Yves Saint Laurent Opium - Eau de Toilette Testbericht

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ab 73,25
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Summe aller Bewertungen
  • Geruch:  durchschnittlich
  • Ergiebigkeit:  sehr ergiebig

Erfahrungsbericht von Crazy666

Und täglich grüsst der Moschus-Ochse...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Viele, viele Dinge, die ich während meiner Teenagerzeit gedacht und getan habe, erscheinen mir aus heutiger Sicht doch recht rätselhaft – warum habe ich mich ausschliesslich in schwarze wallende Samtgewänder gehüllt, mir das Gesicht weiss und Augen und Lippen schwarz geschminkt? Warum habe ich von morgens bis abends Lacrimosa gehört und den Sänger Tilo für’n echt scharfen Hasen gehalten? Warum habe ich die Wände meines Zimmers schwarz gestrichen und den Riesenärger von Mutti dafür einkassiert? Warum wollte ich mir einen Sarg ins Zimmer stellen? (was zum Glück von Muttern unterbunden wurde – zum Glück, denn das ein Sarg im Schlafzimmer der eigenen geistigen Gesundheit nicht sehr zuträglich ist, konnte man unlängst am Beispiel des Wittener Ehepaars Ruda lernen!)

Und warum, warum habe ich jemals 169,90 DM für ein Parfüm namens „Opium“ aus dem Hause Yves Saint Laurent ausgegeben, wo ich doch für das Geld 5 CD’s von meinen favorisierten Gruftie-Jammer-Bands hätte kaufen können? Die einzige Entschuldigung für diesen Kauf ist die Tatsache, das in der Pubertät die Hormone verrückt spielen und wahrscheinlich dadurch auch der Geruchssinn nicht wirklich funktionstauglich ist...das hoffe ich zumindest, denn sonst weiß ich nicht, wie ich mich rausreden könnte!

Ok, ich war jung...sehr jung...so um die 13, 14 Jahre, als ich im Kaufhaus nach einem Parfüm suchte, das mein leicht morbides Äußeres stilgerecht unterstreichen sollte. Als ich die gold-schwarz-rote Verpackung mit der Aufschrift „OPIUM“ im Regal sah, schoss mir augenblicklich ein Lied selben Namens der Band Moonspell durch den Kopf (ja, Lemmy, das wird Dich freuen – MOOOONSPELL!) „ Erotic motions of lesser gods in ecstasy, Opium, bring me forth another dream“...wie überaus sinnig (weiter ging’s mit „Opium, it burns me and you“...das ignorierte ich) – und weil ich schon immer der Meinung war „Wenn schon, dann RICHTIG“ kaufte ich gleich die grösste Pulle mit 50 ml Eau de Parfum zum besagten Preis, schliesslich hatte Omma ja zum Geburtstag ordentlich was springen lassen, „damit datt Kind sich mal watt Gescheites zum Anziehen kaufen kann“...naja...“watt Gescheites“ ist halt ein sehr dehnbarer Begriff...

Gut, so ging ich halt ein paar Jahre mit einer Dunstwolke „Opium“ um mich herum durch’s Leben, irgendwann landete dann die 3. oder 4. Nachfolger-Flasche des Gebräus in der Schublade und vor ein paar Tagen, nach über 5 Jahren, fand’ ich das Pülleken bei der Suche nach meinem Sozialversicherungsausweis wieder. Mit verzücktem Grinsen, das man immer beim Angucken alter Fotos oder Anhören alter CD’s (NICHT bei Lacrimosa, das will ich mal betonen!) an den Tag legt, sprühte ich mich ein paar Tröpfchen des Wässerchens auf’s Handgelenk, schnüffelte und erstarrte...aaargh....FENSTER AUF, ich ersticke!!! Es war, als wenn sich ein Moschusochse auf meine Brust gesetzt hätte, ich war ausserstande zu atmen und ein Schwindelgefühl stellte sich ein....Luuuft.....Luuuuuuft.....

Der Geruch dieses Parfüms war einfach grauenvoll, süss, schwer, moderig und muffelig – kein Wunder, das ich in meiner Pubertät kaum Freunde hatte! Aber irgendwie musste doch was dran gewesen sein....damals hatte ich jedenfalls keine Erstickungsanfälle und irgendwann sogar mal einen Freund (der aussah wie Tilo Wolff himself!!). Naja, und ausserdem war die Flasche schon einige Jahre alt, vielleicht gärt Parfüm im Laufe der Jahre oder das Wasser kippt um oder sonst was, so furchtbar-moderig-moschusig KONNTE und DURFTE ich damals nicht gestunken haben!

Deswegen zerrte ich meinen Hasen heute beim Einkaufsbummel zu Douglas, um mir eine frische Probe dieses einst heissgeliebten „Opiums“ unter die Nase zu halten, und ich musste erstmal etwas länger suchen, bis die in Duftwolken gehüllte Verkäuferin mich in die Ecke zu den „Klassikern“ schickte...“klassisch“ kommt irgendwie hin...haha....
Und siehe da –ich sprühte, ich roch, ich röchelte, mein Hase röchelte und der Geruch war genauso schauderhaft wie der, den in daheim aus der Schublade gefischt hatte!

Aber irgendwas muss doch dran sein – schliesslich verkauft sich das Moderwasser schon seit 1977 und manche Parfümerie-Seiten im Netz erdreisten sich sogar, dieses Parfüm mit Beschreibungen wie „eine einzigartige orientalische Verführung“ zu umschreiben – Verführung? Wenn man den Umgarnten direkt ins Koma fallen lassen will, ist Opium zu empfehlen, aber dann ist er erstickt und mit der Verführung ist Essig....
Eine andere Beschreibung ist „Mit einer berauschenden Komposition aus blumigen Noten von Rosen, Nelken, Maiglöckchen, Jasmin und Myrrhe, intensiv-würzigen Akzenten aus Sandelholz, Pfeffer, Gewürznelken, Patchouli, Siam-Benzoe, Vanille und Ambra, vervollkommnet durch eine Nuance Koriander, ist diese Kreation zu einem unumstrittenen Klassiker geworden, hervorragend geeignet für besondere, abendliche Anlässe.“ Wenn man die Worte „berauschend“ durch „erdrückend“ ersetzt und „intensiv würzig“ durch „unbeschreiblich süss und moderig“, dann kommt’s schon hin....und was mit einem „besonderen abendlichen Anlass“ gemeint sein soll, ist mir schleierhaft....das alljährliche Treffen der Untoten vielleicht?

Und falls mir jemand mit „Auf die Dosierung kommt’s an“-Sprüchen kommt.....ich hatte in der Parfümerie nur ein paar Tröpfchen auf einem Papierstreifen....trotzdem hat sich der Opium-Moschusochse beharrlich in meine Nasenschleimhaut gekrallt und ist erst nach Stunden verflogen, es ist schauderhaft.

Und falls jemand eine Partnerin hat, die auf „Opium“ schwört, soll er sich nicht über „Tut mir leid, Schatz, heute nicht, ich hab’ Kopfschmerzen“-Aussagen wundern!

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