dies ist wiederum eine ganz ungewohnte Erfahrung für Celie und zwischen Albert und ihr entsteht fast so etwas wie eine Freundschaft. Allerdings kehrt sie nicht zu ihm zurück. Ihr Herz gehört nach wie vor Shug und ihrer Schwester Nettie, mit denen sie mehr verbindet als mit irgendeinem männlichen Wesen. Schließlich erbt sie zusammen mit ihrer Schwester Nettie, die endlich aus Afrika zurückkehrt, das Haus ihres mittlerweile verstorbenen vermeintlichen Vaters und für Celie ist nun endlich das Glück in ihr Leben gekommen.




Der Roman ist in Briefform geschrieben, zunächst als Briefe an Gott, später beantwortet die Protagonistin Celie quasi die vor ihr lange verborgenen Briefe ihrer Schwester. Das letzte Kapitel bzw. der letzte Brief Celies ist dann an Gott, an die Sterne, die Bäume, den Himmel, die Menschen und einfach alles gerichtet und zeigt dadurch schon, dass sich für Celie zum Schluß nach einem harten, entbehrungsreichen Leben alles zum Guten wendet.

Die Sprache ist ungewöhnlich und teilweise regelrecht etwas anstrengend, da es in starker und - passend wohl zum Bildungsstand der Protagonistin - oft sehr einfacher Umgangssprache geschrieben ist. Die Autorin lässt ihre Protagonistin Celie eben einfach so schreiben, wie diese gerade denkt und das erfordert vom Leser hohe Aufmerksamkeit, bewirkt aber gerade dadurch die hohe Glaubwürdigkeit des Romans. Es ist mit voller Absicht so geschrieben und die Sprache Celies verändert sich im Laufe des Zeitraumes, in dem der Leser ihr Leben begleiten darf. Ihr Selbstbewußtsein wächst und sie beschreibt vieles detaillierter, was zu Anfang nur angedeutet wurde.




Das Buch ist, wie auch der Film, sehr beeindruckend und berührt mich als Frau eventuell noch stärker als männliche Leser. Die Autorin erzählt mit Hilfe Celies als Protagonistin von Unterdrückung, die ich selbst nie kennengelernt habe, aber auch heute noch in den Medien ständig damit konfrontiert werde. In Europa und explizit in Deutschland kommt man ja eher selten damit in Berührung, dass Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. In Deutschland kämpfen Frauen nicht nur aus meiner Sicht "nur" noch um völlige Gleichbehandlung bei der Bezahlung und Beförderung im Job. Aber das sind wirklich Peanuts gegenüber der Lebenssituation vieler Frauen auf der Welt. Das, was Alice Walker in ihrem Roman anspricht, ist für viele nicht längst dunkle Vergangenheit sondern heutige Realität. Traditionen halten sich, bei denen junge Mädchen die Vagina zugenäht oder die Klitoris beschnitten wird. Nur der spätere Ehemann hat das Recht, die Nähte zu entfernen und dass Sex auch den Frauen gefallen sollte, ist nicht erwünscht. Selbst wenn man solche krassen Beispiele ausklammert, ist Bildung und eigenständiges Leben und Wirken für viele Frauen und Mädchen eine unerreichbare Utopie, obwohl sie nur einige hundert Kilometer von uns entfernt sind. Das, was die Autorin in ihrem Roman "Die Farbe Lila" erzählt, ist zwar eine lebensumspannende Geschichte, die vor nunmehr knapp hundert Jahren spielt, aber in vielen Winkeln der Erde auch heute noch in abgewandelter Form bittere Realität ist. Wirkliche Gleichberechtigung unter den Geschlechtern und allen Hautfarben der Menschen ist ein langer und schmerzhafter Prozeß.

