WarCraft III: Reign Of Chaos (PC / Mac Spiel) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von Beowulf_ll
Berstende Schilde, Kriegsgeschrei, graue Zellen
Pro:
interessante Story, vier verschiedene Völker, hervorragende Grafik, gute Steuerung, Map-Editor
Kontra:
Patch nahezu unverzichtbar, schlechte Zoom-Funktion, teils sehr schwierig
Empfehlung:
Ja
Markerschütterndes Gebrüll ertönt und die Erde erzittert unter dem Ansturm muskelbepackter, grünhäutiger Axtschwinger, gewaltiger Katapulte und riesiger Bestien, auf deren Rücken ein Ork mit dumpfen, rythmischen Schlägen auf zwei Trommeln hämmert. Ihnen gegenüber ertönt das metallische Scheppern und Klirren schwerer Rüstungen und weiteres Kampfgeschrei schallt dagegen, als Menschen, Zwerge und Elfen mit Schwert, Axt, Gewehr und Stab vorstürmen. Während die Heere zusammenprallen, beginnen flammende Kometen vom Himmel zu stürzen und prallen auf die Erde.
Dies ist eine der ersten Szenen, die einen in der Kampagne zu Warcraft III erwarten. Warcraft dürfte ja vielen ein Begriff sein, ebenso wie Starcraft, als typische Echtzeit-Strategiespiele von Blizzard. Daher werde ich auch zum gewissen Teil auf die Veränderungen und Neuerungen im Gegensatz zu Warcraft II und Starcraft eingehen.
Lange hatte es ja gedauert, bis der dritte Teil der Reihe endlich rauskam und somit kam natürlich die Frage auf, ob sich das Warten denn auch gelohnt hätte...
---Die Story---
Seit dem zweiten Teil ist einige Zeit vergangen und die Orks haben sich erneut versammelt, um den Krieg zu den Menschen zu tragen. Doch diesmal geht es nicht nur um ihren Konflikt. Scharen von Untoten und geheimnisvolle Nachtelfen spielen ebenfalls eine Rolle und lassen ihren Einfluss spüren. Zudem taucht nun eine Bedrohung für ganz Lordaeron auf: die brennende Legion. Und dass selbige nicht so heißt, weil sie gern Plätzchen für die Bedürftigen backt, kann man sich denken...
---Das Grundprinzip---
Für diejenigen, welche die anderen Blizzard-Strategiespiele nicht kennen, sei nun einmal der grundsätzliche Ablauf des Spieles geschildert. Man wählt eines der vier Völker aus, die allesamt unterschiedliche Eigenschaften, Gebäude, Einheiten usw. haben. Zu Beginn besitzt man meist ein Hauptgebäude und vier Arbeiter, zudem sind eine Goldmine und reichlich Bäume zur Holzgewinnung in der Nähe. Was machen Arbeiter also (wenn sie gerade nicht ihren mickrigen Lohn versaufen oder in Porno-Heftchen blättern)? Genau, sie werden zur Goldmine gepeitscht, um in einem stickigen, staubigen Schacht mit einer rostigen Hacke die Goldklumpen aus dem Gestein zu hämmern und die schwere, bandscheibengefährdende Last zur Basis zu schleppen. Oder sie dürfen mit einer schartigen Axt auf die zähen Bäume einschlagen und keuchend zentnerweise Holz durch die Gegend tragen.
Naja, zumindest trifft das für Orks und Menschen zu, die anderen Rassen behelfen sich da auf andere Weise. Aber im Grunde ist’s ja auch egal, denn als Spieler sitzt man gemütlich im warmen Heim auf dem gepolsterten Stuhl und kann sie bequem mit einem Mausklick durch die Gegend hetzen, ohne sich Gestöhne und Gejammer anhören oder eine Revolte befürchten zu müssen.
Wie auch immer, jedenfalls geht es darum, möglichst schnell Gebäude zu errichten (jaja, noch mehr Arbeit... ist schon übel, keine Gewerkschaft zu haben). Denn Gebäude bilden kämpfende Einheiten aus, versorgen sie mit Nahrung und stellen Rüstungen und ähnliche Unterstützung bereit. Was wäre ein Feind denn auch ohne die herzergreifende Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, wenn ganze Wälder abgeholzt werden, nur um mit Katapulten und Brandpfeilen seine Stadt zu belagern?
