Wochenbett Testbericht

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Erfahrungsbericht von Jakini

Ruhezeit für Mutter und Kind

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hurra, das Kind ist geboren. Und schon tanzen alle an, um das Kind zu sehen. Wie ich das immer gehaßt habe, aber leider erst bei meinem dritten Kind unterband.

Mein erstes Kind, eine Tochter, die Attraktion der Familie, denn es war das erste Enkelkind beiderseits, natürlich auch erstes Urenkel usw. Kaum war sie geboren, standen alle im Krankenhaus, ich kam kaum zur Ruhe, nur wenn ich dann alle vier Stunden die Milch abpumpen mußte, weil meine Kleine an meiner Brust immer eingeschlafen war, dann hatten wir die Ruhe, die wir brauchten. Sicher hat in dem Punkt das Krankenhaus so einiges versaut, aber ich glaube, ebenfalls der ständige Besuch, der für mich und die Kleine total anstrengend war.

Kaum zu Hause ging es dann weiter. Für den nächsten Tag hatte sich die Familie für einen Besuch angekündig, die Wohnung glich einem Schlachtfeld, mein Mann war ja nun fünf Tage lang von der Arbeit direkt in die Klinik, hat dann zu Hause etwas gegessen und ab ins Bett. Also erst einmal aufräumen, so mochte ich niemanden rein lassen.

Schon war die erste Abpumpmahlzeit um 2 Std. verspätet, weil ich so viel zu tun hatte. Dann am nächsten Tag der Besuch, abends kam nur noch die Häfte von der sonst nur so sprudelnden Milchquelle. Meine Hebamme schimpfte mir mir, meinte: Du brauchst Ruhe, der Haushalt ist Sache von Deinem Mann. Tja, der hat sich leider die Zeit mit der Kleinen und mit Knuddeln vertrieben, ich stellte meinen Wecker und wurde wie eine Kuh von der Maschine gemolken, während mein Mann die Milch von der letzten Mahlzeit bequem und seelig füttern konnte.

Irgendwann stellte ich den Hahn ab, mir war das alles zu viel, meine Hebamme macht mir dann Mut, meinte, es sei auch nicht meine Schuld, daß es nicht klappt, es waren schon zu viele Fehler im Krankenhaus gemacht worden, dann die fehlende Ruhe, lassen wir das Stillen bei diesem Kind, beim nächsten wird es sicher klappen. Von da an hatte ich dann ein wenig Ruhe, denn mein Mann mußte die Flasche zubereiten und ich machte es mir nun mit meinem Kind gemütlich und fütterte sie. Endlich die Ruhe, die ich brauchte. Leider aber nur unter der Woche, am Wochenende hatten wir bei den Großeltern auf der Matte zustehen, zu denen wir eine gute halbe Stunde fahren mußten, da meine Schwiegereltern getrennt sind, waren es dann auch immer noch zwei Besuche.

Dann das nächste Kind und ich wollte alles anders machen. Die Entbindung war ambulant, und mit dem Stillen, das bekam ich dann dank meiner Hebamme auch hin. Nur die Familie, bei denen wir nun in der Nähe wohnten, die stand diesmal immer in der Tür. Besonders schlimm war es am Tag nach der Geburt, als ich mit dem kleinen Heim kam. Es war der erste Advent und es war üblich, daß die Familie bei meiner Schwiegermutter zum Adventskaffee zusammensitzt. Diese Tradition hatte ich nun zwei Jahre vorher geerbt und wir wollten auf diese Weise den Besuch mit einem Kaffeetrinken abgehakt haben. Doch weit gefehlt, meine Eltern waren die Einzigen die dann auch wirklich nach dem Kaffee gingen, erst gegen 21.00 Uhr hatten wir wirklich unsere Ruhe. Ich hatte in der Nacht nach der Geburt kaum geschlafen, da ich heftige Nachwehen hatte, im Krankenhaus hatte ich auch kaum Ruhe bekommen und zu Haus dann ja eh nicht. Ich war fertig und kaputt.

Mein Sohn mußte dann mit zwei Tagen in die Kinderklinik, weil er Atemausetzer hatte, das erste Mal, wo ich meinen Entschluß einer ambulanten Entbidung bereute, doch ich muß zugeben, so heftig es auch war, ich habe mich dann in der Kinderklinik in der einen Nacht, wo ich zwar dann auch zum Stillen geweckt wurde, mich aber wirklich nur um mich und mein Kind kümmern mußte, erholen können. Glücklicher Weise konnte dort niemand, außer meinem Mann zu Besuch kommen.

