Nachtzug (Taschenbuch) / Barbara Wood, Gareth Wootton Testbericht
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Erfahrungsbericht von SchwesterE
Ich will eine Epedemie
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ein Buch das mich unheimlich faszinierte, beeindruckte, erschreckte. Gleichzeitig ein Dokument über die schwärzeste Phase deutscher Geschichte, wie auch ein Meisterwerk der Bestsellerautorin Barbara Wood.
**Barbara Wood**
Barbara Wood wurde 1947 in England geboren und emigrierte schon früh in die USA. Dort besuchte sie die Universität, die sie aber nicht beendete. Statt machte sie eine Ausbildung zur chirurgischen Assistentin und arbeite als OP- Schwester, was wohl auch Basis für ihren teilweise ärztlichen Romane sein dürfte.
1976 veröffentlichte sie ihren ersten Roman und noch viele sollten folgen. Heute hat sie aus ihrem einstigen Hobby einen Beruf gemacht und wurde Schriftstellerin.
Barbara Wood schreibt meistens über außergewöhnliche Frauen an ungewöhnlichen Orten. Ob das nun eine Medizinstudentin, zu einer Zeit, zu der dieser Beruf für Frauen noch verpönt war oder über Archäologie ist. Immer wieder zeigt sie die Probleme der Frauen auf und zeigt mit ihren Titelheldinnen einen Teil der Emanzipation. Ohne aber als radikal zu wirken. Durchaus keine Emanzenromane!
Den Roman Nachtzug schrieb sie mit Gareth Wooton, einem Arzt und Universitätsprofessor, den sie durch ihre Arbeit am Krankenhaus kannte.
Da Babara Woods Vater polnischer Abstammung ist und bei Kriegsbeginn aus Polen nach England geflohen ist, hat sie selbst einen persönlichen Bezug und Interesse an der Vergangenheit des Heimatlands ihres Vaters.
** Nachtzug**
Die Haupthandlung des Buches spielt sich in Polen, genauer gesagt in Sofia ab.
Eingeleitet wird das Buch durch eine kleine Geschichte in der heutigen Zeit. In Buenos Aires wird ein Mann bei seiner täglichen Joggingrunde, quasi vor den Augen seines Leibwächters, erschossen.
Einige Zeit später taucht eine Frau in einer Arztpraxis in New York auf. Dabei hat sie eine Zeitung, in der über den Fall berichtet wird. Dadurch wird dem Arzt bewusst, dass er die Frau eventuell von früher kennen könnte.
Hier beginnt die Hauptstory.
1941
Der Soldat Hans Keppler befindet sich auf der Reise zu seiner Großmutter in Sofia. Er gehört einer der dunkelsten Gruppen der SS an und wird von Albträumen geplagt.
In Sofia wendet er sich an den Pfarrer Piotr Wajda und beichtet ihm.
Am selben Tag wird im örtlichen Krankenhaus ein Schwerverletzer Zigeuner eingeliefert. Er erzählte merkwürdiges. Sein Lager sei überfallen worden von SS- Leuten und seine ganze Sippe sei ermordet worden. Nur durch Zufall hätte er entkommen können. Der Arzt Jan Szukalski und seine Kollegin Maria Duszynska versuchen ihn zu retten um mehr über diese mysteriöse Geschichte zu hören, die keiner von ihnen glauben kann. Alles möglichst ohne dass Hauptsturmführer Dieter Schmidt Wind davon bekommt. Er ist quasi der Chef der SS in Sofia und terrorisiert und schikaniert die Einwohner wo er nur kann.
Abends treffen sich der Pfarrer und Jan. Der Pfarrer bricht sein Schweigegelübnis und erzählt dem Arzt von dem jungen Soldaten, der ihn aufgesucht hatte. Er bittet den Arzt um Hilfe, weil der junge Mann auf keinen Fall zurück möchte. Jan ist nicht gerade erfreut, aber er lässt sich darauf ein, sich den Mann mindestens mal anzusehen.
Als der total verängstigt wirkende Mann den Arzt aufsucht, muss der seine vorschnell getroffene Meinung ändern und sucht nach einer Möglichkeit ihm zu helfen.
Durch Zufall findet sich eine Möglichkeit. Welche und wie es genau weitergeht, ob sie es schaffen die Deutschen hinters Licht zu führen und für wie lange, das verrät euch das Buch. Ich schweige zum weiteren Inhalt.