Neben den Ressourcen ist auch die Reihenfolge beim Bauen entscheidend. Die „ranghöheren“ Gebäude, welche die besten Kämpfer bereitstellen, lassen sich erst errichten, wenn bestimmte andere Einrichtungen vorhanden sind. Mit anderen Worten, man baut Rohstoffe ab, bildet Krieger aus, versucht den Gegner mit selbigen am Rohstoffe abbauen und Krieger ausbilden zu hindern und sucht noch mehr Rohstoffe, um mehr Krieger auszubilden. Hm... klingt das irgendwie dämlich? Naja, vielleicht, aber das Grundprinzip bei Schach könnte man auch auch dämlich formulieren. Jedenfalls hat das Prinzip und besonders natürlich seine Umsetzung einen beachtlichen Unterhaltungs- und Suchtfaktor.
Übrigens gibt es zwei verschiedene Arten, das Spiel zu beginnen. Die Kampagne folgt der Story und kann je nach Ablauf der Geschehnisse unterschiedliche Aufgaben bieten. Damit unterscheidet sie sich normalerweise von dem eben genannten Ablauf mehr oder weniger stark. In manchen Missionen gibt es gar keine Basis und man muss mit „abgezählten“ Truppen auskommen, in anderen hat man gleich mehrere. Die Aufgaben reichen von „Sammle eine bestimmte Anzahl Rohstoffe“ bis „Beschütze die und die Basis oder Kreaturen“. Daneben gibt es eben noch das Einzelspiel, das dem Rohstoffe-Krieger-Ablauf folgt, den ich gerade genannt habe. In dieser Spielart darf auch gegen menschliche Gegner angetreten werden, wodurch sich die Auswahl an feindesschädlichen Methoden noch um Fluchen, Verspotten, Irreführen und ähnliche nächstenliebende Praktiken erhöht.
---Die einzelnen Völker---
Menschen:
Genau genommen sind’s nicht nur Menschen, auch wenn sie wohl am zahlreichsten vertreten sind. Zu dieser Allianz (nein, nicht die Versicherung) gehören auch Elfen und Zwerge, wie man sie auch aus manchen Rollenspielen kennt.
Wie man es von Menschen gewöhnt ist, kommen sie nicht ohne ihre vielen technischen Spielereien aus, wobei in diesem Fall ein großer Teil davon von den Zwergen kommt. Immer diese Versuche, mangelnde Größe zu kompensieren... Egal, jedenfalls gibt es neben den althergebrachten Soldaten mit Schwert und Schild auch Dampfpanzer, Gyrokopter und anderes Zeug. Weiß der Henker, wie der Kram funktioniert, er tut’s eben einfach.
Ihre Vorteile bestehen vor allem in der schnellen Errichtung von Gebäuden, da menschliche Arbeiter als einzige zu mehreren an einer Einrichtung werkeln können und somit dementsprechend schneller fertig sind. Zudem lassen sich die Bauten durch Upgrades widerstandsfähiger machen.
Orks:
Die liebsten Spielkameraden der Menschen. Sie sind größer, breiter, kräftiger und wilder als Menschen und das Vorurteil, dass sie auch mehr Schädelknochen und dafür weniger Hirn hätte, widerlegen einige ihrer Einheiten. Aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen sind viele Einheiten schlagkräftiger als die der Menschen. Allerdings kann man sich denken, wer so groß ist, der frisst auch dementsprechend. Soll heißen, sie brauchen mehr Nahrung und mehr Gold. Übrigens treten neben den Orks auch Trolle und (Mino-)Tauren zur Schlacht an. Auch sie haben Schützen und Lufteinheiten, allerdings sind die stärksten Krieger, die Tauren, reine Nahkämpfer.
Als sehr vorteilhaft erweist sich die Fähigkeit „Plündern“, die im Hauptgebäude erforscht werden kann. Sie ermöglicht einigen Ork-Kriegern bei Angriffen auf feindliche Gebäude Gold zu erbeuten. Ihre eigenen Einrichtungen können sie durch eine Stachelbarrikade schützen, die gegnerischen Nahkämpfern Schaden zufügen.
