Decca Requiem Testbericht

Decca-requiem
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¹
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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  gut
  • Klangqualität:  sehr gut
  • Gesamteindruck:  gut

Erfahrungsbericht von singer71ljc

Webber spielt uns das Lied vom Tod

Pro:

abwechslungsreich, teilweise sehr schöne Melodien

Kontra:

nicht immer einfach anzuhören

Empfehlung:

Ja

Durch meine früheren Aktivitäten als Sänger (siehe meine Bericht) bin ich mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, die mir über Werke berichtet haben, die sie schon einmal gesungen haben oder als Chorleiter und Dirigent aufgeführt haben. Eines der Werke, die bei mir dabei am meisten für Überraschung gesorgt hat, war die Mitteilung eines Chorleiters, dass er demnächst mit einem seiner Chöre das Requiem von Andrew Lloyd Webber einstudieren und aufführen wird.
Ich war einigermaßen überrascht, war mir Webber zu diesem Zeitpunkt (Sommer 1990) nur als Komponist von Musicals bekannt.
Zurück von der Chorfreizeit machte ich mich gleich auf die Suche nach einer Aufnahme dieses Werkes – und wurde recht schnell fündig.
Was ich von dieser Aufnahme, die bisher wohl die einzige dieses Werkes ist und dem Requiem an sich halte, darüber möchte ich euch heute berichten.


Gliederung
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1. Der Komponist
2. Warum ein Requiem?
3. Die CD
4. Das Werk
5. Meine Meinung
6. Fazit



1.Der Komponist
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Andrew Lloyd Webber wurde am 22. März 1948 in London geboren. Sein Vater war Professor für Musiktheorie und Komposition und auch seine Mutter unterrichtete Musik. Sein Bruder Julian ist ein bekannter Cellist.
Er war insgesamt drei Mal verheiratet, unter anderem 6 Jahre mit Sarah Brightman und hat aus der ersten und dritten Ehe insgesamt 5 Kinder.
Webber hat nicht nur Musicals komponiert, wie viele glauben, sondern auch zu einigen Filmen die Musik geschrieben.
Für all diese Werke hat er zahlreiche Preise gewonnen, darunter den Oscar für den Song „You must love me“ aus Evita und drei Grammys. Für sein Requiem erhielt 1986 er eine Auszeichnung für die beste zeitgenössische Komposition und zahlreiche andere Auszeichnungen.

Als erstem Komponisten überhaupt gelang es ihm, dass drei seiner Musicals gleichzeitig in London und New York aufgeführt wurden.

Im Jahr 1992 wurde er von der Queen zum „Sir“ ernannt und 1997 zum „Baron“ und damit zum Mitglied des englischen Oberhauses auf Lebenszeit.

1995 gelang ihm noch die Aufnahme in die Hall of Fame der amerikanischen Songwriter.



2. Warum ein Requiem?
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1978 wurde Webber gebeten ein Requiem für die Opfer der Unruhen in Irland zu schreiben. Aber erst 1982, nach dem Tod seines Vaters, setzte er dieses Ansinnen, das er zwischendurch nicht vergessen hatte, auch in die Tat um.
Allerdings war er nicht so ganz unbelastet. Zum einen durch die musikalischen Aktivitäten seiner Eltern und zum anderen nahm Webber während seiner Schulzeit regelmäßig an den Gottesdiensten teil.
Und so wählte Webber bei der Form und der Liturgie des Requiems auch eine, die eher der klassischen Variante nahe kommt, wie sie von Verdi und Mozart für ihr Requiem verwendet wurden.

3. Die CD
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Netterweise hat auch Yopi ein Bild eingestellt, so dass ich mir die Beschreibung sparen kann 
Das Requiem wurde uraufgeführt am 24. Februar 1985 in der St. Thomas Episcopal Church, New York mit Sarah Brightman, Placido Domingo und Paul Miles-Kingston als Gesangssolisten unter der Leitung von Lorin Mazaal.
Die Aufnahme allerdings wurde bereits vom 20. – 22. Dezember 1984 in den berühmten Studios in der Abbey Road in London vollzogen. Veröffentlich aber natürlich erst nach der Uraufführung.
Neben den Solisten, die auch bei der Uraufführung dabei waren, haben an dieser Aufnahme mitgewirkt der Winchester Cathedral Choirund das English Chamber Orchestra.