Was noch erwähnt sein sollte, ist das zeitgleich eine Widerstandsgruppe verschiedene Anschläge macht und diese zum Teil auch ausführlich beschrieben werden.
Die Aktionen der Widerstandsgruppe gefährden beinah Jans „Projekt“, da niemand von Jans „Projekt“ weiß und er auch an die Drahtzieher der Widerstandsgruppe nicht dran kommt.
** Die Personen etc. **
Barbara Wood beschreibt sehr ausführlich die einzelnen Charakteren.
Mit viel Gespür und fast unbemerkbar, zeichnete sie von Dieter Schmidt ein sehr krasses Beispiel eines typischen Deutschen Soldaten. Dieser zieht kalt seine Sache durch. Als sein Posten quasi gefährdet zu sein scheint, versucht er mit allen Mitteln, alle nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Aber er gibt innerlich auf. Deutlich aufgezeigt durch seine panische Angst vor Krankheiten. Die Aktionen die er sich liefert, zeigen die „typische deutsche Reinlichkeit“.
Für Dieter Schmidt und auch Max Hartung (auch ein SSler, der eine wichtige Rolle in dem Buch spielt) sind recht geltungssüchtig. Hitler ist ihr Gott und seine Worte, ihre Gebote nach denen sie handeln. Alles was Hitler schlecht findet, finden auch sie schlecht. Und alles was nicht reinrassig deutsch zu sein scheint, ist menschlicher Abschaum. Dies wird an mehreren Beispielen aufgezeigt.
Jan Szukalski, der polnische Arzt, wird als schweigsamer aber sehr gewissenhafter Mensch dargestellt. Er besteht nicht auf seine Meinung oder seinen ersten Eindruck, sondern lässt sich auch mal vom Gegenteil überzeugen. Aus der Erzählung des Pfarrers war er Hans Keppler gegenüber ja erstmal negativ gegenüber eingestellt. Seine Meinung änderte als er den Mann persönlich kennen lernte.
Das Wichtigste in seinem Leben sind seine Frau und sein Sohn. Aber sein Beruf nimmt ihn ganz in Anspruch. Als er anfängt „gegen die Nazis zu kämpfen“, noch weniger. Aber bei allem was er macht, denkt er auch über die möglichen Folgen für seine Familie nach.
Er arbeitet sehr gewissenhaft und versucht nicht mehr Leute einzubeziehen als unbedingt notwendig, da er niemanden gefährden will.
Seine Arbeit macht er gründlich und ohne Kompromisse.
Für mich ist der Arzt einfach zu Jan geworden, so sehr ist er mir in den wenigen Stunden des Lesens ans Herz gewachsen. Mit welcher Selbstaufopferung er versucht bis zum Schluss zu kämpfen….
Maria Duszynska ist ihrem Kollegen und Vorgesetztem Jan sehr ähnlich. Auch sie ist mir so an Herz gewachsen, das sie für mich nur noch Maria ist.
Sie ist allein stehend und hat im Buch eine kurze Affäre mit Max Hartung. Erst später stellt sich raus das er der SS angehört. Davon ist sie schwer geschockt und alle ihre Gefühle für ihn sind dahin.
Sie steht voll hinter Jan und seiner Arbeit. Beide kämpfen schwer für die Sache. Auch sie ohne Rücksicht auf sich selbst.
Der Pfarrer Piotr Wajda. Ein Gottesmann der mehrfach gegen Gottes Gebote verstößt. Aber selbst als Christ könnte man ihm seine Taten nicht übel nehmen. Aber man leidet mit ihm förmlich mit. Spürt seine Zweifel. Trotzdem steht auch er voll hinter Jan und unterstützt ihn wo er nur kann. Teilweise mit für einen Pfarrer recht ungewöhnliche Aktionen. Dabei verliert er aber nie seinen Glauben an Gott.
Die Widerstandsgruppe lebt im Wald. Keiner weiß genau wo und nur wenige kennen sie. Sie werden zum Teil durch ein paar einzelne Dorfbewohner unterstützt, vor allem durch Lebensmittel. Aber auch im Kampf gegen die Nazis.