Untote:
Lassen wir mal irgendwelche komischen Zombiefilme beiseite, diese Untoten haben offenbar kein Problem mit wegfaulender Hirnmasse. Wie man sich denken kann, bestehen ihre Armeen zum größten Teil aus reanimierten Leichen, von einfachen Skelettkriegern bis Knochendrachen. Zudem befehligen sie andere morbide Einheiten wie Monströsitäten, die aus den verschiedensten Leichenteilen zusammengenäht sind, und Belagerungsmaschinerie, die nicht etwa Felsbrocken sondern vielmehr halbwegs frische Leichen schleudert.
Besonders praktisch sind die Arbeiter unter den Untoten. Sie müssen nicht an einem Gebäude herumhämmern und sägen sondern beschwören es einfach (woher auch immer) und können dann gleich wieder andere Aufgaben erledigen. Außerdem brauchen sich kein Hauptgebäude, sondern verhexen lediglich eine Goldmine (kostet allerdings auch etwas) und können das Gold direkt von dort zufügen.
Für die Starcraftler sei mal erwähnt, dass die Untoten sich meiner Meinung nach wie eine Mischung aus Zerg und Protoss spielen.
Nachtelfen:
Was zunächst mal ins Auge fällt (besonders dem männlichen Auge), ist dass es überwiegend weibliche Krieger gibt, und dazu noch sehr, ähm... optisch ansprechende. Aber lassen wir das, entscheidend sind ja ihre Eigenschaften im Spiel und nicht ihre Wirkungen auf verblödete, reizanfällige Männerhirne. ;-)
Bemerkenswert ist, dass ihre ersten verfügbaren Einheiten bereits Schützen sind. Um Luftangriffe braucht man sich also nicht sonderlich zu sorgen. Sehr praktisch ist auch der Hippogryph, der nicht nur hübsch (und auch irgendwie niedlich) aussieht sondern auch einen hohen Schaden gegen feindliche Lufteinheiten anrichtet. Zudem kann Hippogryph-Zähmung erforscht werden, die es den Bogenschützinnen ermöglicht auf ihnen zu reiten und aus der Luft anzugreifen. Ohne Schützin auf dem Rücken können sie keine Ziele am Boden treffen.
Ihr Vorteil ist die Nacht (und das bei dem Namen, wer hätte das gedacht...). Mit der Dunkelheit können sie verschmelzen, wenn es nötig wird und somit kurze Überfälle aus dem Hinterhalt durchführen. Weiterhin sehr nützlich sind ihre Versorgungsgebäude, die Mondbrunnen. Sie stellen bei jeder nicht-mechanischen Einheit Mana und Lebenspunkte wieder her und füllen sich bei Nacht wieder auf.
---Einige Neuerungen gegenüber anderen Blizzard-Strategiespielen---
Helden:
In Warcraft III ist es nun möglich, ein entsprechendes Gebäude zu errichten, das bis zu drei Helden herbeirufen und wiederbeleben kann. Die Helden haben deutlich mehr Lebenspunkte und richten mehr Schaden an als gewöhnliche Einheiten, außerdem können sie im Kampf Erfahrungspunkte sammeln. Dadurch werden sie stärker und können Fertigkeiten erlernen, z.B. eine Zauber-Aura oder einen besonders heftigen Angriff. Also ganz im Stile von Diablo II, da haben die Entwickler sich selbst was abgeguckt, gewissermaßen.
Ressourcen zu Beginn:
Bereits zu Anfang besitzt man eine gewisse Menge Gold und Holz, so dass sofort die ersten Gebäude errichtet werden könnte. Normalerweise läuft es dann darauf hinaus, dass der Helden-Altar als erstes gebaut wird und der erste Held (den es kostenlos gibt) gleich vorprescht.
Neutrale Einheiten:
Nun stehen auch andere Kreaturen in der Gegend herum, die beiden Spielern feindlich gesinnt sind und meistens Goldminen bewachen. Sie lassen teilweise auch Gegenstände fallen, welche die Helden benutzen können.