Wieder zu Hause, da ging dann der Streß weiter, Hausarbeit bliebt wie üblich an mir hängen, die Weihnachtsvorbereitungen auch. Mein Mann ging zwar einkaufen und wickelten den Kleinen, damit ich auch noch Zeit für die Große hatte, doch ich war kaputt und somit leider auch Anfällig für einen Magen und Darmvirus, der dann leider auch Ende für meine Stillzeit bedeutet hat.

Beim dritten Kind wurde dann vieles anders, mein zweites Kind war verstorben und es war noch so viel anderes während seiner Lebzeit mit der Familie meines Mannes passiert, daß sie sich nicht blicken ließen. Meine Schwägerin und meine Schwiegermutter kamen nur einmal kurz im Krankenhaus, um das inzwischen uninteressante dritte Kind zu begutachten, doch dsa war es glücklicher Weise.

Da meine Schwägerin zwei Wochen später ihr erste Kind bekam, stürzten sich glücklicher Weise alle auf das Kind und ich hatte meine Ruhe, zumindest zum Teil. Mein Mann kümmerte sich diesmal wirklich viel um den Haushalt, bis seine Oma einen Unfall hatte und im Krankenhaus lag. Täglich kamen nun Anrufe, was für sie zu erledigen war. Aber immerhin hatte ich dieses Mal zwei Wochen Wochenbettruhe.

Als dann mein Wochenfluß zum Stoppen kam, weil ich dann doch wieder mehr zu Hause zu tun hatte, mußte die Oma halt auf ihr tägliches Order warten, ich war nur für meine Kinder zuständig, mein Mann machte dann wieder den Rest, bis er vier Wochen nach der Geburt wieder zur Arbeit ging.

Nach der Geburt meines vierten Kindes sah es ähnlich aus, kaum hatte sich rumgesprochen, daß mein Mann ja zu Hause ist, da wurde er von Oma und Mama abverlangt, der Haushalt blieb gleich am ersten Tag an mir hängen, wo dann auch wieder selbstverständlich alle in der Tür standen. Immerhin war meine große Tochter diesmal verreist und am selben Tag heim gekommen, wie ich auch, und sie mußte ja begrüßt werden. Immerhin war nach einer Stunde Besuch dann Ruhe, denn ich habe brutaler Weise auch nichts angeboten, da merkten die Gäste dann, das nicht sonderlich erwünscht waren. Nur mit Haushalt, das ärgert mich heute noch, kaum zu Hause saß ich mit drei Kindern alleine hier, zwei müden und hungrig, die dritte an Brust, weil mein Mann seine Mutter wohin fahren mußte. Zwar dauerte das nur zwei Stunden, doch die kamen mir vor, wie Tage. So etwas wünsche ich niemanden.
Schlimm ist es, wenn man dann auch noch Probleme mit dem Stillen hat, ich hatte die ersten Wochen immer offene und rissige Brustwarzen, da tat das Stillen besonders weh und ich wollte mit der Kleinen alleine sein, vorallem meine mittlere Tochter, die sehr wild ist, störte dann immer besonders.
Heute weiß ich, ich hätte einfach alles liegen lassen sollen, zumindest die Klamotten von meinem Mann, die Kinder brauchen ja nun mal was zum Anziehen, und ich selber habe auch nicht so viel, dann hätte er dumm aus der Wäsche gesehen, wenn er nach ein paar Tagen keine Unterhosen mehr im Schrank gehabt hätte, doch da wir nur eine kleine Wohnung haben, mag ich auch keine Schmutzwäsche lange rumliegen haben, und so läuft die Waschmaschine ein bis zwei Mal täglich, meistens von mir ausgeräumt und aufgehängt, egal ob Wochenbett oder krank.
Immerhin habe ich nicht geputzt, während der Zeit, sondern eben nur die Wäsche gemacht, das hat für mich auch gereicht, vorallem weil es direkt nach der Geburt eine Menge war, meine aus dem Krankenhaus, die meiner großen Tochter von der Reise und die aus der Woche wo ich im Krankenhaus war, denn da wurde im Haushalt natürlich auch kein Stück getan.