Barbara Wood beschreibt auch hier recht gut, die einzelnen Charaktere. Der hitzige junge Kämpfer und die ruhigeren älteren Männer. Man kann gut nachvollziehen was in den einzelnen vorgehen mag. Trotz der Widersprüche innerhalb der Gruppe, schaffen sie es eine Einheit zu bilden. Leider kann auch ihnen das nicht helfen…
Die Geschichte um die Widerstandsgruppe fand ich zeitweise ein wenig langwierig. Gut ich kenne das Buch auch, immerhin habe ich es bestimmt schon 5x gelesen. Aber diesmal ödete mich das ganze besonders an. Obwohl die wirkliche gute Sachen machten. Allerdings zeigte die Geschichte auch, wie schnell sich zwei so unterschiedliche Gruppierungen (einmal die Gruppe um Jan und dann die Widerstandsgruppe) ins Gehege geraten können. Wobei Jan noch annähern Gesetzeskonform handelte.
Ich fieberte aber eher mit Jans Gruppe und lass die Stellen zur Widerstandsgruppe schneller um schnell wieder \"bei\" Jan zu sein.
Die Bevölkerung Sofias. Über einzelne schreibt Frau Wood wenig, aber im gesamten stehen alle sich bei. Jan muss sein „Geheimnis“ irgendwann preisgeben und obwohl wirklich viele dann davon wissen, verrät ihn keiner.
Wer in dem Buch eine Abhandlung einer Religion oder einen von den unzähligen Tatsachenberichten über das Dritte Reich sucht, wird eventuell enttäuscht sein. Ich selbst bin sowohl an Tatsachenberichten über den Holocaust interessiert, habe mir das Buch aber gekauft, weil ich Barbara Wood einfach „liebe“. Es stellt sich dann für mich als ein Buch in 2 Kategorien raus. Einmal eben zum Thema Holocaust, und zum anderen eben als ein Buch von Barbara Wood. Allerdings eines der wenigen ihrer Bücher, das sich nicht mit einer Frau oder einer Gruppe von Frauen auseinandersetzt.
Man leidet mit den Menschen, aber es ist anders als in den Büchern die man sonst so zu dem Thema kennt. Meist wurden diese Bücher ja von Überlebenden geschrieben und sie geben ihre Geschichte wieder. Dies fällt hier weg. Obwohl sie, wie es in der Widmung erkennbar ist, auf Tatsachen beruht. Eher ein Buch in Richtung Schindlers Liste. Ein Bericht über Leute die damals einfach geholfen haben. Wobei ich in dem Buch Schindlers Liste Schindler selbst nicht sehr positiv empfunden habe, sondern eher als Raffzahn (man mag mir dies verzeihen, der Film belehrte mich besseren).
Barbara Wood hält sich in dem Buch nicht lange mit langatmigen Landschaftsbeschreibungen auf und das Buch lässt sich an sich leicht lesen. Man braucht weder medizinische, noch örtliche, noch geschichtliche Vorkenntnisse um der Handlung folgen zu können. Alles Wissenswerte gibt sie in wenigen Worten wieder. Beispiel: Warum Sofia so wichtig für die Deutschen ist.
Gleichzeitig schafft sie es, das man sich mit den Menschen identifizieren kann, bzw. eben auch nicht. Die Deutschen, zumindest was die Leute der SS angeht, sind einem mit wenigen Worten schon unsympathisch, wobei man allerdings Hans Keppler schnell lieb gewinnt.
** Äußerlichkeiten**
Nun noch ein wenig was zu dem Buch.
Ich habe die Taschenbuchausgabe vorliegen. Diese ist 1995 im Fischer Verlag erschienen. Ich habe damals 14.90 DM bezahlt. Mittlerweile müsste die Ausgabe ca. 8 € kosten. Auf Büchermärkten und Antiquariaten habe ich das Buch allerdings auch schon für wenig Geld gesehen.
Auf meiner Ausgabe ist ein in blau-schwarz-grau gehaltenes Bild eines Bahnsteigs zu sehen.
Der Titel mit Autorin ist in einem schwarzen gerahmten Feld zu sehen und der Titel des Buches hebt sich durch seinen rosa Farbton ab.
Der Untertitel des Buches heißt: Eine Stadt leistet Widerstand. Nicht ganz treffend, aber im Endeffekt stimmt das.
** Mein Fazit**
Jeder der Barbara Wood mag, sollte das Buch lesen. Auch für Leute die am Holocaust interessiert sind kann es lesenwert sein, wenn man nicht zu viele Hintergrundinformationen und Details zum Holocaust an sich erwartet. Als Roman zum Thema sehr zu empfehlen.