Zudem lassen sich Gebäude finden, bei denen Söldner oder Artefakte gekauft werden können.
---Die Grafik—
Die Videosequenzen sind sehr detailreich gerendert und derart überzeugend dargestellte Sequenzen gab es, als Warcraft III rauskam, noch nicht oft zu sehen (wenn überhaupt). Einzelne Haare und Federn sind sehr gut animiert und sehen äußerst realistisch aus. Auch der Hintergrund im Hauptmenü bietet einiges an Details zum bestaunen, so zum Beispiel kleine Fische, die in einem Teich umherflitzen, vorbeifliegende Pollen und ein Marienkäfer, der über einen Schild krabbelt und wegfliegt.
Die Spielgrafik an sich ist ebenfalls schön anzusehen, Gebäude, Einheiten und die Landschaft sind gut dargestellt, ohne detailüberladen zu wirken. Die Zoom-Funktion ermöglicht eine etwas genauere Betrachtung der Figuren, ist allerdings nicht allzu gut umgesetzt, da die Kamera lediglich bogenförmig nach unten rutscht und sich nicht beliebig neigen läßt.
Die Zaubereffekte sind im übrigen auch sehr schön animiert, lenken aber auch nicht vom eigentlichen Spielgeschehen ab.
---Der Sound---
Soundeffekte gibt es reichlich, von den Geräuschen der Gebäude über Einheiten-Rückmeldungen bis zu Kampfgeklirr. Die Sprecher sind unterschiedlich, die meisten Einheiten sind sehr überzeugend und passend gesprochen (wie z.B. die Grunzer oder die Nachtelfen allgemein), andere wiederum sind nicht so gut ausgewählt (Tauren, Schemen). Einige Sprecher geben sich wirklich Mühe und haben einen bestimmten Akzent oder eine andere charakteristische Redensweise, so z.B. der Klingenmeister der Orks, der insgesamt wie ein japanischer Krieger wirkt und auch wie fürs Japanische typisch alle Silben gleich betont. Klingt recht amüsant, aber auf jeden Fall gut rübergebracht.
Außerdem reagieren die Einheiten auch hier auf dauernd wiederholtes Anklicken, indem sie genervte Sprüche zum Besten geben oder irgendwelches komisches Zeugs daherbrabbeln. Jedenfalls sehr unterhaltsam.
---Systemvoraussetzungen---
Mindestens: Windows 98/ME/2000/XP, 400 MHz Pentium II oder vergleichbar, 128 MB RAM, DirectX 8.1 kompatible 8 MB Grafikkarte, 700 MB freier Festplattenspeicher, 4x CD-ROM-Laufwerk
Empfohlen: 600 Mhz Prozessor, 256 MB RAM, 32 MB 3D-Grafikkarte, DirectX 8.1 kompatible Soundkarte
Wie immer sieht es besser, wenn man mindestens die empfohlene Systemvoraussetzung hat. An die Mindestanforderung sollte man gar nicht erst denken, aber auch die empohlene Leistung ist ja mittlerweile schon wieder veraltet, von daher kein Problem.
---Eigener Eindruck---
Abschließend kann ich eigentlich nur sagen, dass es mir dieses Spiel wirklich angetan hat. Normalerweise bin ich eher für rundenbasierte Strategiespiele zu haben, aber in diesem Fall hat\'s mich dann doch überzeugt. Die Aufmachung, von Story bis Grafik, ist sehr ansprechend, die Steuerung einwandfrei und Echtzeitstrategie-typisch einfach gehalten.
Eines muss man jedoch sagen, was ebenfalls sehr Blizzard-typisch ist: Den aktuellen Patch sollte man sich auf jeden Fall holen, weil er einige wichtige Dinge verbessert.
Im Multiplayer-Spiel, sei es per LAN oder im Battle.net ist es natürlich besonders unterhaltsam, zumindest sofern man keinen allzu asozialen Mitspieler hat. Naja, bei einer LAN-Verbindung hat man ihn ja in greif(-und prügel-)barer Nähe, von daher also kein Problem...