Die Aufnahme ist gegliedert in 8 Teile:

1. Requiem & Kyrie 6:39
2. Dies irae … Rex tremendae 6:00
3. Recordare 3:21
4. Ingemisco … Lacrymosa 7:40
5. Offertorium 5:19
6. Hosanna 4:51
7. Pie Jesu 3:53
8. Lux aeterna & Libera me 7:29


Das Booklet umfasst neben den allgemeinen Angaben ein paar Bilder von Aufnahme-Sessions, einige allgemeine Angaben, wie es zu dem Requiem kam und natürlich die Liturgie des gesamten Werkes in Latein und Englisch, sowie eine kurze historische Abhandlung, was es musikgeschichtlich mit den einzelnen Teilen des Requiems auf sich hat. Am Ende folgen noch ein paar Zeilen zu den Solisten und eine kurze Danksagung Andrew Lloyd Webbers.

Herausgegeben wurde die Scheibe von EMI-Records.
Gekauft habe ich sie 1990 bei Karstadt in der Mönckebergstrasse in Hamburg für 32,95 DM. Was den Preis heute betrifft, muss man schon ein wenig schauen.
Bei Amazon kostet die Scheibe mittlerweile 17,99€. Bei JPC gibt es sie hingegen momentan zum limitierten Sonderpreis von 9,99€.

Bei der Qualität der CD und bei der Aufnahme kann ich absolut nicht meckern. Trotz des Alters und recht häufiger Nutzung haben sich noch keine Abnutzungserscheinungen bemerkbar gemacht.


4. Das Werk
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Wie bereits erwähnt hat Andrew Lloyd Webber sein Requiem auf dem klassischen Modell aufgebaut. Allerdings gibt es ein paar Dinge, die doch von dieser Form abweichen. Zum einen besteht Webbers Requiem nur aus 10 Teilen, wohingegen ein „klassisches“ Requiem aus 12 oder mehr Teilen bestand. Webber hat dazu einfach ein paar dieser Teile zu einem zusammengefasst.
Die Besetzung an sich entspricht auch eher der Kirchentradition mit einem Sopran, einem Tenor und einem Treble, also einem Jungen, der aber in Sopranhöhe singt, was auf der Aufnahme auch sehr gut hörbar ist.
Inspiriert dazu wurde Webber aber vermutlich durch eine Geschichte, die er gelesen hatte, wo ein Waisenjunge aus Kambodscha entscheiden musste, selber zu sterben oder seine Schwester zu ermorden und sich für das Weiterleben entschied.

Bei der Instrumentierung ist zu erwähnen, dass Webber vollkommen auf den Einsatz von Violinen bei den Streichern verzichtet, sondern nur die dunkler klingenden Bratschen und Celli zum Einsatz kommen lässt.