Ich verstehe zwar, dass es eine Handlungskette gibt, die vom Starken zum Schwachen abfällt. Wird man (in diesem Fall die schwarzen Männer von den Weissen) von Stärkeren getreten und schlecht behandelt, ist es offenbar oft die Regel, das Gleiche an wiederum Schwächere einfach weiterzugeben. Gut ist das allerdings nicht und es bedeutet lediglich eine Verlagerung der Probleme. Um wieviel beeindruckender ist daher Celies stille Duldung und die Kraft, die dahinter stehen muss. Hätten Harpo und Sofia etwas später gelebt, wäre Harpo sogar für seine Fürsorglichkeit und Versorgung der Kinder bewundert worden, Sofia hätte man heute für ihr selbstbewußtes Auftreten und ihre Tatkraft auch beneidet und ihre Ehe wäre bei der heutigen Philosophie der Gesellschaft ganz anders angesehen gewesen. So, wie es damals war, galt Harpo allerdings als Schwächling und litt entsprechend darunter.

Mir hat an diesem Roman so viel gefallen, dass es richtig schwerfällt, alles einzeln aufzuzählen: die Erzählweise von Celie, der Protagonistin des Romans, der Aufbau in Briefform, die Einblicke, die man beim Lesen über die doch recht fremde und doch teilweise so vertraute Mentalität und Kultur von Schwarzen erhält, die Herausarbeitung der unterschiedlichen Charaktere...kurzum: mir hat an diesem Buch wirklich alles gefallen und ich kann es nur jedem empfehlen zu lesen.

Durch Shug lernt Celie erst richtig, sich selbst Freude am Leben, ihrer ureigensten Art und an ihrem eigenen Körper zu gönnen. Sie erzählt ihr, dass es Gottes Wille sei, das man sich Glück auch wirklich nimmt und gönnt und dass es ihn ärgere, Zitat: "...wenn du irgendwo in einem Feld an der Farbe Lila vorbeigehst und sie nicht siehst." Celies Art, mit ihrem Leben zurecht zu kommen, sich nicht zu wehren, sich selbst immer zuletzt zu berücksichtigen, versteht man heute genau so wenig wie damals. Und doch ist da eine innere Stärke, die mir persönlich sehr imponiert. Es ist nicht wichtig, wie oft man hinfällt, wichtig ist nur, immer wieder aufzustehen und weiterzugehen. Sie ist kein nachtragender Mensch, verzeiht sogar Albert und anderen, die ihr Leid zufügten und hört nie auf, mit dem zufrieden zu sein, was ihr das Leben bietet, bis zuletzt sogar ihr persönliches Stückchen vom Glück eintritt.

Gleichberechtigung funktioniert nicht von heute auf morgen. Es ist ein langer Weg, bis allen Teilen der menschlichen Gesellschaft einleuchtet, dass nur ein Miteinander anstatt ein Gegeneinander etwas bringt. Wie Alice Walker auch im Roman einen ihrer Protagonisten sagen lässt: "...auf der Suche nach der Lösung für die großen Fragen dieser Welt lösen wir einfach nach und nach die kleinen".

Zusatz: Ich habe mal versucht, mich über die Bedeutung der Farbe Lila ein wenig zu informieren. Ich zitiere hiermit mehr oder weniger wörtlich, was ich dazu alles gefunden habe:

Lila steht nach meiner Recherche als Farbe in verschiedenen Kulturen als Bindeglied zwischen Körper (Rot) und Geist (Blau). Demnach ist es quasi eine Farbe, die zwischen beiden Balance/Harmonie ausdrückt. Oft wird diese Farbe auch mit Würde und Weisheit in Verbindung gebracht und soll das seelische Gleichgewicht und die Entschlusskraft fördern, kann aber auch zweideutig wirken, mystisch und magisch. ... "Überall da wo Erotik unterdrückt wird, kommt sie zu Vorschein", schreibt der Luzerner Psychologe Max Lüscher in seinem Buch "Die Farben der Liebe". Im Volksmund gilt Lila als die "Farbe des letzten Versuchs" - manche ältere Dame soll angeblich mit violett gefärbten Haaren und anderen Accessoires in diesem Farbton unbewusst signalisieren, dass ihr erotische Interesse noch nicht erloschen sei. Im kirchlichen Bereich symbolisiert violett/lila einerseits die Rangfarbe der Bischöfe, andererseits die Farbe der Buß - und Fastenzeit, vor Ostern und Weihnachten. Bei vielen, von der kulturellen Zivilisation relativ unbeeinflußten Menschen der Erde erfreut sich violett außerordentlicher Beliebtheit. Je höher zivilisiert und komplizierter die Kulturen und je höher ihr intellektuller Anspruch und Einkommen sind, desto mehr stößt violett auf Ablehnung. Im Feminusmus symbolisiert violett den Anspruch der Frauen auf die Macht und die Gleichheit von Männern und Frauen.