Also, sollte jemand, dem Warcraft II und Starcraft gut gefallen haben, dieses Spiel noch nicht haben, dann wird’s aber Zeit. Für Echtzeit-Strategie-Freaks ist es sowieso ein Muß, aber ich schätze mal, dass sich auch Rollenspieler damit anfreunden können, wenn sie keine völligen Strategiespiel-Hasser sind.
Normalerweise wird man auch sehr schnell Anhänger und Liebhaber eines bestimmten Volkes. Bei mir sind’s die Nachtelfen, übrigens nicht wegen der Weibchen. ;-)
Wie auch immer, Kaufempfehlung sei bedenkenlos gegeben.
Gruß
Dies ist eine der ersten Szenen, die einen in der Kampagne zu Warcraft III erwarten. Warcraft dürfte ja vielen ein Begriff sein, ebenso wie Starcraft, als typische Echtzeit-Strategiespiele von Blizzard. Daher werde ich auch zum gewissen Teil auf die Veränderungen und Neuerungen im Gegensatz zu Warcraft II und Starcraft eingehen.
Lange hatte es ja gedauert, bis der dritte Teil der Reihe endlich rauskam und somit kam natürlich die Frage auf, ob sich das Warten denn auch gelohnt hätte...
---Die Story---
Seit dem zweiten Teil ist einige Zeit vergangen und die Orks haben sich erneut versammelt, um den Krieg zu den Menschen zu tragen. Doch diesmal geht es nicht nur um ihren Konflikt. Scharen von Untoten und geheimnisvolle Nachtelfen spielen ebenfalls eine Rolle und lassen ihren Einfluss spüren. Zudem taucht nun eine Bedrohung für ganz Lordaeron auf: die brennende Legion. Und dass selbige nicht so heißt, weil sie gern Plätzchen für die Bedürftigen backt, kann man sich denken...
---Das Grundprinzip---
Für diejenigen, welche die anderen Blizzard-Strategiespiele nicht kennen, sei nun einmal der grundsätzliche Ablauf des Spieles geschildert. Man wählt eines der vier Völker aus, die allesamt unterschiedliche Eigenschaften, Gebäude, Einheiten usw. haben. Zu Beginn besitzt man meist ein Hauptgebäude und vier Arbeiter, zudem sind eine Goldmine und reichlich Bäume zur Holzgewinnung in der Nähe. Was machen Arbeiter also (wenn sie gerade nicht ihren mickrigen Lohn versaufen oder in Porno-Heftchen blättern)? Genau, sie werden zur Goldmine gepeitscht, um in einem stickigen, staubigen Schacht mit einer rostigen Hacke die Goldklumpen aus dem Gestein zu hämmern und die schwere, bandscheibengefährdende Last zur Basis zu schleppen. Oder sie dürfen mit einer schartigen Axt auf die zähen Bäume einschlagen und keuchend zentnerweise Holz durch die Gegend tragen.
Naja, zumindest trifft das für Orks und Menschen zu, die anderen Rassen behelfen sich da auf andere Weise. Aber im Grunde ist’s ja auch egal, denn als Spieler sitzt man gemütlich im warmen Heim auf dem gepolsterten Stuhl und kann sie bequem mit einem Mausklick durch die Gegend hetzen, ohne sich Gestöhne und Gejammer anhören oder eine Revolte befürchten zu müssen.
Wie auch immer, jedenfalls geht es darum, möglichst schnell Gebäude zu errichten (jaja, noch mehr Arbeit... ist schon übel, keine Gewerkschaft zu haben). Denn Gebäude bilden kämpfende Einheiten aus, versorgen sie mit Nahrung und stellen Rüstungen und ähnliche Unterstützung bereit. Was wäre ein Feind denn auch ohne die herzergreifende Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, wenn ganze Wälder abgeholzt werden, nur um mit Katapulten und Brandpfeilen seine Stadt zu belagern?