PS: Mir ist noch was als Anreiz für diejenigen Interessierten eingefallen, die ich noch nicht ganz überzeugt habe. Der Titel Nachtzug bezieht sich auf die Transporte nach Auschwitz.
Gruß, alex ( Dezember 2003 für yopi und ciao.com)
**Barbara Wood**
Barbara Wood wurde 1947 in England geboren und emigrierte schon früh in die USA. Dort besuchte sie die Universität, die sie aber nicht beendete. Statt machte sie eine Ausbildung zur chirurgischen Assistentin und arbeite als OP- Schwester, was wohl auch Basis für ihren teilweise ärztlichen Romane sein dürfte.
1976 veröffentlichte sie ihren ersten Roman und noch viele sollten folgen. Heute hat sie aus ihrem einstigen Hobby einen Beruf gemacht und wurde Schriftstellerin.
Barbara Wood schreibt meistens über außergewöhnliche Frauen an ungewöhnlichen Orten. Ob das nun eine Medizinstudentin, zu einer Zeit, zu der dieser Beruf für Frauen noch verpönt war oder über Archäologie ist. Immer wieder zeigt sie die Probleme der Frauen auf und zeigt mit ihren Titelheldinnen einen Teil der Emanzipation. Ohne aber als radikal zu wirken. Durchaus keine Emanzenromane!
Den Roman Nachtzug schrieb sie mit Gareth Wooton, einem Arzt und Universitätsprofessor, den sie durch ihre Arbeit am Krankenhaus kannte.
Da Babara Woods Vater polnischer Abstammung ist und bei Kriegsbeginn aus Polen nach England geflohen ist, hat sie selbst einen persönlichen Bezug und Interesse an der Vergangenheit des Heimatlands ihres Vaters.
** Nachtzug**
Die Haupthandlung des Buches spielt sich in Polen, genauer gesagt in Sofia ab.
Eingeleitet wird das Buch durch eine kleine Geschichte in der heutigen Zeit. In Buenos Aires wird ein Mann bei seiner täglichen Joggingrunde, quasi vor den Augen seines Leibwächters, erschossen.
Einige Zeit später taucht eine Frau in einer Arztpraxis in New York auf. Dabei hat sie eine Zeitung, in der über den Fall berichtet wird. Dadurch wird dem Arzt bewusst, dass er die Frau eventuell von früher kennen könnte.
Hier beginnt die Hauptstory.
1941
Der Soldat Hans Keppler befindet sich auf der Reise zu seiner Großmutter in Sofia. Er gehört einer der dunkelsten Gruppen der SS an und wird von Albträumen geplagt.
In Sofia wendet er sich an den Pfarrer Piotr Wajda und beichtet ihm.
Am selben Tag wird im örtlichen Krankenhaus ein Schwerverletzer Zigeuner eingeliefert. Er erzählte merkwürdiges. Sein Lager sei überfallen worden von SS- Leuten und seine ganze Sippe sei ermordet worden. Nur durch Zufall hätte er entkommen können. Der Arzt Jan Szukalski und seine Kollegin Maria Duszynska versuchen ihn zu retten um mehr über diese mysteriöse Geschichte zu hören, die keiner von ihnen glauben kann. Alles möglichst ohne dass Hauptsturmführer Dieter Schmidt Wind davon bekommt. Er ist quasi der Chef der SS in Sofia und terrorisiert und schikaniert die Einwohner wo er nur kann.
Abends treffen sich der Pfarrer und Jan. Der Pfarrer bricht sein Schweigegelübnis und erzählt dem Arzt von dem jungen Soldaten, der ihn aufgesucht hatte. Er bittet den Arzt um Hilfe, weil der junge Mann auf keinen Fall zurück möchte. Jan ist nicht gerade erfreut, aber er lässt sich darauf ein, sich den Mann mindestens mal anzusehen.
Als der total verängstigt wirkende Mann den Arzt aufsucht, muss der seine vorschnell getroffene Meinung ändern und sucht nach einer Möglichkeit ihm zu helfen.
Durch Zufall findet sich eine Möglichkeit. Welche und wie es genau weitergeht, ob sie es schaffen die Deutschen hinters Licht zu führen und für wie lange, das verrät euch das Buch. Ich schweige zum weiteren Inhalt.
Was noch erwähnt sein sollte, ist das zeitgleich eine Widerstandsgruppe verschiedene Anschläge macht und diese zum Teil auch ausführlich beschrieben werden.