Ob und welche Bedeutung die Farbe Lila/Violett nun tatsächlich für die Protagonistin Celie oder die Autorin hat, erschließt sich mir nur bedingt. Ich habe das vage Gefühl, dass ihr am ehesten an der Balance zwischen Körper und Geist gelegen ist, die diese Farbe symbolisieren soll. Aber macht Euch doch einfach beim Lesen selbst ein Bild.

Herzlichen Dank für das Lesen und Bewerten meines Berichts

Hedwig_2010

73 Bewertungen, 18 Kommentare

  • sigrid9979

    04.11.2012, 11:01 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: besonders wertvoll

    Einen schönen Sonntag wünscht Sigi

  • Lenni26

    13.08.2012, 00:11 Uhr von Lenni26
    Bewertung: besonders wertvoll

    sehr gut vorgestellt...bw...LG

  • allegra1805

    07.08.2012, 18:15 Uhr von allegra1805
    Bewertung: besonders wertvoll

    endlich habe ich mal ein bw übrig, wenn ich auf diesen Bericht stoße.

  • anonym

    20.07.2012, 11:28 Uhr von anonym
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW...Liebe Grüße Edith und Claus

  • anonym

    19.07.2012, 12:04 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    lieben gruß und eine schöne restwoche

  • manu63

    17.07.2012, 19:07 Uhr von manu63
    Bewertung: besonders wertvoll

    Viele Grüße von Manuela

  • ClaraFall

    12.07.2012, 22:28 Uhr von ClaraFall
    Bewertung: besonders wertvoll

    bw auch von mir. lg. clara

  • XXLALF

    11.07.2012, 18:57 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    ...und ganz liebe grüße

  • sabtau

    11.07.2012, 14:29 Uhr von sabtau
    Bewertung: besonders wertvoll

    Mich hat das Buch auch berührt, es macht traurig aber auch wütend. TOLLE Rezension!! Liebe Grüße

  • Lucky130

    11.07.2012, 13:07 Uhr von Lucky130
    Bewertung: besonders wertvoll

    Wieder sehr schön beschrieben!

  • campino

    11.07.2012, 09:10 Uhr von campino
    Bewertung: besonders wertvoll

    lg AndreA

  • catmum68

    11.07.2012, 07:56 Uhr von catmum68
    Bewertung: besonders wertvoll

    besonders wertvoller Bericht, LG

  • Baby1

    11.07.2012, 00:46 Uhr von Baby1
    Bewertung: besonders wertvoll

    Das ist so ein wahnsinns Buch, hab auch schon 2 mal den Film gesehn, einfach nur spitze .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • atrachte

    11.07.2012, 00:05 Uhr von atrachte
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh. lg

  • goat

    10.07.2012, 23:40 Uhr von goat
    Bewertung: besonders wertvoll

    Ein sehr wertvoller Tipp. Auch den Film habe ich bei mir noch im Regal stehen, den habe ich aber leider noch nicht gucken können. LG Melanie

  • morla

    10.07.2012, 23:39 Uhr von morla
    Bewertung: besonders wertvoll

    lg. ^^^^^^^^^^^^^^petra

  • katjafranke

    10.07.2012, 22:28 Uhr von katjafranke
    Bewertung: besonders wertvoll

    Katja schickt dir liebe Grüße

  • sammelmeilen

    10.07.2012, 22:23 Uhr von sammelmeilen
    Bewertung: besonders wertvoll

    bw & lg sendet Antje