Neben den Ressourcen ist auch die Reihenfolge beim Bauen entscheidend. Die „ranghöheren“ Gebäude, welche die besten Kämpfer bereitstellen, lassen sich erst errichten, wenn bestimmte andere Einrichtungen vorhanden sind. Mit anderen Worten, man baut Rohstoffe ab, bildet Krieger aus, versucht den Gegner mit selbigen am Rohstoffe abbauen und Krieger ausbilden zu hindern und sucht noch mehr Rohstoffe, um mehr Krieger auszubilden. Hm... klingt das irgendwie dämlich? Naja, vielleicht, aber das Grundprinzip bei Schach könnte man auch auch dämlich formulieren. Jedenfalls hat das Prinzip und besonders natürlich seine Umsetzung einen beachtlichen Unterhaltungs- und Suchtfaktor.
Übrigens gibt es zwei verschiedene Arten, das Spiel zu beginnen. Die Kampagne folgt der Story und kann je nach Ablauf der Geschehnisse unterschiedliche Aufgaben bieten. Damit unterscheidet sie sich normalerweise von dem eben genannten Ablauf mehr oder weniger stark. In manchen Missionen gibt es gar keine Basis und man muss mit „abgezählten“ Truppen auskommen, in anderen hat man gleich mehrere. Die Aufgaben reichen von „Sammle eine bestimmte Anzahl Rohstoffe“ bis „Beschütze die und die Basis oder Kreaturen“. Daneben gibt es eben noch das Einzelspiel, das dem Rohstoffe-Krieger-Ablauf folgt, den ich gerade genannt habe. In dieser Spielart darf auch gegen menschliche Gegner angetreten werden, wodurch sich die Auswahl an feindesschädlichen Methoden noch um Fluchen, Verspotten, Irreführen und ähnliche nächstenliebende Praktiken erhöht.
---Die einzelnen Völker---
Menschen:
Genau genommen sind’s nicht nur Menschen, auch wenn sie wohl am zahlreichsten vertreten sind. Zu dieser Allianz (nein, nicht die Versicherung) gehören auch Elfen und Zwerge, wie man sie auch aus manchen Rollenspielen kennt.
Wie man es von Menschen gewöhnt ist, kommen sie nicht ohne ihre vielen technischen Spielereien aus, wobei in diesem Fall ein großer Teil davon von den Zwergen kommt. Immer diese Versuche, mangelnde Größe zu kompensieren... Egal, jedenfalls gibt es neben den althergebrachten Soldaten mit Schwert und Schild auch Dampfpanzer, Gyrokopter und anderes Zeug. Weiß der Henker, wie der Kram funktioniert, er tut’s eben einfach.
Ihre Vorteile bestehen vor allem in der schnellen Errichtung von Gebäuden, da menschliche Arbeiter als einzige zu mehreren an einer Einrichtung werkeln können und somit dementsprechend schneller fertig sind. Zudem lassen sich die Bauten durch Upgrades widerstandsfähiger machen.
Orks:
Die liebsten Spielkameraden der Menschen. Sie sind größer, breiter, kräftiger und wilder als Menschen und das Vorurteil, dass sie auch mehr Schädelknochen und dafür weniger Hirn hätte, widerlegen einige ihrer Einheiten. Aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen sind viele Einheiten schlagkräftiger als die der Menschen. Allerdings kann man sich denken, wer so groß ist, der frisst auch dementsprechend. Soll heißen, sie brauchen mehr Nahrung und mehr Gold. Übrigens treten neben den Orks auch Trolle und (Mino-)Tauren zur Schlacht an. Auch sie haben Schützen und Lufteinheiten, allerdings sind die stärksten Krieger, die Tauren, reine Nahkämpfer.
Als sehr vorteilhaft erweist sich die Fähigkeit „Plündern“, die im Hauptgebäude erforscht werden kann. Sie ermöglicht einigen Ork-Kriegern bei Angriffen auf feindliche Gebäude Gold zu erbeuten. Ihre eigenen Einrichtungen können sie durch eine Stachelbarrikade schützen, die gegnerischen Nahkämpfern Schaden zufügen.
Untote:
Lassen wir mal irgendwelche komischen Zombiefilme beiseite, diese Untoten haben offenbar kein Problem mit wegfaulender Hirnmasse. Wie man sich denken kann, bestehen ihre Armeen zum größten Teil aus reanimierten Leichen, von einfachen Skelettkriegern bis Knochendrachen. Zudem befehligen sie andere morbide Einheiten wie Monströsitäten, die aus den verschiedensten Leichenteilen zusammengenäht sind, und Belagerungsmaschinerie, die nicht etwa Felsbrocken sondern vielmehr halbwegs frische Leichen schleudert.