Die Aktionen der Widerstandsgruppe gefährden beinah Jans „Projekt“, da niemand von Jans „Projekt“ weiß und er auch an die Drahtzieher der Widerstandsgruppe nicht dran kommt.
** Die Personen etc. **
Barbara Wood beschreibt sehr ausführlich die einzelnen Charakteren.
Mit viel Gespür und fast unbemerkbar, zeichnete sie von Dieter Schmidt ein sehr krasses Beispiel eines typischen Deutschen Soldaten. Dieser zieht kalt seine Sache durch. Als sein Posten quasi gefährdet zu sein scheint, versucht er mit allen Mitteln, alle nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Aber er gibt innerlich auf. Deutlich aufgezeigt durch seine panische Angst vor Krankheiten. Die Aktionen die er sich liefert, zeigen die „typische deutsche Reinlichkeit“.
Für Dieter Schmidt und auch Max Hartung (auch ein SSler, der eine wichtige Rolle in dem Buch spielt) sind recht geltungssüchtig. Hitler ist ihr Gott und seine Worte, ihre Gebote nach denen sie handeln. Alles was Hitler schlecht findet, finden auch sie schlecht. Und alles was nicht reinrassig deutsch zu sein scheint, ist menschlicher Abschaum. Dies wird an mehreren Beispielen aufgezeigt.
Jan Szukalski, der polnische Arzt, wird als schweigsamer aber sehr gewissenhafter Mensch dargestellt. Er besteht nicht auf seine Meinung oder seinen ersten Eindruck, sondern lässt sich auch mal vom Gegenteil überzeugen. Aus der Erzählung des Pfarrers war er Hans Keppler gegenüber ja erstmal negativ gegenüber eingestellt. Seine Meinung änderte als er den Mann persönlich kennen lernte.
Das Wichtigste in seinem Leben sind seine Frau und sein Sohn. Aber sein Beruf nimmt ihn ganz in Anspruch. Als er anfängt „gegen die Nazis zu kämpfen“, noch weniger. Aber bei allem was er macht, denkt er auch über die möglichen Folgen für seine Familie nach.
Er arbeitet sehr gewissenhaft und versucht nicht mehr Leute einzubeziehen als unbedingt notwendig, da er niemanden gefährden will.
Seine Arbeit macht er gründlich und ohne Kompromisse.
Für mich ist der Arzt einfach zu Jan geworden, so sehr ist er mir in den wenigen Stunden des Lesens ans Herz gewachsen. Mit welcher Selbstaufopferung er versucht bis zum Schluss zu kämpfen….
Maria Duszynska ist ihrem Kollegen und Vorgesetztem Jan sehr ähnlich. Auch sie ist mir so an Herz gewachsen, das sie für mich nur noch Maria ist.
Sie ist allein stehend und hat im Buch eine kurze Affäre mit Max Hartung. Erst später stellt sich raus das er der SS angehört. Davon ist sie schwer geschockt und alle ihre Gefühle für ihn sind dahin.
Sie steht voll hinter Jan und seiner Arbeit. Beide kämpfen schwer für die Sache. Auch sie ohne Rücksicht auf sich selbst.
Der Pfarrer Piotr Wajda. Ein Gottesmann der mehrfach gegen Gottes Gebote verstößt. Aber selbst als Christ könnte man ihm seine Taten nicht übel nehmen. Aber man leidet mit ihm förmlich mit. Spürt seine Zweifel. Trotzdem steht auch er voll hinter Jan und unterstützt ihn wo er nur kann. Teilweise mit für einen Pfarrer recht ungewöhnliche Aktionen. Dabei verliert er aber nie seinen Glauben an Gott.
Die Widerstandsgruppe lebt im Wald. Keiner weiß genau wo und nur wenige kennen sie. Sie werden zum Teil durch ein paar einzelne Dorfbewohner unterstützt, vor allem durch Lebensmittel. Aber auch im Kampf gegen die Nazis.
Barbara Wood beschreibt auch hier recht gut, die einzelnen Charaktere. Der hitzige junge Kämpfer und die ruhigeren älteren Männer. Man kann gut nachvollziehen was in den einzelnen vorgehen mag. Trotz der Widersprüche innerhalb der Gruppe, schaffen sie es eine Einheit zu bilden. Leider kann auch ihnen das nicht helfen…
Die Geschichte um die Widerstandsgruppe fand ich zeitweise ein wenig langwierig. Gut ich kenne das Buch auch, immerhin habe ich es bestimmt schon 5x gelesen. Aber diesmal ödete mich das ganze besonders an. Obwohl die wirkliche gute Sachen machten. Allerdings zeigte die Geschichte auch, wie schnell sich zwei so unterschiedliche Gruppierungen (einmal die Gruppe um Jan und dann die Widerstandsgruppe) ins Gehege geraten können. Wobei Jan noch annähern Gesetzeskonform handelte.