Musikalisch bietet Andrew Lloyd Webber uns hier eine Kost, die man in der Form nicht von ihm als Musical-Komponist nicht gewohnt ist.
Die ersten Takte des „Requiem & Kyrie“ beginnen leise und zurückhaltend mit Blasinstrumenten und man ist auch nach zwei Minuten noch versucht, die Lautstärke heraufzudrehen. Erst nach ca. 3 Minuten, mit dem ersten Einsatz des Chores befindet sich die Lautstärke auf einem „gewohnten“ Level. Der erste Teil ist geprägt von Dissonanzen im Orchester und natürlich auch in den Gesangsstimmen. Webber bedient sich hier allerdings nicht der klassischen Stilmittel, sondern greift gerne auf die modernen zurück.
So sind große Intervallsprünge keine Seltenheit und gerade die Solisten werden schon zu Beginn durch hohe Töne zusätzlich gefordert.
Dass „Dies irae“ beginnt fanfarenartig bevor der Chor begleitet von Paukenschlägen einsetzt. Auch hier werden die Solostimmen wieder durch hohe Töne und Intervallsprünge gefordert, während der Chor eher den „singbaren“ Part übernimmt, wobei auch hier wieder Dissonanzen vorherrschend sind.
Aber dann ändert sich mitten im zweiten Teil der Charakter. Es wird ruhiger. Die Solostimmen singen ein paar ruhige Zeilen, um aber anschließend wieder aufgewühlt zu werden.
Der dritte Teil „Recordare“ beginnt sehr ruhig mit einer Synthesizer-Melodie begleitet von Blechbläsern. Auch der Einsatz der Solostimme verläuft sehr ruhig, sowie der ganze Teil sehr ruhig in der Melodie bleibt. Die Instrumentierung ist gering. Der Solosopran wird nur von wenigen Instrumenten begleitet. Einzig zum Schluss des Teils, wird es etwas aufwühlender, als ein Verzweiflungsschrei ertönt.
Der vierte Teil bietet uns zum Anfang wieder das aufgewühlte Gefühl aus den ersten beiden Teilen, schwächt aber zum Ende hin etwas ab und die Disharmonien verschwinden beinahe ganz.
Diese Ruhe und Melodik nimmt Webber mit in den fünften Teil, der mit ruhigem Chorgesang beginnt, aber dann jäh mit einem Paukenschlag beendet wird und mit mehreren Chorausrufen und Paukenschlägen fortgesetzt wird. Etwa in der Mitte des Offertoriums beginnt schon die Hinleitung auf das Hosanna. Das Thema ertönt schon in Ansätzen. Der Teil wirkt insgesamt aber genauso aufgewühlt, wie die anderen Teile, wobei hier ausschließlich der Chor im Einsatz ist.
Das „Hosanna“ beginnt mit einem schönen Tenorsolo. Einer schönen Melodie, die mehrfach wiederholt wird und erst dann vom Chor interpretiert bzw. wiederholt wird.
Dieser sechste Teil hat einen vergleichsweise melodischen Charakter. Die Musik ist vorwärts gerichtet, obwohl auch hier gerade in der Solostimme wieder große Intervallsprünge zu bewältigen sind. Einzig am Ende, als der Sopran die Solostimme übernimmt, kommt wieder der aufgewühlte Charakter zum Vorschein.
Der siebente Teil, das „Pie Jesu“ ist der ruhigste und melodischste Teil des ganzen Werkes. Eingeleitet wird er von ein paar einfachen Tönen der Querflöte, bevor der Solosopran einsetzt. Die Zeilen „Pie Jesu“ werden einige Male wiederholt – auch von dem Treble. Später geht die Haupttextzeile in „Agnus Die“ über und die Melodie wird durch den Einsatz von mehr Instrumenten und die Unterstützung des Chores interessant gestaltet.
Der abschließende Teil beginnt ebenfalls sehr ruhig mit Chorgesang. Etwas aufwühlender wird es erst, als der Solotenor einsetzt, wird aber nicht so gefordert, was Tonhöhe und Intervallsprünge betrifft. Der Teil bleibt insgesamt ebenfalls sehr ruhig. Einzig ein paar Zeilen der Verzweiflung beim „Libera me“ sorgen für etwas Disharmonie, wenn man einmal von den Dissonanten Orgelakkorden ganz am Ende des Werkes absieht.


5. Meine Meinung
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Als ich dieses Requiem zum ersten Mal gehört habe, war ich hin und her gerissen. Zum einen die vielen Dissonanten Teile, dann aber wieder diese schönen Melodien, die man von Andrew Lloyd Webber aus seinen Musicals gewohnt ist.
Natürlich war mir klar, dass ich nicht so etwas zu hören bekommen würde, denn schließlich ist ein Requiem ja eine Totenmesse und lädt daher nicht gerade zum Jubeln ein, aber mit einer etwas klassischeren Variante hatte ich schon gerechnet.
Aber die finden wir hier nicht. Wie schon beschrieben, haben es gerade sie Solisten nicht einfach durch viele große Intervallsprünge und viele hohe Töne, die sie zu singen haben. Aber diese Punkte machen das zuhören manchmal nicht einfach. Aber Webber übertreibt es in meinen Augen damit auch nicht, sondern wechselt sehr gut zwischen den aufwühlenden Parts und den ruhigeren und melodischeren Parts.
Eine Ausnahmestellung nimmt hier ganz klar das „Pie Jesu“ ein. Es ragt melodisch aus dem Gesamtwerk heraus und ich höre es mir sehr oft separat an, denn es vermittelt so eine ruhige Stimmung, wie ich es ansonsten in noch keinem Werk gefunden habe. Durch den ruhigen Gesang, die geringe Instrumentierung und das nur langsame hinzufügen anderer Instrumente und des Chores entsteht bei mir regelmäßig eine Gänsehaut.