Besonders praktisch sind die Arbeiter unter den Untoten. Sie müssen nicht an einem Gebäude herumhämmern und sägen sondern beschwören es einfach (woher auch immer) und können dann gleich wieder andere Aufgaben erledigen. Außerdem brauchen sich kein Hauptgebäude, sondern verhexen lediglich eine Goldmine (kostet allerdings auch etwas) und können das Gold direkt von dort zufügen.
Für die Starcraftler sei mal erwähnt, dass die Untoten sich meiner Meinung nach wie eine Mischung aus Zerg und Protoss spielen.
Nachtelfen:
Was zunächst mal ins Auge fällt (besonders dem männlichen Auge), ist dass es überwiegend weibliche Krieger gibt, und dazu noch sehr, ähm... optisch ansprechende. Aber lassen wir das, entscheidend sind ja ihre Eigenschaften im Spiel und nicht ihre Wirkungen auf verblödete, reizanfällige Männerhirne. ;-)
Bemerkenswert ist, dass ihre ersten verfügbaren Einheiten bereits Schützen sind. Um Luftangriffe braucht man sich also nicht sonderlich zu sorgen. Sehr praktisch ist auch der Hippogryph, der nicht nur hübsch (und auch irgendwie niedlich) aussieht sondern auch einen hohen Schaden gegen feindliche Lufteinheiten anrichtet. Zudem kann Hippogryph-Zähmung erforscht werden, die es den Bogenschützinnen ermöglicht auf ihnen zu reiten und aus der Luft anzugreifen. Ohne Schützin auf dem Rücken können sie keine Ziele am Boden treffen.
Ihr Vorteil ist die Nacht (und das bei dem Namen, wer hätte das gedacht...). Mit der Dunkelheit können sie verschmelzen, wenn es nötig wird und somit kurze Überfälle aus dem Hinterhalt durchführen. Weiterhin sehr nützlich sind ihre Versorgungsgebäude, die Mondbrunnen. Sie stellen bei jeder nicht-mechanischen Einheit Mana und Lebenspunkte wieder her und füllen sich bei Nacht wieder auf.
---Einige Neuerungen gegenüber anderen Blizzard-Strategiespielen---
Helden:
In Warcraft III ist es nun möglich, ein entsprechendes Gebäude zu errichten, das bis zu drei Helden herbeirufen und wiederbeleben kann. Die Helden haben deutlich mehr Lebenspunkte und richten mehr Schaden an als gewöhnliche Einheiten, außerdem können sie im Kampf Erfahrungspunkte sammeln. Dadurch werden sie stärker und können Fertigkeiten erlernen, z.B. eine Zauber-Aura oder einen besonders heftigen Angriff. Also ganz im Stile von Diablo II, da haben die Entwickler sich selbst was abgeguckt, gewissermaßen.
Ressourcen zu Beginn:
Bereits zu Anfang besitzt man eine gewisse Menge Gold und Holz, so dass sofort die ersten Gebäude errichtet werden könnte. Normalerweise läuft es dann darauf hinaus, dass der Helden-Altar als erstes gebaut wird und der erste Held (den es kostenlos gibt) gleich vorprescht.
Neutrale Einheiten:
Nun stehen auch andere Kreaturen in der Gegend herum, die beiden Spielern feindlich gesinnt sind und meistens Goldminen bewachen. Sie lassen teilweise auch Gegenstände fallen, welche die Helden benutzen können.
Zudem lassen sich Gebäude finden, bei denen Söldner oder Artefakte gekauft werden können.
---Die Grafik—
Die Videosequenzen sind sehr detailreich gerendert und derart überzeugend dargestellte Sequenzen gab es, als Warcraft III rauskam, noch nicht oft zu sehen (wenn überhaupt). Einzelne Haare und Federn sind sehr gut animiert und sehen äußerst realistisch aus. Auch der Hintergrund im Hauptmenü bietet einiges an Details zum bestaunen, so zum Beispiel kleine Fische, die in einem Teich umherflitzen, vorbeifliegende Pollen und ein Marienkäfer, der über einen Schild krabbelt und wegfliegt.