Ich fieberte aber eher mit Jans Gruppe und lass die Stellen zur Widerstandsgruppe schneller um schnell wieder \"bei\" Jan zu sein.
Die Bevölkerung Sofias. Über einzelne schreibt Frau Wood wenig, aber im gesamten stehen alle sich bei. Jan muss sein „Geheimnis“ irgendwann preisgeben und obwohl wirklich viele dann davon wissen, verrät ihn keiner.
Wer in dem Buch eine Abhandlung einer Religion oder einen von den unzähligen Tatsachenberichten über das Dritte Reich sucht, wird eventuell enttäuscht sein. Ich selbst bin sowohl an Tatsachenberichten über den Holocaust interessiert, habe mir das Buch aber gekauft, weil ich Barbara Wood einfach „liebe“. Es stellt sich dann für mich als ein Buch in 2 Kategorien raus. Einmal eben zum Thema Holocaust, und zum anderen eben als ein Buch von Barbara Wood. Allerdings eines der wenigen ihrer Bücher, das sich nicht mit einer Frau oder einer Gruppe von Frauen auseinandersetzt.
Man leidet mit den Menschen, aber es ist anders als in den Büchern die man sonst so zu dem Thema kennt. Meist wurden diese Bücher ja von Überlebenden geschrieben und sie geben ihre Geschichte wieder. Dies fällt hier weg. Obwohl sie, wie es in der Widmung erkennbar ist, auf Tatsachen beruht. Eher ein Buch in Richtung Schindlers Liste. Ein Bericht über Leute die damals einfach geholfen haben. Wobei ich in dem Buch Schindlers Liste Schindler selbst nicht sehr positiv empfunden habe, sondern eher als Raffzahn (man mag mir dies verzeihen, der Film belehrte mich besseren).
Barbara Wood hält sich in dem Buch nicht lange mit langatmigen Landschaftsbeschreibungen auf und das Buch lässt sich an sich leicht lesen. Man braucht weder medizinische, noch örtliche, noch geschichtliche Vorkenntnisse um der Handlung folgen zu können. Alles Wissenswerte gibt sie in wenigen Worten wieder. Beispiel: Warum Sofia so wichtig für die Deutschen ist.
Gleichzeitig schafft sie es, das man sich mit den Menschen identifizieren kann, bzw. eben auch nicht. Die Deutschen, zumindest was die Leute der SS angeht, sind einem mit wenigen Worten schon unsympathisch, wobei man allerdings Hans Keppler schnell lieb gewinnt.
** Äußerlichkeiten**
Nun noch ein wenig was zu dem Buch.
Ich habe die Taschenbuchausgabe vorliegen. Diese ist 1995 im Fischer Verlag erschienen. Ich habe damals 14.90 DM bezahlt. Mittlerweile müsste die Ausgabe ca. 8 € kosten. Auf Büchermärkten und Antiquariaten habe ich das Buch allerdings auch schon für wenig Geld gesehen.
Auf meiner Ausgabe ist ein in blau-schwarz-grau gehaltenes Bild eines Bahnsteigs zu sehen.
Der Titel mit Autorin ist in einem schwarzen gerahmten Feld zu sehen und der Titel des Buches hebt sich durch seinen rosa Farbton ab.
Der Untertitel des Buches heißt: Eine Stadt leistet Widerstand. Nicht ganz treffend, aber im Endeffekt stimmt das.
** Mein Fazit**
Jeder der Barbara Wood mag, sollte das Buch lesen. Auch für Leute die am Holocaust interessiert sind kann es lesenwert sein, wenn man nicht zu viele Hintergrundinformationen und Details zum Holocaust an sich erwartet. Als Roman zum Thema sehr zu empfehlen.
PS: Mir ist noch was als Anreiz für diejenigen Interessierten eingefallen, die ich noch nicht ganz überzeugt habe. Der Titel Nachtzug bezieht sich auf die Transporte nach Auschwitz.
Gruß, alex ( Dezember 2003 für yopi und ciao.com)
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