Insgesamt ist das Requiem schwer einzuordnen.
Es ist kein klassisches Werk, wie z.B. ein Requiem von Verdi oder von Mozart. Es ist aber auch in meinen Augen kein reines Musikstück der Moderne, denn so einige klassische Teile finden sich doch darin. Einige Teil erinnern mich von der Art immer wieder ein wenig an die „Carmina Burana“ von Orff und in manchen Teilen wiederum kann Webber sein Hauptbetätigungsfeld, die Musicals, nicht verbergen.
Es befinden sich viele Stilelemente in diesem Requiem, die das Stück in meinen Augen schon interessant und hörbar machen.


6. Fazit
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In meinen Augen hat Andrew Lloyd Webber das Thema „Tod“ in dieser Totenmesse sehr gut umgesetzt.
Durch die Disharmonien, die typischen Wahl einer Moll-Tonart und die aufwühlende Musik, wird einem sehr gut vermittelt, was in ihm vorgehen mag, wenn man die Todesnachricht eines Menschen erhält und diesen Menschen zu Grabe trägt.
Auch wenn es nicht immer leicht ist, der Musik zu folgen, so schafft es Webber doch, dass man „am Ball“ bleibt und nicht vor lauter Verzweiflung einfach abschaltet, weil er es nicht übertreibt und die Grenzen der Zuhörer nicht überschreitet.

Was eine Empfehlung anbelangt, möchte ich diese in diesem Bericht mal teilen.

Für die, die die Musical von Andrew Lloyd Webber gerne mögen, aber mit klassischer Musik ansonsten nicht viel am Hut haben, wird dieses Werk nicht unbedingt der Höhepunkt von Webbers Kompositionskunst sein. Zu sehr weicht er von dieser Musik ab. Hier empfehle ich, eher erst mal einen Teil sich anzuhören, nur nicht gerade das „Pie Jesu“, denn der verfälscht dann doch den Eindruck von dem, was einen erwartet.

All denen, die gerne eine klassische CD hören oder auch mal in ein Konzert gehen, kann ich den Kauf dieser Scheibe oder den Besuch des Konzertes nur empfehlen.

Insgesamt vergebe ich dann natürlich auch fünf Sterne.




Copyright by MK-Man im Februar 2006

38 Bewertungen, 13 Kommentare

  • Zuckermaus29

    01.01.2007, 16:21 Uhr von Zuckermaus29
    Bewertung: sehr hilfreich

    Frohes neues Jahr!!! Liebe Grüße Jeanny

  • hjid55

    11.12.2006, 19:04 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh + lg Sarah

  • superlativ

    31.08.2006, 16:31 Uhr von superlativ
    Bewertung: sehr hilfreich

    ••••• liebste gruesse von superlativ •••••

  • Sayenna

    21.04.2006, 00:50 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh…...‹(•¿•)›…..LG Ela

  • anonym

    20.04.2006, 23:41 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH & LG, <br/>Manuela :o)

  • anonym

    02.03.2006, 23:17 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...*g*...SH...Lg, Christina :)

  • Alphanova1

    27.02.2006, 16:58 Uhr von Alphanova1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht!! Bis dann mal...Lukas

  • anonym

    27.02.2006, 16:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh

  • despaiz

    27.02.2006, 14:27 Uhr von despaiz
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :-) lg

  • henna82

    27.02.2006, 13:54 Uhr von henna82
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, greetz henna82!

  • morla

    27.02.2006, 13:54 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich <br/>

  • Torch

    27.02.2006, 13:46 Uhr von Torch
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh..freu mich über gegenlesung

  • WreckRin

    27.02.2006, 13:43 Uhr von WreckRin
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht, freu mich über Gegenlesungen <br/>LG Sandra