Die Spielgrafik an sich ist ebenfalls schön anzusehen, Gebäude, Einheiten und die Landschaft sind gut dargestellt, ohne detailüberladen zu wirken. Die Zoom-Funktion ermöglicht eine etwas genauere Betrachtung der Figuren, ist allerdings nicht allzu gut umgesetzt, da die Kamera lediglich bogenförmig nach unten rutscht und sich nicht beliebig neigen läßt.
Die Zaubereffekte sind im übrigen auch sehr schön animiert, lenken aber auch nicht vom eigentlichen Spielgeschehen ab.
---Der Sound---
Soundeffekte gibt es reichlich, von den Geräuschen der Gebäude über Einheiten-Rückmeldungen bis zu Kampfgeklirr. Die Sprecher sind unterschiedlich, die meisten Einheiten sind sehr überzeugend und passend gesprochen (wie z.B. die Grunzer oder die Nachtelfen allgemein), andere wiederum sind nicht so gut ausgewählt (Tauren, Schemen). Einige Sprecher geben sich wirklich Mühe und haben einen bestimmten Akzent oder eine andere charakteristische Redensweise, so z.B. der Klingenmeister der Orks, der insgesamt wie ein japanischer Krieger wirkt und auch wie fürs Japanische typisch alle Silben gleich betont. Klingt recht amüsant, aber auf jeden Fall gut rübergebracht.
Außerdem reagieren die Einheiten auch hier auf dauernd wiederholtes Anklicken, indem sie genervte Sprüche zum Besten geben oder irgendwelches komisches Zeugs daherbrabbeln. Jedenfalls sehr unterhaltsam.
---Systemvoraussetzungen---
Mindestens: Windows 98/ME/2000/XP, 400 MHz Pentium II oder vergleichbar, 128 MB RAM, DirectX 8.1 kompatible 8 MB Grafikkarte, 700 MB freier Festplattenspeicher, 4x CD-ROM-Laufwerk
Empfohlen: 600 Mhz Prozessor, 256 MB RAM, 32 MB 3D-Grafikkarte, DirectX 8.1 kompatible Soundkarte
Wie immer sieht es besser, wenn man mindestens die empfohlene Systemvoraussetzung hat. An die Mindestanforderung sollte man gar nicht erst denken, aber auch die empohlene Leistung ist ja mittlerweile schon wieder veraltet, von daher kein Problem.
---Eigener Eindruck---
Abschließend kann ich eigentlich nur sagen, dass es mir dieses Spiel wirklich angetan hat. Normalerweise bin ich eher für rundenbasierte Strategiespiele zu haben, aber in diesem Fall hat\'s mich dann doch überzeugt. Die Aufmachung, von Story bis Grafik, ist sehr ansprechend, die Steuerung einwandfrei und Echtzeitstrategie-typisch einfach gehalten.
Eines muss man jedoch sagen, was ebenfalls sehr Blizzard-typisch ist: Den aktuellen Patch sollte man sich auf jeden Fall holen, weil er einige wichtige Dinge verbessert.
Im Multiplayer-Spiel, sei es per LAN oder im Battle.net ist es natürlich besonders unterhaltsam, zumindest sofern man keinen allzu asozialen Mitspieler hat. Naja, bei einer LAN-Verbindung hat man ihn ja in greif(-und prügel-)barer Nähe, von daher also kein Problem...
Also, sollte jemand, dem Warcraft II und Starcraft gut gefallen haben, dieses Spiel noch nicht haben, dann wird’s aber Zeit. Für Echtzeit-Strategie-Freaks ist es sowieso ein Muß, aber ich schätze mal, dass sich auch Rollenspieler damit anfreunden können, wenn sie keine völligen Strategiespiel-Hasser sind.
Normalerweise wird man auch sehr schnell Anhänger und Liebhaber eines bestimmten Volkes. Bei mir sind’s die Nachtelfen, übrigens nicht wegen der Weibchen. ;-)
Wie auch immer, Kaufempfehlung sei bedenkenlos gegeben.
Gruß
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