Ich weiß, ich habe in diesem Bericht auch noch einmal viel Wut rausgelassen, aber vielleicht gibt es Menschen, die ähnliches erleben müssen. Seid nicht so dumm wie ich, ich habe erst durch den Tod meines Sohnes en wenig die Kraft gefunden, mich gegen die Familie meines Mannes durchzusetzten und meine erforderliche Ruhe, die ich nach der Geburt nun einmal wie jede Frau brauchte zu bekommen. Ich möchte mit diesem Bericht andere junge Mütter stäken, nicht den selben Fehler zu machen wie ich. Nach der Geburt ist man natürlich stolz und zeigt sein Kind gerne, doch alles hat seine Grenze. Schickt die Familie heim, wenn es Euch zu viel wird, ich habe es nur auf indirektem Wege versucht, habe mich in meiner eigenen Wohnung als Gast gefühlt. Legt Euch hin, wenn Euer Baby schläft, ihr braucht diese Ruhe, denn ihr müßt Euch von der Geburt erholen und den fehlenden Schlaf der Nacht nachholen, nur so könnt ihr für Euer Kind fit sein.

Diese Zeit wird nicht umsonst Wochenbett genannt, früher mußten die Mütter noch lange stramm liegen, das ist heute zum Glück nicht mehr so. Aber man braucht eben Ruhe. Sicher, eine Geburt ist ein natürlicher Vorgang, doch er bedeutet für Mutter und Kind eine enorme Anstrengung, die Organe der Mutter müssen sich zurückbilden, die Gebärmutter muß verheilen und Mutter und Kind müssen sich aneinander gewöhnen.

Außerdem muß sich das Stillen einspielen, die Milch muß sich einpendeln, daß die richtige Menge kommt, das alles kann nicht klappen, wenn man ständig im Streß ist. Wenn meine kleine Tochter schlief, dann habe auch mich hingelegt, mit den Worten: Ich muß ein bischen Milch schlafen. Und es war auch wirklich so, wenn ich geschlafen hatte, dann hatte ich später das Gefühl, daß meine Brüste platzen, war ich wach, dann hatte ich nach der gleichen Zeit nicht so viel Milch.

Irgendwann war ich dann bei der Kleinen auch so dreist und habe die beiden Großen zur Oma rüber gebracht, wo mein Mann gerade was gemacht hat, damit ich schlafen konnte. Zwar wurde ich doof angesehen und wenig später stand mein Mann dann mit den Kindern hier in der Tür, aber er hat sich gekümmert, weil er gemerkt hat, daß wohl langsam der Bogen überspannt war, Urlaub nehmen, um sich um die Kinder und die Hausarbeit zu kümmern, und dann für Mama und Oma da sein, das war eben nicht so richtig.

Natürlich soll man nun nicht stramm 6 - 8 Wochen im Bett liegen. Spaziergänge sind für Mutter und Kind wichtig und auch Kontakt zu anderen Menschen. Doch alles in Maßen und mit viel Ruhe für sich und das Kind. Alleine das Stillen gibt eingenlich schon Ruhe, laßt die Hausarbeit Hausarbeit sein, mir fällt es immer schwer, ich muß immer alles auf dem Laufenden haben, weil ich es hasse, viel auf einmal machen zu müssen. Ich habe leider den Fehler bei zwei Kindern gemacht, daß ich es hier immer ordentlich und sauber haben wollte, nicht zuletzt, weil ja immer jedmand in der Tür stand, vor dem ich nicht als schlechte Hausfrau da stehen wollte. Doch das ist im Grunde unwichtig, wir sind keine Putzfrauen, wir sind Mütter!!!!

25 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Angel112

    05.06.2002, 14:39 Uhr von Angel112
    Bewertung: sehr hilfreich

    Tja zum lück wohnt der grösste Teil meiner Verwandschaft weit weg, wenn meine Schwiegereltern kommen dann hab ich hilfe und der rest, zumal wenn er unerwartet kommt, fliegt achtkantig wieder raus!

  • Dini2000

    22.05.2002, 19:29 Uhr von Dini2000
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich finde, jeder müßte sich doch denken können, dass mit einem Neugeborenen viel Streß zu Hause ist. Da kann man ja auch ein Weilchen warten bis man z.B. eingeladen wird um das Kind anzuschauen. Liebe Grüße, Nadine